Shirt aus Hanfjersey
Nähen

Naturstoffe, Naturfarbe – Shorts und Shirt

 

Am häufigsten kaufe ich Stoffe in Geschäften vor Ort. Ich fasse den Stoff an, immer und immer wieder, trete vor, trete zurück, rolle ihn auf, wandere damit zum Spiegel und schau, ob die Farben zu meinem Teint passen, trage ihn wieder zurück, mache eine Runde durchs Geschäft, komme zurück und der ganze Entscheidungsprozess geht von vorn los. – Eigentlich völlig unnötig, denn wenn ich mich in einen Stoff verliebt habe, dann will ich ihn haben. An meinen Gefühlen ändert sich nichts, ob ich mir zehn oder sechzig Minuten für die Entscheidung lasse…

Und dann gibt es auch Kopfentscheidungen. Denn hin und wieder bestelle ich Stoffe auch online, wenn auch wesentlich seltener. Da geht es mir in erster Linie um ungewöhnliche Qualität, um den Tragekomfort, den ich mir verspreche, um die Neugier auf eine Zusammensetzung, die ich von herkömmlicher Kleidung nicht kenne.

Hanf zum Nähen? Und dann auch noch als Jersey!

So kam es zu der Bestellung von einem Meter ungefärbten Hanfjersey auf naturstoff.de . Wenn schon rustikal und Natur, dann richtig. Der Hanf soll eine tolle Faser sein: schmutzabweisend, feuchtigkeitsregulierend, strapazierfähig und einfach angenehm zu tragen. Bis zum Siegeszug der Baumwolle im 19. Jahrhundert gehörte Hanf neben Flachs (=Leinen), Nessel und Wolle zu den wichtigsten Rohstoffen für die europäische Textilindustrie (Wikipedia).

Hanfshirt im Kornfeld

Zeitgleich mit dem Shirt nähte ich eine kurze Hose aus einem kleinen Wollstoff-Rest in der gleichen schönen Farbe Natur. Das ist derselbe Stoff, wie bei diesem Rock hier. Da hatte mein Umfeld dieselbe Reaktion, wie bei dieser Kombi, (die ich selbst, ehrlich gesagt, immer noch Hammer finde):

– Das trägst du dann aber nicht zusammen, oder?

Jaa, ich bin hell. Besser gesagt, blass. Immer wieder werde ich der Abneigung gegen jegliche Sonneneinstrahlung bezichtigt, ich selbst gebe eher meinen nordslawischen Wurzeln die Schuld. Nie käme es mir in den Sinn, mich meiner Hautfarbe zu genieren. Oft wird aber versucht, mir das Gefühl zu geben, ich müsste mit meiner Kleidung meine Haut kaschieren, zumindest aber vom Hautton ablenken. Helle Kleidung für blasse Menschen? Absolutes No Go!

Shirt aus Hanfjersey im Kornfeld
Ja, das ist ein Hasen-Anhänger 🙂

Ich trage auch gern bunt und achte darauf, dass die Farben, die ich aussuche, meinem Typ schmeicheln. Dieses Outfit aber, in dem ich mich unglaublich wohl fühle, ist für jene Tage, in denen ich meinen Blick eher nach Innen denn nach Außen richte. In denen bitte nichts zu laut oder dringend sein darf. In denen ich Vögel lauter zwitschern höre als sonst und in denen mir am Heimweg gern ein oder zwei Hasen begegnen, oder sogar ein Igel. (Ja, ich lebe in der Stadt, okay, am Stadtrand, und ja, ich liebe die Gegend, in der ich wohne 🙂 )

Möglicherweise mag man einwenden, dass ich in einem komplett beigen Outfit etwas kränklich aussehe. Für diese Fotostrecke stimmt es ohne Zweifel, denn da war ich tatsächlich alles andere als fit und wollte die Fotos unbedingt machen, bevor das schöne Kornfeld vor meinem Haus gemäht wird. Zwei Tage später war es wirklich nicht mehr da.

Es gibt Dinge in der Natur, die sind farblos, und doch wunderschön.

Shirt aus Hanfjersey
Die kurze Hose mit Bundfalten habe ich selbst konstruiert.

Noch ein paar Worte zum Stoff

Trägt sich Hanf wirklich so angenehm? Ja. Das T-Shirt ist luftig und bequem, „feuchtigkeitsregulierend“ trifft es sehr gut.

Würde ich genau diesen Stoff noch einmal kaufen? Leider nein. Das nächste Mal würde ich es mit einem Webstoff versuchen.

Nicht nur, dass die Meterware viel schmäler war, als ich es gewohnt bin – das kurzärmlige Shirt in Größe XS konnte sich nur nur ausgehen, weil es eine Teilungsnaht im Rücken hat. Da bin ich aber selbst schuld, hätte die Beschreibung besser lesen müssen. Die fehlende Breite macht den Stoff eben teurer, als zunächst vermutet.

Das größere Problem hängt damit zusammen, dass der Zuschnitt so wahnsinnig verdreht war. Ich habe den Stoff natürlich vorgewaschen und heiß gebügelt, aber die Kanten ließen sich trotzdem nicht sauber aufeinander legen. Mehr als herumzupfen konnte ich auch nicht – oder gibt es da irgendwelche spezielle Methoden? Obwohl ich so sorgfältig wie möglich gearbeitet habe, kam es nach der ersten Wäsche, wie es kommen musste: das Vorderteil hat sich verdreht. Das heißt, die Seitennaht mit dem Vögelchen-Knopf dreht sich nach vorn und auch den Ausschnitt muss man nach dem Anziehen zurechtzupfen. Die unvermeidbare Rückennaht dreht sich auch leicht seitlich.

Kurze Hose mit Bundfalten und T-Shirt
birds & rabbits 🙂

Es wird vermutlich nie jemandem auffallen, der nicht selber näht, aber mich stört es. Ich würde nur zu gern wissen, ob dieses Problem mit der Beschaffenheit von Hanffasern zu tun hat, oder ob dem doch ein reiner Produktions-, Lagerfehler, was auch immer zugrunde liegt.

Die dünne Wolle hingegen ist hervorragend, auch für Shorts! Sehr angenehm zu tragen, knitterarm und natürlich nicht kratzend. Und der Stoff war sage und schreibe 10 mal günstiger als der Jersey aus Hanf – denn ich habe ihm im Stofflager Kritzendorf gekauft, ohne zu wissen, dass es reine Wolle ist 🙂 Manchmal hat man so ein glückliches Händchen…

Shorts und Shirt in Natur

Sommerkleid selber genäht
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Für die Sommer-Capsule: Mein Kleines Schwarzes ist bunt bedruckt

Beim heutigen MeMadeMittwoch möchte ich ein Kleid vorstellen, das in meiner ersten Capsule Wardrobe die Funktion des Kleinen Schwarzen übernimmt.

Kleid in Petrol, gemustert

Der Stoff

Polyester-Reststück vom Abverkauf-Wühltisch (Habe ich nicht gesagt, ich kaufe nur hochwertige Stoffe? Asche über mein Haupt… Aber es ist auch vor einem Jahr passiert, und ich muss gestehen, auch die Fotos sind somit ein Jahr alt. Das ist also mein erstes Blog-Fotoshooting, sechs Monate bevor ich den Blog „blaue Seide“ eingerichtet habe.)

Warum habe ich denn das Polytierchen gekauft, hatte ich doch schon damals eine aus allen Nähten platzende Truhe mit Stoffen daheim? Es waren natürlich die Reitermotive – hat sonst jemand von euch gleich an Hermès gedacht?

Das Schnittmuster

Wieder mal von Burda, aus einer Sommerausgabe des vergangenen Jahres.

Der Schnitt ist eigentlich für Jersey ausgelegt, aber es gibt ihn erst ab Größe 36 und ich mit meiner kleinen 32/34 dachte, es wird schon auch mit Webstoff gehen. Habe den Schnitt sogar etwas verkleinert, den Halsausschnitt aber vergrößert, damit der Kopf ganz sicher durchpasst. Wäre, glaube ich, gar nicht notwendig gewesen. Es gibt keinen Zip oder anderen Verschluss, ich streife es einfach über.

Die Länge habe ich absichtlich original gelassen; eventuell habe ich das Kleid sogar um einige cm verlängert. Noblesse oblige, mich erinnert der Stoff nun mal an die großen Seidentücher und Strandtunikas von Hermès 🙂

Schlichtes Kleid in Petrol Reitermotive

Das Sommerkleid

Wenn man dreißig Tage lang mit nur einem Kleid auskommen muss/will, ist dieses Modell perfekt, sage ich mal. Es erfüllt alle Kriterien, die dem Kleinen Schwarzen Kleid laut Chanel zugeschrieben werden:

Es steht mir.

Die Legende besagt, dass Chanel mal gesagt habe, ein kleines schwarzes Kleid steht allen Frauen. Gabrielle Coco Chanel war eine ausgezeichnete Geschäftsfrau und außerdem mit einem herrlich kontrastreichen Aussehen gesegnet, mit dunklen Haaren, scharf gezeichneten Augenbrauen und schwarzen Wimpern. Ein schwarzes Kleid steht vielen Frauen, vor allem aber jenen mit mit dunklen Haaren, scharf gezeichneten Augenbrauen und schwarzen Wimpern 🙂

Ich bin ein heller-kühler Sommertyp, mir steht Babyblau, und Eierschalen-weiß, und Mint, und Altrosa und ein bisschen auch Petrol. Trage ich reines pures Schwarz, muss ich vor allem eins: mich schminken. Scharfe Augenbrauen zeichnen, und schwarze Wimpern malen, und wenn ich dazu noch einen Hut aufsetzen dürfte, der meine Haare zum Großteil verdeckt – whoa! Ja, Schwarz steht allen Frauen!

Grund Nummer zwei:

Man kann es auf- oder abstylen. Mit schwindelerregenden High Heels kombinieren, wie beim obigen Shooting (Gottseidank habe ich die Schuhe nicht mehr, sie waren schrecklich) oder mit flachen Ballerinas tragen. Oder geflochtene Römer-Sandalen. Und jedes Mal sehe ich etwas anders aus.

Kleid in Petrol

Und zuletzt:

Es sieht (zumindest in meinen Augen) hochwertiger aus, als es ist.

Die Herstellungskosten betrugen weniger als 10 Euro. Ich finde, es ist die Kombination, die es ausmacht: der Druck; der einfache, aber raffinierte Schnitt (schaut nur, wie die Ärmel fallen, hach!). Es ist kurz, es hat einen breiten Ausschnitt und relativ kurze Ärmel, aber für ein Sommerkleid ist es doch recht – hochgeschlossen. Auch das mag ich sehr.

Sommerkleid selber genäht

Und noch einmal zur Caplsule Wardrobe

Mal sehen, wie das Kleid sich als das Sommerkleid der kommenden 30 (nun nur mehr 27!) Tage macht, wie oft und wie gerne ich es tragen werde. Im Moment habe ich übrigens noch das Gefühl, 20 Kleidungsstücke sind eine richtig große Menge und ich werde sicher nicht „hungern“. Das Kleid habe ich allerdings noch nicht getragen.

Liebe Grüße an alle MMM-Kolleginnen und nun gehe ich in der heutigen Ausgabe stöbern! Was habt ihr Schönes für den Sommer genäht?

 

 

Ärmelloses Top Sorbetto
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Der Weg zum perfekten Sommer-Schnitt: mein erstes „Sorbetto-Top“

Am 18. April habe ich in diesem Blogpost beklagt, wie abgetragen meine alten, noch gekauften Sommersachen sind. Wenn es nun plötzlich warm wird (obwohl ich nicht mehr daran glaube), habe ich nichts anzuziehen!

Da schrieb ich von meinen trial and error Versuchen mit Jersey-Stoff – geendet sind sie trotz positiver Aussichten bei error. Die Feiertage waren vorbei, ich war genervt von abstehenden Halsausschnitten und beschloss, mir und dem Jersey eine Beziehungspause zu gönnen.

 Gratis-Schnitt nachkonstruieren?

Pause von Jersey – ja. Die ebenfalls angepeilte Nähpause habe ich nicht lange durchgehalten.

Ich fand, nun ist der perfekte Zeitpunkt, um das Sorbetto-Top von Colette Patterns auszuprobieren. Sorbetto ist ein Gratis-Schnittmuster, zu finden und zu holen im Colette Patterns Shop (man muss sich nur vorher registrieren).

Sorbetto Top Skizze
Quelle: Colette Patterns

Ein schönes anfängertaugliches Projekt, viel besprochen und präsentiert in den Weiten des Internets, wandelbar – eine gute Ausgangsbasis für die Suche nach dem perfekten Sommerschnitt. Ich beschloss aber, mir nur die Nähanleitung herunter zu laden und den Schnitt selbst zu konstruieren. Nicht, weil ich Herausforderungen so sehr liebe – es schien mir in der Tat der einfachere Weg.

Den Schnitt im richtigen Maßstab ausdrucken, zusammenlegen, zusammenkleben, dann ausschneiden – und dann? anpassen, natürlich. Und zwar nicht nur den Brustabnäher verlegen…

Den Schnitt gibt es zwar in unglaublichen 13 Größen, aber die kleinste Größe, die von den Medien so verpönte Size Zero, geht hier von einer Brustweite von 84 cm aus. Ich habe aber 77 – das sind fast zwei Größen weniger!! Was wär das dann, die Doppel- oder die Dreifachnull?! Hm… Es ist ein komisches Gefühl, nicht in ein Raster zu passen.

An einem Samstag um 10:13 stellte ich mich an meinen Zeichentisch, um 10:56 war der Schnitt fertig und auch schon abgepaust. Es gibt nichts einfacheres zu konstruieren, als ein ärmelloses Top mit Brustabnähern.

Und hier das Gesamtoutfit!

Sorbetto Top mit Jeans und High Heels

Top: Viskose-Stoff mit Papageien-Print

Jeans: Diesel

Gürtel: Hugo Boss

Pumps: Evita

Das Nähen hat dann mit allen Unterbrechungen und drum und dran eine Woche gedauert, also bis zum nächsten Samstag. Am Sonntag konnten wir das Top in der  Lobby unseres Hotels in Rotterdam ablichten. Geplant war natürlich ein Shooting draußen, aber  bei 11 Grad mit eisigem Nordwind… 🙂 So entstanden also die ersten Indoor-Fotos in meinem Blog.

Sorbetto Top

Ich bin froh, die Nähanleitung des Tops ausgedruckt zu haben, ohne sie hätte ich einige Schritte umständlicher gemacht. Arg verschätzt habe ich mich in der Breite der Falte vorne – wenn ich meine Bluse mit der technischen Zeichnung von Colette Patterns vergleiche, könnte sie glatt 5 cm breiter sein. Aber so ist es doch auch hübsch.

Sorbetto Ausschnitt

Neues Top, neuer Schnitt

Ich bin sehr stolz auf mich und werde das Top sicherlich oft tragen. Für das nächste Modell (guess what! ich habe noch einen Vogelstoff, diesmal reine Seide!) werde ich den Schnitt allerdings neu konstruieren (mühsam nährt sich das Eichhörnchen 🙂 )

Ich werde die Schulter erhöhen, ich habe nämlich zwar breite, aber stark abfallende Schultern. Die Brustspitze des Grundschnitts gehört um 1,5 korrigiert (was das ausmachen kann! vor allem bei festem Stoff! Vielleicht war auch das eines der gravierenden Probleme  bei diesen Versuchen). Außerdem werde ich das Top etwas verlängern, da der leichte Sommerstoff zu gerne rauf rutscht.

Und – ich denke über kleine kurze Ärmel nach.

Ärmelloses Top Sorbetto
Daaa, seht ihr die Falten von der Schulter runter? Das ist, weil ich die Schulter im Grundschnitt nicht erhöht habe! Der Stoff staut sich in Halsnähe… Nevermind.

Ich bin noch nicht ganz überzeugt von der Kombi des fließenden Stoffs und der „abgeschnittenen“ Schulterpartie. Bei Jersey-Leibchen stört mich das gar nicht, aber sie zeigen auch mehr Schulter.

Ich finde gerade meinen Schulter- und Armbereich schön und gut proportioniert, aber diese Armausschnitte finde ich nicht sehr vorteilhaft und ich konnte es für mich noch nicht ausformulieren, warum. Grundsätzlich gilt aus meiner Sicht:

  • Einem Großteil der Frauen steht es, wenn die Schultern etwas betont sind (optisches Gegengewicht zu Taille und Hüfte!)

Dieses Modell hingegen lässt die Schultern schmäler wirken als sie sind. Kurze Ärmel würden hier die Schulterlinie fortführen und sie an ihrer natürlichen Stelle enden lassen.

Sorbetto Top Vogelprint
Nein, ich schau nicht so böse, weil ich mir über das Schulter-Problem Gedanken mache 🙂

Also der nächste Vogelstoff bekommt Ärmel und ich schaue dann, was mir besser gefällt 🙂 Vielleicht lasse ich euch sogar abstimmen 🙂

Und nun verlinke ich zu meinem geliebten MeMadeMittwoch und werde da gleich ein wenig stöbern bei meinem ersten Kaffee 🙂

Ausmessungen Rockbund
Nähen

Think outside the box!

Dies ist kein üblicher Blogpost von mir, voll mit schönen Bildern mit kompletten Outfits bei tollem Wetter… Obwohl, ein richtig schönes Bild habe ich für euch 🙂 Aber heben wir uns dieses Schmankerl für später auf…

Ein, zwei Tops aus Jersey, ärmellos

Ursprünglich war es keineswegs als ein Projekt gedacht, das eines Blogbeitrags würdig wäre. Auch wenn es im Moment nicht so aussieht – der nächste Sommer kommt bestimmt und alle meine ärmellosen Tops sind bereits seeehr abgetragen. Zugegeben, in einem kurzen Panikmoment habe ich sogar daran gedacht, welche zu kaufen. Aber dann stellte ich den voraussichtlichen Aufwand gegenüber:

Kaufen:

Suche. Geschäfte vor Ort? Wann? Am Wochenende? Uff…. Zalando? Anprobieren. Ggf Rückversand organisieren, es passt nie alles auf Anhieb. Wenn alles passt: Träger abstecken, kürzen mit der Overlock – sie sind bei mir immer! immer zu lang.

Selbst nähen:

Schnittmuster zeichnen, abpausen, Top ausschneiden, overlocken, dann Hals- und Ärmelausschnitt.  Voraussichtlich 5 Stunden? Höchstens 6, sagte ich mir.  Und wenn alles gut geht, kann ich den Schnitt reproduzieren und das Problem ist für immer Geschichte.

Na bitte, dann los geht’s. Der Ostermontag schien ein perfekter Tag für so ein Zwischendurch-Projekt.

Ich habe schon etliche T-Shirts mit Ärmel genäht, also machte ich es mir noch einfacher und pauste den T-Shirt-Schnitt ab, zeichnete den Arm- und den Halsausschnitt neu ein, schnitt aus und nähte. Der Schnitt ist ja erprobt.

Und dann kam das böse Erwachen.

Gottseidank probierte ich es an, bevor ich mich an die Arbeit mit den Ausschnitten machte! Der Schnitt ist ja erprobt!

Alles passte wunderbar, nur klafften die vorderen Armausschnitte oberhalb der Brust auf, und zwar so richtig. Auf jeder Seite war da bis zu 5 cm Stoff zu viel.

„Vielleicht helfen da Bündchen bei den Armausschnitten“, dachte ich. Vielleicht sind sie dazu da, das Ganze zusammen zu halten, man näht sie schließlich mit Zug an. Na, was glaubt ihr? Der so „versteifte“ Armausschnitt (zum Glück hab ich nur einen gemacht, bevor ich wieder anprobierte) klaffte nun umso besser, hatte er doch Stütze bekommen.

So ratlos war ich noch nie. Ein erprobter Schnitt, nur halt ohne Ärmel! Oder werden eventuell ärmellose Tops ganz anders konstruiert? Mit anderen Formeln, anderer Schablone? Blödsinn, das kann doch auch nicht sein!

Als Nächstes: googlen. „Das Problem der klaffenden Armausschnitte betrifft vor allem große Brüste“… „Hier muss auf jeden Fall eine FBA (full bust adjustment) durchgeführt werden“. Oh Mann, dass ist nicht euer Ernst! Gut, Internet ist auch keine Hilfe…

Mittlerweile hatte sich auch mein Mann dazu geschaltet. Er hat mit dem Nähen nichts am Hut, aber er liebt Rätsel. Und ich hatte genug günstigen Jersey und viel Zeichenpapier..

Zeichnen – zuschneiden – zeichnen – zuschneiden…

  • Top als Ganzes schmäler machen? Vielleicht ist es zu weit?
  • Armausschnitte zu rund? Was ist, wenn sie „gerader“ wären?
  • Vordere Schulter heben! Irgendwer im Internet hat das gemacht!
  • Vielleicht ist die abfallende Schulterlinie das Problem… Vielleicht sollten die Träger gerade sein?
  • So, und das Top noch enger machen! Vielleicht hilft es!

Ja, ich habe insgesamt 4 Tops zusammengetackert und jede einzelne Hypothese ausprobiert. Stunden um Stunden. Alles, was ich für „die“ Lösung hielt, musste nach und nach verworfen werden.

Und irgendwann stand ich nur da und schaute mit sinnentleertem Blick auf das ursprüngliche Top, während mein Liebster daneben stand und eine höchst komplizierte Vermutung entwickelte, nämlich, dass exakt diese Armausschnitt-Krümmung niemals mit genau dieser Schulterlinie korrelieren könne, weil nämlich die beiden Winkel…

Wart, sagte ich und zog mich aus. Nein, nein, nicht wegen Stressabbau, als nächstes stand ich nämlich mit einem Maßband vor ihm 🙂 „Miss meine Oberbrustweite, bitte“, bat ich. „Fest, bitte“. -„68“, sagte er.

Was, du bist unfähig! Du bist auch keine große Hilfe! Das kann nicht sein! Schau, hier im Buch steht, wie du messen sollst! Mach ordentlich!

„68“, sagte er. – „Hm, und wenn du sehr locker misst?“ – „72“, sagte er.

Bäm!

In allen meinen Konstruktionen bis ich bisher von 76 ausgegangen.

Ich wollte eigentlich bereits meine Ruhe und Feierabend haben, aber ich holte noch ein Blatt Zeichenpapier und erstellte einen Grundschnitt zwei Größen kleiner. Schnitt zu und nähte mit der Overlock. Mein Liebster schenkte mir ein Glas Wein ein. Ich probierte. Die Träger passten. Nichts klaffte mehr, die Armausschnitte schmiegten sich an meine Schultern.

Na klar, sagte mein Mann, das erste Shirt war eh viel zu groß. Und zog es an 😀

top-passform-probleme

Und die Moral von der Geschicht?

Ich hätte mir fast einen ganzen Tag sparen können 🙂 Wenn ich mich gleich mit der Ursache und nicht mit Symptomen beschäftigt hätte…

Und ich muss alle meine „erprobten“ Schnittmuster neu erstellen. Ich weiß nicht, wie der Messfehler zustande kam (die verlorenen 2 kg können doch nicht die Ursache für den Unterschied gewesen sein?), aber nun merke ich, dass meine T-Shirts und Blusen viel Mehrweite exakt über der Brust haben. Durch die perfekte Passform der Ärmel, Brusthöhe, Brust- und Taillenweite fällt es nur nicht auf.

Die Frage ist nur, ob ich tatsächlich besser von 68 oder 72 cm ausgehen soll, aber das erfahre ich nur durch Ausprobieren.

Think outside the box, meine Lieben, oder wie sagt man noch bei uns in Österreich – mitdenken ist nicht verboten 🙂

Ich habe bereits eine Hose, Bluse und Weste konstruiert – um schließlich an einem ärmellosen Top aus Jersey zu scheitern. Aufstehen, Krone richten, weitergehen. Das nächste Näh-Wochenende kommt bestimmt.

 

 

Hose aus Woll-Seiden Mischung, Tweed
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Violett, orange und rosa – so trage ich die neue Hose!

Ich gehöre zu den Menschen, bei denen Tasche und Schuhe farblich nie zusammenpassen.

Es gibt ja bekanntlich solche und solche. Laut meinem Gefühl gehöre ich eindeutig zu einer Minderheit – egal, welches Land, welche Generation und welcher Verwandtschafts- und Bekanntengrad  – was hatte ich nicht schon mit Tipps zu kämpfen, wie:

Wundervolle neue Schuhe hast du! Taupe ist jetzt in! Jetzt musst du nur noch die passende Tasche in Taupe finden!

Schau, du hast doch diese tolle blau-weiße Tasche – ich habe heute bei meinem Spaziergang direkt neben dem einen Geschäft gleich bei der U-Bahnstation, du weißt schon, hinter der Straßenbahnlinie, blau-weiße Schuhe entdeckt – du musst gleich morgen hin und sie kaufen!

Deine roten High Heels sind so schön! Ich habe heute den ganzen Vormittag auf Zalando gestöbert und endlich eine perfekte rote Tasche dazu gefunden! Wart, ich schick dir den Link!

Ähm, ja. Danke. Schau ich mir an.

Es gibt nicht nur Farben! Die Kinder lernen im Kindergarten Farben, rot, gelb, und blau, und weiß was ich noch, aber sie lernen auch: matt und glänzend, flauschig und glatt, und dann gibt es noch voluminös und kompakt, schlicht und üppig, und und und… Es ist eine unendliche Spielwiese.

Soviel zu Schuhen und Taschen – und wenn dann noch ein andersfarbiger Gürtel dazu kommt? Empfindliche Gemüter, jetzt bitte wegschauen 😀

Hose aus Woll-Seiden Mischung, Tweed

Das Outfit:

Tweedhose aus einer Woll-Seidenmischung, selbst konstruiert in der Modeakademie.

Hemdbluse: auch selbst konstruiert, und hier vorgestellt.

Gürtel: Hugo Boss und noch zu haben (Zalando)

Schuhe: Pas de Rouge

Tasche: DKNY, meine große Liebe

Die Tweedhose

Es ist meine zweite Hose, die ich genäht habe – und dann gleich auch noch selbst konstruiert!

Es war ein angenehmes und relativ schnelles Projekt. Das Schnittmuster hat auf Anhieb gepasst, was meine Lehrerin im Kurs sehr erstaunt hat – ich habe wohl eine richtige „Hosenfigur“. Dem Grundschnitt habe ich ordentlich Weite dazugegeben, um eine richtige Businesshose zu bekommen – die nächste Hose werde ich aber wieder enger machen. Es ist doch etwas ungewohnt.

Tweedhose Passform von hinten

Die seitlichen Eingriffstaschen waren gar nicht schwer zu nähen – die würde ich am liebsten nun überall einsetzen! Und, oh, jetzt weiß ich, wozu die ganzen Baumwollschnipsel gut sind, die ich immer aufhebe!

Buntes Taschenfutter, Tweedhose

Alles in einem bin ich sehr glücklich und stolz auf mich. Ich habe ein komplettes Outfit fürs Büro genäht – businesslike und maßgeschneidert. Jahrelang habe ich außer Kleidern nur Jeans und Jersey-Tops ins Büro getragen. Kaufhosen und -Röcke alle viel zu groß, und die Passformprobleme mit Blusen habe ich ja auch schon beschrieben.

Nun habe ich aber das Schnittmuster, dass ich unendlich optimieren und reproduzieren darf 🙂 Ein dünner grauer Wollstoff liegt auch schon gewaschen und wartet auf den Zuschnitt. Ich muss mich nur noch entscheiden, ob ich das Taschenfutter diesmal  in mint oder weinrot haben möchte…

Tweedhose Outfit mit Gürtel Hugo Boss

Und wie sieht es mit euch aus? Ich bin gespannt 🙂

Schuhe-Tasche-Gürtel, was soll zusammenpassen? Die Farbe? Die Textur? Der Stil? Oder kann man eh alles tragen, wie einem der Sinn danach steht 😀

Und was habt ihr schon alles an Business Kleidung genäht?

Ich präsentiere das Outfit wieder mal beim MeMadeMittwoch, wo auch die heutige Gastgeberin Dodo ihre Lust auf Farben vorstellt…

 

Roch aus Seidenchiffon von Valentino
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Mein Frühling in Mint – Seidenchiffon von Valentino

Das Motto des heutigen MeMadeMittwochs ist „Frühlingserwachen“ – wie schön, und genau rechtzeitig, denn der Frühling meint es heuer wirklich gut mit uns! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Anfang April kurze Ärmel getragen hatte…

Außerdem habe ich heute noch eine Premiere – wie kommt es, dass mein Blog „Seide“ im Namen hat und ich noch kein Kleidungsstück aus Seide vorgestellt habe? Hier ist es – mein Rock aus Seidenchiffon von Valentino!

Seidenchiffon Valentino

Frühlingsoutfit in Mint

Rock: Seidenchiffon von Valentino und leichtes Viskosefutter. Kein Schnittmuster, einfach die ganze Stoffbreite eingereiht (2x Hüftbreite hätte es aber auch getan! 🙂 )

Top: Dill Tee von We are Knitters aus peruanischer Baumwolle

Es erforderte viel Mut, den Stoff zu kaufen 🙂 Meine erste Seide, und dann auch noch Designerware! Zum Glück braucht man für so einen Rock nicht viel Stoff; hier sind ca. 85 cm – absolut restlos verarbeitet.

Der Chiffon ist sehr dünn, sehr leicht und absolut durchsichtig – hier war ein Futter ein Muss. Ich habe mich für einen sehr leichten, aber weniger durchsichtigen Viskosestoff im absolut gleichen Farbton entschieden.

Bei zwei so filigranen Stoffen war an die Overlock natürlich nicht zu denken – ich habe die Enden vor dem Zusammennähen verarbeitet. Da die Stoffbahnen schön im Stoffbruch zugeschnitten waren, konnte ich den Stoff direkt unter der Nähmaschine zwei Mal knapp umschlagen und mit viel Zug ohne Stecknadeln versäubern.

Fürs Einreihen habe ich den Oberstoff und das Futter aufeinander gelegt und wie einen Stoff bearbeitet. Zum Schluss kamen der Bund rauf und der Nahtreißverschluss rein. Beim Bund ausmessen hab ich mich heillos verschätzt – da kam einfach alles zusammen: ich war gerade in meiner „molligeren“ Phase, vielleicht auch noch angegessen beim Ausmessen? Dann habe ich aus irgendeinem Grund 1 cm für die „Bequemlichkeit“ zugegeben – das mache ich normalerweise nie! Ich schneide den Bund immer 1:1 zu! Möglich ist auch, dass ich den Reißverschluss zu knappkantig eingesetzt habe…

Als Folge rutscht der Rock als Ganzes runter und der vordere Bund noch zusätzlich ein Stückchen 🙂

Dilltop von We are Knitters

Lessons Learned für einen zarten Seidenchiffon

Für einen wunderschönen Rockfall hätte ich heute noch etwas anders gemacht, und zwar:

Ich hätte einen deutlich festeren Futterstoff genommen, mit viel Eigenstand. Den hätte ich als halben Teller zugeschnitten, damit er schön schwingt, aber in der Taillengegend nicht aufträgt. Dann hätte ich den Chiffon darauf eingereiht. Also, ich glaube, das wäre die perfekte Lösung, und die werde ich auch ausprobieren 🙂 Muss glatt schauen, ob es auch heuer schöne Chiffonstoffe im meinem Lieblingsstoffladen gibt…

Meine Kompromisslösung

Was machen zwei hauchdünne Stoffe, auch wenn man sie zusammennäht? Überraschung – sie hängen wie ein Putzlappen runter! Der Rock hing gar so traurig, dass nicht einmal die schönen Lotusblumen zu erkennen waren! Da aber aufmachen und neu machen so gar nicht mein Ding ist, habe ich kurzerhand ein Crinoline-Band ans Futter genäht:

Crinoline Band

Nun hat zumindest der Saum den richtigen Stand und der ganze Rock schwingt mit:

Schwingender Seidenrock

Das Problem bleibt, dass der Rock als Ganzes einfach zu leicht ist – ich kann ihn leider nicht wirklich zum Tanzen anziehen, und wenn ich ihn im Alltag trage, muss ich immer daran denken, schöne Unterwäsche anzuziehen 😀 Mit einem halben Teller als Unterrock wäre das Outfit wesentlich jugendfreier.

Und das Top?

Hach, auch da hab ich mir so richtig viel Mühe gegeben:

Schöne Knöpfe mit Tieren

Was soll ich sagen, ich liebe Blumen, Vögel, Tiere… und die Farbe Mint!

Ansonsten gibt es über das Top nicht viel zu sagen. We are Knitters ist ein Unternehmen mit absoluten Marketing-Genies im Team, da könnte man richtig neidisch werden. In der Vermarktung stimmt einfach alles – angefangen mit Strategie, Konzept bis hin zur letzten Verpackung der Stricksets.

In meiner Rolle als Endverbraucher kann ich hingegen nicht so viel Begeisterung aufbringen. Die Wolle scheint mir überteuert, die Anleitungen nicht fertig ausgearbeitet (nur eine Einheitsgröße?! wtf) und überdies nicht wirklich anfängerfreundlich. Und Anfänger sind es ja, die von ihnen angesprochen werden – meine erfahreneren Leserinnen werden vermutlich schon anhand der Bilder wissen, wie der Pulli zu stricken ist.

Dill-Tee We are knitters

Wie bin ich Zwergerl mit der Einheitsgröße zurechtgekommen? Als Feststrickerin fiel es mir leicht: meine Maschenprobe war viel zu klein und somit genau richtig für mich. Ehrlich gesagt, finde ich das Top im Original recht lose gestrickt, ich mag es, wenn Gestricktes etwas Stand und Substanz aufweist 🙂

Gesamtes Outfit in Mint

Alles Liebe, und schaut bitte unbedingt am heutigen MeMadeMittwoch vorbei! Ich bin schon sehr gespannt auf alle blumigen, luftigen, romantischen und bunten Frühlingsoutfits!

Shirt mit Eule und schmale Hose
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Warum eine 7/8 Hose eigentlich altmodisch und wunderbar weiblich ist

«Ich lieb‘ auch deiner Füße Paar,
Wenn sie in Gras und Blumen gehn;
In einem Bächlein sommerklar
Will ich sie wieder baden sehn!»

«Auf dem besonnten Kieselgrund
Stehn sie wahrhaftig wie ein Turm,
Obgleich der Knöchel zartes Rund
Bedroht ein kleiner Wellensturm!»

Gottfried Keller, Trauerweide

Also ich liebe, liebe die neue Modeerscheinung, die eigentlich gar nicht mehr so neu ist – verkürzte Hosen in der kalten Jahreshälfte, die knapp über dem Knöchel enden und so das zarteste Körperteil einer Frau entblößen, dem Winterwind zum Trotz.

Das ist so wunderbar altmodisch, so jung der Trend auch sein mag. Zusammen mit den lässigen Oversize-Oberteilen, die wir jetzt in den Zehnerjahren tragen, ergibt es eine Silhouette, die den Fokus von der Taille und Hüfte wegbringt und den Blick auf die schmalen weiblichen Fesseln lenkt.

Kommt uns die Intention nicht irgendwie bekannt vor? Hier zum Beispiel ein Empire-Kleid, Anfang 19. Jahrhundert:

Empire-Silhouette - eine tanzende Frau
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Empire_silhouette

Na gut, vielleicht habe ich zu weit hergeholt. An mir wirkt das Outfit eher androgyn, aber ich mag es 🙂

androgyn - verkürzte Hose und Eulenshirt

Schön weil unpraktisch?

Der Grund, warum ich diese coole Hose auf diese stylische Art und Weise diesen Winter sehr selten getragen habe ist simpel: es war grauslich und kalt. Es hat sich doch nichts verändert in all den Jahrhunderten der Modegeschichte – die Trends werden im vollen Ausmaß vor allem von jenen Bevölkerungsschichten mitgetragen, die keinen normierten langen Arbeitstag haben. Wie könnte man auch im Korsett Gras mähen? In der Rapper-Hose der Neunziger (mit Kreuznaht in der Kniegegend und tiefer) am Bau arbeiten? Mit nackten Knöcheln bei -8 auf die U-Bahn warten, die ab 22:00 nur alle 15 Minuten fährt?

Das T-Shirt mit Eulenaufdruck aus einem Jersey-Rest habe ich selbst konstruiert.
Wer errät als Erster, wo das Foto entstanden ist? :))

Das Outfit wirkt nicht, wenn man obenrum eine winddichte fix zugemachte Parka mit einer Haube und Kapuze obendrauf trägt. Wettertechnisch perfekt ausgerüstet, nur hat man das letzte Paar saubere Socken schon gestern anziehen müssen.

Die verkürzte Hose verlangt nach einem offenen Mantel, handschuhfreien Händen,  einer lässig in den Nacken geschobener Haube. Zumindest irgendwas davon.

Hier habe ich auf jegliche Oberbekleidung verzichtet, immerhin ist es ja schon März, zum Glück. Ich werde das Outfit nun genau so richtig oft tragen, auch wenn die Hose nicht (mehr) richtig sitzt. Dazu gleich mehr.

Verkürzte Hose, Eulenshirt, kurzer Blazer

Schnittmuster

Hose: Burda 2/2016, auch hier gezeigt.

Eulenshirt: Weites Shirt mit angeschnittenen kurzen Ärmeln, selbst konstruiert.

Das Shirt ist genäht aus einem Viskosejersey-Rest, kaum größer als 60 cm. Daher ist auch das Halsbündchen aus einem anderen Jersey zugeschnitten.

Ja, ich weiß. Die Hose passt nicht richtig. Viel Mehrweite vorne. Sie hat mal perfekt gepasst, ich kann es selbst kaum glauben. Hatte keine einzige Falte vorne – bei der ersten Anprobe habe ich fast gejubelt.

Meine Taillen- und Hüftmaße sind leider sehr volatil und reagieren auf jegliche Gewichtszu- und Abnahme. Ich werde einfach wieder mehr essen und mir weniger Sorgen machen und dann passt die Hose schon wieder. Ich würde nämlich nur ungern eine neue nähen – das war das erste Projekt, bei dem ich Stunden getrackt habe und bin auf insgesamt 30 gekommen. Bumm, bin ich langsam!

Hose - Schnitt von Burda, T-Shirt - selbst konstruiert

Dieses Lieblingsoutfit von mir darf am heutigen MeMadeMittwoch teilnehmen – dort zeigt Wiebke ihr Frühlingskleid in Herbstfarben… Und auf die Kreationen von allen anderen freue ich mich auch schon sehr!

 

Kurzer gesteppter Rock mit Städte Aufdruck
Nähen

Gesteppter Minirock – geht das heute noch?

Ich war ein Kind der Neunziger. Sobald ich die schreckliche quietschbunte Oversize-Garderobe eines 90er Jahre-Kindes ablegte, mit einer fünfjährigen Verspätung dem Grunge-Stil zu frönen begann, und gleichzeitig dem  sexy „Mehr ist Mehr“-Gebot der Jahrtausendwende verfiel, wurden Mini-Röcke mein bester Freund.

Ach was, sie waren mein Markenzeichen. Indem ich meine Beine zur Schau stellte, war es für mich (= einen unsicheren, schüchternen Teenager mit einem ausgeprägten Geltungsdrang), als demonstriere ich meine Unverwundbarkeit.

Meine ersten (und für über 15 Jahre letzten) Versuche an der Nähmaschine entstanden aus dem Drang, die meisten meiner gekauften Röcke zu kürzen – wie schade, dass ich keinen einzigen mehr aus dieser Zeit besitze!

Ich habe immer noch einige kurze Röcke in meinem Schrank, trage sie aber wesentlich seltener. Wie man aus den wenigen Beiträgen von mir im Blog bereits erkennen kann, ziehe ich in den letzten Jahren eindeutig längere Röcke vor, am besten knielang, gerne noch länger.

Kurzer gesteppter Rock mit Städte Aufdruck
Zu kurz?

 

Und dann nähte ich mir doch einen Minirock

Wie so oft bei uns Näherinnen, war zuerst die Liebe zu einem Stoff da. Der gesteppte Jackenstoff mit Städtemotiven ist doch wirklich etwas Besonderes!

Steppstoff Städtemotiv

Ich habe ihn gekauft… hmmm…- vor zwei Jahren! Damals war natürlich an eine Jacke nicht zu denken. Mein Können erstreckte sich auf gerade mal 2 Rockmodelle. Also würde ich mir einen Rock nähen, einen, der nicht zu lang werden soll, denn der Stoff ist nur wirklich sehr speziell und warm und rascheln tut er auch!

Gesteppter Minirock, Steppstoff

Zwei Jahre später und trotzdem zu voreilig

Ich kann einen geraden Rock konstruieren, ich habe 1,5 Tage Zeit – los geht’s!! Yeah!!

Ich hätte den Stoff noch ein paar Monate liegen lassen sollen, darauf wäre es auch nicht mehr angekommen 🙂

Folgendes hätte ich jetzt anders gemacht:

Rocklänge: bissl mehr darfs schon sein. Ich hätte die Länge im Vorhinein mehrmals korrekt abgemessen und nicht mein Herzblatt pi mal Daumen schätzen lassen.

35 cm sind zu kurz für eine Rock, sogar für so einen Zwergi wie mich!

Oder: warum nicht doch einen langen Rock nähen? Wie wunderbar warm er doch geworden wäre! Gut, es wäre vielleicht nicht das am öftersten getragene Modell in meinem Kleiderschrank, aber er wäre wirklich – anders.

Form: Das ist jetzt ein einfacher gerader Rock. Ich finde nun, richtig kurze Röcke gehören ausgestellt, das gibt eine lässigere Silhouette und zugegebenermaßen ein besseres Tragegefühl.

Taschen: das ist das, was ihm am meisten fehlt! Kurze Röcke brauchen Taschen! Das würde den Rock weg von der bemühten Sexyness hin zur betonten Lässigkeit bewegen. Im Moment mache ich es nur mit Hilfe von flachen Schuhen und einem lockeren, nicht körperbetontem Oberteil.

Kurzer Stepprock mit Stadtmotiven
Werde ich ihn trotzdem tragen? Aber ja 🙂

Technische Details

Womit ich überhaupt nicht gerechnet habe: der Stoff ist wie Leder zu nähen, also ans Auftrennen ist nicht zu denken. Jeder Nadelstich hinterlässt ein winziges Loch, das nicht mehr weggeht. Gut, dass ich den Stoff nicht sofort vernäht habe, als ich ihn gekauft habe, meine Auftrenn-Quote war damals bedeutend höher!

Der Stoff ist ein richtiger Jacken-Steppstoff, also zwei Schichten Stoff durchgesteppt mit Futter-Vlies dazwischen. Eine Overlock zur Nahtverarbeitung ist hier ebenfalls die falsche Lösung. Gut, dass ich in diversen Nähblogs bereits von „Hong Kong Binding Seam Finish“ gelesen habe! Das war nun die perfekte Gelegenheit, dies auszuprobieren.

Hong Kong seam finish

Ich habe alle Nahtzugaben mit einem selbst erstellten Schrägband versäubert. Denselben Futterstoff verwende ich auch für den Innenbund, der aufgrund der Dicke des Stoffes ansonsten viel zu starr geworden wäre.

Gesteppter Minirock mit Städte-Aufdruck

Die weiße Bluse, die ich bei diesem Shooting in einem Geschäftsviertel in Lissabon trage, ist übrigens auch selbst gemacht. Ich habe sie sogar hier bereits erwähnt. Nach dem gleichen Schnittmuster , aber aus einem anderen Stoff ist diese Bluse hier genäht.

Verlinkt bei AfterWorkSewing

Handschuhe babyblau, himmelblau
Nähen

Das i-Tüpfelchen: Handschuhe in Babyblau

Und weil es so viel Spaß macht, mache ich heute wieder mal beim Memademittwoch mit, erstmals mit einem richtigen Frühlingsoutfit!

Darf ich vorstellen:

  • Bluse aus Baumwollstretch, nach diesem Schnittmuster von Burda.
  • Bleistiftrock aus stretchigem Wollstoff, selbst konstruiert.
  • Und – und: Handschuhe!! Ich habe selbst Handschuhe genäht!! Schnittmuster: natürlich Burda.

Outfit: babyblue suede gloves, pencil skirt

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich habe mir mein Leben lang ellbogenlange Handschuhe aus babyblauem Veloursleder gewünscht. Aber eines schönen Morgens vor einigen Wochen, als ich beim ersten Kaffee flüchtig die Nachrichten aus aller Welt durchscrollte, wusste ich: DIE brauche ich. Ein Sublimationswunsch, in Anbetracht dessen, was ich mir sonst in Bezug auf Weltgeschehen wünschen würde? Gut möglich.

Also raus aus dem Nachrichtenportal und rein in die Webshops.

Kaufen? Unmöglich!

Ich habe es auch offline versucht. 4 Geschäfte mit erstklassiger Beratung und ebensolchen Preisen. Nach etwa einer Woche wusste ich: selbst wenn es eine Möglichkeit gäbe, diese Handschuhe, genau so, wie ich sie vor meinem inneren Auge sehe, käuflich zu erwerben, würden sie mehr kosten, als jedes Outfit von mir, das sie komplettieren würden.

Und nach noch einer Woche kaufte ich diesen herrlichen 60er Jahre Mantel mit 7/8 Ärmel.

60ies blue coat and babyblue gloves
Retro-Oberbekleidung ohne Handschuhe tragen? Geht gar nicht!

Verkürzte Mantel- und Jackenärmel schreien nach Handschuhen, und Retro-Mäntel sowieso. Ich brauchte also passende Handschuhe – in meiner Welt existierten seit ein paar Tagen nur die. Himmelblaue ellbogenlange Handschuhe aus zartem Velourleder.

Also fasste ich mir ein Herz. Und kaufte 40 cm Veloursleder-Imitat im Wert von einem Cocktail oder zwei Tassen Kaffee beim Bäcker. Damit es nicht so weh tut, wenns doch nicht klappt.

Keine Angst, meistens klappt es doch

Als absolutes Anfänger-Projekt würde ich es nicht bezeichnen. Ich fand es witzig, dass mir ausgerechnet das Vorgänger-Projekt, die Bluse mit Manschetten, guten Dienst für die Handschuhe geleistet hat.

Daumen einsetzen ist nämlich ein ähnlicher Spaß wie Ärmel einsetzen, nur im Puppenformat. Und die Keile zwischen den Fingern sind ähnlich tricky zu nähen wie der Manschettenschlitz. Ich habe im Durchschnitt jede dritte Naht nachgebessert/neu genäht.

Das heißt, ich muss noch etwas üben bevor ich mich an echtes Leder wage, denn dieses kann nicht einfach so aufgetrennt und neu vernäht werden.

Kleiner Tipp für das Nähen von Handschuhen

Ich habe kleine Hände und dementsprechend die kleinste Größe genäht. Besser wäre es, eine halbe Größe raufzugehen, denn: Nahtzugabe 2mm!

Burda, are you kidding? Meine Nähmaschine und ich haben uns Mühe gegeben. Wir waren ehrlich bemüht… und so weiter, wie in einem schlechten Arbeitszeugnis 🙂

Während ich genäht habe, dachte ich aber nur, hoffentlich passen die Finger da rein!  – Nahtzugabe 5 bis 7 mm war das kleinste, was ich zustande gebracht habe. Ja, sie passen. Aber hier ist der Tipp für alle Nachmacher: die größere Größe nehmen und entspannen 🙂

Selbstgenähte Handschuhe

Noch ein paar Details

Der Rock hat einen Schlitz! Unbedingt notwendig, denn er läuft nach unten schmäler zu. Sehr große Schritte kann ich damit dennoch nicht machen, aber wer macht schon große Schritte, während man lange Handschuhe trägt!

Bleistiftrock mit Schlitz und Mantel im 60-er Jahre Stil

Die Bluse: Das ist ein Maiglöckchen-Druck! Meine Vorliebe für Flora und Fauna auf Stoffen blüht und gedeiht (hihi), und dieser Stoff war Liebe auf den ersten Blick! Die Bluse wird in den kommenden Monaten noch oft getragen werden…

Bluse Maiglöckchen himmelblaue Handschuhe

Ich kann das Schnittmuster für die Bluse übrigens uneingeschränkt empfehlen. An einem Tag genäht, ist die Bluse lässig und bequem wie ein T-Shirt, wirkt aber viel „angezogener“. Ich habe diese Bluse bereits zwei Mal genäht, und es folgen eventuell mehr. Den Querbalken am Rücken habe ich aber jedes Mal weggelassen, ein schöner großer Rückenausschnitt ist Blickfang genug, finde ich 🙂

Alles Liebe und viel Spaß beim MeMadeMittwoch am Weltfrauentag!

 

Hemdbluse in violett
Nähen

Die wirklich erste Hemdbluse

Wie viele Frauen haben tatsächlich eine gut sitzende Hemdbluse im Schrank? Jeder Stil-Ratgeber spricht von perfekt sitzenden Etui-Kleidern, einer Jeans, die wirklich passt… Aber was ist mit Business-Blusen, Blusen mit Kragen, Manschetten und sonstigem „maskulin-seriösen“ Firlefanz?

Ich hatte nie eine.

Die Passform

Wenn wir eine Bluse im Geschäft anprobieren – was muss denn alles sitzen, damit wir sagen können: passt, ist gekauft? Es sind einige Faktoren:

  • Kragenweite, na klar
  • Schulterweite
  • Ärmellänge (überlange Ärmel ruinieren die ganze Silhouette, man glaubt es nicht! Zu kurze Ärmel sehen aber auch nicht besser aus)
  • Ärmelweite
  • Manschettenweite (auch von „schwimmenden“ Handgelenken kann ich ein Lied singen!)
  • Abnäher: Position und natürlich Tiefe. Dh. in meinem Fall ein Problem der Überweite im Brust- und Taillenbereich, sowie Brustabnäher, die 10cm oder mehr unter der Brust enden – auch witzig.
  • Weniger heikel, aber auch lästig, wenn es so gar nicht passt: die Gesamtlänge.

Im Ernst, das kann doch nie funktionieren, oder? Jede Frau ist anders, hat andere Proportionen und Maße…

Auch auf Männer trifft das zu, und hier hat die Industrie vorgesorgt: Es gibt unterschiedliche Passformen für unterschiedliche Figuren und Bedürfnisse, wie slim fit, modern fit, classic fit… Viele Firmen bieten unterschiedliche Ärmellängen für gleiche Modelle an. Ein Hemd in extra-lang oder extra-kurz: alles kein Problem. Nicht zu sprechen von den oft hochwertigeren Stoffen im Vergleich zu Damenabteilungen in gleichen Geschäften!

Hemdbluse in violett

Genug gejammert, zum Glück können wir ja nähen 🙂

Auch lerne ich gerade Schnittkonstruktion, das heißt, es ist auch mein erstes selbst konstruiertes „richtiges“ Oberteil.

Die Ausführung

Schnittmuster: selbst gezeichnet

Stoff: Hemdenstoff aus einem Coupon-Geschäft im schönen Paris

Das Technische: Nicht schwierig, wirklich! Traut euch! Gut, ich habe gut reden, denn ich habe für diese Bluse insgesamt vier Ärmel mit Manschetten genäht: 1 Probestück, 1 Ärmel mit Schlitz vorne statt hinten und 2 richtige :)) Es geht in der Tat immer schneller und sicherer von der Hand.

Ganz besonders glücklich bin ich über die violetten Ton-in Ton Knöpfe. Ist es euch aufgefallen, dass die günstigeren Marken einfach immer schwarze Knöpfe auf alles knallen was etwas dunkler ist als ein Mittelgrau-Ton? Nein, es ist kein cooles Design, es kommt einfach günstiger.

Violette Hemdbluse mit violetten Knöpfen
Was mach ich beim nächsten Mal mit den Abnähern? Tiefer setzen oder einfach besser ausbügeln? Seht ihr, was ich meine?

Das Shooting

Die Bluse hat die Farbe des portugiesischen Weins und hätte zum ersten Mal in Lissabon getragen werden sollen 🙂 Ich hatte sie aber schon vorher an – aufgrund eines wichtigen Meetings im Büro – man sieht, wie nötig ich so eine Bluse hatte! 3 Wochen alt und 3 Mal getragen – das ist mal ein Kleidungsstück, dessen Anschaffung sich lohnt!

Ich wusste nicht, dass das Hotel, das wir ausgesucht hatten, mitten im Banken-,  Finanz- und Versicherungsviertel Lissabons ist. In dieser konservativen Umgebung kommt man sich richtig kess und innovativ in Violett vor!

Lissabon - Bar

Am meisten zu bieten hat natürlich der historische Teil Lissabons.

Hier mit Jeans, Boots und Sonne!
Hier mit Jeans, Boots und Sonne!

Und noch etwas ist mir beim Durchsehen der Fotos aufgefallen: Warum sagt uns Blauäugigen eigentlich niemand, wie gut uns Violett und Lila stehen? Ich brauche definitiv mehr solche Oberteile im Schrank!

Violette Oberteile lassen blaue Augen strahlen