Pullover mit Lochmuster aus Ziegenhaar
Stricken

Mohair in Natur

Im herrlichen Geschenkpaket von meinen russischen Verwandten waren neben den Pavlovo Posad Tüchern auch zwei Knäuel des original Orenburger Ziegenhaars. Weniger bekannt als Cashmere- oder Yakwolle, zählt auch diese Wolle zu den dünnsten und hochwertigsten der Welt. Die Tiere werden nur in der kalten Jahreszeit ausgekämmt: die frostigen und trockenen langen Winter der Region lassen bei den Ziegen besonders dichten und warmen Flaum wachsen.

Orenburger Lace Schals

In der Orenburger Region werden seit über 250 Jahren große Lacetücher gestrickt. Für die nötige Formstabilität wird die Ziegenwolle meist mit Seiden- oder Baumwollgarn verzwirnt. Die Tücher werden unvergleichlich warm und werden bei guter Pflege jahrzehntelang getragen.

Als besonderes Qualitätsmerkmal gilt es, wenn man ein solches großes Lace-Tuch durch einen Ehering ziehen kann.

Die beiden Knäuel sahen gar nicht flauschig aus, ich wusste aber, dass der Flaum sich im Zuge des Tragens und nach der ersten Wäsche entfalten würde.

Orenburger Pulli?

Ich bin kein leider kein Accessoires-Mensch, außerdem kamen die Knäuel mitten in meiner Pulli-Phase an. Ich hatte gerade erstmals zwei wunderbar tragbare Pullover fertiggestellt und wollte mehr davon.

Die Knäuel waren aus purem Ziegenhaar und mussten daher am besten zusammen mit einem Seidenfaden verstrickt werden. „Wenn schon, denn schon“, dachte ich und kaufte farblich perfekt passendes italienisches Seidenmohair.

Somit hat der Pulllover folgende Zusammensetzung:

50% Orenburger Ziegenhaar; 35% Mohair; 15% Seide.

Gar nicht so schlecht, oder? Dafür liebe ich das Stricken und das Nähen! Eine kurze Recherche hat ergeben, dass ein Seiden-Mohair Strickpulli am Markt ab 350 Euro am Markt zu haben ist. Meine Kosten: 21 Euro für drei Knäuel Lana Grossa; die russische Ziegenwolle, von der ich übrigens nur einen Knäuel verbraucht habe, war schließlich ein Geschenk.

Mohair-Pulli
Die weiße Bluse darunter ist natürlich auch selbst gemacht, natürlich nach einem Burda-Schnittmuster!

Die Umsetzung

Wie bereits die beiden Erstlingswerke von mir, basiert auch dieses Modell auf einer „Rebecca“-Beschreibung. Rebecca gehört zu meinen Lieblings-Strickzeitschriften: die Modelle sind schlicht und liegen halbwegs im Trend, die Anleitungen in der Regel ausführlich und gut verständlich.

Ich strickte also mit doppeltem Faden und Nadelstärke 4 (meine Lieblingsnadelstärke!). Der Wollverbrauch war erstaunlich gering, und so wiegt der Pullover sagenhafte 123 Gramm! Unglaublich, wie wärmend 100 Gramm Kleidung sein können!

Kratzige Ziege?

Der Pulli hat gekratzt. Und wie! Die ersten paar Mal Tragen dachte ich nur –  ich habe das Ding gestrickt, ich werde es tragen! Ich gewöhne mich schon dran!

Und dann? …habe ich mich dran gewöhnt. Außerdem wird die Wolle immer weicher und weicher. Nach jeder Wäsche, aber auch einfach so vom Tragen. Ich habe gehört, dass das „Einfrieren“ der Ziegenwolle sehr gut tut – also einfach raushängen, wenn es draußen Minusgrade hat – und da ich es regelmäßig mit allen meinen Wollsachen mache, wird es wohl auch eine Rolle gespielt haben. Mittlerweile könnte ich den Pullover auf nackter Haut tragen – werde ich wegen dem Lace-Muster aber vermutlich nicht machen ))

Ziegenhaar und Velourleder-Stiefel... Hach!
Ziegenhaar und Velourleder-Stiefel… Hach!
Es ist faszinierend, wie die ungefärbte Ziegenwolle mit der mitteleuropäischen Winterlandschaft harmoniert... Mein (mittlerweile) ungefärbtes Haar tut es auch, meine ich ))
Es ist faszinierend, wie die ungefärbte Ziegenwolle mit der mitteleuropäischen Winterlandschaft harmoniert… Mein (mittlerweile) ungefärbtes Haar tut es auch, meine ich ))

Ich bin keine große Strickerin, mir fehlt es an der Zeit und auch an Geduld, neue Techniken auszuprobieren, viel neues zu lernen und mehr als 1-2 Modelle im Jahr fertig zu stellen. Es sind Projekte wie dieser, die mich motivieren, die Nadeln nie für länger als einige Wochen aus der Hand zu legen und mir die Gewissheit geben, was lange währt, wird endlich gut.

8 thoughts on “Mohair in Natur”

  1. Ein wunderbares Muster! Über weitere Infos über den Namen des Strickmusters (über ravelry bin ich noch nicht fündig geworden) würde ich mich sehr freuen, wenn es nachgestrickt werden kann 🙂 Sehr inspirierend, wie alles hier auf Blaue Seide!! Kompliment 🙂

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    1. Liebe Rissima, vielen lieben Dank für die Blumen, ich freue mich sehr!
      Ach, das ist so peinlich mit dem Strickmuster, weil du ungefähr die 16 bist, die danach fragt… Also, ich habe es aus einer alten Strickzeitschrift „Rebecca“ nachgestrickt, aber ich kann nicht einmal mehr sagen, aus welcher… Meine Mama wollte den Pulli nämlich auch stricken und ich borgte ihr die Zeitschrift und das war’s… 😀 Dass sie in einer anderen Stadt wohnt, macht es nicht einfacher… Aber ich kann zwei Sachen empfehlen:
      Rebecca hat immer wieder sehr ähnliche Modelle! Das ist einerseits ärgerlich, andererseits ist es dafür nicht auszuschließen, dass etwas Ähnliches in einer der nächsten Ausgaben kommt 🙂
      Ein zweiter Tipp wäre: gib doch mal ein, auf Pinterest oder einfach Google, „Chevron lace“. Da gibt es so viele Variationen von dem zackigen Muster und alle sehr schön, und wenn man schon 1,2 Pullis gestrickt hat, kann man sich da leicht was zusammenbasteln. Ich habe nämlich auch schon daran gedacht, einen ähnlichen Pullover nachzustricken, aber eben ein bisschen anders.

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      1. Liebe Blaue Seide,

        danke für den Recherchetipp mit „chevron lace“, da gibt es ja auch wunderbare Muster. Wieder etwas gelernt 🙂
        Für alle Mitsuchenden, die sich ebenfalls in diesen wunderhübschen Pullover verguckt haben, habe ich zumindest nun dank Internet herausgefunden, daß es sich um Modell 31 aus der Nr. 49 von Januar 2012 handelt. Leider gibt es dieses aber weder direkt über die Homepage von Rebecca noch bei Ravelry.
        Aber immerhin habe ich nun weitere Pattern für das nächste Projekt entdeckt.

        Dann wünsche ich frohes Stricken bzw. Nähen! 🙂

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  2. Es war schön die Entstehungsgeschichte, die ich mitgemacht habe, wieder zu lesen. Ich finde übrigens dein Outfit sehr inspirierend 🙂

    …und der Käfer ist stolz, teil deines Blogs zu sein 😉 ❤

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  3. Danke 🙂 Ja, und wenn ich nie auf Urlaub fahren würde, würde ich, glaube ich, nichts Gestricktes fertigstellen! Wir planen gerade eine Städtereise, in ein paar Wochen geht’s los, und mein Mann schaut, welche Museen es da gibt und welche Restaurants, und ich denke nur: STRICKENSTRICKENSTRICKEN!! 😀

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  4. Wow, der Pulli sieht super edler aus. Ganz tolles Stück! Bei mir ist es änhlich ich brauch wirklich lange für einen Pulli. Ich frage mich immer wie die Leute es schaffen mehrere pro Jahr zu stricken und zwischendrin noch Socken und Jäckchen und und und….
    Den Tip mit dem raushängen ins kalte kannte ich so noch nicht, werde ich mal testen 🙂

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