Gerade arbeite ich wieder mal an einem Rock. Fest steht – sobald ich im Herbst wieder arbeiten gehe, brauche ich vor allem eins: Strumpfhosen!

Röcke sind einfach zu nähen und einfach zu kombinieren. Meist stellt auch die Anpassung an die individuelle Figur kein Problem dar. Die Veränderung der Länge am Schnittmuster, also einen Rock  oder ein Kleid verkürzen oder verlängern, noch bevor ich mit dem Nähen angefangen habe, ist die einfachste und die häufigste Änderung, die ich machen muss.

Ich hatte schon viele Gründe für meine Längenanpassungen:

  • Ich bin kleiner als die Durchschnittsfrau, für die die gängigen Schnittmuster erstellt werden. BurdaStyle geht von einer 168 cm Frau aus, die niederländische Zeitschrift La Maison Victor gar von 170 cm (170? Durchschnitt? Come on, das ist doch Wunschdenken).
  • Midi-Röcke sind gerade sehr in Trend und alle Nähzeitschriften sind voll davon. Je nach Modell kann knielang aber deutlich typschmeichelnder und/oder bürotauglicher wirken.
  • Zu wenig Stoff gekauft! Auch Röcke können wahre Stofffresser sein. Je nach der Anzahl und Breite der Bahnen, aus denen sich ein Rock zusammensetzt, kann man durch die Kürzung von 10 cm (also zB. von Mitte Wade auf immer noch länger als knielang) 20, 30 cm und mehr Stoff einsparen.
Seidenrock Schnittmuster Burda
16,5 cm kürzer als das Original und immer noch Knie bedeckend!

Einen geraden Rock kürzen

Bei einem einfachen geraden Modell, bei dem die Seitennähte parallel zum Fadenlauf verlaufen, ist die Anpassung in etwa 18 Sekunden erledigt und funktioniert nicht anders als bei einem „fertigen“, gekauften Rock. Vom Saum ausgehend rauf messen, um wieviel man den Rock kürzer haben möchte, eine gerade Linie parallell zum „alten“ Saum einzeichnen, abschneiden, fertig.

Einen ausgestellten Rock, einen Trapezrock, einen Rock in A-Linie kürzen

Keine Sorge, alle diese Begriffe bedeuten im Großen und Ganzen dasselbe.

Bei diesem Modell ist der Saum weiter als die Hüftbreite, die Seitennähte verlaufen schräg zum Fadenlauf. Wenn man bei einem ausgestellten Rock genau so wie bei einem geraden Rock verfährt, verliert der Rock seine ursprüngliche Silhouette, da er ja nach unten hin immer weiter wird. Unsere Aufgabe ist es in diesem Fall, trotz der Kürzung die ursprüngliche Saumweite zu behalten. Der Rock soll so kurz werden, wie wir ihn haben wollen, aber bitte genau so schön fallen wie auf dem Foto in der Zeitschrift.

Seidenrock Schnittmuster Burda

Und so mache ich es:

Ich pause das Schnittmuster auf meine Maler-Folie (für die Arbeiten Außen! Nur die ist robust genug) ab. Ich habe schon richtig viel ausprobiert, aber leider ist nur die Plastikfolie das Richtige für meine Zwecke. Durchsichtig genug – ich verkleinere meine Schnittmuster oft gleich am Bogen, dh. ich pause nicht mal die gedruckte bunte Linie, sondern eine feine Bleistiftlinie ab. Und sehr beständig – wenn ich mich mal in ein Schnittmuster verliebt habe, habe ich schon bis zu vier gleiche Modelle damit genäht. Schnittmusterpapier verliert bereits nach dem dritten Modell etliche Ecken, Abnäherspitzen und taugt nur zum Wegwerfen.

Dann lege ich beide Teile (hier im Beispiel sind es zwei Schnittmusterteile, manchmal sind es aber mehrere Bahnen) nebeneinander. Um ehrlich zu sein, dachte ich bei diesem Modell, der Rock fällt gerade und hat seine Saumweite nur durch die eingelegten Falten am Bund. Aber mit Hilfe meiner schönen neuen Schneidematte sieht man sehr deutlich, dass die Seitennaht immer im Bogen verläuft, das heißt, der Rock ist ausgestellt, wenn auch nur leicht!

Irgendwo im unteren Drittel habe ich zwei Linien eingezeichnet. Nichts abgemessen, einfach am Raster der Schneidematte ausgerichtet. Pi mal Daumen, ich wusste, dass aufgrund von meinem Stoffmangel jede Menge Länge weg muss. Zwischen den Linien liegen 5,5 Inch, also fast 14 cm.

(Ich habe die günstigste Schneidematte bestellt, die ich gefunden habe, und es war eine kleine Überraschung, als ich gesehen habe, dass sie gar keine cm-Angaben hat, nur Inch. Auch gut.)

Schnittmuster anpassen einen ausgestellten Rock kürzen

Die untere Linie lege ich dann exakt auf die obere Linie.

Eingezeichnete Linien aufeinander legen

So sieht es dann aus. Man könnte meinen, ich bastle mir einen Minirock, nein, er wird immer noch deutlich über dem Knie enden!

Ausgestellten Rock kürzen Schritt 3

Die vordere bzw. rückwärtige Mitte, die im Fadenlauf liegen, bleiben gerade ungebrochene Linien. Nachdem ich die Stellen, an denen ich die Folie gefaltet habe, zusammengeklebt habe, muss man hier nichts weiter tun.

rückwärtige und vordere Mitte Rock

Bei den Seitennähten tut sich hingegen was -es ist durch den Bruch eine kleine Stufe entstanden. Hier muss ich die in diesem Fall leichte Kurve mit meinem Kurvenlineal ausgleichen.

Manchmal ist diese Stufe richtig groß und es ist schwer, die Kurve wieder schön hin zu bekommen. Aus diesem Grund würde ich nicht empfehlen, einen stark ausgestellten Rock um mehr als 10-12 cm zu kürzen.

Kurve bei den Seitennähten mit dem Kurvenlineal ausgleichen

Davor habe ich auf diese Stelle ein schmales Stück Malerfolie geklebt, auf der ich nun die neue Kurve einzeichne.

Das wiederhole ich auch beim anderen Teil – und fertig!

gekürztes Schnittmuster Rock

Da ich dazwischen Fotos für diesen Post gemacht habe, hat diese Anpassung eeeewig gedauert – sicher 10 Minuten lang. Ansonsten bin ich meist nach 5 Minuten fertig ))

Ich hoffe, es war verständlich!

Und nun ran an die Midiröcke! Zeigt eure schönen Knie!

Liebe Grüße

Juli