schlichtes Gedichtband
Nachhaltigkeit

30 Tage Capsule Wardrobe – es ist geschafft

30 Tage lang nur 20 Kleidungsstücke tragen – es ist geschafft. Und es war schöner als ich es mir vorgestellt habe.

30 Tage sind eine lange Zeit. Da hat man bessere und schlechtere Tage, mit Spaß und Stress und großen Freuden und kleinen Enttäuschungen. Im Großen und Ganzen kann ich nur sagen – ich genoss den Sommer. Genoss frühe Himbeeren, Kirschen frisch vom Baum, Sommergewitter, lange Spaziergänge und Sonnenuntergänge in rosa und violett. Das waren Wochen, in denen alles sehr schlicht und gegenwärtig und echt war – wie in der Kindheit. Und mein Kleiderschrank passte dazu.

War tatsächlich mein neu gestalteter Kleiderschrank dafür ausschlaggebend, dass ich ganz plötzlich und unerwartet mitten im Sommer die Entschleunigung gefunden habe, nach der ich mich jahrelang verzehrt habe? Ich denke nicht. Aber er war ein täglicher Teil meines Lebens – einer der vielen schönen Teile.

Ich habe mich gefühlt, als hätte ich eine News-Webseite zugemacht – eine von den schlechteren, mit fliegenden Bannern, blinkenden Angeboten, grellen Farben und unwichtigen Headlines, die dich anschreien – und statt dessen ein Gedichtband vom Regal geholt. Weißraum und Ruhe. Luft zum Atmen.

schlichtes Gedichtband

Wenn sich die Kleidungsstücke untereinander gut kombinieren lassen, sind 20 Teile alles andere als wenig. Das bietet Platz für „mah, ich bin unausgeschlafen“-Outfits genau so wie für „schaut mich alle an, heute gefalle ich mir richtig gut im Spiegel!“ 🙂

Auch mit so einer kleinen Auswahl habe ich manche Kombinationen etwas öfter getragen als andere – und zwar die schlichteren. Habe ich so gar nicht erwartet. Viel Weiß zum Einrahmen meiner Sommertage. Oder meines Lieblingsschmucks.

Schlichte Bluse und Ring
Bluse: selbstgemacht. Ring: vintage (Sowjetunion). Ein neues Leben wurde ihm hier eingehaucht: barotanyi.at

Fotos habe ich leider keine gemacht. Habe weder in der Arbeit noch zu Hause Spiegel in Tageslicht-Nähe, und Extra-Shootings… hätten nicht zu diesen 30 entschleunigten Tagen gepasst 🙂 Ich hoffe, der Sommer bleibt genau so schön, wie er angefangen hat, auch wenn es etwas weniger Posts für euch bedeutet.

Und was ich sonst noch gelernt habe:

2 Jeans sind zu viel für eine Kapsel. Zumindest für eine Kapsel, in der auch eine Short und eine Stoffhose, Röcke und ein Kleid vorkommen. Ich trage Jeans verhältnismäßig oft, aber eine hätte mir völlig gereicht.

Den ärmellosen selbstgestrickten Pullover habe ich kein einziges Mal getragen – wie schade! Der Wiener Sommer ist wenig geeignet für dieses Kleidungsstück: es gibt kein „angenehm kühl“, sondern entweder  „sauheiß“ oder „Sauwetter“ mit Regen und Wind. Für ärmellos dann doch zu kalt und für was drunter anziehen zu warm im Sommer.

Ärmelloser Pullover mit Kapuze

Also bin ich im Endeffekt mit 19 Kleidungsstücken ausgekommen. Hm.

Die Röcke: gerne neutraler. Zu Beginn meiner Nähzeit habe ich sehr gerne gemusterte Röcke aus verschiedenen Stoffen genäht – geht einfach, schnell, oft auch ungefüttert, der Stoff kann seine Wirkung entfalten…

 

Beim Kombinieren ist es etwas schwieriger. Ein gemusterter Rock hätte gereicht. Einen weiteren neutralen Rock hätte ich mir hingegen gewünscht.

Die hässliche und so geliebte kurze Hose – aaah, dafür hab ich jetzt einen edlen Ersatz! Ich habe eine neue kurze Hose genäht! Und es wird gleich das Thema des nächsten Beitrags.

Kurze Hose

Und weiter?

Ich mache auf jeden Fall weiter. Für die kommenden Wochen vom 13. Juli bis zum 1. September stelle ich eine Capsule Wardrobe aus 20 bis höchstens 22 Stücken zusammen. Diese wird sich eventuell nicht so einfach gestalten – aber das ist eine andere Geschichte.

 

Sommerkleid selber genäht
Nähen

Für die Sommer-Capsule: Mein Kleines Schwarzes ist bunt bedruckt

Beim heutigen MeMadeMittwoch möchte ich ein Kleid vorstellen, das in meiner ersten Capsule Wardrobe die Funktion des Kleinen Schwarzen übernimmt.

Kleid in Petrol, gemustert

Der Stoff

Polyester-Reststück vom Abverkauf-Wühltisch (Habe ich nicht gesagt, ich kaufe nur hochwertige Stoffe? Asche über mein Haupt… Aber es ist auch vor einem Jahr passiert, und ich muss gestehen, auch die Fotos sind somit ein Jahr alt. Das ist also mein erstes Blog-Fotoshooting, sechs Monate bevor ich den Blog „blaue Seide“ eingerichtet habe.)

Warum habe ich denn das Polytierchen gekauft, hatte ich doch schon damals eine aus allen Nähten platzende Truhe mit Stoffen daheim? Es waren natürlich die Reitermotive – hat sonst jemand von euch gleich an Hermès gedacht?

Das Schnittmuster

Wieder mal von Burda, aus einer Sommerausgabe des vergangenen Jahres.

Der Schnitt ist eigentlich für Jersey ausgelegt, aber es gibt ihn erst ab Größe 36 und ich mit meiner kleinen 32/34 dachte, es wird schon auch mit Webstoff gehen. Habe den Schnitt sogar etwas verkleinert, den Halsausschnitt aber vergrößert, damit der Kopf ganz sicher durchpasst. Wäre, glaube ich, gar nicht notwendig gewesen. Es gibt keinen Zip oder anderen Verschluss, ich streife es einfach über.

Die Länge habe ich absichtlich original gelassen; eventuell habe ich das Kleid sogar um einige cm verlängert. Noblesse oblige, mich erinnert der Stoff nun mal an die großen Seidentücher und Strandtunikas von Hermès 🙂

Schlichtes Kleid in Petrol Reitermotive

Das Sommerkleid

Wenn man dreißig Tage lang mit nur einem Kleid auskommen muss/will, ist dieses Modell perfekt, sage ich mal. Es erfüllt alle Kriterien, die dem Kleinen Schwarzen Kleid laut Chanel zugeschrieben werden:

Es steht mir.

Die Legende besagt, dass Chanel mal gesagt habe, ein kleines schwarzes Kleid steht allen Frauen. Gabrielle Coco Chanel war eine ausgezeichnete Geschäftsfrau und außerdem mit einem herrlich kontrastreichen Aussehen gesegnet, mit dunklen Haaren, scharf gezeichneten Augenbrauen und schwarzen Wimpern. Ein schwarzes Kleid steht vielen Frauen, vor allem aber jenen mit mit dunklen Haaren, scharf gezeichneten Augenbrauen und schwarzen Wimpern 🙂

Ich bin ein heller-kühler Sommertyp, mir steht Babyblau, und Eierschalen-weiß, und Mint, und Altrosa und ein bisschen auch Petrol. Trage ich reines pures Schwarz, muss ich vor allem eins: mich schminken. Scharfe Augenbrauen zeichnen, und schwarze Wimpern malen, und wenn ich dazu noch einen Hut aufsetzen dürfte, der meine Haare zum Großteil verdeckt – whoa! Ja, Schwarz steht allen Frauen!

Grund Nummer zwei:

Man kann es auf- oder abstylen. Mit schwindelerregenden High Heels kombinieren, wie beim obigen Shooting (Gottseidank habe ich die Schuhe nicht mehr, sie waren schrecklich) oder mit flachen Ballerinas tragen. Oder geflochtene Römer-Sandalen. Und jedes Mal sehe ich etwas anders aus.

Kleid in Petrol

Und zuletzt:

Es sieht (zumindest in meinen Augen) hochwertiger aus, als es ist.

Die Herstellungskosten betrugen weniger als 10 Euro. Ich finde, es ist die Kombination, die es ausmacht: der Druck; der einfache, aber raffinierte Schnitt (schaut nur, wie die Ärmel fallen, hach!). Es ist kurz, es hat einen breiten Ausschnitt und relativ kurze Ärmel, aber für ein Sommerkleid ist es doch recht – hochgeschlossen. Auch das mag ich sehr.

Sommerkleid selber genäht

Und noch einmal zur Caplsule Wardrobe

Mal sehen, wie das Kleid sich als das Sommerkleid der kommenden 30 (nun nur mehr 27!) Tage macht, wie oft und wie gerne ich es tragen werde. Im Moment habe ich übrigens noch das Gefühl, 20 Kleidungsstücke sind eine richtig große Menge und ich werde sicher nicht „hungern“. Das Kleid habe ich allerdings noch nicht getragen.

Liebe Grüße an alle MMM-Kolleginnen und nun gehe ich in der heutigen Ausgabe stöbern! Was habt ihr Schönes für den Sommer genäht?

 

 

mein kleiderschrank
Nachhaltigkeit

Capsule Wardrobe die Erste – Minimalismus trifft auf Kleiderschrank

Minimalismus ist nun wirklich kein neues Thema in meinem Zuhause. Es ist über zwei Jahre her, dass ich die Hashtags #minimalism und #simplicity zum ersten Mal verwendete – da stellte ich auf Instagram ein Bild von meinem Bad rein – auf dem Badewannenrand nichts als Seifenschale aus Holz und Stück Seife. Und das Beste: das Bad sieht noch immer (fast) so aus.

In den vergangenen Monaten ging ich mehrmals alle Möbel, alle meine Besitztümer durch, mistete immer wieder nach verschiedenen Methoden aus (für die Freaks unter euch: ja, auch nach der KonMari-Methode), trennte mich von Sachen, die mich nicht glücklich machen, legte Shoppingpausen ein, die sogar länger dauerten als beabsichtigt, und und und.

Ich habe das Gefühl, immer noch am Anfang zu sein, aber unsere Wohnung wirkt bereits viel luftiger und geräumiger, meine Träume von eigenem Nähzimmer und Wäschetrockner wurden wahr und wir konnten uns vorerst von unserer Putzhilfe trennen. Weniger Möbel und Gegenstände, mehr technische Unterstützung = halbierte Zeit zum Putzen.

Minimalismus – ja, im Kleiderschrank? Nein!

Kann ich mich also als fortgeschrittene Minimalistin betrachten? Vor einer Königsdisziplin habe ich mich bisher gedrückt, so oft ich auch meinen Kleiderschrank ausgemistet habe: dem Capsule Wardrobe!

Die Idee ist schon ein alter Hut: man wählt sich eine Anzahl Kleidungsstücke für eine Anzahl von Tagen aus und – hält sich daran. Quasi leben aus dem Koffer – aber zu Hause.

Besonders oft gelesen habe ich von „Projekt 333“ – man trägt im Laufe von 3 Monaten nur 33 Kleidungsstücke, und das inklusive Schuhe und Accessoires! Klingt nicht wirklich sexy, oder? Habe ich auch lange genug gedacht. Minimalismus hin oder her: aber ich nähe doch! Ich möchte doch Spaß an meiner selbstgemachten Kleidung haben! Ich habe doch gar nicht so viel, mein Gesamtbestand liegt unter dem deutschen Durchschnitt, glaubt man den Zahlen von Greenpeace… Da muss ich mich nicht auch noch künstlich beschränken…

Und dann machte es klick. Und zwar lustigerweise bei genau diesem Bild auf Pinterest:

capsule wardrobe
Quelle: Pinterest

Es muss das Bild des halbleeren Kleiderschranks gewesen sein, das mich so angetörnt hat 🙂 Auch in de neu geschaffenen „leeren“ Flächen meiner Wohnung verliebe ich mich immer und immer wieder. Luft ist eindeutig das Element meiner letzten Jahre.

Und da wurde es mir im Bruchteil einer Sekunde klar: Ich möchte es mit einer „Kleiderkapsel“ probieren. Auch die Vorteile lagen mir plötzlich auf der Hand – wieso habe ich nicht früher in diese Richtung gedacht?

  • Mit einer funktionierenden und gut durchdachten Kapsel nähe ich nur Sachen, die perfekt zu mir passen und verschwende nicht meine ach so rare Nähzeit, um Kleidungsstücke zu erstellen, die doch eher… Schrankhüter sind (hust-hust, zum Beispiel dieser wunderschöne Minirock).
  • Sobald ich eingesehen habe, wie wenig Kleidung ich eigentlich brauche (und das werde ich doch hoffentlich einsehen?!), werde ich umso mehr Sorgfalt beim Nähen aufwenden und mich immer mehr perfektionieren, anstatt das vierte T-Shirt in Folge rauszuwerfen. Da nähe ich in dieser Zeit doch lieber eine Weste mit echten Paspeltaschen oder einen aufwändig drapierten Rock, den sonst niemand hat.

Ich glaube, da war noch was, aber das fällt mir gerade nicht ein, und ganz ehrlich: diese beiden Vorteile sind es auch schon richtig wert, einfach zu starten.

Am liebsten hätte ich gleich am nächsten Tag angefangen! Ich habe mich entschieden, mal 20 Kleidungsstücke auszuwählen und das 30 Tage lang durchziehen. (Nur 20 Teile! Oh Mann! Ausgenommen in diesen Konzepten ist stets Funktionskleidung: also Kleidung zum Trainieren, zum Schlafen, zum Wandern, zum Schwimmen. Vorerst habe ich auch Schuhe und Taschen ausgenommen, aber davon habe auch nicht soooo viel.)

Allerdings werde ich damit etwas warten, denn die 30 Tage möchte ich natürlich am Stück machen und dazwischen verbringe ich ganze zwei Wochen im Norden. Eine Kapselgarderobe ist natürlich nicht für einen Klimawechsel dazwischen gedacht – deshalb erstellt man sie in der Regel für jede Jahreszeit neu. Ich fahre aber quasi vom Sommer ins Frühjahr zurück 🙂

Mitte Juni komme ich zurück, und dann geht’s los! Meine Auswahl ist getroffen, der Kleiderschrank vorbereitet. Aber seht selbst:

Hosen und Jeans

Jeans und HoseKurze Hose

Ohne Jeans kann ich nicht, sie werde ich mir IMMER, IMMER kaufen. Dafür ist die Hose selbst gemacht und oft getragen, seht mal hier und hier.

Die kurze Jersey-Hose ist eigentlich schrecklich, aber ich liebe sie sehr. Sie ist so herrlich bequem und lässig, ich trage sie sogar im Winter (mit Strumpfhosen). Ein edler selbstgemachter Ersatz muss her!

Drei Röcke

Alle selbstgemacht! Einen davon habe ich noch nicht verbloggt, den Bleistiftrock und den Valentino-Rock habe ich hingegen schon vorgestellt.

Statt dem kleinen Schwarzen: ein kleines buntes Sommerkleid

Darüber möchte ich auf jeden Fall noch schreiben. An welchen Designer erinnert euch das Muster? Natürlich selbst genäht.

Kleid

White Shirt – habe ich!

Meine geliebte weite weiße Bluse – gekauft letztes Jahr und seeehr oft getragen.

Weiße Bluse

Shirts und Tops

Ich mag Vögelchen 🙂 Die Taube in der Mitte sagt übrigens „I will shit on everything you love“ und ist auf der einzigen FairFashion Messe gekauft, die ich je besucht habe. Vielleicht sollte ich öfter auf solche Messen gehen.

Blusen und Tops mit Ärmel

Hm. Ich sehe, da bleibe ich einer Farbfamilie treu. Die ersten beiden sind gekauft.

Tanktop

Heißgeliebt (gekauft)

Tanktop

Pullover, Cardigan, Blazer

Jeweils eins von jeder Sorte, denn wir haben ja Sommer. Der Pulli ist zudem ohne Ärmel, dafür mit Kapuze. Selbst gestrickt. Der Cardigan ist vor Ewigkeiten gekauft. Den Blazer habe ich bereits gebraucht von einer Kollegin bekommen und habe ihn bereits sehr, sehr oft getragen. Er passt eben zu mir.

Und dann – räumte ich den Kleiderschrank neu ein!

Kleiderschrank ganz

Ach, verdammt. Haha 🙂 Er ist ja gar nicht halbleer! Eigentlich sieht DAS wie ein normaler Kleiderschrank aus. Nicht das, was die meisten von uns die meiste Zeit haben.

Ich glaube, ich komme damit 30 Tage gut über die Runden. Updates werden folgen. Ich bin selbst sehr gespannt, wie es mir damit geht, ob ich mich wohlfühle oder das Konzept vorzeitig über Bord werfe…

Ach was, aufgegeben wird nicht! Ich halte euch am Laufenden, meine Lieben 🙂

P.S.: Ich habe nachzählt. Es steht tatsächlich 10:10 – 50% gekaufte Teile, 50% selbstgemacht. Ein guter Schnitt, finde ich. Es zeigt, dass ich viele wirklich „tragbare“ Teile nähe, die ich gerne in eine einschränkende Kapsel aufnehme und die sich gut untereinander kombinieren lassen. Ansonsten: das Verhältnis könnte auch 18:2 sein. Denn  eine Jeans ist das Einzige, was ich nun wirklich immer, IMMER kaufen werde!

 

Lolita Rock Innocent World
Nachhaltigkeit

Follow the white rabbit – auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Der Rock, von dem ich heute berichten werde,  ist nicht natürlich mein allererstes Second Hand Teil. Wer hat als Kind nicht bereits getragene Kleidung bekommen?

An ein Hemdchen aus meinen Kindertagen kann ich mich besonders gut erinnern: aus feinstem Batist, mit kurzen Ärmeln, Kragen mit Steg, „wie bei den Großen“ und – einer verdeckten Knopfleiste! Und das Ende Achtziger in der Sowjetunion,  der Zeit der kratzenden Strumpfhosen, kratzender Unterhemden, kratzender Schuluniform, drückender Schuhe… Weil es nichts anderes gab. Noch nie zuvor und auch jahrelang danach habe ich keine verdeckte Knopfleiste gesehen, das war wie ein Gruß aus einer anderen Welt. Das war es  höchstwahrscheinlich auch – aus dem „Ausland“, dem „Westen“, „von drüben“, und noch zehn andere Synonyme für diese andere Welt; und dieses Hemd war eine Metapher für all das, was es alles in dieser Welt anders war. Dünner Batist in zartrosa, Brusttaschen und Knopfleiste. Ein Kinderhemd von besserer Qualität als jede Erwachsenenkleidung in unserem kleinen Haushalt damals.

Und so hat dieses Hemdchen von damals, das erst im Zuge unseres Umzugs nach Österreich in die nächsten guten Hände kam, eine Gemeinsamkeit mit dem geliebten Alice-Rock, meinem nächsten „ersten“ Second Hand Fundstück zwanzig Jahre später: in „neu“ hätte ich es nie haben können. Hätte ich es mir nicht leisten können? Nein, vielleicht aber doch, je nach dem… Viel eher wäre ich gar nicht damit in Berührung gekommen, diese Welten könnten genau so gut  verschiedene Planeten bevölkern: hochwertige Kinderkleidung aus Europa und ein Kind der sowjetischen Unterschicht, eine Angestellte aus Wien mit einem Faible für H&M, Primark & Co und die japanische Lolita-Marke…

innocent-world-alice-im-wunderland-second-hand
„So she was considering, in her own mind (as well as she could, for the hot day made her feel very sleepy and stupid), whether the pleasure of making a daisy-chain would be worth the trouble of getting up and picking the daisies, when suddenly a White Rabbit with pink eyes ran close by her.“

Ja, damals machte ich mir noch keine Gedanken über nachhaltigen Konsum, Umweltverschmutzung und faire Löhne, ich hatte mehr Billigshirts im Schrank als ich heute insgesamt an Kleidung besitze und die Rana Plaza Fabrik in Bangladesh stand noch acht Stockwerke hoch und unversehrt.

Das kommt alles auf mich zu ein paar kurze Monate später und zwar gleichzeitig: meine Ernährungsumstellung, Bilder von Plastik in Meeren, über 80% aussortierte Kleidung, die nicht mehr passt (wovon ich wiederum 80% sowieso nie oder nur ungern trug), Medien und Blogger schreiben über Rana Plaza, Nähen und Stricken sind meine neuen Leidenschaften, erste Gedanken zum Minimalismus  und, trotz allem: meine Desorientierung.

innocent-world-second-hand-skirt
„…Alice started to her feet, for it flashed across her mind that she had never before seen a rabbit with either a waistcoat-pocket, or a watch to take out of it, and burning with curiosity, she ran across the field after it, and was just in time to see it pop down a large rabbit-hole under the hedge.“

Was mache ich und wofür? Was kann ich alleine schon bewirken? Zieht nicht jeder Flug, den ich antrete, einen dicken Strich durch meine lächerlichen Bemühungen, „doch was für die Umwelt zu tun“? Oder gar jede gekaufte Packung von in Plastik eingewickelten Erdbeeren? Habe ich es nicht auch so schon schwer genug, aufgewachsen mit dem Gegenteil von Überfluss, und nun, bei aller Kaufkraft, von der Bekleidungsindustrie für Erwachsene oft  übersehen? Wo finde ich einen BH in Größe 60C? Und dann noch fair produziert?

Der Rock war zu dem Zeitpunkt schon gekauft, in einem Pariser Second Hand Shop mit Ausrichtung auf Lolita und Underground-Kulturen, einem Shop, den es leider nicht mehr gibt. Ich kaufte ihn trotz meiner Abwehrhaltung gegenüber „getragenen Sachen“ und obwohl er mir zum damaligen Zeitpunkt etwas zu klein war – wegen dem weißen Kaninchen aus „Alice im Wunderland“.

innocent-world-alice-im-wunderland-rock
„In another moment down went Alice after it, never once considering how in the world she was to get out again.“

Das weiße Kaninchen mit Westentasche und Uhr darin führte mich mit kleinen Schritten in eine andere Welt – nach diesem Kauf betrat ich keine einzige Primark-Filiale mehr. Lernte richtig nähen. Kaufte mein erstes „Fairmade“ Kleidungsstück….

Fast vier Jahre sind vergangen – und ich bin erst am Anfang dieses Weges, von dem ich nicht weiß, wohin er mich führen wird. Ja, ich kaufe immer noch Erdbeeren in Plastik. Mein großer Kleiderschrank ist mittlerweile halbleer (halbvoll?) und wird es auch bleiben. In den letzten 30 Monaten erwarb ich nur wenige Kleidungsstücke, einen Teil davon gebraucht.

In Gedanken bereite ich mich auf eine neue kleine Challenge vor – mehr dazu im nächsten Post.

innocent-world-second-hand-rock
„The rabbit-hole went straight on like a tunnel for some way, and then dipped suddenly down, so suddenly that Alice had not a moment to think about stopping herself before she found herself falling down what seemed to be a very deep well.“

Rock: Innocent World (eine japanische Classic Lolita-Marke)

Bluse: gleiches Burda Schnittmuster wie hier (Bluse aus russischem Wolltuch). Genäht aus einem Reststück dünnem Batist (Batist? Ja, so schließt sich der Kreis wieder 🙂 Ich kann das Schnittmuster sehr empfehlen: die Bluse fällt schön, sieht edel aus und ist an einem Tag genäht, selbst mit französischen Nähten, wie hier.

Schuhe: Pas de Rouge

Zitate: Lewis Carroll, „Alice’s Adventures in Wonderland“ (1865)

Ärmelloses Top Sorbetto
Nähen

Der Weg zum perfekten Sommer-Schnitt: mein erstes „Sorbetto-Top“

Am 18. April habe ich in diesem Blogpost beklagt, wie abgetragen meine alten, noch gekauften Sommersachen sind. Wenn es nun plötzlich warm wird (obwohl ich nicht mehr daran glaube), habe ich nichts anzuziehen!

Da schrieb ich von meinen trial and error Versuchen mit Jersey-Stoff – geendet sind sie trotz positiver Aussichten bei error. Die Feiertage waren vorbei, ich war genervt von abstehenden Halsausschnitten und beschloss, mir und dem Jersey eine Beziehungspause zu gönnen.

 Gratis-Schnitt nachkonstruieren?

Pause von Jersey – ja. Die ebenfalls angepeilte Nähpause habe ich nicht lange durchgehalten.

Ich fand, nun ist der perfekte Zeitpunkt, um das Sorbetto-Top von Colette Patterns auszuprobieren. Sorbetto ist ein Gratis-Schnittmuster, zu finden und zu holen im Colette Patterns Shop (man muss sich nur vorher registrieren).

Sorbetto Top Skizze
Quelle: Colette Patterns

Ein schönes anfängertaugliches Projekt, viel besprochen und präsentiert in den Weiten des Internets, wandelbar – eine gute Ausgangsbasis für die Suche nach dem perfekten Sommerschnitt. Ich beschloss aber, mir nur die Nähanleitung herunter zu laden und den Schnitt selbst zu konstruieren. Nicht, weil ich Herausforderungen so sehr liebe – es schien mir in der Tat der einfachere Weg.

Den Schnitt im richtigen Maßstab ausdrucken, zusammenlegen, zusammenkleben, dann ausschneiden – und dann? anpassen, natürlich. Und zwar nicht nur den Brustabnäher verlegen…

Den Schnitt gibt es zwar in unglaublichen 13 Größen, aber die kleinste Größe, die von den Medien so verpönte Size Zero, geht hier von einer Brustweite von 84 cm aus. Ich habe aber 77 – das sind fast zwei Größen weniger!! Was wär das dann, die Doppel- oder die Dreifachnull?! Hm… Es ist ein komisches Gefühl, nicht in ein Raster zu passen.

An einem Samstag um 10:13 stellte ich mich an meinen Zeichentisch, um 10:56 war der Schnitt fertig und auch schon abgepaust. Es gibt nichts einfacheres zu konstruieren, als ein ärmelloses Top mit Brustabnähern.

Und hier das Gesamtoutfit!

Sorbetto Top mit Jeans und High Heels

Top: Viskose-Stoff mit Papageien-Print

Jeans: Diesel

Gürtel: Hugo Boss

Pumps: Evita

Das Nähen hat dann mit allen Unterbrechungen und drum und dran eine Woche gedauert, also bis zum nächsten Samstag. Am Sonntag konnten wir das Top in der  Lobby unseres Hotels in Rotterdam ablichten. Geplant war natürlich ein Shooting draußen, aber  bei 11 Grad mit eisigem Nordwind… 🙂 So entstanden also die ersten Indoor-Fotos in meinem Blog.

Sorbetto Top

Ich bin froh, die Nähanleitung des Tops ausgedruckt zu haben, ohne sie hätte ich einige Schritte umständlicher gemacht. Arg verschätzt habe ich mich in der Breite der Falte vorne – wenn ich meine Bluse mit der technischen Zeichnung von Colette Patterns vergleiche, könnte sie glatt 5 cm breiter sein. Aber so ist es doch auch hübsch.

Sorbetto Ausschnitt

Neues Top, neuer Schnitt

Ich bin sehr stolz auf mich und werde das Top sicherlich oft tragen. Für das nächste Modell (guess what! ich habe noch einen Vogelstoff, diesmal reine Seide!) werde ich den Schnitt allerdings neu konstruieren (mühsam nährt sich das Eichhörnchen 🙂 )

Ich werde die Schulter erhöhen, ich habe nämlich zwar breite, aber stark abfallende Schultern. Die Brustspitze des Grundschnitts gehört um 1,5 korrigiert (was das ausmachen kann! vor allem bei festem Stoff! Vielleicht war auch das eines der gravierenden Probleme  bei diesen Versuchen). Außerdem werde ich das Top etwas verlängern, da der leichte Sommerstoff zu gerne rauf rutscht.

Und – ich denke über kleine kurze Ärmel nach.

Ärmelloses Top Sorbetto
Daaa, seht ihr die Falten von der Schulter runter? Das ist, weil ich die Schulter im Grundschnitt nicht erhöht habe! Der Stoff staut sich in Halsnähe… Nevermind.

Ich bin noch nicht ganz überzeugt von der Kombi des fließenden Stoffs und der „abgeschnittenen“ Schulterpartie. Bei Jersey-Leibchen stört mich das gar nicht, aber sie zeigen auch mehr Schulter.

Ich finde gerade meinen Schulter- und Armbereich schön und gut proportioniert, aber diese Armausschnitte finde ich nicht sehr vorteilhaft und ich konnte es für mich noch nicht ausformulieren, warum. Grundsätzlich gilt aus meiner Sicht:

  • Einem Großteil der Frauen steht es, wenn die Schultern etwas betont sind (optisches Gegengewicht zu Taille und Hüfte!)

Dieses Modell hingegen lässt die Schultern schmäler wirken als sie sind. Kurze Ärmel würden hier die Schulterlinie fortführen und sie an ihrer natürlichen Stelle enden lassen.

Sorbetto Top Vogelprint
Nein, ich schau nicht so böse, weil ich mir über das Schulter-Problem Gedanken mache 🙂

Also der nächste Vogelstoff bekommt Ärmel und ich schaue dann, was mir besser gefällt 🙂 Vielleicht lasse ich euch sogar abstimmen 🙂

Und nun verlinke ich zu meinem geliebten MeMadeMittwoch und werde da gleich ein wenig stöbern bei meinem ersten Kaffee 🙂

Guston Henley Pullover nach Anleitung von Brooklyn Tweed
Stricken

Für ihn… und ein bisschen für mich – der Guston Henley Pullover

Auf meinem Blog habe ich vorerst drei Kategorien eingerichtet: Nähen, Stricken und Slow Fashion. Ein kurzer Überblick zeigt, wo ich meinen klaren Fokus habe: dies ist erst der zweite Post, der sich um ein selbstgestricktes Kleidungsstück dreht. Und das, obwohl ich zum Nähen erst durchs Stricken gekommen bin! Und, wenn ich mal ganz, ganz ehrlich bin: das Stricken an sich,  die Haptik der Nadeln, die gleichmäßige Bewegung der Hände…. macht mir fast mehr Spaß als das Nähen. Heftfäden rauswuzeln, Nahtlinien markieren, Ärmel einsetzen – es gibt zu viele lästige Arbeiten auf dem Weg zum Traumteil 🙂

Stricken – ein Stiefkind unter den Hobbies

Warum habe ich dann überhaupt mal darüber nachgedacht, mit dem Stricken (zumindest von Oberteilen) aufzuhören? Untragbares und Schreckliches habe ich bereits sowohl mit Bambusnadeln als auch mit der Nähmaschine produziert…

Aber das Stricken dauert so lang! Tage, Wochen, ja Monate können vergehen, bis man zumindest das Augenmaß zu Hilfe nehmen kann, um zu sagen, ob das was wird mit der Passform oder nicht. Da ist nichts mit „ich gehe heute früher von der Arbeit und schiebe eine drei-Stunden-Strick-Session ein, um zu sehen, wie der Pulli sitzt, den ich gestern angeschlagen habe“. Und was denkt man sich, wenn man nach 3-4 Wochen Arbeit endlich ein fast komplettes Rücken/Vorderteil in der Hand hält? Also, ich weiß nicht, wie das andere handhaben, ich denke immer, „wird scho passen“. 🙂  Tut es ja auch oft. Aber manchmal auch nicht. Aber das erfahre ich ja erst in ferner Zukunft (=weiteren 4-5-10… Wochen).

Für diesen großartigen Pullover nach der Anleitung von Brooklyn Tweed habe ich sagenhafte 8,5 Monate gebraucht:

Strickanleitung von Brooklyn Tweed für einen klassischen Pullover mit Knopfleiste
Guston Henley Pullover (Brooklyn Tweed 2012)

Und es hat sich voll und ganz ausgezahlt.

Guston Pullover – die Entstehung

Anleitung von Ann Budd (Brooklyn Tweed Kollektion 2012) – teuer, aber gut! Sehr ausführlich, gut gegliedert, mit Bildern und Grafiken, einfach top.

Wolle: Jamieson’s of Shetland Double Knitting, Farbe Atlantic. Auch diese Wahl kann ich uneingeschränkt weiter empfehlen (wuhuu, endlich mal ein rundum positiver Post! 🙂 ) Das Beste: die Wolle gibt es in über 200 Farben!

Nadeln: 4 mm (ja, genau, für Herrengröße 48/50. Ich bin ein Held).

Ich habe mich damals (vor über 10 Monaten 😉 für diese Wolle entschieden, weil ihre Maschenprobe sehr ähnlich zum Original Guston-Modell ist. In einer russischsprachigen Strick-Community habe ich außerdem gelesen, dass genau diese Wolle von der rauen Shetland-Insel einmalige Eigenschaften aufweist, wenn es um Wärmeregulation geht. Das heißt, der Pulli wärmt hervorragend, aber es wird einem nicht stickig heiß, wenn man sich in warmen Räumen aufhält.

Unsere Reise nach Rotterdam Ende April war somit ideal, um den Pullover (= die Wolle) zu testen. Was habe ich mich in den letzten Wochen vor der Reise beeilt!

Herrenpullover Anleitung von Brooklyn Tweed
Ja, es war so kalt, wie es hier auf dem Bild aussieht 🙂

Was soll ich sagen, er war einfach perfekt. Wir müssen uns hier nicht rein auf die Worte von meinem Liebsten verlassen (was verstehen schon Männer von der Thermoregulation, pff!), denn auch ich habe den Pullover getragen. Es heißt ja in der Beschreibung zur Anleitung, „unisex garment“. Somit war er jeden Tag im Einsatz und wir hatten wirklich viel Freude daran.

Ach ja, und die Metallknöpfe haben wir bei unserem letzten Paris-Besuch im legendären Montmartre-Viertel ausgesucht und gekauft. Sie sind eigentlich viel zu schwer für ein Strickstück, aber wenn sich mein Mann etwas in den Kopf gesetzt hat… So kann er die Knopfleiste halt nicht offen tragen, sei’s drum.

Knopfleiste Guston Henley Pullover von Brooklyn Tweed

Und die Stolpersteine?

Zwei Sachen haben mir die Vollendung etwas erschwert.

Zum einen: achteinhalb verdammte Monate Arbeit, und das auch noch für wen anderen 🙂 Wem dabei nicht die Puste ausgehen würde, möge sich bitte melden in den Kommentaren.

Das andere ist ein Spezifikum des Strickmusters: Der Pullover wird zuerst in Runden glatt rechts gestrickt, bis kurz vor den Armausschnitten das Zopf/Schachbrettmuster einsetzt. Zöpfe ziehen ja bekanntlich ein Strickstück zusammen – oft werden vor einem Zopfbeginn Extra-Maschen aufgenommen. Dies ist in dieser Anleitung nicht der Fall. Diese Zöpfe gehen aber auch nur über zwei Maschen, und ich kann mir vorstellen, dass dieser Effekt bei einem loseren Gestrick weniger oder gar nicht einsetzt. Ich bin aber eine absolute Feststrickerin, und bei mir gilt: was sich zusammen ziehen kann, das zieht sich zusammen, und zwar stärker als erwartet.

Aus diesem Grund schien der Pullover unten viel weiter als oben, und bei den Schultern wirkte er gar unnatürlich schmal. Ich hoffte einfach bis zuletzt, dass die eingesetzten Ärmel die Schultern auseinander ziehen würden. Dieser Effekt ist auch eingetreten – der Pullover sitzt in meinen Augen gut.

Mein eitler Sonnenschein bemäkelt daher an dem Schnitt, dass er ein kleines Bäuchlein formt – ich bin der Meinung, wo nichts ist, da kann auch nichts geformt werden, husch. Die vergleichsweise schmalen Schultern führen dafür dazu, dass der Pullover auch an mir akzeptabel sitzt – also kein Penner-Oversize-Modell, sondern schick und gewollt Oversize. Ich mag ihn sehr.

Hier noch einmal der direkte Vergleich. Ich finde, ich habe es sehr gut getroffen, mit dem Pullover und auch dem Model 😉

Das ist also ganz sicher nicht das letzte Mal, dass ich nach einer Anleitung von Brooklyn Tweed und mit der Jamieson’s Shetland Wolle gestrickt habe. Wieso habe ich auch nur einen Moment daran denken können, mit dem Stricken aufzuhören?

Verlinkt auf Creadienstag #278

Guston Henley Outfit
Die Fotostrecke entstand in Rotterdam auf dem Gelände des Maritimen Museums.
Ausmessungen Rockbund
Nähen

Think outside the box!

Dies ist kein üblicher Blogpost von mir, voll mit schönen Bildern mit kompletten Outfits bei tollem Wetter… Obwohl, ein richtig schönes Bild habe ich für euch 🙂 Aber heben wir uns dieses Schmankerl für später auf…

Ein, zwei Tops aus Jersey, ärmellos

Ursprünglich war es keineswegs als ein Projekt gedacht, das eines Blogbeitrags würdig wäre. Auch wenn es im Moment nicht so aussieht – der nächste Sommer kommt bestimmt und alle meine ärmellosen Tops sind bereits seeehr abgetragen. Zugegeben, in einem kurzen Panikmoment habe ich sogar daran gedacht, welche zu kaufen. Aber dann stellte ich den voraussichtlichen Aufwand gegenüber:

Kaufen:

Suche. Geschäfte vor Ort? Wann? Am Wochenende? Uff…. Zalando? Anprobieren. Ggf Rückversand organisieren, es passt nie alles auf Anhieb. Wenn alles passt: Träger abstecken, kürzen mit der Overlock – sie sind bei mir immer! immer zu lang.

Selbst nähen:

Schnittmuster zeichnen, abpausen, Top ausschneiden, overlocken, dann Hals- und Ärmelausschnitt.  Voraussichtlich 5 Stunden? Höchstens 6, sagte ich mir.  Und wenn alles gut geht, kann ich den Schnitt reproduzieren und das Problem ist für immer Geschichte.

Na bitte, dann los geht’s. Der Ostermontag schien ein perfekter Tag für so ein Zwischendurch-Projekt.

Ich habe schon etliche T-Shirts mit Ärmel genäht, also machte ich es mir noch einfacher und pauste den T-Shirt-Schnitt ab, zeichnete den Arm- und den Halsausschnitt neu ein, schnitt aus und nähte. Der Schnitt ist ja erprobt.

Und dann kam das böse Erwachen.

Gottseidank probierte ich es an, bevor ich mich an die Arbeit mit den Ausschnitten machte! Der Schnitt ist ja erprobt!

Alles passte wunderbar, nur klafften die vorderen Armausschnitte oberhalb der Brust auf, und zwar so richtig. Auf jeder Seite war da bis zu 5 cm Stoff zu viel.

„Vielleicht helfen da Bündchen bei den Armausschnitten“, dachte ich. Vielleicht sind sie dazu da, das Ganze zusammen zu halten, man näht sie schließlich mit Zug an. Na, was glaubt ihr? Der so „versteifte“ Armausschnitt (zum Glück hab ich nur einen gemacht, bevor ich wieder anprobierte) klaffte nun umso besser, hatte er doch Stütze bekommen.

So ratlos war ich noch nie. Ein erprobter Schnitt, nur halt ohne Ärmel! Oder werden eventuell ärmellose Tops ganz anders konstruiert? Mit anderen Formeln, anderer Schablone? Blödsinn, das kann doch auch nicht sein!

Als Nächstes: googlen. „Das Problem der klaffenden Armausschnitte betrifft vor allem große Brüste“… „Hier muss auf jeden Fall eine FBA (full bust adjustment) durchgeführt werden“. Oh Mann, dass ist nicht euer Ernst! Gut, Internet ist auch keine Hilfe…

Mittlerweile hatte sich auch mein Mann dazu geschaltet. Er hat mit dem Nähen nichts am Hut, aber er liebt Rätsel. Und ich hatte genug günstigen Jersey und viel Zeichenpapier..

Zeichnen – zuschneiden – zeichnen – zuschneiden…

  • Top als Ganzes schmäler machen? Vielleicht ist es zu weit?
  • Armausschnitte zu rund? Was ist, wenn sie „gerader“ wären?
  • Vordere Schulter heben! Irgendwer im Internet hat das gemacht!
  • Vielleicht ist die abfallende Schulterlinie das Problem… Vielleicht sollten die Träger gerade sein?
  • So, und das Top noch enger machen! Vielleicht hilft es!

Ja, ich habe insgesamt 4 Tops zusammengetackert und jede einzelne Hypothese ausprobiert. Stunden um Stunden. Alles, was ich für „die“ Lösung hielt, musste nach und nach verworfen werden.

Und irgendwann stand ich nur da und schaute mit sinnentleertem Blick auf das ursprüngliche Top, während mein Liebster daneben stand und eine höchst komplizierte Vermutung entwickelte, nämlich, dass exakt diese Armausschnitt-Krümmung niemals mit genau dieser Schulterlinie korrelieren könne, weil nämlich die beiden Winkel…

Wart, sagte ich und zog mich aus. Nein, nein, nicht wegen Stressabbau, als nächstes stand ich nämlich mit einem Maßband vor ihm 🙂 „Miss meine Oberbrustweite, bitte“, bat ich. „Fest, bitte“. -„68“, sagte er.

Was, du bist unfähig! Du bist auch keine große Hilfe! Das kann nicht sein! Schau, hier im Buch steht, wie du messen sollst! Mach ordentlich!

„68“, sagte er. – „Hm, und wenn du sehr locker misst?“ – „72“, sagte er.

Bäm!

In allen meinen Konstruktionen bis ich bisher von 76 ausgegangen.

Ich wollte eigentlich bereits meine Ruhe und Feierabend haben, aber ich holte noch ein Blatt Zeichenpapier und erstellte einen Grundschnitt zwei Größen kleiner. Schnitt zu und nähte mit der Overlock. Mein Liebster schenkte mir ein Glas Wein ein. Ich probierte. Die Träger passten. Nichts klaffte mehr, die Armausschnitte schmiegten sich an meine Schultern.

Na klar, sagte mein Mann, das erste Shirt war eh viel zu groß. Und zog es an 😀

top-passform-probleme

Und die Moral von der Geschicht?

Ich hätte mir fast einen ganzen Tag sparen können 🙂 Wenn ich mich gleich mit der Ursache und nicht mit Symptomen beschäftigt hätte…

Und ich muss alle meine „erprobten“ Schnittmuster neu erstellen. Ich weiß nicht, wie der Messfehler zustande kam (die verlorenen 2 kg können doch nicht die Ursache für den Unterschied gewesen sein?), aber nun merke ich, dass meine T-Shirts und Blusen viel Mehrweite exakt über der Brust haben. Durch die perfekte Passform der Ärmel, Brusthöhe, Brust- und Taillenweite fällt es nur nicht auf.

Die Frage ist nur, ob ich tatsächlich besser von 68 oder 72 cm ausgehen soll, aber das erfahre ich nur durch Ausprobieren.

Think outside the box, meine Lieben, oder wie sagt man noch bei uns in Österreich – mitdenken ist nicht verboten 🙂

Ich habe bereits eine Hose, Bluse und Weste konstruiert – um schließlich an einem ärmellosen Top aus Jersey zu scheitern. Aufstehen, Krone richten, weitergehen. Das nächste Näh-Wochenende kommt bestimmt.

 

 

Hose aus Woll-Seiden Mischung, Tweed
Nähen

Violett, orange und rosa – so trage ich die neue Hose!

Ich gehöre zu den Menschen, bei denen Tasche und Schuhe farblich nie zusammenpassen.

Es gibt ja bekanntlich solche und solche. Laut meinem Gefühl gehöre ich eindeutig zu einer Minderheit – egal, welches Land, welche Generation und welcher Verwandtschafts- und Bekanntengrad  – was hatte ich nicht schon mit Tipps zu kämpfen, wie:

Wundervolle neue Schuhe hast du! Taupe ist jetzt in! Jetzt musst du nur noch die passende Tasche in Taupe finden!

Schau, du hast doch diese tolle blau-weiße Tasche – ich habe heute bei meinem Spaziergang direkt neben dem einen Geschäft gleich bei der U-Bahnstation, du weißt schon, hinter der Straßenbahnlinie, blau-weiße Schuhe entdeckt – du musst gleich morgen hin und sie kaufen!

Deine roten High Heels sind so schön! Ich habe heute den ganzen Vormittag auf Zalando gestöbert und endlich eine perfekte rote Tasche dazu gefunden! Wart, ich schick dir den Link!

Ähm, ja. Danke. Schau ich mir an.

Es gibt nicht nur Farben! Die Kinder lernen im Kindergarten Farben, rot, gelb, und blau, und weiß was ich noch, aber sie lernen auch: matt und glänzend, flauschig und glatt, und dann gibt es noch voluminös und kompakt, schlicht und üppig, und und und… Es ist eine unendliche Spielwiese.

Soviel zu Schuhen und Taschen – und wenn dann noch ein andersfarbiger Gürtel dazu kommt? Empfindliche Gemüter, jetzt bitte wegschauen 😀

Hose aus Woll-Seiden Mischung, Tweed

Das Outfit:

Tweedhose aus einer Woll-Seidenmischung, selbst konstruiert in der Modeakademie.

Hemdbluse: auch selbst konstruiert, und hier vorgestellt.

Gürtel: Hugo Boss und noch zu haben (Zalando)

Schuhe: Pas de Rouge

Tasche: DKNY, meine große Liebe

Die Tweedhose

Es ist meine zweite Hose, die ich genäht habe – und dann gleich auch noch selbst konstruiert!

Es war ein angenehmes und relativ schnelles Projekt. Das Schnittmuster hat auf Anhieb gepasst, was meine Lehrerin im Kurs sehr erstaunt hat – ich habe wohl eine richtige „Hosenfigur“. Dem Grundschnitt habe ich ordentlich Weite dazugegeben, um eine richtige Businesshose zu bekommen – die nächste Hose werde ich aber wieder enger machen. Es ist doch etwas ungewohnt.

Tweedhose Passform von hinten

Die seitlichen Eingriffstaschen waren gar nicht schwer zu nähen – die würde ich am liebsten nun überall einsetzen! Und, oh, jetzt weiß ich, wozu die ganzen Baumwollschnipsel gut sind, die ich immer aufhebe!

Buntes Taschenfutter, Tweedhose

Alles in einem bin ich sehr glücklich und stolz auf mich. Ich habe ein komplettes Outfit fürs Büro genäht – businesslike und maßgeschneidert. Jahrelang habe ich außer Kleidern nur Jeans und Jersey-Tops ins Büro getragen. Kaufhosen und -Röcke alle viel zu groß, und die Passformprobleme mit Blusen habe ich ja auch schon beschrieben.

Nun habe ich aber das Schnittmuster, dass ich unendlich optimieren und reproduzieren darf 🙂 Ein dünner grauer Wollstoff liegt auch schon gewaschen und wartet auf den Zuschnitt. Ich muss mich nur noch entscheiden, ob ich das Taschenfutter diesmal  in mint oder weinrot haben möchte…

Tweedhose Outfit mit Gürtel Hugo Boss

Und wie sieht es mit euch aus? Ich bin gespannt 🙂

Schuhe-Tasche-Gürtel, was soll zusammenpassen? Die Farbe? Die Textur? Der Stil? Oder kann man eh alles tragen, wie einem der Sinn danach steht 😀

Und was habt ihr schon alles an Business Kleidung genäht?

Ich präsentiere das Outfit wieder mal beim MeMadeMittwoch, wo auch die heutige Gastgeberin Dodo ihre Lust auf Farben vorstellt…

 

Roch aus Seidenchiffon von Valentino
Nähen

Mein Frühling in Mint – Seidenchiffon von Valentino

Das Motto des heutigen MeMadeMittwochs ist „Frühlingserwachen“ – wie schön, und genau rechtzeitig, denn der Frühling meint es heuer wirklich gut mit uns! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Anfang April kurze Ärmel getragen hatte…

Außerdem habe ich heute noch eine Premiere – wie kommt es, dass mein Blog „Seide“ im Namen hat und ich noch kein Kleidungsstück aus Seide vorgestellt habe? Hier ist es – mein Rock aus Seidenchiffon von Valentino!

Seidenchiffon Valentino

Frühlingsoutfit in Mint

Rock: Seidenchiffon von Valentino und leichtes Viskosefutter. Kein Schnittmuster, einfach die ganze Stoffbreite eingereiht (2x Hüftbreite hätte es aber auch getan! 🙂 )

Top: Dill Tee von We are Knitters aus peruanischer Baumwolle

Es erforderte viel Mut, den Stoff zu kaufen 🙂 Meine erste Seide, und dann auch noch Designerware! Zum Glück braucht man für so einen Rock nicht viel Stoff; hier sind ca. 85 cm – absolut restlos verarbeitet.

Der Chiffon ist sehr dünn, sehr leicht und absolut durchsichtig – hier war ein Futter ein Muss. Ich habe mich für einen sehr leichten, aber weniger durchsichtigen Viskosestoff im absolut gleichen Farbton entschieden.

Bei zwei so filigranen Stoffen war an die Overlock natürlich nicht zu denken – ich habe die Enden vor dem Zusammennähen verarbeitet. Da die Stoffbahnen schön im Stoffbruch zugeschnitten waren, konnte ich den Stoff direkt unter der Nähmaschine zwei Mal knapp umschlagen und mit viel Zug ohne Stecknadeln versäubern.

Fürs Einreihen habe ich den Oberstoff und das Futter aufeinander gelegt und wie einen Stoff bearbeitet. Zum Schluss kamen der Bund rauf und der Nahtreißverschluss rein. Beim Bund ausmessen hab ich mich heillos verschätzt – da kam einfach alles zusammen: ich war gerade in meiner „molligeren“ Phase, vielleicht auch noch angegessen beim Ausmessen? Dann habe ich aus irgendeinem Grund 1 cm für die „Bequemlichkeit“ zugegeben – das mache ich normalerweise nie! Ich schneide den Bund immer 1:1 zu! Möglich ist auch, dass ich den Reißverschluss zu knappkantig eingesetzt habe…

Als Folge rutscht der Rock als Ganzes runter und der vordere Bund noch zusätzlich ein Stückchen 🙂

Dilltop von We are Knitters

Lessons Learned für einen zarten Seidenchiffon

Für einen wunderschönen Rockfall hätte ich heute noch etwas anders gemacht, und zwar:

Ich hätte einen deutlich festeren Futterstoff genommen, mit viel Eigenstand. Den hätte ich als halben Teller zugeschnitten, damit er schön schwingt, aber in der Taillengegend nicht aufträgt. Dann hätte ich den Chiffon darauf eingereiht. Also, ich glaube, das wäre die perfekte Lösung, und die werde ich auch ausprobieren 🙂 Muss glatt schauen, ob es auch heuer schöne Chiffonstoffe im meinem Lieblingsstoffladen gibt…

Meine Kompromisslösung

Was machen zwei hauchdünne Stoffe, auch wenn man sie zusammennäht? Überraschung – sie hängen wie ein Putzlappen runter! Der Rock hing gar so traurig, dass nicht einmal die schönen Lotusblumen zu erkennen waren! Da aber aufmachen und neu machen so gar nicht mein Ding ist, habe ich kurzerhand ein Crinoline-Band ans Futter genäht:

Crinoline Band

Nun hat zumindest der Saum den richtigen Stand und der ganze Rock schwingt mit:

Schwingender Seidenrock

Das Problem bleibt, dass der Rock als Ganzes einfach zu leicht ist – ich kann ihn leider nicht wirklich zum Tanzen anziehen, und wenn ich ihn im Alltag trage, muss ich immer daran denken, schöne Unterwäsche anzuziehen 😀 Mit einem halben Teller als Unterrock wäre das Outfit wesentlich jugendfreier.

Und das Top?

Hach, auch da hab ich mir so richtig viel Mühe gegeben:

Schöne Knöpfe mit Tieren

Was soll ich sagen, ich liebe Blumen, Vögel, Tiere… und die Farbe Mint!

Ansonsten gibt es über das Top nicht viel zu sagen. We are Knitters ist ein Unternehmen mit absoluten Marketing-Genies im Team, da könnte man richtig neidisch werden. In der Vermarktung stimmt einfach alles – angefangen mit Strategie, Konzept bis hin zur letzten Verpackung der Stricksets.

In meiner Rolle als Endverbraucher kann ich hingegen nicht so viel Begeisterung aufbringen. Die Wolle scheint mir überteuert, die Anleitungen nicht fertig ausgearbeitet (nur eine Einheitsgröße?! wtf) und überdies nicht wirklich anfängerfreundlich. Und Anfänger sind es ja, die von ihnen angesprochen werden – meine erfahreneren Leserinnen werden vermutlich schon anhand der Bilder wissen, wie der Pulli zu stricken ist.

Dill-Tee We are knitters

Wie bin ich Zwergerl mit der Einheitsgröße zurechtgekommen? Als Feststrickerin fiel es mir leicht: meine Maschenprobe war viel zu klein und somit genau richtig für mich. Ehrlich gesagt, finde ich das Top im Original recht lose gestrickt, ich mag es, wenn Gestricktes etwas Stand und Substanz aufweist 🙂

Gesamtes Outfit in Mint

Alles Liebe, und schaut bitte unbedingt am heutigen MeMadeMittwoch vorbei! Ich bin schon sehr gespannt auf alle blumigen, luftigen, romantischen und bunten Frühlingsoutfits!

Vintage Gucci Shawl with ducks
Nachhaltigkeit

Slow Fashion Outfit mit Vintage Tuch von Gucci

Was bedeutet Slow Fashion für euch?

Für mich sind es alle Wege, die dazu führen, den Konsum von Kleidung zu reduzieren und in bewusstere Bahnen zu lenken. Kleidungsstücke besser aussuchen, länger tragen, unterm Strich weniger besitzen…

1.) Kleidung selber herstellen.

Ideen lange ausbrüten, Zeit finden, sie zu verwirklichen. Das Nähen von einer einfachen Hose dauert bei mir schon mal 30 Stunden, wie ich es im letzten Beitrag festgestellt habe. Um einen Pullover zu stricken brauche ich schon mal 5 bis 8 Monate… (Und nein, ich habe nicht die Feinmotorik einer Vierjährigen beim Stricken, wohl aber einen Vollzeitjob andere Hobbys, und und und… 🙂 🙂 )

2.) Kleidung bei namhaften zertifizierten „Öko-Anbietern“ erwerben.

Ich muss zugeben, hier habe ich am wenigsten Erfahrung. Es gibt dazu aber viele gut aufbereitete Blogs mit Tipps und Berichten. Ich habe mich in diese Richtung gar nicht vorgetastet, da eine oberflächliche Recherche ergeben hat, dass die meisten dieser Produzenten Kleidung ab Größe 36 anbieten, ich habe aber im besten Fall eine 32. (Achtung!! Marktnische 🙂 )

3.) Second Hand und Vintage Kleidung

Auch da bin ich erst am Anfang, freue mich aber schon auf mehr. Ich hätte nie gedacht, dass ich gerade in Second Hand Shops Sachen finden kann, die perfekt zu mir und meinem Stil passen! Dass alte Kleidung von einer Aura umgeben ist, die ich sonst nur von meinen selbst gemachten Sachen kenne. Und ganz ehrlich: Dass man  auch jahrzehntealte Kleidung in einem einwandfreiem Zustand  bekommen kann.

 

Slow Fashion Gesamtoutfit

Hier ist mein heutiges Slow Fashion-Outfit:

Lace-Pullover aus russischem Mohair, selbst gestrickt. Auch hier vorgestellt.

Bleistiftrock aus Wollgemisch, selbst konstruiert und genäht.

Tuch mit Entenmotiv: Gucci, vermutlich 70er Jahre. Seiden-Wollgemisch. Vintage/Second Hand Shop in Lissabon.

Leder-Handschuhe: Second Hand Shop 1070 Wien.

Das Tuch ist unglaublich schön. Ich glaube, so einen Treffer landet man einmal im Leben 🙂 Ich muss ja grundsätzlich alles besitzen, das einheimische/europäische Vögel zeigt, ich glaube, das Tuch hat all diese Jahre nur auf mich gewartet…

Gucci Vintage Tuch mit Entenmotiv
Die Tuchkante ist natürlich mit Handstich (unglaublich gleichmäßig!) rolliert.

Meine Vorliebe für elegante Handschuhe hat man ja schon in diesem Beitrag erleben dürfen… 🙂

Slow Fashion Second Hand Gucci Tuch

Die Handschuhe sind aus feinstem Leder und wurden noch nie zuvor getragen… Man merkt es ja sofort, wenn man Lederhandschuhe zum ersten Mal überstreift.

Gucchi Vintage Tuch aus einem Second Hand Shop in Lissabon
Mein erster Rock mit Schlitz

Unsere Kurzreise nach Lissabon war alles andere als eine Shopping-Reise geplant, und ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, was uns bewogen hat, in das kleine Vintage-Geschäft hinein zuschauen. Es ist wirklich zauberhaft und wunderschön sortiert; die Besitzerin lieb, gesprächig, aber nicht aufdringlich. An dem Tag, als ich beschloss, das Tuch zu kaufen, machte sie extra für mich auf – der Laden hatte zu, da gerade Fotos für den neuen Webshop gemacht wurden. Die ersten Sachen sind schon online!

(Oh je, jetzt teile ich den Link, und irgendjemand kauft sicher sofort das tolle Seidentuch von Salvatore Ferragamo mit den drei Hirschen drauf, dabei hätte ich es so gern, aber ich habe doch schon ein schönes Tuch, und ich kann doch nicht alle Designer-Tücher mit Tiermotiven aufkaufen, oh, ich hoffe, es findet eine gute Besitzerin, aber wenn es ein paar Monate niemand kauft, vielleicht soll ich doch?…)

Vintage-Tuch, Bleistiftrock, Mohair-Pullover

Was haltet ihr von Second Hand Shops? Habt ihr da schon mal richtige Schätze entdeckt?

Wie wichtig ist der Begriff Slow Fashion für euch? Was bedeutet es für euch, setzt ihr es um und wie?