Eineinhalb Jahre war es hier still auf dem Blog. Ich habe weiter genäht und gestrickt, mal mehr, mal weniger, auch neue Sachen getragen (eher weniger) und in erster Linie ein Baby bekommen, das seit ein paar Wochen kein Baby mehr ist. Als ich diesen Beitrag schreibe, geht es mir bereits miserabel, aber ich weiß es noch nicht, dass ich schwanger bin. Hier trage ich bereits mit Stolz meine erste Schwangerschaftshose und fühle mich genau so mies wie ich auf den Fotos aussehe 🙂

Dadurch, dass die Schwangerschaft keine einfache war, habe ich wenigstens keine Babykleidung genäht. Ich habe natürlich ein paar Bücher dazu gekauft, aber unangetastet wieder verkauft. Als ich in den ersten drei Lebensmonaten meines Babys beobachtet habe, wie er aus der Größe 50, Größe 56, Größe 62 anschließend in die Größe 68 wechselt, hatte ich nur eine Frage: Wie??? Wie kommt jemand auf die Idee, Babykleidung selbst zu produzieren?

Nun ist er offiziell ein Kleinkind und wird Größe 86 voraussichtlich ein Jahr lang tragen, und ich bin dennoch weit davon entfernt, meine spärliche Nähzeit für seine Sachen zu verwenden. Erde, Sand, Matsch, Grasflecken, Beeren, Spinat und Tomaten (einmal in frisch, einmal vorverdaut), Spucke, Spucke, Spucke ohne Ende und hin und wieder eine ausgelaufene Windel sind alles Dinge, die im Stundentakt auf seiner Kleidung landen. Es ist ja alles kein Problem, wenn man eine große Waschmaschine hat, aber extra dafür nähen…

Ich bleibe bei meiner Seide und dies bleibt ein Erwachsenenblog.

Eine rosa Babydecke für meinen Sohn

Ein paar Babysachen habe ich in der Schwangerschaft aber doch gestrickt. Das gehört irgendwie zur Vorfreude dazu – außerdem musste ich teilweise ganze Tage auf der Couch verbringen.

Dass mein Baby eine Kaschmirdecke bekommt, wusste ich bereits, bevor es sich auf den Weg gemacht hat. Ich wusste, dass es auf jeden Fall dieses Modell werden würde. Ich wünschte mir ein zartes Rosa für den Fall, dass ich ein Mädchen bekommen würde, und wenn es ein Bub wäre… Dann würde ich mich spontan entscheiden.

Also habe ich viele lange Wochen abgewartet, bevor ich das Wollgeschäft meines Vertrauens wegen der Decke aufgesucht habe. Ich war sehr glücklich – ich hätte das nie zugegeben, bevor ich das Geschlecht offiziell erfahren habe, aber ich wollte schon immer einen Sohn haben. Ich habe mir viel Zeit für die Auswahl des richtigen Farbtons gelassen und mich schließlich für ein zartes Rosa entschieden.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere

Ihm würde es doch egal sein. Hauptsache warm und weich. Buben- und Männersachen hat er später mehr als genug. Und ich bekomme beide Träume erfüllt – ich bekomme einen Sohn und eine rosa Babydecke.

Immer wieder Cardiff Cashmere

Dazu muss ich sagen, das Cardiff Cashmere Small Garn, das man für diese Decke braucht, hat zwei rosa Töne. Das Giulietta geht in Richtung Fuchsia und ist für mich zu intensiv, hätte ich auch für ein Babymädchen nicht genommen. Zen ist hingegen ein perfektes gedämpftes helles Beige-Rosa – ein Volltreffer für meinen Kleiderschrank! Und eine sehr schöne Babyfarbe.

Die Decke wurde natürlich rechtzeitig fertig (zugegeben, kein kleines schnelles Projekt, aber den Witz „Dein zweites Kind wird sich freuen!“ konnte ich irgenwann auch nicht mehr hören) und war täglich bei allen Schläfchen Tag und Nacht in Verwendung, ob im Bett oder im Kinderwagen. Ab seinem zweiten Lebenstag und bis er das Rotieren um die eigene Achse perfektioniert hat.

6 Tage altes Baby unter der selbstgestrickten Babydecke
6 Tage alt. Und das Jäckchen ist auch von mir gestrickt

Die Decke sieht aus wie neu. Als ich eingesehen habe, dass er sie in der Nacht nicht mehr braucht bzw. nicht mehr sachgemäß verwenden kann (es gibt Nächte, da rotiert er gemeinsam mit dem Minutenzeiger unserer großen Uhr im Schlafzimmer und wenn ich die Augen nicht aufmache, kann ich nur raten, ob es sein Kopf, sein Knie oder sein Fuß ist, der sich in meinen Oberschenkel drückt), habe ich sie zum ersten Mal mit einem Kaschmirkamm bearbeitet.

Den großen Kaschmirschal von meinem Mann, den wir vor ein paar Jahren um 79,90 gekauft haben – kein guter Preis für echten Kaschmir! – bearbeite ich damit mindestens drei Mal pro Saison. Nach zwei Mal Tragen sieht er schon wieder aus wie vorher. Und meine Güte! es ist ein Schal! Wie intensiv trägt man einen Schal, es ist doch keine Hose, kein Turnschuh! Einmal einwickeln, einmal auswickeln! Mass Market und edle Stoffe passt einfach nicht zusammen.

Bevor ich die Babydecke hatte, dachte ich, Kaschmir verhält sich nun mal so. Kaschmirwolle ist unglaublich weich und kuschelig und habe eben den Nachteil, dass sie besonders schnell Pillingknötchen bildet.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Nein, es geht auch anders. Ich habe das Gefühl, ich werde noch sehr lange Freude an dieser Decke haben. Und wie ich schon eingangs erwähnt habe, ist der Schal, äh, die Decke ein Volltreffer  für meinen Kleiderschrank.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Und was ist mit den Erinnerungen?

Wurde ich schon gefragt. Ob ich die Decke nicht lieber sicher verstauen möchte, mit all den Kostbarkeiten des Babyalters, das Armband aus dem Krankenhaus, der erste Body in Größe 50 (und er war immer noch zu groß!), die Ultraschallbilder, und die ersten komplett abgetragenen Krabbelschühchen.

Aber ja. Irgendwann. So habe ich doch die Erinnerungen auch bei mir. Ich weiß, wie ich ihn zum ersten Mal damit zugedeckt habe. Und so kommen neue Erinnerungen dazu. Vielleicht trage ich den Schal ja bei seiner ersten Weihnachtsaufführung in der Krippe, wer weiß. Wenn ich ihn zu seinem ersten Skikurs begleite. Oder…

Mal sehen. Jetzt ist es erst mal Zeit für den Frühling.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Das gesamte Outfit

Schal: Babydecke gestrickt nach einer Anleitung vom Wiener Wollcafe Laniato

Mantel: Mango

Hose: Tweedhose, die ich hier schon vorgestellt habe.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Liebe Grüße und hoffentlich bis bald!

Juli