Schnittmuster anpassen einen ausgestellten Rock kürzen
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Schnittmuster anpassen – einen ausgestellten Rock kürzen

Gerade arbeite ich wieder mal an einem Rock. Fest steht – sobald ich im Herbst wieder arbeiten gehe, brauche ich vor allem eins: Strumpfhosen!

Röcke sind einfach zu nähen und einfach zu kombinieren. Meist stellt auch die Anpassung an die individuelle Figur kein Problem dar. Die Veränderung der Länge am Schnittmuster, also einen Rock  oder ein Kleid verkürzen oder verlängern, noch bevor ich mit dem Nähen angefangen habe, ist die einfachste und die häufigste Änderung, die ich machen muss.

Ich hatte schon viele Gründe für meine Längenanpassungen:

  • Ich bin kleiner als die Durchschnittsfrau, für die die gängigen Schnittmuster erstellt werden. BurdaStyle geht von einer 168 cm Frau aus, die niederländische Zeitschrift La Maison Victor gar von 170 cm (170? Durchschnitt? Come on, das ist doch Wunschdenken).
  • Midi-Röcke sind gerade sehr in Trend und alle Nähzeitschriften sind voll davon. Je nach Modell kann knielang aber deutlich typschmeichelnder und/oder bürotauglicher wirken.
  • Zu wenig Stoff gekauft! Auch Röcke können wahre Stofffresser sein. Je nach der Anzahl und Breite der Bahnen, aus denen sich ein Rock zusammensetzt, kann man durch die Kürzung von 10 cm (also zB. von Mitte Wade auf immer noch länger als knielang) 20, 30 cm und mehr Stoff einsparen.
Seidenrock Schnittmuster Burda
16,5 cm kürzer als das Original und immer noch Knie bedeckend!

Einen geraden Rock kürzen

Bei einem einfachen geraden Modell, bei dem die Seitennähte parallel zum Fadenlauf verlaufen, ist die Anpassung in etwa 18 Sekunden erledigt und funktioniert nicht anders als bei einem „fertigen“, gekauften Rock. Vom Saum ausgehend rauf messen, um wieviel man den Rock kürzer haben möchte, eine gerade Linie parallell zum „alten“ Saum einzeichnen, abschneiden, fertig.

Einen ausgestellten Rock, einen Trapezrock, einen Rock in A-Linie kürzen

Keine Sorge, alle diese Begriffe bedeuten im Großen und Ganzen dasselbe.

Bei diesem Modell ist der Saum weiter als die Hüftbreite, die Seitennähte verlaufen schräg zum Fadenlauf. Wenn man bei einem ausgestellten Rock genau so wie bei einem geraden Rock verfährt, verliert der Rock seine ursprüngliche Silhouette, da er ja nach unten hin immer weiter wird. Unsere Aufgabe ist es in diesem Fall, trotz der Kürzung die ursprüngliche Saumweite zu behalten. Der Rock soll so kurz werden, wie wir ihn haben wollen, aber bitte genau so schön fallen wie auf dem Foto in der Zeitschrift.

Seidenrock Schnittmuster Burda

Und so mache ich es:

Ich pause das Schnittmuster auf meine Maler-Folie (für die Arbeiten Außen! Nur die ist robust genug) ab. Ich habe schon richtig viel ausprobiert, aber leider ist nur die Plastikfolie das Richtige für meine Zwecke. Durchsichtig genug – ich verkleinere meine Schnittmuster oft gleich am Bogen, dh. ich pause nicht mal die gedruckte bunte Linie, sondern eine feine Bleistiftlinie ab. Und sehr beständig – wenn ich mich mal in ein Schnittmuster verliebt habe, habe ich schon bis zu vier gleiche Modelle damit genäht. Schnittmusterpapier verliert bereits nach dem dritten Modell etliche Ecken, Abnäherspitzen und taugt nur zum Wegwerfen.

Dann lege ich beide Teile (hier im Beispiel sind es zwei Schnittmusterteile, manchmal sind es aber mehrere Bahnen) nebeneinander. Um ehrlich zu sein, dachte ich bei diesem Modell, der Rock fällt gerade und hat seine Saumweite nur durch die eingelegten Falten am Bund. Aber mit Hilfe meiner schönen neuen Schneidematte sieht man sehr deutlich, dass die Seitennaht immer im Bogen verläuft, das heißt, der Rock ist ausgestellt, wenn auch nur leicht!

Irgendwo im unteren Drittel habe ich zwei Linien eingezeichnet. Nichts abgemessen, einfach am Raster der Schneidematte ausgerichtet. Pi mal Daumen, ich wusste, dass aufgrund von meinem Stoffmangel jede Menge Länge weg muss. Zwischen den Linien liegen 5,5 Inch, also fast 14 cm.

(Ich habe die günstigste Schneidematte bestellt, die ich gefunden habe, und es war eine kleine Überraschung, als ich gesehen habe, dass sie gar keine cm-Angaben hat, nur Inch. Auch gut.)

Schnittmuster anpassen einen ausgestellten Rock kürzen

Die untere Linie lege ich dann exakt auf die obere Linie.

Eingezeichnete Linien aufeinander legen

So sieht es dann aus. Man könnte meinen, ich bastle mir einen Minirock, nein, er wird immer noch deutlich über dem Knie enden!

Ausgestellten Rock kürzen Schritt 3

Die vordere bzw. rückwärtige Mitte, die im Fadenlauf liegen, bleiben gerade ungebrochene Linien. Nachdem ich die Stellen, an denen ich die Folie gefaltet habe, zusammengeklebt habe, muss man hier nichts weiter tun.

rückwärtige und vordere Mitte Rock

Bei den Seitennähten tut sich hingegen was -es ist durch den Bruch eine kleine Stufe entstanden. Hier muss ich die in diesem Fall leichte Kurve mit meinem Kurvenlineal ausgleichen.

Manchmal ist diese Stufe richtig groß und es ist schwer, die Kurve wieder schön hin zu bekommen. Aus diesem Grund würde ich nicht empfehlen, einen stark ausgestellten Rock um mehr als 10-12 cm zu kürzen.

Kurve bei den Seitennähten mit dem Kurvenlineal ausgleichen

Davor habe ich auf diese Stelle ein schmales Stück Malerfolie geklebt, auf der ich nun die neue Kurve einzeichne.

Das wiederhole ich auch beim anderen Teil – und fertig!

gekürztes Schnittmuster Rock

Da ich dazwischen Fotos für diesen Post gemacht habe, hat diese Anpassung eeeewig gedauert – sicher 10 Minuten lang. Ansonsten bin ich meist nach 5 Minuten fertig ))

Ich hoffe, es war verständlich!

Und nun ran an die Midiröcke! Zeigt eure schönen Knie!

Liebe Grüße

Juli

 

 

grüne Bluse aus Chiffon
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Zart wie das erste Frühlingsgrün – meine erste Chiffonbluse

Wenn man mich fragen würde, würde ich grün niemals als meine Lieblingsfarbe bezeichnen. Und doch habe ich schon bemerkenswert viel Kleidung in dieser Farbe genäht und gestrickt. Einige Projekte haben es schon auf diesen Blog geschafft: zum Beispiel dieses Kleid und dieses Kleid, aber auch dieser Rock. Es gibt aber noch einige Sachen in grün, über die ich noch nicht geschrieben habe, und da fange ich sehr gern mit dieser Frühlingsbluse an.

Green wide pants green blouse outfit
Grüne Bluse kombiniert mit grüner Hose? Na klar!

Eine alte Bekannte – Schnittmuster: Burda 11/2015

Unglaublich, dass diese Bluse es bereits zum dritten Mal auf den Blog schafft! Es sind bei mir auch jede Menge neue Schnittmuster in Arbeit, versprochen. Hier habe ich diese Bluse aus einem russischen Wolltuch genäht und hier aus einem Reststück Batist, so fein, dass sie nach 20-30 Waschgängen leider schon ziemlich abgeliebt aussieht.

Muss ich noch dazu sagen, dass ich dieses Schnittmuster liebe? Abgesehen davon, dass die Bluse schnell und einfach genäht ist und richtig super aussieht,  ist sie kein gieriges stofffressendes Monster wie die Modelle, die ich zuletzt genäht habe. Die Ärmel bestehen aus zwei Teilen, das Vorderteil ebenso – solange der Stoff kein erkennbares Muster hat und man die angeschnittenen Binderbänder auf den Ärmeln weglässt, wie ich, kommt man in Größe 34 mit weit unter einem Meter aus. Ich habe damals 1,3 Meter von grünem Chiffon besorgt  und es ist noch ein kleines Top zum drunter anziehen daraus geworden.

Doppellagiges Top Chiffon

Was habe ich mir dabei gedacht?

Ja, was habe ich mir dabei gedacht, als ich den Stoff gekauft habe? Selbst zweilagig, also Bluse mit einfachem Top darunter, wäre es extrem durchsichtig. Zum Glück hatte ich noch 40 cm von einem meeresblauen Polyester-Chiffon, aus einer Restekiste im Stoffladen für 1,5 Euro gefischt. Mein damaliger Kursleiter hatte die tolle Idee, ein doppellagiges zweiseitiges Top daraus zu machen.

In seinen Händen ging das ruck-zuck, ohne Schnittmuster, Stoff zusammenlegen, schneiden, fertig. Durch einen schlauen Trick, den ich zu Hause nie wiederholen könnte, kann ich das Top mit der blauen Seite und mit der grünen Seite nach außen tragen, die Nähte sind zwischen den Stofflagen versteckt. Drei Lagen Chiffon machen die Bluse endlich komplett blickdicht.

Grüne Bluse weite Hose Gucci Tuch

Diese Lösung finde ich immer noch genial, auch wenn sie für mich keinen Wiederholungswert hat. Das nächste Mal würde ich ein Kleidungsstück aus Chiffon füttern oder unterfüttern, oder beides, aber vor allem… würde ich nie wieder Chiffon aus Polyester kaufen.

Niemals Synthetik?

Obwohl ich, wie alle Näherinnen, natürlich eine Vorliebe für hochwertige Naturstoffe wie Leinen, Seide und Baumwolle habe, bin ich auch synthetischen Stoffen nicht abgeneigt. Sie haben durchaus auch ihre Vorzüge:

  • Der Preis! Von vornherein günstig, werden Polyesterstoffe besonders oft mit großen Rabatten angeboten. Für eine kleine Bluse wie diese ist es nicht ausschlaggebend, aber ich habe einige Schnittmuster, vintage und neu, in der Warteliste, die 3+ Meter Stoff erfordern. Meist sind es üppige Kleider, die ich vermutlich gar nicht oft tragen würde… aber unglaublich gern besitzen!
  • Synthetik ist pflegeleicht und praktisch bügelfrei. Sehr praktisch bei Blusen wie diese, mit vielen Abnähern, Kräuselungen, eingelegten Falten. Es wäre kein Spaß, sie zu bügeln – muss ich zum Glück auch nicht. Waschmaschine – Trockner – fertig.
  • Synthetik knittert nicht nach dem Waschen – aber auch nicht beim Tragen. Gerade für Hosenprojekte halte ich bewusst nach Stoffen mit einem Polyester- oder Elastananteil Ausschau.

grüne Bluse Chiffon

Chiffon aus Synthetik wird mir aber nicht mehr unter die Nadel kommen. Seit ich diese Bluse genäht habe, sind vier Jahre vergangen, und seit dem ist mir noch immer kein Stoff untergekommen, der noch schwieriger zu verarbeiten gewesen wäre.

Seidenchiffon ist ganz anders, franst weniger aus, lässt sich durch Dampf und Finger formen, verzeiht dadurch Fehler und Ungeduld. Abgesehen davon, dass auch das Ergebnis dann in einer ganz anderen Liga spielt!

grüne Chiffonbluse rotes Halstuch
Wenigstens ist das Vintage Tuch aus Wolle und Seide!

Da ich die Bluse nach über vier Jahren immer noch regelmäßig trage, verbuche ich das Projekt trotzdem als Erfolg. Ich habe sie bisher auf verschiedenste Arten und Weisen kombiniert – auch schon mit einem Minirock aus Jersey (autsch!) – und so trage ich sie diesen Frühling:

Das Gesamtoutfit

Gesamtoutfit Chiffonbluse weite Hose rote Tasche

Bluse: Burda 11/2015 109A

Hose: mint & berry

Schuhe: Pas de Rouge

Liebe Grüße und hoffentlich bis bald!

Ich freue mich schon sehr darauf, auch mal ein richtiges Sommeroutfit zu zeigen, leider sieht es noch gar nicht danach aus – der Frühsommer lässt heuer auf sich warten…

Seidenrock Schnittmuster Burda
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Seide aus Bangkok und der 1,7 Meter Rock

Es macht mich im Moment sehr glücklich, mein umfangreiches Stofflager abzubauen.

Normalerweise verliebe ich mich schnell und heftig in Stoffe, die ich in Geschäften finde, aber auch meine fertiggestellten Kleidungsstücke liebe ich und trage sie sehr, sehr gern. Das Zwischenstadium aber, das Aufbewahren in meiner großen Stoffkiste, ist ein wenig inspirierendes für mich. Es kommt mir immer vor, da gibt es nichts mehr Interessantes, ich habe alle meine besten Stoffe schon vernäht. Zum Glück beweise ich mir gerade mit beinahe jedem fertigen Projekt das Gegenteil.

Das kleine unscheinbare Plastiksackerl mit zwei Seidenstoffen aus Thailand lag bereits seit vier Jahren in meinem Stoffberg und irgendwann im Februar zog ich es völlig uninspiriert wieder hervor, mit dem Gedanken, „nun muss ich es aber wirklich mal verarbeiten“. Herausgekommen sind zwei tolle Kleidungsstücke, ein Rock und ein Kleid, und ich kann es mir nun, wie immer, überhaupt nicht erklären, warum ich mir so viel Zeit damit gelassen habe.

Den Rock stelle ich heute vor.

Gestreifte Seide aus Bangkok, Rock Schnittmuster Burda

Die Seide

Bangkok ist eine meiner Lieblingsstädte, ich war insgesamt vier Mal dort. Bei meinem letzten Besuch habe ich bereits angefangen zu nähen, und die Tradition, aus jeder meiner Reisen ein paar Stoffe mitzubringen, hatte sich schon langsam etabliert. „Leider“ (aus heutiger Sicht) war ich ein paar Monate davor in Paris und habe einen halben Koffer voll mit Stoffen von dort mitgebracht, und mein Nähtempo war damals… im Vergleich zu heute bescheiden – und ich kann mich auch noch heute nicht zu schnellen Näherinnen zählen! Also beschloss ich damals, auf den Besuch von Stoffmärkten und auf die legendäre Thaiseide zu verzichten.

Habt ihr auch die Gewohnheit, in fremden Städten einfach nur Google Maps zu durchforsten, um zu sehen, was es in der Nähe alles gibt? So bin ich auf ein „Seidengeschäft“ in nur 300 Metern Entfernung von unserem Hotel gestoßen! Tja, das war wohl Schicksal.

Seidenrock Schnittmuster Burda

Damals gab es sie noch nicht, heute kann man sich ein Dutzend Fotos vom Geschäft auf Google Maps anschauen! Klickt den Link und schaut sie euch unbedingt an, der Laden ist, ähm, ungewöhnlich. Ich bin mir nur nicht sicher, dass ich die Fotos hier im Blogpost einbinden darf, selbst mit Quellenangabe.

Damals gab es aber noch keine Fotos, also habe ich ein „normales“, „europäisches“ Stoffgeschäft erwartet. Ein wenig war ich aber verwundert, da ich wusste, dass mich jenseits des Kanals die typischen Slums erwarten; ein paar Mal waren wir ja dort spazieren. Möglicherweise sind wir auch schon ein, zwei Mal an dem „Geschäft“ vorbeigegangen, denn außer einer Tafel, die wir nicht lesen können, deutet nichts darauf hin, was sich in dem kleinen Häuschen verbergen könnte.

Man geht über eine niedrige Türschwelle und kommt in einer Wohnung an – einer richtigen Wohnung in den Slums mit kleinem Fernseher, ordentlich bezogenen Betten, einer Küche, in der immer etwas gekocht wird, Portraits von Familienmitgliedern und dem König von Thailand auf den Wänden. Links vom Eingang ist ein kleiner Innenhof, da färbte ein junger Mann Seidengarn im leuchtenden Gelb und hängte es zum Trocknen auf. Der alte Mann, wohl der Vater des Hauses, führte uns zu einer Ecke im Wohnzimmer, wo die Seidenstoffe in einem alten Schrank mit Glastüren aufbewahrt werden.

Striped Silk Skirt

Die Stoffe, für die ich mich entschieden habe, kosteten umgerechnet 12,5 Euro pro Meter. Gar nicht so unglaublich günstig, da sie ja sehr schmal gewebt sind, ich glaube, sie waren kaum einen Meter breit. Möglicherweise hätte man handeln können. Hätte man… Ich könnte es nicht; ich meine, wenn man aus der kühlen luxuriösen Hotellobby in die Hitze hinaustritt und die Gassen der Slums betritt, und dann diese kleine karge aufgeräumte Wohnung mit dem winzigen Fernseher, der wahrscheinlich älter war als ich… In den Ländern, wo man über die Preise verhandeln kann, konnte ich es noch nie machen.

Wir haben natürlich den Stoff natürlich auch anzünden lassen, wie es in allen Reiseführern steht. Damals hatte ich noch nicht die Erfahrung, dass ich daraus viel schlauer geworden wäre; mittlerweile weiß ich gut, wie Seide brennt und riecht. Diese Seide hat eine ganz andere Haptik, als die zarten fließenden Seidenstoffe, die ich in Europa kaufe – die Oberfläche ist etwas rauh, sie rutscht nicht und ist somit ziemlich leicht zu verarbeiten, selbst der Streifenstoff. Überall, wo ich auch nur ein wenig aufgepasst habe, treffen die Streifen vorzüglich aufeinander – und der Rock hat 5 Nähte!

Rock Schnittmuster Burda 3/2018

Vor dem Verarbeiten habe ich die Seide wie üblich vorbehandelt: gewaschen in der Waschmaschine mit dem Feinwäsche-Programm, getrocknet im Trockner mit dem Feinwäsche-Programm und anschließend mit Dampf behandelt. Der Stoff ist dadurch wahrscheinlich einige Prozent eingegangen und hat möglicherweise auch etwas an Glanz eingebüßt, was aber mit mit bloßem Auge erkennbar ist. Dafür kann ich den Rock nun ganz normal zu Hause waschen, anstatt ihn jedes Mal in die Reinigung zu geben.

Das Modell: Burda 10/2018

Das Modell sieht 1,7 Meter Stoff für den Rock vor, ich hatte aber nur 1,4 Meter von der gestreiften Seide. Ich war überzeugt, es würde sich trotzdem ausgehen. Das Modell gibt es erst ab Größe 36, ich musste den Rock also auf Größe 34 gradieren. Außerdem war mir klar, dass ich ihn massiv kürzen würde – auf den Burda-Fotos geht er bis zur Mitte des Schienbeins – bei Models, die vermutlich mindestens 1,70 groß sind (ich bin 1,59 cm groß).

Ich habe zum Glück schon früh gelernt, wie man ausgestellte Röcke kürzt – natürlich wird das Schnittmuster nicht einfach „unten“ am Saumabgeschnitten. Ich habe ca. 2/3 der Gesamtlänge abgemessen, eine horizontale Linie eingezeichnet, das Schnittmuster auseinander geschnitten und mit 16,5 cm Überlappung wieder zusammengeklebt. Die 15 cm sind eine massive Änderung am Schnittmuster, egal in welche Richtung und zu welchem Zweck, somit hat der Rock einen etwas anderen Fall als die Modelle in der Zeitschrift. Die Saumweite ist durch meine Methode natürlich die gleiche geblieben, aber die Seitennaht hat einen ganz anderen Winkel bekommen, somit ist der Rock „bauschiger“, und optisch mehr ausgestellt.

Seidenrock Seide aus Thailand Schnittmuster Burda

Sobald die Schnittmusterteile fertig geändert waren und auf meinen Stoff aufgelegt, habe ich realisiert, dass die Seide trotzdem nicht ausreicht. War ja klar, denn die 1,7 Meter sind angegeben für einen Stoff ohne erkennbaren Musterverlauf und 145 cm Gesamtbreite. Meine in den Slums von Bangkok gewebte Seide war etwas über einen Meter breit. Und das Muster – die Streifen sind zum Glück nicht sehr breit, aber ich musste mich natürlich auch danach richten.

Aber aufgeben würde ich nun auch nicht.

  • Am Saum habe ich weitere 1,5 cm abgeschnitten
  • DieNahtzugabe am Saum habe ich weggelassen und statt dessen schwarzes glänzendes Schrägband zum Einfassen gekauft
  • Ein Schnittmusterteil habe ich „kopfüber“ platziert (mache ich normalerweise nie, schon gar nicht bei glänzenden Stoffen)
  • Den Bund habe ich vertikal zugeschnitten – insgesamt aus 6 Teilen gestückelt.

Der letzte Punkt bedeutete einiges an Mehrarbeit und hat mich am meisten geärgert. Sieht aber im Endeffekt ganz gut aus, finde ich.

Gestreifter Seidenrock Schnittmuster Burda

Es ist nichts!! übriggeblieben von der Seide. Meine Overlock hat nicht sofort ein schönes Stichbild hinbekommen, und zum Schluss hatte ich nicht mal genug Fitzelchen für die Spielerei mit den Einstellungen.

Ich bin im Nachhinein sehr froh, dass ich mir die Arbeit mit dem Schnittmuster gemacht habe – das Gradieren und Kürzen. Ich kann mir noch einige solche Röcke in meinem Kleiderschrank vorstellen, und ein weiterer ist bereits zugeschnitten.

Das Gesamtoutfit

Rock: Burda Style 10/2018 Modell 106

Bluse: mint & berry

Schuhe: Jil Sander

Schmuck: Thomas Sabo

Rock aus Thai Seide Schnittmuster Burda

Verlinkt bei: MeMadeMittwoch

blaue Bluse Burda 3/2018
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Fast ein Hosenanzug – monochrom in Blau

Bluse: Burda 3/2018

Eines meiner Lieblingsprojekte von den neueren.

Meine selbst genähten Sachen teile ich in meinem Kopf in zwei Abschnitte – die, die vor meiner Schwangerschaft entstanden sind, und die, die ich nach einer 13-monatigen Pause danach gemacht habe. Die Kleidungsstücke „danach“ sind meistens einfacher und schneller zu erstellen, aus Zeit- und Motivationsgründen. Da die Projekte auch dazu dienen sollen, meinen großen Stoffvorrat abzubauen, sind sie möglicherweise weniger gut geplant und durchdacht, als zu der Zeit, als ich für jede meiner Ideen einen Ausflug in ein gut sortiertes Fachgeschäft machen konnte. Ich freue mich, dass trotz der Einschränkungen regelmäßig schöne und vor allem tragbare Sachen meinen Kleiderschrank bereichern – nähen ist in der Tat wie Zaubern können!

Burda Schnittmuster Hose und Bluse

Die Hamburg-Bluse

Im vergangenen Jahr, als mein Sohn gerade mal ein halbes Jahr alt war, haben wir ein paar Wochen in Hamburg verbracht. Das Fliegen mit einem unruhigen aufgeweckten Baby war nie auf meiner „100 Amazing Things To Do Before You Die“ Liste, aber mein Mann musste auf eine längere Dienstreise fahren und wir durften mit.

Da die Dienstwohnung nur einen Katzensprung von seiner Firma lag, habe ich ihn regelmäßig mit dem Kinderwagen von der Arbeit abgeholt.

Es war ein eigenartiges Gefühl, den Kinderwagen durch eine Gegend zu schieben, in der es keine Wohnungen, sondern nur Konzern-Gebäude, Lagerhallen, Parkplätze und Restaurants gibt. Sogar im Haus, wo wir gewohnt haben, gab es keine weiteren Wohnungen, sondern nur Anwaltskanzleien. (Welchen Champagner trinken Anwälte eigentlich? Sie haben sich bestimmt alle zusammengetan und einige Korken knallen lassen, als wir Ende September wieder abgereist sind – unser kleines aber sehr lautes Baby hatte auch ein paar, ähm, nicht so gute Tage in Hamburg).

Es war sicher bereits am ersten oder zweiten Abend, als ich die Frau im blauen Hosenanzug das Konzerngelände verlassen und ihrem Feierabend entgegen treten sah. Der Anzug war dunkelblau, schmal geschnitten, die Hose war 7/8 lang. Dazu trug sie strahlend weiße, perfekt neue Sneaker.

„Also so kleidet man sich momentan im Büro“, dachte ich. In den vergangenen 15 Monaten habe ich nichts anderes als langweilige Jersey-Schwangerschaftsteile und süße Babyoutfits angeschaut und eingekauft, es hat mich auch nichts anderes interessiert. 15 Monate – die genau in diesem Augenblick schlagartig vorbei waren. „Das trägt man 2018 im Büro, aha.“

blaue Bluse Burda 3/2018

Zu Hause wartete eine vor der Dienstreise zugeschnittene Bluse auf mich. Ich habe tatsächlich früher zu nähen angefangen, als mich wieder für Kleidung zu interessieren.

Kein Ruck-Zuck Modell

Ich habe mich für diese Bluse aus Burda 3/2018 entschieden, da es ein Kurzgrößen-Modell ist (in Größen 17 bis 21) und ich somit keine Änderungen durchführen musste. Außerdem hatte ich 2 Meter schweren Polyester-Krepp daheim, den ich vor Urzeiten sehr günstig gekauft habe (2 Euro pro Meter, glaube ich). Mittlerweile kaufe ich ja keine synthetischen Stoffe für Oberteile mehr. Ich dachte anfangs, es ist keine optimale Entscheidung, „nur“ eine Bluse aus dem Stoff zu nähen, es bleibt bestimmt ein mittelgroßer Rest über, mit dem man nichts anfangen kann. Aber diese Bluse ist ein Stofffresser: es ist kein Rest über 20cm geblieben, und kleinere Abschnitte werfe ich kompromisslos weg.

Blaue Bluse, blaue Hose, hellblauer Cardigan

Beim Nähen wird einem nicht langweilig: 13 Schnittmusterteile (von denen einige natürlich doppelt zugeschnitten werden), etliche Abnäher, Raffungen an 8 (!) Stellen, und drei Kellerfalten. Aber ich kann mich an keine besonderen Schwierigkeiten erinnern, und ich habe auch kein Probemodell erstellt. Die Bluse fällt sehr locker, außerdem kann man die Passform zum Schluss beim Platzieren der Druckknöpfe nachjustieren. Ich habe mich nicht an die Angaben auf den Schnittmusterteilen gehalten, sondern die Lage der Knöpfe auf der fertigen Bluse bei der Anprobe markiert.

Blaue Bluse Schnittmuster Burda mit Passe, Schößchen und Kellerfalten
Die Arbeit zahlt sich definitiv aus. Aber trotzdem: 8 Raffungen! 3 Kellerfalten!

Trotz des Aufwands würde ich die Bluse definitiv noch einmal nähen – sobald ich einen passenden Stoff finde, der fließend und schwer ist, und gleichzeitig etwas Stand hat. Er muss auf jeden Fall wieder einfärbig sein – Burda hat einen Fehler gemacht, finde ich, die Bluse in einem wild bedruckten Stoff zu präsentieren. Wegen dem Print habe ich gar nicht gesehen, wie schön sie eigentlich ist. Wie bereits erwähnt, habe ich sie nur genäht, weil ich ein Kurzgrößenmodell von Burda ausprobieren und den blauen Krepp endlich verarbeiten wollte.

Blaue Bluse und Hose, beides Schnittmuster Burda

Halbes Jahr später

Ende Oktober war die Bluse fertig; in der kalten Jahreszeit habe ich sie nicht mehr angezogen, nur einmal mit einer beigen Jeans anprobiert und zufrieden zu den Sommersachen abgelegt. Im April kam endlich der Frühling und all das frische Grün, das man auf den Fotos gar nicht sieht. Für das Shooting beschloss ich, die Bluse mit dieser blauen Hose zu kombinieren (ebenfalls ein Burda-Modell). Da wir nachher einen schönen langen Spaziergang und ein Abendessen planten, mussten natürlich auch meine neuen Turnschuhe her. Nach den täglichen Kinderwagen-Halbmarathons des ersten Babyjahres musste ich alle meine flachen Schuhe austauschen.

Und dann erinnerte ich mich plötzlich an den sonnigen September in Hamburg und die hübsche Businessfrau aus dem Konzern. Ich hatte mein neues Traumoutfit fürs Büro an.

Das Gesamtoutfit

Blaue Hose und Bluse Schnittmuster Burda

Bluse: Burda 3/2018 115B

„Torero-Hose“: Burda 2/2016 114

Cashmere-Cardigan: Christian Berg

Schuhe: Lacoste

Liebe Grüße und bis bald!

 

Rosa Vintage Kleid gekräuselter Rock
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Ein Vintage Traum in Zartrosa

Es ist wieder Zeit für ein Vintage Projekt hier auf dem Blog. Zur Zeit nähe und trage ich gerne aktuelle Kleidung (meine allerliebste Kombi: eine alte graue Jeans kombiniert mit einem altem grauen Schwangerschaftsshirt, ach, was würden die anderen Sandkasten-Mamas lachen, wenn sie wüssten, dass ich einen ähm, „Fashion“-Blog führe…). Aber meine Vintage-Kleider, das ist eine ganz  besondere Liebe, der ich immer treu bleiben werde.

Nach diesem Projekt, das nach einem Vogue Reproduktionsschnitt entstanden ist, habe ich mich bereits zwei Mal an originale Schnittmuster aus den 40er und 50er Jahren gewagt. Das zweite Kleid – das eigentlich das frühere ist – muss ich erst verbloggen; heute zeige ich das spätere und das einfachere der beiden.

Das Schnittmuster

Original Vintage Schnittmuster

Butterick 6590, ein typischer Etsy-Fund, mit Versandkosten drei Mal so hoch, wie das Schnittmuster gekostet hat. Und ja, ich habe es in der gleichen Farbe wie auf dem Umschlag genäht. ))

Ich hatte einen unbekannten Stoff mit einem hohen Synthetik-Anteil, den ich um 3 Euro/Meter bekommen habe – anders kann man sich die stofffressenden Vintage-Kleider ja fast nicht leisten! Deshalb habe ich mich im letzten Moment wieder für die ärmellose Version C entschieden – ich bin ein Hitzkopf, und in Synthetik schwitze ich nicht gern. Wenn ich einmal genug Seide oder Baumwolle habe, würde ich gerne die Version mit langen Ärmeln nähen – die beiden Abnäher am Ellbogen sind entzückend, ich würde nur zu gerne sehen, wie sie sich auf die Passform auswirken!

Vintage Kleid selbstgenäht

Das Kleid ist denkbar einfach zu nähen: sechs Teile, vier Abnäher und ein Reissverschluss. Die Vintage Anleitungen sehen bei Kleidern nie ein Futter vor; die Damen trugen damals Unterkleider und Petticoats. Es ist auch wesentlich günstiger, da stoffsparender, ein, zwei Unterkleider zu nähen, als jedes Kleid extra mit einem Futter zu versehen.

In meiner Sammlung habe ich auch ein Schnittmuster für ein Unterkleid aus den fünfziger Jahren, mit einer tief angesetzten Taille und ausladendem Rock – mal sehen, ob ich noch in diesem Leben dazu komme… Das rosa Kleid ist auf jeden Fall ohne Futter und einen „modernen“ Petticoat kann ich darunter auch nicht tragen, da er auf der natürlichen Taille gekräuselt ist und nicht erst ab der Hüfte. Finde ich für ein luftiges Sommerkleid auch okay.

Rosa Vintage Kleid mit weitem Rockteil, tiefe Taille

 

Meine Anpassungen

Da ich bereits ein Original Vintage Kleid genäht habe, das exakt auf meine Maße zugeschnitten sein müsste (bzw. sogar kleiner, denn 30 inch sind 76 cm, keine 78!) und das viel zu weit in der Oberweite geworden ist, habe ich hier zum ersten Mal eine SBA (Small Bust Alteration, das Gegenteil der Anpassung für volle Brüste) vorgenommen. Und das gleich auf dem abgepausten Schnittmuster, ohne auch nur ein Probemodell zu nähen.

Rosa Vintage Kleid, Holzpferd

War es sinnvoll? Keine Ahnung. Der Kimono-Ärmel sieht ja eine bestimmte Mehrweite für die Bewegung vor. Möglicherweise hätte ich mir damit die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, wenn ich die Version mit den langen Ärmeln genäht hätte. Und ich habe nur 2cm Weite weggenommen. Vielleicht hätte man auch keinen Unterschied gemerkt, wenn ich es gleich gelassen hätte.

Aber das Kleid passt gut, liegt schön an, und ich weiß nun, dass ich mich vor einer SBA nicht fürchten muss. Ging in 10 Minuten!

Weiteres Fazit: von den alten Schnittmustern der New York Patterns lasse ich lieber die Finger, die alten Butterick Schnittmuster scheinen hingegen gut zu meiner Figur zu passen. Über die modernen Buttericks habe ich ja oft genug gelesen, dass sie vieel zu viel Mehrweite hinzugeben…

Vintage Kleid runder Halsausschnitt

Nach einer gelungenen SBA (zumindest sah das Schnittmuster plausibel aus) war ich im richtigen Anpassungswahn, die 10 investierten Minuten waren mir nicht genug! Da das Kleid eine Naht in der vorderen Mitte vorsieht, war für mich der richtige Moment gekommen, die exotischste Anpassung vorzunehmen, von der ich je gehört habe.

Es hört sich nur zu lustig an: eine Anpassung für einen extra flachen Bauch. Davon habe ich mal vor Jahren in einem russischen Schneiderinnen-Forum gelesen, ansonsten ist es mir noch nie untergekommen. Die Grundidee ist die, dass wenn eine Frau sehr schlank ist, dann stehen ihre Rippen im Vergleich zum flachen Bauch etwas hervor. Wenn man dann die Figur im Profil anschaut, „hängt“ der Stoff des Kleides von den Rippen gerade runter, anstatt sich an den Bauch anzuschmiegen. Mit Hilfe eines 1cm breiten vertikalen Abnähers direkt auf der Taille wird der Stoff dazu gebracht, der natürlichen etwas einfallenden Linie zu folgen.

Rosa Vintage Kleid mit weitem Rockteil

Zugegeben, eine etwas unnötige „Luxusänderung“, aber sie erfüllt ihren Zweck gut. Nach der Geburt meines Sohnes und vielen Monaten ohne nennenswerten Sport bin ich zwar schlank, aber bei weitem nicht so durchtrainiert, wie ich es mal war. Diese kleine Anpassung macht zumindest optisch einen sportlichen „Hungerbauch“, den ich früher hatte und an mir mochte. Sollte mir irgendwann wieder ein figurbetontes Schnittmuster mit einer mittigen Naht unterkommen, würde ich diese Anpassung wieder machen.

Und da ich schon dabei war, habe ich im unteren Rücken einen horizontalen Abnäher aufgeschnitten und 1 cm weggenommen. Das war meine Anpassung fürs Hohlkreuz.

Rosa Vintage Kleid gekräuselter Rock

Das Kleid passt genau, hat sehr wenig Bequemlichkeitszugabe, aber in Bewegung bildet es dennoch viele kleine Fältchen. In dem Schneiderinnen-Forum habe ich gelesen, dass die vielen geschickt platzierten Abnäher in den alten Schnittmustern genau diesen Effekt bewirken sollen. Es soll suggerieren, dass die Trägerin noch schlanker sei, als sie aussieht, denn ihr Kleid sei ihr einen Tick zu groß!

Ich weiß nicht, ob es damit wirklich was auf sich hat, aber es gefällt mir, wie das Kleid an mir aussieht. Außer…

Die wichtigste Anpassung, die ich jedoch nicht vorgenommen habe

„Wird schon passen,“ dachte ich. Die Frauen damals waren ja kleiner als heute.

Mag schon stimmen, aber wir sprechen hier nicht vom Neandertaler-Zeitalter, und der durchschnittliche Mensch war 1950 nicht 159 cm groß! Wann werde ich es endlich lernen, ich muss das Oberteil immer kürzen. Somit ist die Taille hier nicht nur tief, sondern eindeutig zu tief angesetzt. Meh. Weitere 10 Minuten für eine Anpassung, die ich mir einfach eingespart habe. Auch war mir nicht bewusst, dass die schweren Rockbahnen das Oberteil noch mehr runterziehen würden.

Sollte ich das Kleid jemals wieder nähen, kommen da mindestens 2 cm weg. Dieses Kleid werde ich aber trotzdem gerne tragen. Die hyperbolisch tiefe Taille erinnert mich an die Cocktail-Kleider meiner Mutter aus den 80ern – und das ist ja auch irgendwie Vintage!

Vintage Kleid 50er Jahre weiter Rock
Keine Cocktails, aber Wein 😉

Cheers und bis zum nächsten Mal!

Juli

Verlinkt zu

michou-loves-vintage.de : Gebluemte Sommerbluse oder der grosse Murks plus Linkparty

MeMadeMittwoch

Outfit Shorts und Seidenbluse
Nähen

Doch noch ein Sommerprojekt: Seidenbluse mit Vogelprint

Wie ich schon letztes Mal geschrieben habe, dieser Sommer war alles, aber nicht sehr aktiv. Ich konnte und wollte weder meine Tätigkeiten für den Blog noch das Nähen im gewohnten Tempo weiterführen. Nun, dann ist es einfach so. Noch ein Schritt zum gelebten Minimalismus.

Noch vor zwei, drei Jahren wäre das vermutlich der Punkt gewesen, an dem ich diesen Blog aufgegeben hätte. Mein Leben ist etwas anders, als ich es mir vor Monaten vorgestellt habe. Ein neuer Blogbeitrag jede Woche ist im Moment einfach nicht drin. Auch das Nähen kommt momentan viel zu kurz – obwohl ich hoffe, dass sich zumindest das in den kommenden Wochen und Monaten ändert.

Aber jetzt sage ich – es ist gut, dass es den Blog gibt. Es ist meine eigene kleine Welt und mein virtuelles Zuhause. Und ein Zuhause bleibt ein Zuhause, auch wenn man sich dort nicht besonders oft sehen lässt – das kenne ich noch aus meinen Teenager-Zeiten 🙂 Also bleibt der Blog und damit zumindest monatliche Updates. Zu sagen hätte ich nämlich immer noch viel!

Gefühlsmäßig habe ich im Juli und August gar nicht genäht, aber es ist dann doch diese Seidenbluse entstanden.

Outfit mit Seidenbluse

Das waren die kleinen Schritte. Nicht alles auf einmal machen wollen. Mal fünfzehn Minuten am Stück arbeiten, dann nur fünf.

Goldwert ist dabei ein eigener Arbeitstisch, auf dem ich alles stehen und liegen lassen kann bis zum nächsten Mal. Hätte ich den nicht, würde der schöne Seidenstoff wohl immer unberührt in meiner Stoffkommode liegen.

Outfit Shorts und Seidenbluse

Bluse:

Burda 11/2016, Größe 34, fast unverändert (an der Taille 4 cm weggenommen, was man aber gar nicht merkt).

Stoff: 100% Seide aus Paris (gekauft 2016). Er war nicht günstig, also habe ich die Schnittteile mit ach und krach auf 1,2 Meter verteilen müssen.

Das gesamte Outfit:

Shorts: Dorothy Perkins (hm, ja, gekauft, obwohl ich heuer schon diese schöne kurze Hose genäht habe. Dazu mal bei Gelegenheit mehr). Langes Top für unten drunter: ebenfalls Dorothy Perkins.

Schuhe: Michael Kors 2016

Outfit Seidenbluse und weiße Ballerinas

Bitte macht nicht den gleichen Fehler…

Falls ihr die Bluse nachnähen wollt – im Grunde ist es ein einfaches und dankbares Projekt. Passform-Probleme kann ich mir hier beim besten Willen nicht vorstellen, die Bluse ist weit genug. Der Ausschnitt ist gr0ß, aber sogar bei meiner hoch angesetzten Brust kein Problem und immer noch züchtig genug, schaut her:

silk blouse
Das ist aus einem anderen Shooting, ohne Top drunter und ein wenig kränklich 🙂

Nur macht nicht denselben Fehler wie ich und lasst den Reißverschluss weg!! Für einen Nahtreißverschluss brauche ich immer noch rund 30-45 Minuten: meine kostbare Zeit! Da hätt ich fast ein nächstes Projekt zuschneiden können!

Der Ausschnitt ist wirklich weit genug, und wenn mein Kopf anderthalb Mal so groß wäre 🙂 Außerdem ist der Reißverschluss schwer (nein, natürlich nicht, aber immer noch schwerer als der zarte Seidensatin) und zieht dadurch den vorderen Saum nach hinten.

Outfit mit Shorts und Seidenbluse
Daaaa, die ganz leichte Kurve 🙂

Seidenbluse Vogelprint

Der hintere Ausschnitt würde natürlich weicher fallen und nicht so hart abstehen, wenn der Reißverschluss nicht wäre. Übrigens: wie stellt denn Burda sich das vor, das Originalmodell ist aus einem noch feinerem Stoff gemacht?

Bei meinen nächsten Blusenprojekten werde ich auf jeden Fall immer den Ausschnitt ausmessen und mich dann entscheiden, ob ein Nahtreißverschluss notwendig ist oder nicht. Ein kleiner Schlitz mit Knopf ist im Zweifelsfall auch schnell gemacht und macht den Stoff nicht gleich so steif.

Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem Projekt, in den Vogelprint bin ich immer noch so verliebt wie vor einem Jahr und die Schulterpassen machen die Bluse ein bisschen anders:

Seidenbluse - Schulterpassen

Das ist übrigens mein drittes Projekt mit einem Vogelprint 🙂 Könnt ihr euch noch an diese ärmellose Bluse und an dieses Eulen-T-Shirt erinnern?

Uuuund: ich habe noch was 😉 Ich bin ein Freak, ich weiß. Mal sehen, ob ich euch das nächste Mal über die Capsule Wardrobe update oder gleich im Anschluss das vierte Vögelchen-Kleidungsstück präsentiere 😉 Habt ihr vielleicht einen Wunsch dazu?

Ganz liebe Grüße

Juli

 

Shirt aus Hanfjersey
Nähen

Naturstoffe, Naturfarbe – Shorts und Shirt

 

Am häufigsten kaufe ich Stoffe in Geschäften vor Ort. Ich fasse den Stoff an, immer und immer wieder, trete vor, trete zurück, rolle ihn auf, wandere damit zum Spiegel und schau, ob die Farben zu meinem Teint passen, trage ihn wieder zurück, mache eine Runde durchs Geschäft, komme zurück und der ganze Entscheidungsprozess geht von vorn los. – Eigentlich völlig unnötig, denn wenn ich mich in einen Stoff verliebt habe, dann will ich ihn haben. An meinen Gefühlen ändert sich nichts, ob ich mir zehn oder sechzig Minuten für die Entscheidung lasse…

Und dann gibt es auch Kopfentscheidungen. Denn hin und wieder bestelle ich Stoffe auch online, wenn auch wesentlich seltener. Da geht es mir in erster Linie um ungewöhnliche Qualität, um den Tragekomfort, den ich mir verspreche, um die Neugier auf eine Zusammensetzung, die ich von herkömmlicher Kleidung nicht kenne.

Hanf zum Nähen? Und dann auch noch als Jersey!

So kam es zu der Bestellung von einem Meter ungefärbten Hanfjersey auf naturstoff.de . Wenn schon rustikal und Natur, dann richtig. Der Hanf soll eine tolle Faser sein: schmutzabweisend, feuchtigkeitsregulierend, strapazierfähig und einfach angenehm zu tragen. Bis zum Siegeszug der Baumwolle im 19. Jahrhundert gehörte Hanf neben Flachs (=Leinen), Nessel und Wolle zu den wichtigsten Rohstoffen für die europäische Textilindustrie (Wikipedia).

Hanfshirt im Kornfeld

Zeitgleich mit dem Shirt nähte ich eine kurze Hose aus einem kleinen Wollstoff-Rest in der gleichen schönen Farbe Natur. Das ist derselbe Stoff, wie bei diesem Rock hier. Da hatte mein Umfeld dieselbe Reaktion, wie bei dieser Kombi, (die ich selbst, ehrlich gesagt, immer noch Hammer finde):

– Das trägst du dann aber nicht zusammen, oder?

Jaa, ich bin hell. Besser gesagt, blass. Immer wieder werde ich der Abneigung gegen jegliche Sonneneinstrahlung bezichtigt, ich selbst gebe eher meinen nordslawischen Wurzeln die Schuld. Nie käme es mir in den Sinn, mich meiner Hautfarbe zu genieren. Oft wird aber versucht, mir das Gefühl zu geben, ich müsste mit meiner Kleidung meine Haut kaschieren, zumindest aber vom Hautton ablenken. Helle Kleidung für blasse Menschen? Absolutes No Go!

Shirt aus Hanfjersey im Kornfeld
Ja, das ist ein Hasen-Anhänger 🙂

Ich trage auch gern bunt und achte darauf, dass die Farben, die ich aussuche, meinem Typ schmeicheln. Dieses Outfit aber, in dem ich mich unglaublich wohl fühle, ist für jene Tage, in denen ich meinen Blick eher nach Innen denn nach Außen richte. In denen bitte nichts zu laut oder dringend sein darf. In denen ich Vögel lauter zwitschern höre als sonst und in denen mir am Heimweg gern ein oder zwei Hasen begegnen, oder sogar ein Igel. (Ja, ich lebe in der Stadt, okay, am Stadtrand, und ja, ich liebe die Gegend, in der ich wohne 🙂 )

Möglicherweise mag man einwenden, dass ich in einem komplett beigen Outfit etwas kränklich aussehe. Für diese Fotostrecke stimmt es ohne Zweifel, denn da war ich tatsächlich alles andere als fit und wollte die Fotos unbedingt machen, bevor das schöne Kornfeld vor meinem Haus gemäht wird. Zwei Tage später war es wirklich nicht mehr da.

Es gibt Dinge in der Natur, die sind farblos, und doch wunderschön.

Shirt aus Hanfjersey
Die kurze Hose mit Bundfalten habe ich selbst konstruiert.

Noch ein paar Worte zum Stoff

Trägt sich Hanf wirklich so angenehm? Ja. Das T-Shirt ist luftig und bequem, „feuchtigkeitsregulierend“ trifft es sehr gut.

Würde ich genau diesen Stoff noch einmal kaufen? Leider nein. Das nächste Mal würde ich es mit einem Webstoff versuchen.

Nicht nur, dass die Meterware viel schmäler war, als ich es gewohnt bin – das kurzärmlige Shirt in Größe XS konnte sich nur nur ausgehen, weil es eine Teilungsnaht im Rücken hat. Da bin ich aber selbst schuld, hätte die Beschreibung besser lesen müssen. Die fehlende Breite macht den Stoff eben teurer, als zunächst vermutet.

Das größere Problem hängt damit zusammen, dass der Zuschnitt so wahnsinnig verdreht war. Ich habe den Stoff natürlich vorgewaschen und heiß gebügelt, aber die Kanten ließen sich trotzdem nicht sauber aufeinander legen. Mehr als herumzupfen konnte ich auch nicht – oder gibt es da irgendwelche spezielle Methoden? Obwohl ich so sorgfältig wie möglich gearbeitet habe, kam es nach der ersten Wäsche, wie es kommen musste: das Vorderteil hat sich verdreht. Das heißt, die Seitennaht mit dem Vögelchen-Knopf dreht sich nach vorn und auch den Ausschnitt muss man nach dem Anziehen zurechtzupfen. Die unvermeidbare Rückennaht dreht sich auch leicht seitlich.

Kurze Hose mit Bundfalten und T-Shirt
birds & rabbits 🙂

Es wird vermutlich nie jemandem auffallen, der nicht selber näht, aber mich stört es. Ich würde nur zu gern wissen, ob dieses Problem mit der Beschaffenheit von Hanffasern zu tun hat, oder ob dem doch ein reiner Produktions-, Lagerfehler, was auch immer zugrunde liegt.

Die dünne Wolle hingegen ist hervorragend, auch für Shorts! Sehr angenehm zu tragen, knitterarm und natürlich nicht kratzend. Und der Stoff war sage und schreibe 10 mal günstiger als der Jersey aus Hanf – denn ich habe ihm im Stofflager Kritzendorf gekauft, ohne zu wissen, dass es reine Wolle ist 🙂 Manchmal hat man so ein glückliches Händchen…

Shorts und Shirt in Natur

Sommerkleid selber genäht
Nähen

Für die Sommer-Capsule: Mein Kleines Schwarzes ist bunt bedruckt

Beim heutigen MeMadeMittwoch möchte ich ein Kleid vorstellen, das in meiner ersten Capsule Wardrobe die Funktion des Kleinen Schwarzen übernimmt.

Kleid in Petrol, gemustert

Der Stoff

Polyester-Reststück vom Abverkauf-Wühltisch (Habe ich nicht gesagt, ich kaufe nur hochwertige Stoffe? Asche über mein Haupt… Aber es ist auch vor einem Jahr passiert, und ich muss gestehen, auch die Fotos sind somit ein Jahr alt. Das ist also mein erstes Blog-Fotoshooting, sechs Monate bevor ich den Blog „blaue Seide“ eingerichtet habe.)

Warum habe ich denn das Polytierchen gekauft, hatte ich doch schon damals eine aus allen Nähten platzende Truhe mit Stoffen daheim? Es waren natürlich die Reitermotive – hat sonst jemand von euch gleich an Hermès gedacht?

Das Schnittmuster

Wieder mal von Burda, aus einer Sommerausgabe des vergangenen Jahres.

Der Schnitt ist eigentlich für Jersey ausgelegt, aber es gibt ihn erst ab Größe 36 und ich mit meiner kleinen 32/34 dachte, es wird schon auch mit Webstoff gehen. Habe den Schnitt sogar etwas verkleinert, den Halsausschnitt aber vergrößert, damit der Kopf ganz sicher durchpasst. Wäre, glaube ich, gar nicht notwendig gewesen. Es gibt keinen Zip oder anderen Verschluss, ich streife es einfach über.

Die Länge habe ich absichtlich original gelassen; eventuell habe ich das Kleid sogar um einige cm verlängert. Noblesse oblige, mich erinnert der Stoff nun mal an die großen Seidentücher und Strandtunikas von Hermès 🙂

Schlichtes Kleid in Petrol Reitermotive

Das Sommerkleid

Wenn man dreißig Tage lang mit nur einem Kleid auskommen muss/will, ist dieses Modell perfekt, sage ich mal. Es erfüllt alle Kriterien, die dem Kleinen Schwarzen Kleid laut Chanel zugeschrieben werden:

Es steht mir.

Die Legende besagt, dass Chanel mal gesagt habe, ein kleines schwarzes Kleid steht allen Frauen. Gabrielle Coco Chanel war eine ausgezeichnete Geschäftsfrau und außerdem mit einem herrlich kontrastreichen Aussehen gesegnet, mit dunklen Haaren, scharf gezeichneten Augenbrauen und schwarzen Wimpern. Ein schwarzes Kleid steht vielen Frauen, vor allem aber jenen mit mit dunklen Haaren, scharf gezeichneten Augenbrauen und schwarzen Wimpern 🙂

Ich bin ein heller-kühler Sommertyp, mir steht Babyblau, und Eierschalen-weiß, und Mint, und Altrosa und ein bisschen auch Petrol. Trage ich reines pures Schwarz, muss ich vor allem eins: mich schminken. Scharfe Augenbrauen zeichnen, und schwarze Wimpern malen, und wenn ich dazu noch einen Hut aufsetzen dürfte, der meine Haare zum Großteil verdeckt – whoa! Ja, Schwarz steht allen Frauen!

Grund Nummer zwei:

Man kann es auf- oder abstylen. Mit schwindelerregenden High Heels kombinieren, wie beim obigen Shooting (Gottseidank habe ich die Schuhe nicht mehr, sie waren schrecklich) oder mit flachen Ballerinas tragen. Oder geflochtene Römer-Sandalen. Und jedes Mal sehe ich etwas anders aus.

Kleid in Petrol

Und zuletzt:

Es sieht (zumindest in meinen Augen) hochwertiger aus, als es ist.

Die Herstellungskosten betrugen weniger als 10 Euro. Ich finde, es ist die Kombination, die es ausmacht: der Druck; der einfache, aber raffinierte Schnitt (schaut nur, wie die Ärmel fallen, hach!). Es ist kurz, es hat einen breiten Ausschnitt und relativ kurze Ärmel, aber für ein Sommerkleid ist es doch recht – hochgeschlossen. Auch das mag ich sehr.

Sommerkleid selber genäht

Und noch einmal zur Caplsule Wardrobe

Mal sehen, wie das Kleid sich als das Sommerkleid der kommenden 30 (nun nur mehr 27!) Tage macht, wie oft und wie gerne ich es tragen werde. Im Moment habe ich übrigens noch das Gefühl, 20 Kleidungsstücke sind eine richtig große Menge und ich werde sicher nicht „hungern“. Das Kleid habe ich allerdings noch nicht getragen.

Liebe Grüße an alle MMM-Kolleginnen und nun gehe ich in der heutigen Ausgabe stöbern! Was habt ihr Schönes für den Sommer genäht?

 

 

Ärmelloses Top Sorbetto
Nähen

Der Weg zum perfekten Sommer-Schnitt: mein erstes „Sorbetto-Top“

Am 18. April habe ich in diesem Blogpost beklagt, wie abgetragen meine alten, noch gekauften Sommersachen sind. Wenn es nun plötzlich warm wird (obwohl ich nicht mehr daran glaube), habe ich nichts anzuziehen!

Da schrieb ich von meinen trial and error Versuchen mit Jersey-Stoff – geendet sind sie trotz positiver Aussichten bei error. Die Feiertage waren vorbei, ich war genervt von abstehenden Halsausschnitten und beschloss, mir und dem Jersey eine Beziehungspause zu gönnen.

 Gratis-Schnitt nachkonstruieren?

Pause von Jersey – ja. Die ebenfalls angepeilte Nähpause habe ich nicht lange durchgehalten.

Ich fand, nun ist der perfekte Zeitpunkt, um das Sorbetto-Top von Colette Patterns auszuprobieren. Sorbetto ist ein Gratis-Schnittmuster, zu finden und zu holen im Colette Patterns Shop (man muss sich nur vorher registrieren).

Sorbetto Top Skizze
Quelle: Colette Patterns

Ein schönes anfängertaugliches Projekt, viel besprochen und präsentiert in den Weiten des Internets, wandelbar – eine gute Ausgangsbasis für die Suche nach dem perfekten Sommerschnitt. Ich beschloss aber, mir nur die Nähanleitung herunter zu laden und den Schnitt selbst zu konstruieren. Nicht, weil ich Herausforderungen so sehr liebe – es schien mir in der Tat der einfachere Weg.

Den Schnitt im richtigen Maßstab ausdrucken, zusammenlegen, zusammenkleben, dann ausschneiden – und dann? anpassen, natürlich. Und zwar nicht nur den Brustabnäher verlegen…

Den Schnitt gibt es zwar in unglaublichen 13 Größen, aber die kleinste Größe, die von den Medien so verpönte Size Zero, geht hier von einer Brustweite von 84 cm aus. Ich habe aber 77 – das sind fast zwei Größen weniger!! Was wär das dann, die Doppel- oder die Dreifachnull?! Hm… Es ist ein komisches Gefühl, nicht in ein Raster zu passen.

An einem Samstag um 10:13 stellte ich mich an meinen Zeichentisch, um 10:56 war der Schnitt fertig und auch schon abgepaust. Es gibt nichts einfacheres zu konstruieren, als ein ärmelloses Top mit Brustabnähern.

Und hier das Gesamtoutfit!

Sorbetto Top mit Jeans und High Heels

Top: Viskose-Stoff mit Papageien-Print

Jeans: Diesel

Gürtel: Hugo Boss

Pumps: Evita

Das Nähen hat dann mit allen Unterbrechungen und drum und dran eine Woche gedauert, also bis zum nächsten Samstag. Am Sonntag konnten wir das Top in der  Lobby unseres Hotels in Rotterdam ablichten. Geplant war natürlich ein Shooting draußen, aber  bei 11 Grad mit eisigem Nordwind… 🙂 So entstanden also die ersten Indoor-Fotos in meinem Blog.

Sorbetto Top

Ich bin froh, die Nähanleitung des Tops ausgedruckt zu haben, ohne sie hätte ich einige Schritte umständlicher gemacht. Arg verschätzt habe ich mich in der Breite der Falte vorne – wenn ich meine Bluse mit der technischen Zeichnung von Colette Patterns vergleiche, könnte sie glatt 5 cm breiter sein. Aber so ist es doch auch hübsch.

Sorbetto Ausschnitt

Neues Top, neuer Schnitt

Ich bin sehr stolz auf mich und werde das Top sicherlich oft tragen. Für das nächste Modell (guess what! ich habe noch einen Vogelstoff, diesmal reine Seide!) werde ich den Schnitt allerdings neu konstruieren (mühsam nährt sich das Eichhörnchen 🙂 )

Ich werde die Schulter erhöhen, ich habe nämlich zwar breite, aber stark abfallende Schultern. Die Brustspitze des Grundschnitts gehört um 1,5 korrigiert (was das ausmachen kann! vor allem bei festem Stoff! Vielleicht war auch das eines der gravierenden Probleme  bei diesen Versuchen). Außerdem werde ich das Top etwas verlängern, da der leichte Sommerstoff zu gerne rauf rutscht.

Und – ich denke über kleine kurze Ärmel nach.

Ärmelloses Top Sorbetto
Daaa, seht ihr die Falten von der Schulter runter? Das ist, weil ich die Schulter im Grundschnitt nicht erhöht habe! Der Stoff staut sich in Halsnähe… Nevermind.

Ich bin noch nicht ganz überzeugt von der Kombi des fließenden Stoffs und der „abgeschnittenen“ Schulterpartie. Bei Jersey-Leibchen stört mich das gar nicht, aber sie zeigen auch mehr Schulter.

Ich finde gerade meinen Schulter- und Armbereich schön und gut proportioniert, aber diese Armausschnitte finde ich nicht sehr vorteilhaft und ich konnte es für mich noch nicht ausformulieren, warum. Grundsätzlich gilt aus meiner Sicht:

  • Einem Großteil der Frauen steht es, wenn die Schultern etwas betont sind (optisches Gegengewicht zu Taille und Hüfte!)

Dieses Modell hingegen lässt die Schultern schmäler wirken als sie sind. Kurze Ärmel würden hier die Schulterlinie fortführen und sie an ihrer natürlichen Stelle enden lassen.

Sorbetto Top Vogelprint
Nein, ich schau nicht so böse, weil ich mir über das Schulter-Problem Gedanken mache 🙂

Also der nächste Vogelstoff bekommt Ärmel und ich schaue dann, was mir besser gefällt 🙂 Vielleicht lasse ich euch sogar abstimmen 🙂

Und nun verlinke ich zu meinem geliebten MeMadeMittwoch und werde da gleich ein wenig stöbern bei meinem ersten Kaffee 🙂

Ausmessungen Rockbund
Nähen

Think outside the box!

Dies ist kein üblicher Blogpost von mir, voll mit schönen Bildern mit kompletten Outfits bei tollem Wetter… Obwohl, ein richtig schönes Bild habe ich für euch 🙂 Aber heben wir uns dieses Schmankerl für später auf…

Ein, zwei Tops aus Jersey, ärmellos

Ursprünglich war es keineswegs als ein Projekt gedacht, das eines Blogbeitrags würdig wäre. Auch wenn es im Moment nicht so aussieht – der nächste Sommer kommt bestimmt und alle meine ärmellosen Tops sind bereits seeehr abgetragen. Zugegeben, in einem kurzen Panikmoment habe ich sogar daran gedacht, welche zu kaufen. Aber dann stellte ich den voraussichtlichen Aufwand gegenüber:

Kaufen:

Suche. Geschäfte vor Ort? Wann? Am Wochenende? Uff…. Zalando? Anprobieren. Ggf Rückversand organisieren, es passt nie alles auf Anhieb. Wenn alles passt: Träger abstecken, kürzen mit der Overlock – sie sind bei mir immer! immer zu lang.

Selbst nähen:

Schnittmuster zeichnen, abpausen, Top ausschneiden, overlocken, dann Hals- und Ärmelausschnitt.  Voraussichtlich 5 Stunden? Höchstens 6, sagte ich mir.  Und wenn alles gut geht, kann ich den Schnitt reproduzieren und das Problem ist für immer Geschichte.

Na bitte, dann los geht’s. Der Ostermontag schien ein perfekter Tag für so ein Zwischendurch-Projekt.

Ich habe schon etliche T-Shirts mit Ärmel genäht, also machte ich es mir noch einfacher und pauste den T-Shirt-Schnitt ab, zeichnete den Arm- und den Halsausschnitt neu ein, schnitt aus und nähte. Der Schnitt ist ja erprobt.

Und dann kam das böse Erwachen.

Gottseidank probierte ich es an, bevor ich mich an die Arbeit mit den Ausschnitten machte! Der Schnitt ist ja erprobt!

Alles passte wunderbar, nur klafften die vorderen Armausschnitte oberhalb der Brust auf, und zwar so richtig. Auf jeder Seite war da bis zu 5 cm Stoff zu viel.

„Vielleicht helfen da Bündchen bei den Armausschnitten“, dachte ich. Vielleicht sind sie dazu da, das Ganze zusammen zu halten, man näht sie schließlich mit Zug an. Na, was glaubt ihr? Der so „versteifte“ Armausschnitt (zum Glück hab ich nur einen gemacht, bevor ich wieder anprobierte) klaffte nun umso besser, hatte er doch Stütze bekommen.

So ratlos war ich noch nie. Ein erprobter Schnitt, nur halt ohne Ärmel! Oder werden eventuell ärmellose Tops ganz anders konstruiert? Mit anderen Formeln, anderer Schablone? Blödsinn, das kann doch auch nicht sein!

Als Nächstes: googlen. „Das Problem der klaffenden Armausschnitte betrifft vor allem große Brüste“… „Hier muss auf jeden Fall eine FBA (full bust adjustment) durchgeführt werden“. Oh Mann, dass ist nicht euer Ernst! Gut, Internet ist auch keine Hilfe…

Mittlerweile hatte sich auch mein Mann dazu geschaltet. Er hat mit dem Nähen nichts am Hut, aber er liebt Rätsel. Und ich hatte genug günstigen Jersey und viel Zeichenpapier..

Zeichnen – zuschneiden – zeichnen – zuschneiden…

  • Top als Ganzes schmäler machen? Vielleicht ist es zu weit?
  • Armausschnitte zu rund? Was ist, wenn sie „gerader“ wären?
  • Vordere Schulter heben! Irgendwer im Internet hat das gemacht!
  • Vielleicht ist die abfallende Schulterlinie das Problem… Vielleicht sollten die Träger gerade sein?
  • So, und das Top noch enger machen! Vielleicht hilft es!

Ja, ich habe insgesamt 4 Tops zusammengetackert und jede einzelne Hypothese ausprobiert. Stunden um Stunden. Alles, was ich für „die“ Lösung hielt, musste nach und nach verworfen werden.

Und irgendwann stand ich nur da und schaute mit sinnentleertem Blick auf das ursprüngliche Top, während mein Liebster daneben stand und eine höchst komplizierte Vermutung entwickelte, nämlich, dass exakt diese Armausschnitt-Krümmung niemals mit genau dieser Schulterlinie korrelieren könne, weil nämlich die beiden Winkel…

Wart, sagte ich und zog mich aus. Nein, nein, nicht wegen Stressabbau, als nächstes stand ich nämlich mit einem Maßband vor ihm 🙂 „Miss meine Oberbrustweite, bitte“, bat ich. „Fest, bitte“. -„68“, sagte er.

Was, du bist unfähig! Du bist auch keine große Hilfe! Das kann nicht sein! Schau, hier im Buch steht, wie du messen sollst! Mach ordentlich!

„68“, sagte er. – „Hm, und wenn du sehr locker misst?“ – „72“, sagte er.

Bäm!

In allen meinen Konstruktionen bis ich bisher von 76 ausgegangen.

Ich wollte eigentlich bereits meine Ruhe und Feierabend haben, aber ich holte noch ein Blatt Zeichenpapier und erstellte einen Grundschnitt zwei Größen kleiner. Schnitt zu und nähte mit der Overlock. Mein Liebster schenkte mir ein Glas Wein ein. Ich probierte. Die Träger passten. Nichts klaffte mehr, die Armausschnitte schmiegten sich an meine Schultern.

Na klar, sagte mein Mann, das erste Shirt war eh viel zu groß. Und zog es an 😀

top-passform-probleme

Und die Moral von der Geschicht?

Ich hätte mir fast einen ganzen Tag sparen können 🙂 Wenn ich mich gleich mit der Ursache und nicht mit Symptomen beschäftigt hätte…

Und ich muss alle meine „erprobten“ Schnittmuster neu erstellen. Ich weiß nicht, wie der Messfehler zustande kam (die verlorenen 2 kg können doch nicht die Ursache für den Unterschied gewesen sein?), aber nun merke ich, dass meine T-Shirts und Blusen viel Mehrweite exakt über der Brust haben. Durch die perfekte Passform der Ärmel, Brusthöhe, Brust- und Taillenweite fällt es nur nicht auf.

Die Frage ist nur, ob ich tatsächlich besser von 68 oder 72 cm ausgehen soll, aber das erfahre ich nur durch Ausprobieren.

Think outside the box, meine Lieben, oder wie sagt man noch bei uns in Österreich – mitdenken ist nicht verboten 🙂

Ich habe bereits eine Hose, Bluse und Weste konstruiert – um schließlich an einem ärmellosen Top aus Jersey zu scheitern. Aufstehen, Krone richten, weitergehen. Das nächste Näh-Wochenende kommt bestimmt.