blaue Bluse Burda 3/2018
Nähen

Fast ein Hosenanzug – monochrom in Blau

Bluse: Burda 3/2018

Eines meiner Lieblingsprojekte von den neueren.

Meine selbst genähten Sachen teile ich in meinem Kopf in zwei Abschnitte – die, die vor meiner Schwangerschaft entstanden sind, und die, die ich nach einer 13-monatigen Pause danach gemacht habe. Die Kleidungsstücke „danach“ sind meistens einfacher und schneller zu erstellen, aus Zeit- und Motivationsgründen. Da die Projekte auch dazu dienen sollen, meinen großen Stoffvorrat abzubauen, sind sie möglicherweise weniger gut geplant und durchdacht, als zu der Zeit, als ich für jede meiner Ideen einen Ausflug in ein gut sortiertes Fachgeschäft machen konnte. Ich freue mich, dass trotz der Einschränkungen regelmäßig schöne und vor allem tragbare Sachen meinen Kleiderschrank bereichern – nähen ist in der Tat wie Zaubern können!

Burda Schnittmuster Hose und Bluse

Die Hamburg-Bluse

Im vergangenen Jahr, als mein Sohn gerade mal ein halbes Jahr alt war, haben wir ein paar Wochen in Hamburg verbracht. Das Fliegen mit einem unruhigen aufgeweckten Baby war nie auf meiner „100 Amazing Things To Do Before You Die“ Liste, aber mein Mann musste auf eine längere Dienstreise fahren und wir durften mit.

Da die Dienstwohnung nur einen Katzensprung von seiner Firma lag, habe ich ihn regelmäßig mit dem Kinderwagen von der Arbeit abgeholt.

Es war ein eigenartiges Gefühl, den Kinderwagen durch eine Gegend zu schieben, in der es keine Wohnungen, sondern nur Konzern-Gebäude, Lagerhallen, Parkplätze und Restaurants gibt. Sogar im Haus, wo wir gewohnt haben, gab es keine weiteren Wohnungen, sondern nur Anwaltskanzleien. (Welchen Champagner trinken Anwälte eigentlich? Sie haben sich bestimmt alle zusammengetan und einige Korken knallen lassen, als wir Ende September wieder abgereist sind – unser kleines aber sehr lautes Baby hatte auch ein paar, ähm, nicht so gute Tage in Hamburg).

Es war sicher bereits am ersten oder zweiten Abend, als ich die Frau im blauen Hosenanzug das Konzerngelände verlassen und ihrem Feierabend entgegen treten sah. Der Anzug war dunkelblau, schmal geschnitten, die Hose war 7/8 lang. Dazu trug sie strahlend weiße, perfekt neue Sneaker.

„Also so kleidet man sich momentan im Büro“, dachte ich. In den vergangenen 15 Monaten habe ich nichts anderes als langweilige Jersey-Schwangerschaftsteile und süße Babyoutfits angeschaut und eingekauft, es hat mich auch nichts anderes interessiert. 15 Monate – die genau in diesem Augenblick schlagartig vorbei waren. „Das trägt man 2018 im Büro, aha.“

blaue Bluse Burda 3/2018

Zu Hause wartete eine vor der Dienstreise zugeschnittene Bluse auf mich. Ich habe tatsächlich früher zu nähen angefangen, als mich wieder für Kleidung zu interessieren.

Kein Ruck-Zuck Modell

Ich habe mich für diese Bluse aus Burda 3/2018 entschieden, da es ein Kurzgrößen-Modell ist (in Größen 17 bis 21) und ich somit keine Änderungen durchführen musste. Außerdem hatte ich 2 Meter schweren Polyester-Krepp daheim, den ich vor Urzeiten sehr günstig gekauft habe (2 Euro pro Meter, glaube ich). Mittlerweile kaufe ich ja keine synthetischen Stoffe für Oberteile mehr. Ich dachte anfangs, es ist keine optimale Entscheidung, „nur“ eine Bluse aus dem Stoff zu nähen, es bleibt bestimmt ein mittelgroßer Rest über, mit dem man nichts anfangen kann. Aber diese Bluse ist ein Stofffresser: es ist kein Rest über 20cm geblieben, und kleinere Abschnitte werfe ich kompromisslos weg.

Blaue Bluse, blaue Hose, hellblauer Cardigan

Beim Nähen wird einem nicht langweilig: 13 Schnittmusterteile (von denen einige natürlich doppelt zugeschnitten werden), etliche Abnäher, Raffungen an 8 (!) Stellen, und drei Kellerfalten. Aber ich kann mich an keine besonderen Schwierigkeiten erinnern, und ich habe auch kein Probemodell erstellt. Die Bluse fällt sehr locker, außerdem kann man die Passform zum Schluss beim Platzieren der Druckknöpfe nachjustieren. Ich habe mich nicht an die Angaben auf den Schnittmusterteilen gehalten, sondern die Lage der Knöpfe auf der fertigen Bluse bei der Anprobe markiert.

Blaue Bluse Schnittmuster Burda mit Passe, Schößchen und Kellerfalten
Die Arbeit zahlt sich definitiv aus. Aber trotzdem: 8 Raffungen! 3 Kellerfalten!

Trotz des Aufwands würde ich die Bluse definitiv noch einmal nähen – sobald ich einen passenden Stoff finde, der fließend und schwer ist, und gleichzeitig etwas Stand hat. Er muss auf jeden Fall wieder einfärbig sein – Burda hat einen Fehler gemacht, finde ich, die Bluse in einem wild bedruckten Stoff zu präsentieren. Wegen dem Print habe ich gar nicht gesehen, wie schön sie eigentlich ist. Wie bereits erwähnt, habe ich sie nur genäht, weil ich ein Kurzgrößenmodell von Burda ausprobieren und den blauen Krepp endlich verarbeiten wollte.

Blaue Bluse und Hose, beides Schnittmuster Burda

Halbes Jahr später

Ende Oktober war die Bluse fertig; in der kalten Jahreszeit habe ich sie nicht mehr angezogen, nur einmal mit einer beigen Jeans anprobiert und zufrieden zu den Sommersachen abgelegt. Im April kam endlich der Frühling und all das frische Grün, das man auf den Fotos gar nicht sieht. Für das Shooting beschloss ich, die Bluse mit dieser blauen Hose zu kombinieren (ebenfalls ein Burda-Modell). Da wir nachher einen schönen langen Spaziergang und ein Abendessen planten, mussten natürlich auch meine neuen Turnschuhe her. Nach den täglichen Kinderwagen-Halbmarathons des ersten Babyjahres musste ich alle meine flachen Schuhe austauschen.

Und dann erinnerte ich mich plötzlich an den sonnigen September in Hamburg und die hübsche Businessfrau aus dem Konzern. Ich hatte mein neues Traumoutfit fürs Büro an.

Das Gesamtoutfit

Blaue Hose und Bluse Schnittmuster Burda

Bluse: Burda 3/2018 115B

„Torero-Hose“: Burda 2/2016 114

Cashmere-Cardigan: Christian Berg

Schuhe: Lacoste

Liebe Grüße und bis bald!

 

Rosa Vintage Kleid gekräuselter Rock
Nähen

Ein Vintage Traum in Zartrosa

Es ist wieder Zeit für ein Vintage Projekt hier auf dem Blog. Zur Zeit nähe und trage ich gerne aktuelle Kleidung (meine allerliebste Kombi: eine alte graue Jeans kombiniert mit einem altem grauen Schwangerschaftsshirt, ach, was würden die anderen Sandkasten-Mamas lachen, wenn sie wüssten, dass ich einen ähm, „Fashion“-Blog führe…). Aber meine Vintage-Kleider, das ist eine ganz  besondere Liebe, der ich immer treu bleiben werde.

Nach diesem Projekt, das nach einem Vogue Reproduktionsschnitt entstanden ist, habe ich mich bereits zwei Mal an originale Schnittmuster aus den 40er und 50er Jahren gewagt. Das zweite Kleid – das eigentlich das frühere ist – muss ich erst verbloggen; heute zeige ich das spätere und das einfachere der beiden.

Das Schnittmuster

Original Vintage Schnittmuster

Butterick 6590, ein typischer Etsy-Fund, mit Versandkosten drei Mal so hoch, wie das Schnittmuster gekostet hat. Und ja, ich habe es in der gleichen Farbe wie auf dem Umschlag genäht. ))

Ich hatte einen unbekannten Stoff mit einem hohen Synthetik-Anteil, den ich um 3 Euro/Meter bekommen habe – anders kann man sich die stofffressenden Vintage-Kleider ja fast nicht leisten! Deshalb habe ich mich im letzten Moment wieder für die ärmellose Version C entschieden – ich bin ein Hitzkopf, und in Synthetik schwitze ich nicht gern. Wenn ich einmal genug Seide oder Baumwolle habe, würde ich gerne die Version mit langen Ärmeln nähen – die beiden Abnäher am Ellbogen sind entzückend, ich würde nur zu gerne sehen, wie sie sich auf die Passform auswirken!

Vintage Kleid selbstgenäht

Das Kleid ist denkbar einfach zu nähen: sechs Teile, vier Abnäher und ein Reissverschluss. Die Vintage Anleitungen sehen bei Kleidern nie ein Futter vor; die Damen trugen damals Unterkleider und Petticoats. Es ist auch wesentlich günstiger, da stoffsparender, ein, zwei Unterkleider zu nähen, als jedes Kleid extra mit einem Futter zu versehen.

In meiner Sammlung habe ich auch ein Schnittmuster für ein Unterkleid aus den fünfziger Jahren, mit einer tief angesetzten Taille und ausladendem Rock – mal sehen, ob ich noch in diesem Leben dazu komme… Das rosa Kleid ist auf jeden Fall ohne Futter und einen „modernen“ Petticoat kann ich darunter auch nicht tragen, da er auf der natürlichen Taille gekräuselt ist und nicht erst ab der Hüfte. Finde ich für ein luftiges Sommerkleid auch okay.

Rosa Vintage Kleid mit weitem Rockteil, tiefe Taille

 

Meine Anpassungen

Da ich bereits ein Original Vintage Kleid genäht habe, das exakt auf meine Maße zugeschnitten sein müsste (bzw. sogar kleiner, denn 30 inch sind 76 cm, keine 78!) und das viel zu weit in der Oberweite geworden ist, habe ich hier zum ersten Mal eine SBA (Small Bust Alteration, das Gegenteil der Anpassung für volle Brüste) vorgenommen. Und das gleich auf dem abgepausten Schnittmuster, ohne auch nur ein Probemodell zu nähen.

Rosa Vintage Kleid, Holzpferd

War es sinnvoll? Keine Ahnung. Der Kimono-Ärmel sieht ja eine bestimmte Mehrweite für die Bewegung vor. Möglicherweise hätte ich mir damit die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, wenn ich die Version mit den langen Ärmeln genäht hätte. Und ich habe nur 2cm Weite weggenommen. Vielleicht hätte man auch keinen Unterschied gemerkt, wenn ich es gleich gelassen hätte.

Aber das Kleid passt gut, liegt schön an, und ich weiß nun, dass ich mich vor einer SBA nicht fürchten muss. Ging in 10 Minuten!

Weiteres Fazit: von den alten Schnittmustern der New York Patterns lasse ich lieber die Finger, die alten Butterick Schnittmuster scheinen hingegen gut zu meiner Figur zu passen. Über die modernen Buttericks habe ich ja oft genug gelesen, dass sie vieel zu viel Mehrweite hinzugeben…

Vintage Kleid runder Halsausschnitt

Nach einer gelungenen SBA (zumindest sah das Schnittmuster plausibel aus) war ich im richtigen Anpassungswahn, die 10 investierten Minuten waren mir nicht genug! Da das Kleid eine Naht in der vorderen Mitte vorsieht, war für mich der richtige Moment gekommen, die exotischste Anpassung vorzunehmen, von der ich je gehört habe.

Es hört sich nur zu lustig an: eine Anpassung für einen extra flachen Bauch. Davon habe ich mal vor Jahren in einem russischen Schneiderinnen-Forum gelesen, ansonsten ist es mir noch nie untergekommen. Die Grundidee ist die, dass wenn eine Frau sehr schlank ist, dann stehen ihre Rippen im Vergleich zum flachen Bauch etwas hervor. Wenn man dann die Figur im Profil anschaut, „hängt“ der Stoff des Kleides von den Rippen gerade runter, anstatt sich an den Bauch anzuschmiegen. Mit Hilfe eines 1cm breiten vertikalen Abnähers direkt auf der Taille wird der Stoff dazu gebracht, der natürlichen etwas einfallenden Linie zu folgen.

Rosa Vintage Kleid mit weitem Rockteil

Zugegeben, eine etwas unnötige „Luxusänderung“, aber sie erfüllt ihren Zweck gut. Nach der Geburt meines Sohnes und vielen Monaten ohne nennenswerten Sport bin ich zwar schlank, aber bei weitem nicht so durchtrainiert, wie ich es mal war. Diese kleine Anpassung macht zumindest optisch einen sportlichen „Hungerbauch“, den ich früher hatte und an mir mochte. Sollte mir irgendwann wieder ein figurbetontes Schnittmuster mit einer mittigen Naht unterkommen, würde ich diese Anpassung wieder machen.

Und da ich schon dabei war, habe ich im unteren Rücken einen horizontalen Abnäher aufgeschnitten und 1 cm weggenommen. Das war meine Anpassung fürs Hohlkreuz.

Rosa Vintage Kleid gekräuselter Rock

Das Kleid passt genau, hat sehr wenig Bequemlichkeitszugabe, aber in Bewegung bildet es dennoch viele kleine Fältchen. In dem Schneiderinnen-Forum habe ich gelesen, dass die vielen geschickt platzierten Abnäher in den alten Schnittmustern genau diesen Effekt bewirken sollen. Es soll suggerieren, dass die Trägerin noch schlanker sei, als sie aussieht, denn ihr Kleid sei ihr einen Tick zu groß!

Ich weiß nicht, ob es damit wirklich was auf sich hat, aber es gefällt mir, wie das Kleid an mir aussieht. Außer…

Die wichtigste Anpassung, die ich jedoch nicht vorgenommen habe

„Wird schon passen,“ dachte ich. Die Frauen damals waren ja kleiner als heute.

Mag schon stimmen, aber wir sprechen hier nicht vom Neandertaler-Zeitalter, und der durchschnittliche Mensch war 1950 nicht 159 cm groß! Wann werde ich es endlich lernen, ich muss das Oberteil immer kürzen. Somit ist die Taille hier nicht nur tief, sondern eindeutig zu tief angesetzt. Meh. Weitere 10 Minuten für eine Anpassung, die ich mir einfach eingespart habe. Auch war mir nicht bewusst, dass die schweren Rockbahnen das Oberteil noch mehr runterziehen würden.

Sollte ich das Kleid jemals wieder nähen, kommen da mindestens 2 cm weg. Dieses Kleid werde ich aber trotzdem gerne tragen. Die hyperbolisch tiefe Taille erinnert mich an die Cocktail-Kleider meiner Mutter aus den 80ern – und das ist ja auch irgendwie Vintage!

Vintage Kleid 50er Jahre weiter Rock
Keine Cocktails, aber Wein 😉

Cheers und bis zum nächsten Mal!

Juli

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michou-loves-vintage.de : Gebluemte Sommerbluse oder der grosse Murks plus Linkparty

MeMadeMittwoch

Isabel Kraemers "westbourne" Pullover, gestrickt in Rowans "Felted Tweed" Garn.
Stricken

Wieder einmal Tweed in Violett – der „Westbourne“ Pullover

Bevor die Temperaturen weiter steigen und Wollprojekte für die nächsten Monate an Aktualität verlieren, möchte ich ein weiteres Strickprojekt vorstellen. Keine Sorge, meine lieben nähbegeisterten Leserinnen, ich habe auch noch einige Nähprojekte, die der Veröffentlichung harren! Aber die warmen Kleidungsstücke sind im Winter viel angenehmer zu fotografieren…

Isabel Kraemers

Keine neuen Garne und Stoffe in der Karenz!

War auf jeden Fall mein Vorsatz. Zum Einen, da ich im Vorhinein kaum wissen konnte, ob und wann ich wieder zum Nähen und Stricken kommen würde, und zum Anderen hatte ich endlich einen vernünftigen Grund für die Einschränkung. Gesteigerte Ausgaben bei verringertem Einkommen – wie schön, wenn man da aus Vorräten schöpfen kann und so regelmäßig neue schöne Kleidung quasi „kostenlos“ bekommt!

Nun liegen bereits zwei Drittel meiner Karenzzeit (ich weigere mich, es als Karenz“urlaub“ zu bezeichnen! Der härteste Job, den ich je gemacht habe…) hinter mir und der Plan ist… – eigentlich überhaupt nicht aufgegangen, aber ich bin dennoch sehr zufrieden mit mir.

Denn:

  • Ich habe etliche neue Sachen gestrickt und dementsprechend alte Wolle verbraucht. Bis auf zwei Reinfälle, die ich für den Buben in Größe 74 gestrickt habe und die etwa zwei Mal getragen wurden, trage ich die Sachen auch gerne und viel.
  • Ich nähe! Regelmäßig! Fast jeden Abend 20 bis 40 Minuten. Das ist nicht viel für so ein zeitfressendes Hobby, aber es kommt einiges an Zeit zusammen. Im Durchschnitt brauche ich etwa sechs Wochen für ein fertiges Projekt. Ich nehme mir allerdings nichts Komplexes vor und bleibe bei Blusen, Röcken und Kleidern. (Vielleicht nähe ich mir endlich einen Mantel, sobald ich ein Schulkind daheim habe… ) Somit sollten meine Vorräte eigentlich schrumpfen….

Aber – zu großen Teilen ist mein Plan auch nicht aufgegangen.

  • Ich bin so geizig! Das ist ja schon peinlich! Ich kaufe Wolle für einen Pullover für mich (ich bin doch so schlank und klein!) und dann reicht sie höchstens für meinen Sohn (für den ich, wie schon mal erwähnt, nicht stricke, denn zB. Banane lässt sich aus Wolle gar nicht rauswaschen!). Zum Glück sind die meisten Garnqualitäten aus meinen Vorräten noch erhältlich, somit kann ich das Problem umgehen. Den Höhepunkt stellt ein Cardigan dar, den ich in diesem Blog noch vorstellen werde. Für den hatte ich vier Knäuel aus meinem Vorrat zum Start und musste sieben (!) Knäuel nachkaufen… Das heißt, ich kaufe sehr wohl neue Wolle, und wie!
  • Auch wenn ich einen festen Vorsatz gefasst habe, keine Stoffe mehr zu kaufen, auf Reisen und vor Hochzeiten kann ich einfach nicht widerstehen. Beides war im ersten Babyjahr eigentlich auch nicht geplant… Zum Glück kann ich weder auf den Chef meines Mannes noch auf die Freunde meiner Freundinnen einen Einfluss nehmen. Wir wurden als Familie auf eine lange Dienstreise geschickt und zwei Freundinnen verlobten sich. Ist doch schön. Die Bilanz: 6 neue Seidenstoffe. Zumindest nehmen sie wenig Platz ein….

Isabel Kraemers

Nur drei Knäuel nachgekauft

Der „Westbourne“ Pullover von Isabell Kraemer ist natürlich auch so ein Nachkauf-Projekt, trotz der 3/4 Ärmel. Gestartet mit vier Knäuel der Rowan Felted Tweed Wolle und drei Knäuel habe ich nachgekauft.

Das ist ganz offiziell mein erster Pullover, der so lang geworden bin, wie ich es mir wünsche. Sonst hatte ich nie die Ausdauer dazu. Während ich diesen Pullover beendet habe, musste ich viel Willenskraft aufbringen und das Bild in meinem Kopf von einem knie- oder gar wadenlangen Teil immer wieder ausblenden. Geholfen hat mir dabei natürlich, dass ich die extra nachgekaufte Wolle nicht unangetastet lassen wollte. Sieh da – die Länge ist perfekt!

Die Anleitung

Einzelanleitungen sind im Vergleich zu Strick-Zeitschriften, die es mittlerweile wie Sand am Meer gibt, nicht ganz günstig. Zumal ein Pullover-Modell in aller Regel nur einmal gestrickt wird, während Schnittmuster von den meisten Näherinnen (und von mir ganz besonders!) gerne reproduziert werden. Vielleicht ticke ich da als Näherin sowieso anders, aber diese Anleitung ist nicht nur ihr Geld wert, sie hat für mich auch das Zeug für eine Massenproduktion im Rahmen meines Kleiderschranks.

Die Anleitung ist sehr verständlich und einfach zu befolgen, selbst für mich als Gelegenheits-Strickerin. Trotz der kleinen Nadelstärke (3,5) geht es sehr flott voran, insbesondere nach den Armausschnitten, wenn es einfach in Runden glatt rechts weitergeht.

Isabel Kraemers "westbourne" Pullover, gestrickt in Rowans "Felted Tweed" Garn.
Hier sieht man die „falsche“ Seitennaht, sie ist nur dazu da, um den Streifenbeginn zu verstecken, der sonst leicht versetzt wäre. Der Pullover ist in Runden gestrickt.

In der Anleitung werden zwei Varianten des Pullis vorgestellt. Die „Tag“-Version hat dunkle Streifen auf hellem Untergrund und lange Ärmel, die ebenfalls gestreift sind. Die „Nacht“-Version hat helle Streifen auf dunklem Untergrund und einfärbige 3/4 Ärmel. Wie man sieht, habe ich mich ziemlich genau an die Nacht-Version gehalten. Ich habe nur die Ärmel um 3 cm verlängert und zwei Streifen auf linkem Ärmel eingefügt.

Varianten

Der Pullover ist leicht tailliert – auch da habe ich mich exakt an die Anleitung gehalten. Vor allem, da ich ein längeres Modell wollte. Ich kann mir aber auch vorstellen, eine cropped-Version des Pullovers zu machen: Für die kurze Version würde ich eine oder zwei Größen raufgehen und statt den Abnahmen für die Taillierung Zunahme-Runden einfügen.

Für mein nächstes Projekt mit dieser Anleitung plane ich einen langen (länger als dieses Modell, falls die Wolle reicht) weißen Pullover eine Größe größer, also S statt XS. Denn der violette Pullover hat eine beinahe zu gute Passform in Anbetracht des aktuellen Oversize-Trends.

Isabel Kraemers "westbourne" Pullover, gestrickt in Rowans "Felted Tweed" Garn.

Das gesamte Outfit

Mantel: Mango

Pullover: Isabell Kraemer „Westbourne“, die Nachtversion, gestrickt mit Rowans „Felted Tweed“ Garn in Farben Amethyst und Gelb, das wohl vom Markt genommen wurde.

Jeans: Patrizia Pepe

Schuhe: Pier One

Isabel Kraemers "westbourne" Pullover, gestrickt in Rowans "Felted Tweed" Garn. Das Gesamtoutfit

Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal mit einem Nähprojekt!

 

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere
Stricken

Eine Babydecke aus Kaschmir

Eineinhalb Jahre war es hier still auf dem Blog. Ich habe weiter genäht und gestrickt, mal mehr, mal weniger, auch neue Sachen getragen (eher weniger) und in erster Linie ein Baby bekommen, das seit ein paar Wochen kein Baby mehr ist. Als ich diesen Beitrag schreibe, geht es mir bereits miserabel, aber ich weiß es noch nicht, dass ich schwanger bin. Hier trage ich bereits mit Stolz meine erste Schwangerschaftshose und fühle mich genau so mies wie ich auf den Fotos aussehe 🙂

Dadurch, dass die Schwangerschaft keine einfache war, habe ich wenigstens keine Babykleidung genäht. Ich habe natürlich ein paar Bücher dazu gekauft, aber unangetastet wieder verkauft. Als ich in den ersten drei Lebensmonaten meines Babys beobachtet habe, wie er aus der Größe 50, Größe 56, Größe 62 anschließend in die Größe 68 wechselt, hatte ich nur eine Frage: Wie??? Wie kommt jemand auf die Idee, Babykleidung selbst zu produzieren?

Nun ist er offiziell ein Kleinkind und wird Größe 86 voraussichtlich ein Jahr lang tragen, und ich bin dennoch weit davon entfernt, meine spärliche Nähzeit für seine Sachen zu verwenden. Erde, Sand, Matsch, Grasflecken, Beeren, Spinat und Tomaten (einmal in frisch, einmal vorverdaut), Spucke, Spucke, Spucke ohne Ende und hin und wieder eine ausgelaufene Windel sind alles Dinge, die im Stundentakt auf seiner Kleidung landen. Es ist ja alles kein Problem, wenn man eine große Waschmaschine hat, aber extra dafür nähen…

Ich bleibe bei meiner Seide und dies bleibt ein Erwachsenenblog.

Eine rosa Babydecke für meinen Sohn

Ein paar Babysachen habe ich in der Schwangerschaft aber doch gestrickt. Das gehört irgendwie zur Vorfreude dazu – außerdem musste ich teilweise ganze Tage auf der Couch verbringen.

Dass mein Baby eine Kaschmirdecke bekommt, wusste ich bereits, bevor es sich auf den Weg gemacht hat. Ich wusste, dass es auf jeden Fall dieses Modell werden würde. Ich wünschte mir ein zartes Rosa für den Fall, dass ich ein Mädchen bekommen würde, und wenn es ein Bub wäre… Dann würde ich mich spontan entscheiden.

Also habe ich viele lange Wochen abgewartet, bevor ich das Wollgeschäft meines Vertrauens wegen der Decke aufgesucht habe. Ich war sehr glücklich – ich hätte das nie zugegeben, bevor ich das Geschlecht offiziell erfahren habe, aber ich wollte schon immer einen Sohn haben. Ich habe mir viel Zeit für die Auswahl des richtigen Farbtons gelassen und mich schließlich für ein zartes Rosa entschieden.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere

Ihm würde es doch egal sein. Hauptsache warm und weich. Buben- und Männersachen hat er später mehr als genug. Und ich bekomme beide Träume erfüllt – ich bekomme einen Sohn und eine rosa Babydecke.

Immer wieder Cardiff Cashmere

Dazu muss ich sagen, das Cardiff Cashmere Small Garn, das man für diese Decke braucht, hat zwei rosa Töne. Das Giulietta geht in Richtung Fuchsia und ist für mich zu intensiv, hätte ich auch für ein Babymädchen nicht genommen. Zen ist hingegen ein perfektes gedämpftes helles Beige-Rosa – ein Volltreffer für meinen Kleiderschrank! Und eine sehr schöne Babyfarbe.

Die Decke wurde natürlich rechtzeitig fertig (zugegeben, kein kleines schnelles Projekt, aber den Witz „Dein zweites Kind wird sich freuen!“ konnte ich irgenwann auch nicht mehr hören) und war täglich bei allen Schläfchen Tag und Nacht in Verwendung, ob im Bett oder im Kinderwagen. Ab seinem zweiten Lebenstag und bis er das Rotieren um die eigene Achse perfektioniert hat.

6 Tage altes Baby unter der selbstgestrickten Babydecke
6 Tage alt. Und das Jäckchen ist auch von mir gestrickt

Die Decke sieht aus wie neu. Als ich eingesehen habe, dass er sie in der Nacht nicht mehr braucht bzw. nicht mehr sachgemäß verwenden kann (es gibt Nächte, da rotiert er gemeinsam mit dem Minutenzeiger unserer großen Uhr im Schlafzimmer und wenn ich die Augen nicht aufmache, kann ich nur raten, ob es sein Kopf, sein Knie oder sein Fuß ist, der sich in meinen Oberschenkel drückt), habe ich sie zum ersten Mal mit einem Kaschmirkamm bearbeitet.

Den großen Kaschmirschal von meinem Mann, den wir vor ein paar Jahren um 79,90 gekauft haben – kein guter Preis für echten Kaschmir! – bearbeite ich damit mindestens drei Mal pro Saison. Nach zwei Mal Tragen sieht er schon wieder aus wie vorher. Und meine Güte! es ist ein Schal! Wie intensiv trägt man einen Schal, es ist doch keine Hose, kein Turnschuh! Einmal einwickeln, einmal auswickeln! Mass Market und edle Stoffe passt einfach nicht zusammen.

Bevor ich die Babydecke hatte, dachte ich, Kaschmir verhält sich nun mal so. Kaschmirwolle ist unglaublich weich und kuschelig und habe eben den Nachteil, dass sie besonders schnell Pillingknötchen bildet.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Nein, es geht auch anders. Ich habe das Gefühl, ich werde noch sehr lange Freude an dieser Decke haben. Und wie ich schon eingangs erwähnt habe, ist der Schal, äh, die Decke ein Volltreffer  für meinen Kleiderschrank.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Und was ist mit den Erinnerungen?

Wurde ich schon gefragt. Ob ich die Decke nicht lieber sicher verstauen möchte, mit all den Kostbarkeiten des Babyalters, das Armband aus dem Krankenhaus, der erste Body in Größe 50 (und er war immer noch zu groß!), die Ultraschallbilder, und die ersten komplett abgetragenen Krabbelschühchen.

Aber ja. Irgendwann. So habe ich doch die Erinnerungen auch bei mir. Ich weiß, wie ich ihn zum ersten Mal damit zugedeckt habe. Und so kommen neue Erinnerungen dazu. Vielleicht trage ich den Schal ja bei seiner ersten Weihnachtsaufführung in der Krippe, wer weiß. Wenn ich ihn zu seinem ersten Skikurs begleite. Oder…

Mal sehen. Jetzt ist es erst mal Zeit für den Frühling.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Das gesamte Outfit

Schal: Babydecke gestrickt nach einer Anleitung vom Wiener Wollcafe Laniato

Mantel: Mango

Hose: Tweedhose, die ich hier schon vorgestellt habe.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Liebe Grüße und hoffentlich bis bald!

Juli

Outfit Shorts und Seidenbluse
Nähen

Doch noch ein Sommerprojekt: Seidenbluse mit Vogelprint

Wie ich schon letztes Mal geschrieben habe, dieser Sommer war alles, aber nicht sehr aktiv. Ich konnte und wollte weder meine Tätigkeiten für den Blog noch das Nähen im gewohnten Tempo weiterführen. Nun, dann ist es einfach so. Noch ein Schritt zum gelebten Minimalismus.

Noch vor zwei, drei Jahren wäre das vermutlich der Punkt gewesen, an dem ich diesen Blog aufgegeben hätte. Mein Leben ist etwas anders, als ich es mir vor Monaten vorgestellt habe. Ein neuer Blogbeitrag jede Woche ist im Moment einfach nicht drin. Auch das Nähen kommt momentan viel zu kurz – obwohl ich hoffe, dass sich zumindest das in den kommenden Wochen und Monaten ändert.

Aber jetzt sage ich – es ist gut, dass es den Blog gibt. Es ist meine eigene kleine Welt und mein virtuelles Zuhause. Und ein Zuhause bleibt ein Zuhause, auch wenn man sich dort nicht besonders oft sehen lässt – das kenne ich noch aus meinen Teenager-Zeiten 🙂 Also bleibt der Blog und damit zumindest monatliche Updates. Zu sagen hätte ich nämlich immer noch viel!

Gefühlsmäßig habe ich im Juli und August gar nicht genäht, aber es ist dann doch diese Seidenbluse entstanden.

Outfit mit Seidenbluse

Das waren die kleinen Schritte. Nicht alles auf einmal machen wollen. Mal fünfzehn Minuten am Stück arbeiten, dann nur fünf.

Goldwert ist dabei ein eigener Arbeitstisch, auf dem ich alles stehen und liegen lassen kann bis zum nächsten Mal. Hätte ich den nicht, würde der schöne Seidenstoff wohl immer unberührt in meiner Stoffkommode liegen.

Outfit Shorts und Seidenbluse

Bluse:

Burda 11/2016, Größe 34, fast unverändert (an der Taille 4 cm weggenommen, was man aber gar nicht merkt).

Stoff: 100% Seide aus Paris (gekauft 2016). Er war nicht günstig, also habe ich die Schnittteile mit ach und krach auf 1,2 Meter verteilen müssen.

Das gesamte Outfit:

Shorts: Dorothy Perkins (hm, ja, gekauft, obwohl ich heuer schon diese schöne kurze Hose genäht habe. Dazu mal bei Gelegenheit mehr). Langes Top für unten drunter: ebenfalls Dorothy Perkins.

Schuhe: Michael Kors 2016

Outfit Seidenbluse und weiße Ballerinas

Bitte macht nicht den gleichen Fehler…

Falls ihr die Bluse nachnähen wollt – im Grunde ist es ein einfaches und dankbares Projekt. Passform-Probleme kann ich mir hier beim besten Willen nicht vorstellen, die Bluse ist weit genug. Der Ausschnitt ist gr0ß, aber sogar bei meiner hoch angesetzten Brust kein Problem und immer noch züchtig genug, schaut her:

silk blouse
Das ist aus einem anderen Shooting, ohne Top drunter und ein wenig kränklich 🙂

Nur macht nicht denselben Fehler wie ich und lasst den Reißverschluss weg!! Für einen Nahtreißverschluss brauche ich immer noch rund 30-45 Minuten: meine kostbare Zeit! Da hätt ich fast ein nächstes Projekt zuschneiden können!

Der Ausschnitt ist wirklich weit genug, und wenn mein Kopf anderthalb Mal so groß wäre 🙂 Außerdem ist der Reißverschluss schwer (nein, natürlich nicht, aber immer noch schwerer als der zarte Seidensatin) und zieht dadurch den vorderen Saum nach hinten.

Outfit mit Shorts und Seidenbluse
Daaaa, die ganz leichte Kurve 🙂

Seidenbluse Vogelprint

Der hintere Ausschnitt würde natürlich weicher fallen und nicht so hart abstehen, wenn der Reißverschluss nicht wäre. Übrigens: wie stellt denn Burda sich das vor, das Originalmodell ist aus einem noch feinerem Stoff gemacht?

Bei meinen nächsten Blusenprojekten werde ich auf jeden Fall immer den Ausschnitt ausmessen und mich dann entscheiden, ob ein Nahtreißverschluss notwendig ist oder nicht. Ein kleiner Schlitz mit Knopf ist im Zweifelsfall auch schnell gemacht und macht den Stoff nicht gleich so steif.

Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem Projekt, in den Vogelprint bin ich immer noch so verliebt wie vor einem Jahr und die Schulterpassen machen die Bluse ein bisschen anders:

Seidenbluse - Schulterpassen

Das ist übrigens mein drittes Projekt mit einem Vogelprint 🙂 Könnt ihr euch noch an diese ärmellose Bluse und an dieses Eulen-T-Shirt erinnern?

Uuuund: ich habe noch was 😉 Ich bin ein Freak, ich weiß. Mal sehen, ob ich euch das nächste Mal über die Capsule Wardrobe update oder gleich im Anschluss das vierte Vögelchen-Kleidungsstück präsentiere 😉 Habt ihr vielleicht einen Wunsch dazu?

Ganz liebe Grüße

Juli

 

Shirt aus Hanfjersey
Nähen

Naturstoffe, Naturfarbe – Shorts und Shirt

 

Am häufigsten kaufe ich Stoffe in Geschäften vor Ort. Ich fasse den Stoff an, immer und immer wieder, trete vor, trete zurück, rolle ihn auf, wandere damit zum Spiegel und schau, ob die Farben zu meinem Teint passen, trage ihn wieder zurück, mache eine Runde durchs Geschäft, komme zurück und der ganze Entscheidungsprozess geht von vorn los. – Eigentlich völlig unnötig, denn wenn ich mich in einen Stoff verliebt habe, dann will ich ihn haben. An meinen Gefühlen ändert sich nichts, ob ich mir zehn oder sechzig Minuten für die Entscheidung lasse…

Und dann gibt es auch Kopfentscheidungen. Denn hin und wieder bestelle ich Stoffe auch online, wenn auch wesentlich seltener. Da geht es mir in erster Linie um ungewöhnliche Qualität, um den Tragekomfort, den ich mir verspreche, um die Neugier auf eine Zusammensetzung, die ich von herkömmlicher Kleidung nicht kenne.

Hanf zum Nähen? Und dann auch noch als Jersey!

So kam es zu der Bestellung von einem Meter ungefärbten Hanfjersey auf naturstoff.de . Wenn schon rustikal und Natur, dann richtig. Der Hanf soll eine tolle Faser sein: schmutzabweisend, feuchtigkeitsregulierend, strapazierfähig und einfach angenehm zu tragen. Bis zum Siegeszug der Baumwolle im 19. Jahrhundert gehörte Hanf neben Flachs (=Leinen), Nessel und Wolle zu den wichtigsten Rohstoffen für die europäische Textilindustrie (Wikipedia).

Hanfshirt im Kornfeld

Zeitgleich mit dem Shirt nähte ich eine kurze Hose aus einem kleinen Wollstoff-Rest in der gleichen schönen Farbe Natur. Das ist derselbe Stoff, wie bei diesem Rock hier. Da hatte mein Umfeld dieselbe Reaktion, wie bei dieser Kombi, (die ich selbst, ehrlich gesagt, immer noch Hammer finde):

– Das trägst du dann aber nicht zusammen, oder?

Jaa, ich bin hell. Besser gesagt, blass. Immer wieder werde ich der Abneigung gegen jegliche Sonneneinstrahlung bezichtigt, ich selbst gebe eher meinen nordslawischen Wurzeln die Schuld. Nie käme es mir in den Sinn, mich meiner Hautfarbe zu genieren. Oft wird aber versucht, mir das Gefühl zu geben, ich müsste mit meiner Kleidung meine Haut kaschieren, zumindest aber vom Hautton ablenken. Helle Kleidung für blasse Menschen? Absolutes No Go!

Shirt aus Hanfjersey im Kornfeld
Ja, das ist ein Hasen-Anhänger 🙂

Ich trage auch gern bunt und achte darauf, dass die Farben, die ich aussuche, meinem Typ schmeicheln. Dieses Outfit aber, in dem ich mich unglaublich wohl fühle, ist für jene Tage, in denen ich meinen Blick eher nach Innen denn nach Außen richte. In denen bitte nichts zu laut oder dringend sein darf. In denen ich Vögel lauter zwitschern höre als sonst und in denen mir am Heimweg gern ein oder zwei Hasen begegnen, oder sogar ein Igel. (Ja, ich lebe in der Stadt, okay, am Stadtrand, und ja, ich liebe die Gegend, in der ich wohne 🙂 )

Möglicherweise mag man einwenden, dass ich in einem komplett beigen Outfit etwas kränklich aussehe. Für diese Fotostrecke stimmt es ohne Zweifel, denn da war ich tatsächlich alles andere als fit und wollte die Fotos unbedingt machen, bevor das schöne Kornfeld vor meinem Haus gemäht wird. Zwei Tage später war es wirklich nicht mehr da.

Es gibt Dinge in der Natur, die sind farblos, und doch wunderschön.

Shirt aus Hanfjersey
Die kurze Hose mit Bundfalten habe ich selbst konstruiert.

Noch ein paar Worte zum Stoff

Trägt sich Hanf wirklich so angenehm? Ja. Das T-Shirt ist luftig und bequem, „feuchtigkeitsregulierend“ trifft es sehr gut.

Würde ich genau diesen Stoff noch einmal kaufen? Leider nein. Das nächste Mal würde ich es mit einem Webstoff versuchen.

Nicht nur, dass die Meterware viel schmäler war, als ich es gewohnt bin – das kurzärmlige Shirt in Größe XS konnte sich nur nur ausgehen, weil es eine Teilungsnaht im Rücken hat. Da bin ich aber selbst schuld, hätte die Beschreibung besser lesen müssen. Die fehlende Breite macht den Stoff eben teurer, als zunächst vermutet.

Das größere Problem hängt damit zusammen, dass der Zuschnitt so wahnsinnig verdreht war. Ich habe den Stoff natürlich vorgewaschen und heiß gebügelt, aber die Kanten ließen sich trotzdem nicht sauber aufeinander legen. Mehr als herumzupfen konnte ich auch nicht – oder gibt es da irgendwelche spezielle Methoden? Obwohl ich so sorgfältig wie möglich gearbeitet habe, kam es nach der ersten Wäsche, wie es kommen musste: das Vorderteil hat sich verdreht. Das heißt, die Seitennaht mit dem Vögelchen-Knopf dreht sich nach vorn und auch den Ausschnitt muss man nach dem Anziehen zurechtzupfen. Die unvermeidbare Rückennaht dreht sich auch leicht seitlich.

Kurze Hose mit Bundfalten und T-Shirt
birds & rabbits 🙂

Es wird vermutlich nie jemandem auffallen, der nicht selber näht, aber mich stört es. Ich würde nur zu gern wissen, ob dieses Problem mit der Beschaffenheit von Hanffasern zu tun hat, oder ob dem doch ein reiner Produktions-, Lagerfehler, was auch immer zugrunde liegt.

Die dünne Wolle hingegen ist hervorragend, auch für Shorts! Sehr angenehm zu tragen, knitterarm und natürlich nicht kratzend. Und der Stoff war sage und schreibe 10 mal günstiger als der Jersey aus Hanf – denn ich habe ihm im Stofflager Kritzendorf gekauft, ohne zu wissen, dass es reine Wolle ist 🙂 Manchmal hat man so ein glückliches Händchen…

Shorts und Shirt in Natur

schlichtes Gedichtband
Nachhaltigkeit

30 Tage Capsule Wardrobe – es ist geschafft

30 Tage lang nur 20 Kleidungsstücke tragen – es ist geschafft. Und es war schöner als ich es mir vorgestellt habe.

30 Tage sind eine lange Zeit. Da hat man bessere und schlechtere Tage, mit Spaß und Stress und großen Freuden und kleinen Enttäuschungen. Im Großen und Ganzen kann ich nur sagen – ich genoss den Sommer. Genoss frühe Himbeeren, Kirschen frisch vom Baum, Sommergewitter, lange Spaziergänge und Sonnenuntergänge in rosa und violett. Das waren Wochen, in denen alles sehr schlicht und gegenwärtig und echt war – wie in der Kindheit. Und mein Kleiderschrank passte dazu.

War tatsächlich mein neu gestalteter Kleiderschrank dafür ausschlaggebend, dass ich ganz plötzlich und unerwartet mitten im Sommer die Entschleunigung gefunden habe, nach der ich mich jahrelang verzehrt habe? Ich denke nicht. Aber er war ein täglicher Teil meines Lebens – einer der vielen schönen Teile.

Ich habe mich gefühlt, als hätte ich eine News-Webseite zugemacht – eine von den schlechteren, mit fliegenden Bannern, blinkenden Angeboten, grellen Farben und unwichtigen Headlines, die dich anschreien – und statt dessen ein Gedichtband vom Regal geholt. Weißraum und Ruhe. Luft zum Atmen.

schlichtes Gedichtband

Wenn sich die Kleidungsstücke untereinander gut kombinieren lassen, sind 20 Teile alles andere als wenig. Das bietet Platz für „mah, ich bin unausgeschlafen“-Outfits genau so wie für „schaut mich alle an, heute gefalle ich mir richtig gut im Spiegel!“ 🙂

Auch mit so einer kleinen Auswahl habe ich manche Kombinationen etwas öfter getragen als andere – und zwar die schlichteren. Habe ich so gar nicht erwartet. Viel Weiß zum Einrahmen meiner Sommertage. Oder meines Lieblingsschmucks.

Schlichte Bluse und Ring
Bluse: selbstgemacht. Ring: vintage (Sowjetunion). Ein neues Leben wurde ihm hier eingehaucht: barotanyi.at

Fotos habe ich leider keine gemacht. Habe weder in der Arbeit noch zu Hause Spiegel in Tageslicht-Nähe, und Extra-Shootings… hätten nicht zu diesen 30 entschleunigten Tagen gepasst 🙂 Ich hoffe, der Sommer bleibt genau so schön, wie er angefangen hat, auch wenn es etwas weniger Posts für euch bedeutet.

Und was ich sonst noch gelernt habe:

2 Jeans sind zu viel für eine Kapsel. Zumindest für eine Kapsel, in der auch eine Short und eine Stoffhose, Röcke und ein Kleid vorkommen. Ich trage Jeans verhältnismäßig oft, aber eine hätte mir völlig gereicht.

Den ärmellosen selbstgestrickten Pullover habe ich kein einziges Mal getragen – wie schade! Der Wiener Sommer ist wenig geeignet für dieses Kleidungsstück: es gibt kein „angenehm kühl“, sondern entweder  „sauheiß“ oder „Sauwetter“ mit Regen und Wind. Für ärmellos dann doch zu kalt und für was drunter anziehen zu warm im Sommer.

Ärmelloser Pullover mit Kapuze

Also bin ich im Endeffekt mit 19 Kleidungsstücken ausgekommen. Hm.

Die Röcke: gerne neutraler. Zu Beginn meiner Nähzeit habe ich sehr gerne gemusterte Röcke aus verschiedenen Stoffen genäht – geht einfach, schnell, oft auch ungefüttert, der Stoff kann seine Wirkung entfalten…

 

Beim Kombinieren ist es etwas schwieriger. Ein gemusterter Rock hätte gereicht. Einen weiteren neutralen Rock hätte ich mir hingegen gewünscht.

Die hässliche und so geliebte kurze Hose – aaah, dafür hab ich jetzt einen edlen Ersatz! Ich habe eine neue kurze Hose genäht! Und es wird gleich das Thema des nächsten Beitrags.

Kurze Hose

Und weiter?

Ich mache auf jeden Fall weiter. Für die kommenden Wochen vom 13. Juli bis zum 1. September stelle ich eine Capsule Wardrobe aus 20 bis höchstens 22 Stücken zusammen. Diese wird sich eventuell nicht so einfach gestalten – aber das ist eine andere Geschichte.

 

Sommerkleid selber genäht
Nähen

Für die Sommer-Capsule: Mein Kleines Schwarzes ist bunt bedruckt

Beim heutigen MeMadeMittwoch möchte ich ein Kleid vorstellen, das in meiner ersten Capsule Wardrobe die Funktion des Kleinen Schwarzen übernimmt.

Kleid in Petrol, gemustert

Der Stoff

Polyester-Reststück vom Abverkauf-Wühltisch (Habe ich nicht gesagt, ich kaufe nur hochwertige Stoffe? Asche über mein Haupt… Aber es ist auch vor einem Jahr passiert, und ich muss gestehen, auch die Fotos sind somit ein Jahr alt. Das ist also mein erstes Blog-Fotoshooting, sechs Monate bevor ich den Blog „blaue Seide“ eingerichtet habe.)

Warum habe ich denn das Polytierchen gekauft, hatte ich doch schon damals eine aus allen Nähten platzende Truhe mit Stoffen daheim? Es waren natürlich die Reitermotive – hat sonst jemand von euch gleich an Hermès gedacht?

Das Schnittmuster

Wieder mal von Burda, aus einer Sommerausgabe des vergangenen Jahres.

Der Schnitt ist eigentlich für Jersey ausgelegt, aber es gibt ihn erst ab Größe 36 und ich mit meiner kleinen 32/34 dachte, es wird schon auch mit Webstoff gehen. Habe den Schnitt sogar etwas verkleinert, den Halsausschnitt aber vergrößert, damit der Kopf ganz sicher durchpasst. Wäre, glaube ich, gar nicht notwendig gewesen. Es gibt keinen Zip oder anderen Verschluss, ich streife es einfach über.

Die Länge habe ich absichtlich original gelassen; eventuell habe ich das Kleid sogar um einige cm verlängert. Noblesse oblige, mich erinnert der Stoff nun mal an die großen Seidentücher und Strandtunikas von Hermès 🙂

Schlichtes Kleid in Petrol Reitermotive

Das Sommerkleid

Wenn man dreißig Tage lang mit nur einem Kleid auskommen muss/will, ist dieses Modell perfekt, sage ich mal. Es erfüllt alle Kriterien, die dem Kleinen Schwarzen Kleid laut Chanel zugeschrieben werden:

Es steht mir.

Die Legende besagt, dass Chanel mal gesagt habe, ein kleines schwarzes Kleid steht allen Frauen. Gabrielle Coco Chanel war eine ausgezeichnete Geschäftsfrau und außerdem mit einem herrlich kontrastreichen Aussehen gesegnet, mit dunklen Haaren, scharf gezeichneten Augenbrauen und schwarzen Wimpern. Ein schwarzes Kleid steht vielen Frauen, vor allem aber jenen mit mit dunklen Haaren, scharf gezeichneten Augenbrauen und schwarzen Wimpern 🙂

Ich bin ein heller-kühler Sommertyp, mir steht Babyblau, und Eierschalen-weiß, und Mint, und Altrosa und ein bisschen auch Petrol. Trage ich reines pures Schwarz, muss ich vor allem eins: mich schminken. Scharfe Augenbrauen zeichnen, und schwarze Wimpern malen, und wenn ich dazu noch einen Hut aufsetzen dürfte, der meine Haare zum Großteil verdeckt – whoa! Ja, Schwarz steht allen Frauen!

Grund Nummer zwei:

Man kann es auf- oder abstylen. Mit schwindelerregenden High Heels kombinieren, wie beim obigen Shooting (Gottseidank habe ich die Schuhe nicht mehr, sie waren schrecklich) oder mit flachen Ballerinas tragen. Oder geflochtene Römer-Sandalen. Und jedes Mal sehe ich etwas anders aus.

Kleid in Petrol

Und zuletzt:

Es sieht (zumindest in meinen Augen) hochwertiger aus, als es ist.

Die Herstellungskosten betrugen weniger als 10 Euro. Ich finde, es ist die Kombination, die es ausmacht: der Druck; der einfache, aber raffinierte Schnitt (schaut nur, wie die Ärmel fallen, hach!). Es ist kurz, es hat einen breiten Ausschnitt und relativ kurze Ärmel, aber für ein Sommerkleid ist es doch recht – hochgeschlossen. Auch das mag ich sehr.

Sommerkleid selber genäht

Und noch einmal zur Caplsule Wardrobe

Mal sehen, wie das Kleid sich als das Sommerkleid der kommenden 30 (nun nur mehr 27!) Tage macht, wie oft und wie gerne ich es tragen werde. Im Moment habe ich übrigens noch das Gefühl, 20 Kleidungsstücke sind eine richtig große Menge und ich werde sicher nicht „hungern“. Das Kleid habe ich allerdings noch nicht getragen.

Liebe Grüße an alle MMM-Kolleginnen und nun gehe ich in der heutigen Ausgabe stöbern! Was habt ihr Schönes für den Sommer genäht?

 

 

mein kleiderschrank
Nachhaltigkeit

Capsule Wardrobe die Erste – Minimalismus trifft auf Kleiderschrank

Minimalismus ist nun wirklich kein neues Thema in meinem Zuhause. Es ist über zwei Jahre her, dass ich die Hashtags #minimalism und #simplicity zum ersten Mal verwendete – da stellte ich auf Instagram ein Bild von meinem Bad rein – auf dem Badewannenrand nichts als Seifenschale aus Holz und Stück Seife. Und das Beste: das Bad sieht noch immer (fast) so aus.

In den vergangenen Monaten ging ich mehrmals alle Möbel, alle meine Besitztümer durch, mistete immer wieder nach verschiedenen Methoden aus (für die Freaks unter euch: ja, auch nach der KonMari-Methode), trennte mich von Sachen, die mich nicht glücklich machen, legte Shoppingpausen ein, die sogar länger dauerten als beabsichtigt, und und und.

Ich habe das Gefühl, immer noch am Anfang zu sein, aber unsere Wohnung wirkt bereits viel luftiger und geräumiger, meine Träume von eigenem Nähzimmer und Wäschetrockner wurden wahr und wir konnten uns vorerst von unserer Putzhilfe trennen. Weniger Möbel und Gegenstände, mehr technische Unterstützung = halbierte Zeit zum Putzen.

Minimalismus – ja, im Kleiderschrank? Nein!

Kann ich mich also als fortgeschrittene Minimalistin betrachten? Vor einer Königsdisziplin habe ich mich bisher gedrückt, so oft ich auch meinen Kleiderschrank ausgemistet habe: dem Capsule Wardrobe!

Die Idee ist schon ein alter Hut: man wählt sich eine Anzahl Kleidungsstücke für eine Anzahl von Tagen aus und – hält sich daran. Quasi leben aus dem Koffer – aber zu Hause.

Besonders oft gelesen habe ich von „Projekt 333“ – man trägt im Laufe von 3 Monaten nur 33 Kleidungsstücke, und das inklusive Schuhe und Accessoires! Klingt nicht wirklich sexy, oder? Habe ich auch lange genug gedacht. Minimalismus hin oder her: aber ich nähe doch! Ich möchte doch Spaß an meiner selbstgemachten Kleidung haben! Ich habe doch gar nicht so viel, mein Gesamtbestand liegt unter dem deutschen Durchschnitt, glaubt man den Zahlen von Greenpeace… Da muss ich mich nicht auch noch künstlich beschränken…

Und dann machte es klick. Und zwar lustigerweise bei genau diesem Bild auf Pinterest:

capsule wardrobe
Quelle: Pinterest

Es muss das Bild des halbleeren Kleiderschranks gewesen sein, das mich so angetörnt hat 🙂 Auch in de neu geschaffenen „leeren“ Flächen meiner Wohnung verliebe ich mich immer und immer wieder. Luft ist eindeutig das Element meiner letzten Jahre.

Und da wurde es mir im Bruchteil einer Sekunde klar: Ich möchte es mit einer „Kleiderkapsel“ probieren. Auch die Vorteile lagen mir plötzlich auf der Hand – wieso habe ich nicht früher in diese Richtung gedacht?

  • Mit einer funktionierenden und gut durchdachten Kapsel nähe ich nur Sachen, die perfekt zu mir passen und verschwende nicht meine ach so rare Nähzeit, um Kleidungsstücke zu erstellen, die doch eher… Schrankhüter sind (hust-hust, zum Beispiel dieser wunderschöne Minirock).
  • Sobald ich eingesehen habe, wie wenig Kleidung ich eigentlich brauche (und das werde ich doch hoffentlich einsehen?!), werde ich umso mehr Sorgfalt beim Nähen aufwenden und mich immer mehr perfektionieren, anstatt das vierte T-Shirt in Folge rauszuwerfen. Da nähe ich in dieser Zeit doch lieber eine Weste mit echten Paspeltaschen oder einen aufwändig drapierten Rock, den sonst niemand hat.

Ich glaube, da war noch was, aber das fällt mir gerade nicht ein, und ganz ehrlich: diese beiden Vorteile sind es auch schon richtig wert, einfach zu starten.

Am liebsten hätte ich gleich am nächsten Tag angefangen! Ich habe mich entschieden, mal 20 Kleidungsstücke auszuwählen und das 30 Tage lang durchziehen. (Nur 20 Teile! Oh Mann! Ausgenommen in diesen Konzepten ist stets Funktionskleidung: also Kleidung zum Trainieren, zum Schlafen, zum Wandern, zum Schwimmen. Vorerst habe ich auch Schuhe und Taschen ausgenommen, aber davon habe auch nicht soooo viel.)

Allerdings werde ich damit etwas warten, denn die 30 Tage möchte ich natürlich am Stück machen und dazwischen verbringe ich ganze zwei Wochen im Norden. Eine Kapselgarderobe ist natürlich nicht für einen Klimawechsel dazwischen gedacht – deshalb erstellt man sie in der Regel für jede Jahreszeit neu. Ich fahre aber quasi vom Sommer ins Frühjahr zurück 🙂

Mitte Juni komme ich zurück, und dann geht’s los! Meine Auswahl ist getroffen, der Kleiderschrank vorbereitet. Aber seht selbst:

Hosen und Jeans

Jeans und HoseKurze Hose

Ohne Jeans kann ich nicht, sie werde ich mir IMMER, IMMER kaufen. Dafür ist die Hose selbst gemacht und oft getragen, seht mal hier und hier.

Die kurze Jersey-Hose ist eigentlich schrecklich, aber ich liebe sie sehr. Sie ist so herrlich bequem und lässig, ich trage sie sogar im Winter (mit Strumpfhosen). Ein edler selbstgemachter Ersatz muss her!

Drei Röcke

Alle selbstgemacht! Einen davon habe ich noch nicht verbloggt, den Bleistiftrock und den Valentino-Rock habe ich hingegen schon vorgestellt.

Statt dem kleinen Schwarzen: ein kleines buntes Sommerkleid

Darüber möchte ich auf jeden Fall noch schreiben. An welchen Designer erinnert euch das Muster? Natürlich selbst genäht.

Kleid

White Shirt – habe ich!

Meine geliebte weite weiße Bluse – gekauft letztes Jahr und seeehr oft getragen.

Weiße Bluse

Shirts und Tops

Ich mag Vögelchen 🙂 Die Taube in der Mitte sagt übrigens „I will shit on everything you love“ und ist auf der einzigen FairFashion Messe gekauft, die ich je besucht habe. Vielleicht sollte ich öfter auf solche Messen gehen.

Blusen und Tops mit Ärmel

Hm. Ich sehe, da bleibe ich einer Farbfamilie treu. Die ersten beiden sind gekauft.

Tanktop

Heißgeliebt (gekauft)

Tanktop

Pullover, Cardigan, Blazer

Jeweils eins von jeder Sorte, denn wir haben ja Sommer. Der Pulli ist zudem ohne Ärmel, dafür mit Kapuze. Selbst gestrickt. Der Cardigan ist vor Ewigkeiten gekauft. Den Blazer habe ich bereits gebraucht von einer Kollegin bekommen und habe ihn bereits sehr, sehr oft getragen. Er passt eben zu mir.

Und dann – räumte ich den Kleiderschrank neu ein!

Kleiderschrank ganz

Ach, verdammt. Haha 🙂 Er ist ja gar nicht halbleer! Eigentlich sieht DAS wie ein normaler Kleiderschrank aus. Nicht das, was die meisten von uns die meiste Zeit haben.

Ich glaube, ich komme damit 30 Tage gut über die Runden. Updates werden folgen. Ich bin selbst sehr gespannt, wie es mir damit geht, ob ich mich wohlfühle oder das Konzept vorzeitig über Bord werfe…

Ach was, aufgegeben wird nicht! Ich halte euch am Laufenden, meine Lieben 🙂

P.S.: Ich habe nachzählt. Es steht tatsächlich 10:10 – 50% gekaufte Teile, 50% selbstgemacht. Ein guter Schnitt, finde ich. Es zeigt, dass ich viele wirklich „tragbare“ Teile nähe, die ich gerne in eine einschränkende Kapsel aufnehme und die sich gut untereinander kombinieren lassen. Ansonsten: das Verhältnis könnte auch 18:2 sein. Denn  eine Jeans ist das Einzige, was ich nun wirklich immer, IMMER kaufen werde!

 

Lolita Rock Innocent World
Nachhaltigkeit

Follow the white rabbit – auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Der Rock, von dem ich heute berichten werde,  ist nicht natürlich mein allererstes Second Hand Teil. Wer hat als Kind nicht bereits getragene Kleidung bekommen?

An ein Hemdchen aus meinen Kindertagen kann ich mich besonders gut erinnern: aus feinstem Batist, mit kurzen Ärmeln, Kragen mit Steg, „wie bei den Großen“ und – einer verdeckten Knopfleiste! Und das Ende Achtziger in der Sowjetunion,  der Zeit der kratzenden Strumpfhosen, kratzender Unterhemden, kratzender Schuluniform, drückender Schuhe… Weil es nichts anderes gab. Noch nie zuvor und auch jahrelang danach habe ich keine verdeckte Knopfleiste gesehen, das war wie ein Gruß aus einer anderen Welt. Das war es  höchstwahrscheinlich auch – aus dem „Ausland“, dem „Westen“, „von drüben“, und noch zehn andere Synonyme für diese andere Welt; und dieses Hemd war eine Metapher für all das, was es alles in dieser Welt anders war. Dünner Batist in zartrosa, Brusttaschen und Knopfleiste. Ein Kinderhemd von besserer Qualität als jede Erwachsenenkleidung in unserem kleinen Haushalt damals.

Und so hat dieses Hemdchen von damals, das erst im Zuge unseres Umzugs nach Österreich in die nächsten guten Hände kam, eine Gemeinsamkeit mit dem geliebten Alice-Rock, meinem nächsten „ersten“ Second Hand Fundstück zwanzig Jahre später: in „neu“ hätte ich es nie haben können. Hätte ich es mir nicht leisten können? Nein, vielleicht aber doch, je nach dem… Viel eher wäre ich gar nicht damit in Berührung gekommen, diese Welten könnten genau so gut  verschiedene Planeten bevölkern: hochwertige Kinderkleidung aus Europa und ein Kind der sowjetischen Unterschicht, eine Angestellte aus Wien mit einem Faible für H&M, Primark & Co und die japanische Lolita-Marke…

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„So she was considering, in her own mind (as well as she could, for the hot day made her feel very sleepy and stupid), whether the pleasure of making a daisy-chain would be worth the trouble of getting up and picking the daisies, when suddenly a White Rabbit with pink eyes ran close by her.“

Ja, damals machte ich mir noch keine Gedanken über nachhaltigen Konsum, Umweltverschmutzung und faire Löhne, ich hatte mehr Billigshirts im Schrank als ich heute insgesamt an Kleidung besitze und die Rana Plaza Fabrik in Bangladesh stand noch acht Stockwerke hoch und unversehrt.

Das kommt alles auf mich zu ein paar kurze Monate später und zwar gleichzeitig: meine Ernährungsumstellung, Bilder von Plastik in Meeren, über 80% aussortierte Kleidung, die nicht mehr passt (wovon ich wiederum 80% sowieso nie oder nur ungern trug), Medien und Blogger schreiben über Rana Plaza, Nähen und Stricken sind meine neuen Leidenschaften, erste Gedanken zum Minimalismus  und, trotz allem: meine Desorientierung.

innocent-world-second-hand-skirt
„…Alice started to her feet, for it flashed across her mind that she had never before seen a rabbit with either a waistcoat-pocket, or a watch to take out of it, and burning with curiosity, she ran across the field after it, and was just in time to see it pop down a large rabbit-hole under the hedge.“

Was mache ich und wofür? Was kann ich alleine schon bewirken? Zieht nicht jeder Flug, den ich antrete, einen dicken Strich durch meine lächerlichen Bemühungen, „doch was für die Umwelt zu tun“? Oder gar jede gekaufte Packung von in Plastik eingewickelten Erdbeeren? Habe ich es nicht auch so schon schwer genug, aufgewachsen mit dem Gegenteil von Überfluss, und nun, bei aller Kaufkraft, von der Bekleidungsindustrie für Erwachsene oft  übersehen? Wo finde ich einen BH in Größe 60C? Und dann noch fair produziert?

Der Rock war zu dem Zeitpunkt schon gekauft, in einem Pariser Second Hand Shop mit Ausrichtung auf Lolita und Underground-Kulturen, einem Shop, den es leider nicht mehr gibt. Ich kaufte ihn trotz meiner Abwehrhaltung gegenüber „getragenen Sachen“ und obwohl er mir zum damaligen Zeitpunkt etwas zu klein war – wegen dem weißen Kaninchen aus „Alice im Wunderland“.

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„In another moment down went Alice after it, never once considering how in the world she was to get out again.“

Das weiße Kaninchen mit Westentasche und Uhr darin führte mich mit kleinen Schritten in eine andere Welt – nach diesem Kauf betrat ich keine einzige Primark-Filiale mehr. Lernte richtig nähen. Kaufte mein erstes „Fairmade“ Kleidungsstück….

Fast vier Jahre sind vergangen – und ich bin erst am Anfang dieses Weges, von dem ich nicht weiß, wohin er mich führen wird. Ja, ich kaufe immer noch Erdbeeren in Plastik. Mein großer Kleiderschrank ist mittlerweile halbleer (halbvoll?) und wird es auch bleiben. In den letzten 30 Monaten erwarb ich nur wenige Kleidungsstücke, einen Teil davon gebraucht.

In Gedanken bereite ich mich auf eine neue kleine Challenge vor – mehr dazu im nächsten Post.

innocent-world-second-hand-rock
„The rabbit-hole went straight on like a tunnel for some way, and then dipped suddenly down, so suddenly that Alice had not a moment to think about stopping herself before she found herself falling down what seemed to be a very deep well.“

Rock: Innocent World (eine japanische Classic Lolita-Marke)

Bluse: gleiches Burda Schnittmuster wie hier (Bluse aus russischem Wolltuch). Genäht aus einem Reststück dünnem Batist (Batist? Ja, so schließt sich der Kreis wieder 🙂 Ich kann das Schnittmuster sehr empfehlen: die Bluse fällt schön, sieht edel aus und ist an einem Tag genäht, selbst mit französischen Nähten, wie hier.

Schuhe: Pas de Rouge

Zitate: Lewis Carroll, „Alice’s Adventures in Wonderland“ (1865)