blaues schmales Kleid
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Blattadern in Blau – ein elegantes Jerseykleid

Als ich den Jersey in der „Sale“-Auslage meines Lieblingsstoffgeschäfts gesehen habe, wusste ich: der ist für mich. 4 Euro pro Meter, rauchiges dunkles Blau, und das Blatt. Ein riesiges Blatt, ein Meter hoch und ein Meter breit, durchzogen von Adern. Eines der schönsten Stoffe, die ich je gesehen habe… Das musste ein Kleid werden.

Auch wusste ich – da wird gestückelt, bis nichts mehr übrig bleibt vom Blatt. So schön es auch ist – ich bin leider/gottseidank nicht ein Meter breit, und – wofür war der Stoff mit dem Riesen-Rapport eigentlich gedacht? Ich kann mir keine Vorhänge oder andere Heimtextilien aus Jersey vorstellen…

Also wurde das Blatt zerstört, es musste schließlich ein urbanes Kleid fürs Büro werden; die Adern sollten weiterhin die fragile Ästhetik der Anatomie zur Schau stellen, ohne sich auf die konkrete Natur zu beziehen.

Jersey Kleid

Die Ausführung

Ausgegangen bin ich vom Modell 3B der Burda Easy Herbst/Winter 2015. Da steht was vom figurnahen Schnitt, und Jersey-Kleider sind in meinem Kopf immer eng geschnitten.

Ähm… insgesamt waren es um die 12 cm, die ich rund um die Taille, und sicher so an die 6 cm im Brustbereich, die ich weggenommen habe. Nur die Ärmel samt den Armausschnitten habe ich lassen können, wie sie sind – Burda hat immer schön schmale Ärmel!

Das Blattstiel habe ich exakt in der Körpermitte platziert, die Ärmel habe ich stückeln müssen – natürlich habe ich wie immer zu wenig Stoff gekauft. Exakt ein metergroßes Blatt 🙂

Und so trage ich es momentan im Büro. Zugeknöpft im (Kauf-)Blaser.

Jersey-Kleid mit Blazer
Habe ich erst mal den Blazer an, bin ich plötzlich viel weniger entspannt ))

Ändern oder so lassen?

Alles in einem ist es ein schönes Kleid geworden, wenngleich es mich nicht so glücklich macht, wie ich es gehofft habe. Der Jersey hält warm und fühlt sich angenehm an, wird aber schnell elektrisch und klebt zwischen den Beinen, meh.

Ich habe es schon oft getragen, aber mich darin nie so richtig „wow“ gefühlt. Irgend etwas hat mich immer gestört, das ich nie genauer benennen konnte. Eine Erleuchtung hatte ich, als ich dieses Foto vom „Shooting im schmutzigen Schnee“ gesehen habe:

Jersey-Kleid: Passform
So schrecklich das Foto auch ist – hier kommen die gestückelten Ärmel gut zur Geltung!

Meh. Es ist mir immer noch – zu groß. Schräge Falten in meinem (Hohl-)Kreuz, Falten unter den Armen… Dadurch, dass das Kleid nicht mal am Popsch richtig anliegt, formt das Blattmuster komische Kurven, die der Figur nicht wirklich schmeicheln.

Ich könnte die Rückennaht noch verschmälern. Mehr als 2-3 cm werden aber wohl nicht drin sein, und die Seitennähte könnten sich arg nach hinten verziehen… Soll ich, soll ich nicht? Ich habe so viele schöne neue Stoffe, die auf die Verarbeitung warten, andererseits, um das Kleid, das mir wirklich gut steht, ist es auch irgendwie schade…

Ganz viele richtige „Wow“-Projekte hat wie immer der MeMadeMittwoch zu bieten – viel Spaß beim Stöbern und ich hole mir auch gleich ein paar neue Inspirationen!

12 thoughts on “Blattadern in Blau – ein elegantes Jerseykleid”

  1. Das Kleid steht dir ausgezeichnet und fällt, so wie es ist, völlig natürlich und scheint auch bei jeder Bewegung mitzuschwingen. Daher würde ich es auch nicht enger machen… Das Muster des Kleides finde ich super, und mich hätte interessiert, wie der Stoff vorher aussah.

    LG
    Ulrike

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  2. Ein absolutes Schmuckstück ist Dein Kleid und die Musterverteilung ist großartig gelungen. Das begeistert mich besonders, da ich auch ein Fan von bedruckten Kleiderstoffen bin (wenn Du magst schau mal bei mir das Mohnblumenkleid und das Tänzerinnenkleid) und weiß, wie lange man über eine optimale Aufteilung philosophieren kann. Ich würde das Kleid sicher nicht enger machen, sondern lieber ein Unterkleid darunter tragen. Und den Vorschlag von Agathe mit dem Weichspüler gegen das „Kleben“ werde ich mir merken. Schön, dass Du jetzt in die Bloggerwelt eingetaucht bist und wir Deine tollen Kreationen sehen dürfen.
    Liebe Grüße von Ina

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    1. Ich freue mich sehr über Komplimente von dir, gerade weil du außergewöhnliche und perfekt sitzende Kleidung fertigst 🙂 Ich habe deinen Blog abonniert – du hast einen eigenen Stil, der mir sehr zusagt.

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      1. Liebe Juli, jetzt gebe ich den Dank für die Komplimente zurück. Ich glaube, wir können uns gegenseitig beflügeln und inspirieren. Und das finde ich an dieser Nähbloggerwelt genial, denn sonst hätte man sich ja wahrscheinlich nie gefunden und austauschen können. Und es ist eben möglich, unter den vielen Näherinnen jene zu finden, die einem vom Stil und von der Verarbeitung zusagen. Wie herrlich. Ich freue mich auf Neuigkeiten von Dir. Liebe Grüße von Ina

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  3. wie schön, dass Du beim MMM mitmachst. Tolle Sachen nähst du, ich bin schwer begeistert. Dein heutiges Kleid überzeugt durch die gekonnte Zusammenstellung der Stoffe, wahnsinn wie toll das harmoniert. Ist das Kleid gefüttert? Mit Wirkfutter? Oder trägst du ein Unterkleid? Füttern bzw. Unterkleid kann nur empfehlen, dann fällt das Hauptkleid oft sehr viel besser und ich kann mir vorstellen, dass dies hier auch so sein wird. LG Kuestensocke

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    1. Das Kleid ist gar nicht gefüttert, ich dachte, bei einem Jersey-Kleid ist es doch gar nicht notwendig… Aber ein Unterkleid steht schon auf meiner „Kaufen“-Liste! Hätte nie gedacht, dass ich hier so viele gute Tipps bekommen würde 🙂

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  4. Wow, danke schön für all die tollen Kommentare, ich freue mich sehr! Die Mehrheit plädiert für nicht enger nähen, das freut auch den Schweinehund in mir )) Also, als erstes wird ein Weichspüler versucht und außerdem bestelle ich in den nächsten Wochen ein Unterkleid (ich habe ganz nette z.B. bei Calvin Klein gesehen!). Dieses hätte den Vorteil, zusätzlich warm zu halten – praktisch für einen Winter wie diesen. Liebe Nähkolleginnen aus DE, ist es bei euch heuer auch besonders kalt? Brrrr…..

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  5. Also ich finde das Kleid auch ganz toll, es steht Dir bis auf diese Kleinigkeiten sehr gut. Und muss einfach auch mal gesagt werden, Du hast eine Super Figur!!
    Da ich gerne synthetische Materialien trage, kenne ich das Problem mit dem „Kleben“ sehr gut. Meine Lösung ist – kräftigen Weichspüler benutzen. Bei mir hat das immer geholfen. Antistatisches Futter muss ich auch mal probieren. Jetzt „kucke“ ich mal, was Du sonst noch so genäht hast. LG Agathe

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  6. Was für ein tolles Kleid! Das moderne Design ist interessant anzuschauen. Ich sage, nicht enger machen, denn wenn es sich nicht auflädt, fällt es auch ganz anders. Das habe ich selbst schon erlebt, und plädiere daher für zumindest einem Futterunterrock. Meist ist ja nur die Strumpfhose das Problem. Regina

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  7. Wow, ein wahnsinns Kleid!!! Echt, das steht Dir sehr gut. Ich würde es allerdings auch noch etwas enger nähen, denn bei dem ungewöhnlichen Stoff lohnt sich das ganz bestimmt.
    Und zum „Kleben“ des Stoffes am Körper habe ich gestern in einem Stoffgeschäft den Tipp bekommen, den Futterunterrock mit ROSENWASSER einzusprühen!! Ich werde mir das gleich in der Apotheke kaufen und ausprobieren. Denn wenn mich im Winter eins nervt, dann dass die Klamotten am Körper kleben. Vielleicht ist das ja wirklich der ultimative Tipp?!
    In diesem Sinne liebe Grüße Epilele

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  8. Das Kleid ist „Wow“ und deine Musterplatzierung sehr gekonnt. Ich würde es auch nicht noch schmaler machen, sondern ein möglichst antistatisches Unterkleid darunter tragen. Dann bilden sich sicher direkt weniger seltsame Falten und das ungewöhnliche Muster kann richtig zur Geltung kommen.
    Ich drücke die Daumen, dass du die perfekte Lösung für das tolle Kleid findest!
    LG, Bele

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