Roch aus Seidenchiffon von Valentino
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Mein Frühling in Mint – Seidenchiffon von Valentino

Das Motto des heutigen MeMadeMittwochs ist „Frühlingserwachen“ – wie schön, und genau rechtzeitig, denn der Frühling meint es heuer wirklich gut mit uns! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Anfang April kurze Ärmel getragen hatte…

Außerdem habe ich heute noch eine Premiere – wie kommt es, dass mein Blog „Seide“ im Namen hat und ich noch kein Kleidungsstück aus Seide vorgestellt habe? Hier ist es – mein Rock aus Seidenchiffon von Valentino!

Seidenchiffon Valentino

Frühlingsoutfit in Mint

Rock: Seidenchiffon von Valentino und leichtes Viskosefutter. Kein Schnittmuster, einfach die ganze Stoffbreite eingereiht (2x Hüftbreite hätte es aber auch getan! 🙂 )

Top: Dill Tee von We are Knitters aus peruanischer Baumwolle

Es erforderte viel Mut, den Stoff zu kaufen 🙂 Meine erste Seide, und dann auch noch Designerware! Zum Glück braucht man für so einen Rock nicht viel Stoff; hier sind ca. 85 cm – absolut restlos verarbeitet.

Der Chiffon ist sehr dünn, sehr leicht und absolut durchsichtig – hier war ein Futter ein Muss. Ich habe mich für einen sehr leichten, aber weniger durchsichtigen Viskosestoff im absolut gleichen Farbton entschieden.

Bei zwei so filigranen Stoffen war an die Overlock natürlich nicht zu denken – ich habe die Enden vor dem Zusammennähen verarbeitet. Da die Stoffbahnen schön im Stoffbruch zugeschnitten waren, konnte ich den Stoff direkt unter der Nähmaschine zwei Mal knapp umschlagen und mit viel Zug ohne Stecknadeln versäubern.

Fürs Einreihen habe ich den Oberstoff und das Futter aufeinander gelegt und wie einen Stoff bearbeitet. Zum Schluss kamen der Bund rauf und der Nahtreißverschluss rein. Beim Bund ausmessen hab ich mich heillos verschätzt – da kam einfach alles zusammen: ich war gerade in meiner „molligeren“ Phase, vielleicht auch noch angegessen beim Ausmessen? Dann habe ich aus irgendeinem Grund 1 cm für die „Bequemlichkeit“ zugegeben – das mache ich normalerweise nie! Ich schneide den Bund immer 1:1 zu! Möglich ist auch, dass ich den Reißverschluss zu knappkantig eingesetzt habe…

Als Folge rutscht der Rock als Ganzes runter und der vordere Bund noch zusätzlich ein Stückchen 🙂

Dilltop von We are Knitters

Lessons Learned für einen zarten Seidenchiffon

Für einen wunderschönen Rockfall hätte ich heute noch etwas anders gemacht, und zwar:

Ich hätte einen deutlich festeren Futterstoff genommen, mit viel Eigenstand. Den hätte ich als halben Teller zugeschnitten, damit er schön schwingt, aber in der Taillengegend nicht aufträgt. Dann hätte ich den Chiffon darauf eingereiht. Also, ich glaube, das wäre die perfekte Lösung, und die werde ich auch ausprobieren 🙂 Muss glatt schauen, ob es auch heuer schöne Chiffonstoffe im meinem Lieblingsstoffladen gibt…

Meine Kompromisslösung

Was machen zwei hauchdünne Stoffe, auch wenn man sie zusammennäht? Überraschung – sie hängen wie ein Putzlappen runter! Der Rock hing gar so traurig, dass nicht einmal die schönen Lotusblumen zu erkennen waren! Da aber aufmachen und neu machen so gar nicht mein Ding ist, habe ich kurzerhand ein Crinoline-Band ans Futter genäht:

Crinoline Band

Nun hat zumindest der Saum den richtigen Stand und der ganze Rock schwingt mit:

Schwingender Seidenrock

Das Problem bleibt, dass der Rock als Ganzes einfach zu leicht ist – ich kann ihn leider nicht wirklich zum Tanzen anziehen, und wenn ich ihn im Alltag trage, muss ich immer daran denken, schöne Unterwäsche anzuziehen 😀 Mit einem halben Teller als Unterrock wäre das Outfit wesentlich jugendfreier.

Und das Top?

Hach, auch da hab ich mir so richtig viel Mühe gegeben:

Schöne Knöpfe mit Tieren

Was soll ich sagen, ich liebe Blumen, Vögel, Tiere… und die Farbe Mint!

Ansonsten gibt es über das Top nicht viel zu sagen. We are Knitters ist ein Unternehmen mit absoluten Marketing-Genies im Team, da könnte man richtig neidisch werden. In der Vermarktung stimmt einfach alles – angefangen mit Strategie, Konzept bis hin zur letzten Verpackung der Stricksets.

In meiner Rolle als Endverbraucher kann ich hingegen nicht so viel Begeisterung aufbringen. Die Wolle scheint mir überteuert, die Anleitungen nicht fertig ausgearbeitet (nur eine Einheitsgröße?! wtf) und überdies nicht wirklich anfängerfreundlich. Und Anfänger sind es ja, die von ihnen angesprochen werden – meine erfahreneren Leserinnen werden vermutlich schon anhand der Bilder wissen, wie der Pulli zu stricken ist.

Dill-Tee We are knitters

Wie bin ich Zwergerl mit der Einheitsgröße zurechtgekommen? Als Feststrickerin fiel es mir leicht: meine Maschenprobe war viel zu klein und somit genau richtig für mich. Ehrlich gesagt, finde ich das Top im Original recht lose gestrickt, ich mag es, wenn Gestricktes etwas Stand und Substanz aufweist 🙂

Gesamtes Outfit in Mint

Alles Liebe, und schaut bitte unbedingt am heutigen MeMadeMittwoch vorbei! Ich bin schon sehr gespannt auf alle blumigen, luftigen, romantischen und bunten Frühlingsoutfits!

Vintage Gucci Shawl with ducks
Nachhaltigkeit

Slow Fashion Outfit mit Vintage Tuch von Gucci

Was bedeutet Slow Fashion für euch?

Für mich sind es alle Wege, die dazu führen, den Konsum von Kleidung zu reduzieren und in bewusstere Bahnen zu lenken. Kleidungsstücke besser aussuchen, länger tragen, unterm Strich weniger besitzen…

1.) Kleidung selber herstellen.

Ideen lange ausbrüten, Zeit finden, sie zu verwirklichen. Das Nähen von einer einfachen Hose dauert bei mir schon mal 30 Stunden, wie ich es im letzten Beitrag festgestellt habe. Um einen Pullover zu stricken brauche ich schon mal 5 bis 8 Monate… (Und nein, ich habe nicht die Feinmotorik einer Vierjährigen beim Stricken, wohl aber einen Vollzeitjob andere Hobbys, und und und… 🙂 🙂 )

2.) Kleidung bei namhaften zertifizierten „Öko-Anbietern“ erwerben.

Ich muss zugeben, hier habe ich am wenigsten Erfahrung. Es gibt dazu aber viele gut aufbereitete Blogs mit Tipps und Berichten. Ich habe mich in diese Richtung gar nicht vorgetastet, da eine oberflächliche Recherche ergeben hat, dass die meisten dieser Produzenten Kleidung ab Größe 36 anbieten, ich habe aber im besten Fall eine 32. (Achtung!! Marktnische 🙂 )

3.) Second Hand und Vintage Kleidung

Auch da bin ich erst am Anfang, freue mich aber schon auf mehr. Ich hätte nie gedacht, dass ich gerade in Second Hand Shops Sachen finden kann, die perfekt zu mir und meinem Stil passen! Dass alte Kleidung von einer Aura umgeben ist, die ich sonst nur von meinen selbst gemachten Sachen kenne. Und ganz ehrlich: Dass man  auch jahrzehntealte Kleidung in einem einwandfreiem Zustand  bekommen kann.

 

Slow Fashion Gesamtoutfit

Hier ist mein heutiges Slow Fashion-Outfit:

Lace-Pullover aus russischem Mohair, selbst gestrickt. Auch hier vorgestellt.

Bleistiftrock aus Wollgemisch, selbst konstruiert und genäht.

Tuch mit Entenmotiv: Gucci, vermutlich 70er Jahre. Seiden-Wollgemisch. Vintage/Second Hand Shop in Lissabon.

Leder-Handschuhe: Second Hand Shop 1070 Wien.

Das Tuch ist unglaublich schön. Ich glaube, so einen Treffer landet man einmal im Leben 🙂 Ich muss ja grundsätzlich alles besitzen, das einheimische/europäische Vögel zeigt, ich glaube, das Tuch hat all diese Jahre nur auf mich gewartet…

Gucci Vintage Tuch mit Entenmotiv
Die Tuchkante ist natürlich mit Handstich (unglaublich gleichmäßig!) rolliert.

Meine Vorliebe für elegante Handschuhe hat man ja schon in diesem Beitrag erleben dürfen… 🙂

Slow Fashion Second Hand Gucci Tuch

Die Handschuhe sind aus feinstem Leder und wurden noch nie zuvor getragen… Man merkt es ja sofort, wenn man Lederhandschuhe zum ersten Mal überstreift.

Gucchi Vintage Tuch aus einem Second Hand Shop in Lissabon
Mein erster Rock mit Schlitz

Unsere Kurzreise nach Lissabon war alles andere als eine Shopping-Reise geplant, und ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, was uns bewogen hat, in das kleine Vintage-Geschäft hinein zuschauen. Es ist wirklich zauberhaft und wunderschön sortiert; die Besitzerin lieb, gesprächig, aber nicht aufdringlich. An dem Tag, als ich beschloss, das Tuch zu kaufen, machte sie extra für mich auf – der Laden hatte zu, da gerade Fotos für den neuen Webshop gemacht wurden. Die ersten Sachen sind schon online!

(Oh je, jetzt teile ich den Link, und irgendjemand kauft sicher sofort das tolle Seidentuch von Salvatore Ferragamo mit den drei Hirschen drauf, dabei hätte ich es so gern, aber ich habe doch schon ein schönes Tuch, und ich kann doch nicht alle Designer-Tücher mit Tiermotiven aufkaufen, oh, ich hoffe, es findet eine gute Besitzerin, aber wenn es ein paar Monate niemand kauft, vielleicht soll ich doch?…)

Vintage-Tuch, Bleistiftrock, Mohair-Pullover

Was haltet ihr von Second Hand Shops? Habt ihr da schon mal richtige Schätze entdeckt?

Wie wichtig ist der Begriff Slow Fashion für euch? Was bedeutet es für euch, setzt ihr es um und wie?

Shirt mit Eule und schmale Hose
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Warum eine 7/8 Hose eigentlich altmodisch und wunderbar weiblich ist

«Ich lieb‘ auch deiner Füße Paar,
Wenn sie in Gras und Blumen gehn;
In einem Bächlein sommerklar
Will ich sie wieder baden sehn!»

«Auf dem besonnten Kieselgrund
Stehn sie wahrhaftig wie ein Turm,
Obgleich der Knöchel zartes Rund
Bedroht ein kleiner Wellensturm!»

Gottfried Keller, Trauerweide

Also ich liebe, liebe die neue Modeerscheinung, die eigentlich gar nicht mehr so neu ist – verkürzte Hosen in der kalten Jahreshälfte, die knapp über dem Knöchel enden und so das zarteste Körperteil einer Frau entblößen, dem Winterwind zum Trotz.

Das ist so wunderbar altmodisch, so jung der Trend auch sein mag. Zusammen mit den lässigen Oversize-Oberteilen, die wir jetzt in den Zehnerjahren tragen, ergibt es eine Silhouette, die den Fokus von der Taille und Hüfte wegbringt und den Blick auf die schmalen weiblichen Fesseln lenkt.

Kommt uns die Intention nicht irgendwie bekannt vor? Hier zum Beispiel ein Empire-Kleid, Anfang 19. Jahrhundert:

Empire-Silhouette - eine tanzende Frau
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Empire_silhouette

Na gut, vielleicht habe ich zu weit hergeholt. An mir wirkt das Outfit eher androgyn, aber ich mag es 🙂

androgyn - verkürzte Hose und Eulenshirt

Schön weil unpraktisch?

Der Grund, warum ich diese coole Hose auf diese stylische Art und Weise diesen Winter sehr selten getragen habe ist simpel: es war grauslich und kalt. Es hat sich doch nichts verändert in all den Jahrhunderten der Modegeschichte – die Trends werden im vollen Ausmaß vor allem von jenen Bevölkerungsschichten mitgetragen, die keinen normierten langen Arbeitstag haben. Wie könnte man auch im Korsett Gras mähen? In der Rapper-Hose der Neunziger (mit Kreuznaht in der Kniegegend und tiefer) am Bau arbeiten? Mit nackten Knöcheln bei -8 auf die U-Bahn warten, die ab 22:00 nur alle 15 Minuten fährt?

Das T-Shirt mit Eulenaufdruck aus einem Jersey-Rest habe ich selbst konstruiert.
Wer errät als Erster, wo das Foto entstanden ist? :))

Das Outfit wirkt nicht, wenn man obenrum eine winddichte fix zugemachte Parka mit einer Haube und Kapuze obendrauf trägt. Wettertechnisch perfekt ausgerüstet, nur hat man das letzte Paar saubere Socken schon gestern anziehen müssen.

Die verkürzte Hose verlangt nach einem offenen Mantel, handschuhfreien Händen,  einer lässig in den Nacken geschobener Haube. Zumindest irgendwas davon.

Hier habe ich auf jegliche Oberbekleidung verzichtet, immerhin ist es ja schon März, zum Glück. Ich werde das Outfit nun genau so richtig oft tragen, auch wenn die Hose nicht (mehr) richtig sitzt. Dazu gleich mehr.

Verkürzte Hose, Eulenshirt, kurzer Blazer

Schnittmuster

Hose: Burda 2/2016, auch hier gezeigt.

Eulenshirt: Weites Shirt mit angeschnittenen kurzen Ärmeln, selbst konstruiert.

Das Shirt ist genäht aus einem Viskosejersey-Rest, kaum größer als 60 cm. Daher ist auch das Halsbündchen aus einem anderen Jersey zugeschnitten.

Ja, ich weiß. Die Hose passt nicht richtig. Viel Mehrweite vorne. Sie hat mal perfekt gepasst, ich kann es selbst kaum glauben. Hatte keine einzige Falte vorne – bei der ersten Anprobe habe ich fast gejubelt.

Meine Taillen- und Hüftmaße sind leider sehr volatil und reagieren auf jegliche Gewichtszu- und Abnahme. Ich werde einfach wieder mehr essen und mir weniger Sorgen machen und dann passt die Hose schon wieder. Ich würde nämlich nur ungern eine neue nähen – das war das erste Projekt, bei dem ich Stunden getrackt habe und bin auf insgesamt 30 gekommen. Bumm, bin ich langsam!

Hose - Schnitt von Burda, T-Shirt - selbst konstruiert

Dieses Lieblingsoutfit von mir darf am heutigen MeMadeMittwoch teilnehmen – dort zeigt Wiebke ihr Frühlingskleid in Herbstfarben… Und auf die Kreationen von allen anderen freue ich mich auch schon sehr!

 

Kurzer gesteppter Rock mit Städte Aufdruck
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Gesteppter Minirock – geht das heute noch?

Ich war ein Kind der Neunziger. Sobald ich die schreckliche quietschbunte Oversize-Garderobe eines 90er Jahre-Kindes ablegte, mit einer fünfjährigen Verspätung dem Grunge-Stil zu frönen begann, und gleichzeitig dem  sexy „Mehr ist Mehr“-Gebot der Jahrtausendwende verfiel, wurden Mini-Röcke mein bester Freund.

Ach was, sie waren mein Markenzeichen. Indem ich meine Beine zur Schau stellte, war es für mich (= einen unsicheren, schüchternen Teenager mit einem ausgeprägten Geltungsdrang), als demonstriere ich meine Unverwundbarkeit.

Meine ersten (und für über 15 Jahre letzten) Versuche an der Nähmaschine entstanden aus dem Drang, die meisten meiner gekauften Röcke zu kürzen – wie schade, dass ich keinen einzigen mehr aus dieser Zeit besitze!

Ich habe immer noch einige kurze Röcke in meinem Schrank, trage sie aber wesentlich seltener. Wie man aus den wenigen Beiträgen von mir im Blog bereits erkennen kann, ziehe ich in den letzten Jahren eindeutig längere Röcke vor, am besten knielang, gerne noch länger.

Kurzer gesteppter Rock mit Städte Aufdruck
Zu kurz?

 

Und dann nähte ich mir doch einen Minirock

Wie so oft bei uns Näherinnen, war zuerst die Liebe zu einem Stoff da. Der gesteppte Jackenstoff mit Städtemotiven ist doch wirklich etwas Besonderes!

Steppstoff Städtemotiv

Ich habe ihn gekauft… hmmm…- vor zwei Jahren! Damals war natürlich an eine Jacke nicht zu denken. Mein Können erstreckte sich auf gerade mal 2 Rockmodelle. Also würde ich mir einen Rock nähen, einen, der nicht zu lang werden soll, denn der Stoff ist nur wirklich sehr speziell und warm und rascheln tut er auch!

Gesteppter Minirock, Steppstoff

Zwei Jahre später und trotzdem zu voreilig

Ich kann einen geraden Rock konstruieren, ich habe 1,5 Tage Zeit – los geht’s!! Yeah!!

Ich hätte den Stoff noch ein paar Monate liegen lassen sollen, darauf wäre es auch nicht mehr angekommen 🙂

Folgendes hätte ich jetzt anders gemacht:

Rocklänge: bissl mehr darfs schon sein. Ich hätte die Länge im Vorhinein mehrmals korrekt abgemessen und nicht mein Herzblatt pi mal Daumen schätzen lassen.

35 cm sind zu kurz für eine Rock, sogar für so einen Zwergi wie mich!

Oder: warum nicht doch einen langen Rock nähen? Wie wunderbar warm er doch geworden wäre! Gut, es wäre vielleicht nicht das am öftersten getragene Modell in meinem Kleiderschrank, aber er wäre wirklich – anders.

Form: Das ist jetzt ein einfacher gerader Rock. Ich finde nun, richtig kurze Röcke gehören ausgestellt, das gibt eine lässigere Silhouette und zugegebenermaßen ein besseres Tragegefühl.

Taschen: das ist das, was ihm am meisten fehlt! Kurze Röcke brauchen Taschen! Das würde den Rock weg von der bemühten Sexyness hin zur betonten Lässigkeit bewegen. Im Moment mache ich es nur mit Hilfe von flachen Schuhen und einem lockeren, nicht körperbetontem Oberteil.

Kurzer Stepprock mit Stadtmotiven
Werde ich ihn trotzdem tragen? Aber ja 🙂

Technische Details

Womit ich überhaupt nicht gerechnet habe: der Stoff ist wie Leder zu nähen, also ans Auftrennen ist nicht zu denken. Jeder Nadelstich hinterlässt ein winziges Loch, das nicht mehr weggeht. Gut, dass ich den Stoff nicht sofort vernäht habe, als ich ihn gekauft habe, meine Auftrenn-Quote war damals bedeutend höher!

Der Stoff ist ein richtiger Jacken-Steppstoff, also zwei Schichten Stoff durchgesteppt mit Futter-Vlies dazwischen. Eine Overlock zur Nahtverarbeitung ist hier ebenfalls die falsche Lösung. Gut, dass ich in diversen Nähblogs bereits von „Hong Kong Binding Seam Finish“ gelesen habe! Das war nun die perfekte Gelegenheit, dies auszuprobieren.

Hong Kong seam finish

Ich habe alle Nahtzugaben mit einem selbst erstellten Schrägband versäubert. Denselben Futterstoff verwende ich auch für den Innenbund, der aufgrund der Dicke des Stoffes ansonsten viel zu starr geworden wäre.

Gesteppter Minirock mit Städte-Aufdruck

Die weiße Bluse, die ich bei diesem Shooting in einem Geschäftsviertel in Lissabon trage, ist übrigens auch selbst gemacht. Ich habe sie sogar hier bereits erwähnt. Nach dem gleichen Schnittmuster , aber aus einem anderen Stoff ist diese Bluse hier genäht.

Verlinkt bei AfterWorkSewing

Handschuhe babyblau, himmelblau
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Das i-Tüpfelchen: Handschuhe in Babyblau

Und weil es so viel Spaß macht, mache ich heute wieder mal beim Memademittwoch mit, erstmals mit einem richtigen Frühlingsoutfit!

Darf ich vorstellen:

  • Bluse aus Baumwollstretch, nach diesem Schnittmuster von Burda.
  • Bleistiftrock aus stretchigem Wollstoff, selbst konstruiert.
  • Und – und: Handschuhe!! Ich habe selbst Handschuhe genäht!! Schnittmuster: natürlich Burda.

Outfit: babyblue suede gloves, pencil skirt

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich habe mir mein Leben lang ellbogenlange Handschuhe aus babyblauem Veloursleder gewünscht. Aber eines schönen Morgens vor einigen Wochen, als ich beim ersten Kaffee flüchtig die Nachrichten aus aller Welt durchscrollte, wusste ich: DIE brauche ich. Ein Sublimationswunsch, in Anbetracht dessen, was ich mir sonst in Bezug auf Weltgeschehen wünschen würde? Gut möglich.

Also raus aus dem Nachrichtenportal und rein in die Webshops.

Kaufen? Unmöglich!

Ich habe es auch offline versucht. 4 Geschäfte mit erstklassiger Beratung und ebensolchen Preisen. Nach etwa einer Woche wusste ich: selbst wenn es eine Möglichkeit gäbe, diese Handschuhe, genau so, wie ich sie vor meinem inneren Auge sehe, käuflich zu erwerben, würden sie mehr kosten, als jedes Outfit von mir, das sie komplettieren würden.

Und nach noch einer Woche kaufte ich diesen herrlichen 60er Jahre Mantel mit 7/8 Ärmel.

60ies blue coat and babyblue gloves
Retro-Oberbekleidung ohne Handschuhe tragen? Geht gar nicht!

Verkürzte Mantel- und Jackenärmel schreien nach Handschuhen, und Retro-Mäntel sowieso. Ich brauchte also passende Handschuhe – in meiner Welt existierten seit ein paar Tagen nur die. Himmelblaue ellbogenlange Handschuhe aus zartem Velourleder.

Also fasste ich mir ein Herz. Und kaufte 40 cm Veloursleder-Imitat im Wert von einem Cocktail oder zwei Tassen Kaffee beim Bäcker. Damit es nicht so weh tut, wenns doch nicht klappt.

Keine Angst, meistens klappt es doch

Als absolutes Anfänger-Projekt würde ich es nicht bezeichnen. Ich fand es witzig, dass mir ausgerechnet das Vorgänger-Projekt, die Bluse mit Manschetten, guten Dienst für die Handschuhe geleistet hat.

Daumen einsetzen ist nämlich ein ähnlicher Spaß wie Ärmel einsetzen, nur im Puppenformat. Und die Keile zwischen den Fingern sind ähnlich tricky zu nähen wie der Manschettenschlitz. Ich habe im Durchschnitt jede dritte Naht nachgebessert/neu genäht.

Das heißt, ich muss noch etwas üben bevor ich mich an echtes Leder wage, denn dieses kann nicht einfach so aufgetrennt und neu vernäht werden.

Kleiner Tipp für das Nähen von Handschuhen

Ich habe kleine Hände und dementsprechend die kleinste Größe genäht. Besser wäre es, eine halbe Größe raufzugehen, denn: Nahtzugabe 2mm!

Burda, are you kidding? Meine Nähmaschine und ich haben uns Mühe gegeben. Wir waren ehrlich bemüht… und so weiter, wie in einem schlechten Arbeitszeugnis 🙂

Während ich genäht habe, dachte ich aber nur, hoffentlich passen die Finger da rein!  – Nahtzugabe 5 bis 7 mm war das kleinste, was ich zustande gebracht habe. Ja, sie passen. Aber hier ist der Tipp für alle Nachmacher: die größere Größe nehmen und entspannen 🙂

Selbstgenähte Handschuhe

Noch ein paar Details

Der Rock hat einen Schlitz! Unbedingt notwendig, denn er läuft nach unten schmäler zu. Sehr große Schritte kann ich damit dennoch nicht machen, aber wer macht schon große Schritte, während man lange Handschuhe trägt!

Bleistiftrock mit Schlitz und Mantel im 60-er Jahre Stil

Die Bluse: Das ist ein Maiglöckchen-Druck! Meine Vorliebe für Flora und Fauna auf Stoffen blüht und gedeiht (hihi), und dieser Stoff war Liebe auf den ersten Blick! Die Bluse wird in den kommenden Monaten noch oft getragen werden…

Bluse Maiglöckchen himmelblaue Handschuhe

Ich kann das Schnittmuster für die Bluse übrigens uneingeschränkt empfehlen. An einem Tag genäht, ist die Bluse lässig und bequem wie ein T-Shirt, wirkt aber viel „angezogener“. Ich habe diese Bluse bereits zwei Mal genäht, und es folgen eventuell mehr. Den Querbalken am Rücken habe ich aber jedes Mal weggelassen, ein schöner großer Rückenausschnitt ist Blickfang genug, finde ich 🙂

Alles Liebe und viel Spaß beim MeMadeMittwoch am Weltfrauentag!

 

Hemdbluse in violett
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Die wirklich erste Hemdbluse

Wie viele Frauen haben tatsächlich eine gut sitzende Hemdbluse im Schrank? Jeder Stil-Ratgeber spricht von perfekt sitzenden Etui-Kleidern, einer Jeans, die wirklich passt… Aber was ist mit Business-Blusen, Blusen mit Kragen, Manschetten und sonstigem „maskulin-seriösen“ Firlefanz?

Ich hatte nie eine.

Die Passform

Wenn wir eine Bluse im Geschäft anprobieren – was muss denn alles sitzen, damit wir sagen können: passt, ist gekauft? Es sind einige Faktoren:

  • Kragenweite, na klar
  • Schulterweite
  • Ärmellänge (überlange Ärmel ruinieren die ganze Silhouette, man glaubt es nicht! Zu kurze Ärmel sehen aber auch nicht besser aus)
  • Ärmelweite
  • Manschettenweite (auch von „schwimmenden“ Handgelenken kann ich ein Lied singen!)
  • Abnäher: Position und natürlich Tiefe. Dh. in meinem Fall ein Problem der Überweite im Brust- und Taillenbereich, sowie Brustabnäher, die 10cm oder mehr unter der Brust enden – auch witzig.
  • Weniger heikel, aber auch lästig, wenn es so gar nicht passt: die Gesamtlänge.

Im Ernst, das kann doch nie funktionieren, oder? Jede Frau ist anders, hat andere Proportionen und Maße…

Auch auf Männer trifft das zu, und hier hat die Industrie vorgesorgt: Es gibt unterschiedliche Passformen für unterschiedliche Figuren und Bedürfnisse, wie slim fit, modern fit, classic fit… Viele Firmen bieten unterschiedliche Ärmellängen für gleiche Modelle an. Ein Hemd in extra-lang oder extra-kurz: alles kein Problem. Nicht zu sprechen von den oft hochwertigeren Stoffen im Vergleich zu Damenabteilungen in gleichen Geschäften!

Hemdbluse in violett

Genug gejammert, zum Glück können wir ja nähen 🙂

Auch lerne ich gerade Schnittkonstruktion, das heißt, es ist auch mein erstes selbst konstruiertes „richtiges“ Oberteil.

Die Ausführung

Schnittmuster: selbst gezeichnet

Stoff: Hemdenstoff aus einem Coupon-Geschäft im schönen Paris

Das Technische: Nicht schwierig, wirklich! Traut euch! Gut, ich habe gut reden, denn ich habe für diese Bluse insgesamt vier Ärmel mit Manschetten genäht: 1 Probestück, 1 Ärmel mit Schlitz vorne statt hinten und 2 richtige :)) Es geht in der Tat immer schneller und sicherer von der Hand.

Ganz besonders glücklich bin ich über die violetten Ton-in Ton Knöpfe. Ist es euch aufgefallen, dass die günstigeren Marken einfach immer schwarze Knöpfe auf alles knallen was etwas dunkler ist als ein Mittelgrau-Ton? Nein, es ist kein cooles Design, es kommt einfach günstiger.

Violette Hemdbluse mit violetten Knöpfen
Was mach ich beim nächsten Mal mit den Abnähern? Tiefer setzen oder einfach besser ausbügeln? Seht ihr, was ich meine?

Das Shooting

Die Bluse hat die Farbe des portugiesischen Weins und hätte zum ersten Mal in Lissabon getragen werden sollen 🙂 Ich hatte sie aber schon vorher an – aufgrund eines wichtigen Meetings im Büro – man sieht, wie nötig ich so eine Bluse hatte! 3 Wochen alt und 3 Mal getragen – das ist mal ein Kleidungsstück, dessen Anschaffung sich lohnt!

Ich wusste nicht, dass das Hotel, das wir ausgesucht hatten, mitten im Banken-,  Finanz- und Versicherungsviertel Lissabons ist. In dieser konservativen Umgebung kommt man sich richtig kess und innovativ in Violett vor!

Lissabon - Bar

Am meisten zu bieten hat natürlich der historische Teil Lissabons.

Hier mit Jeans, Boots und Sonne!
Hier mit Jeans, Boots und Sonne!

Und noch etwas ist mir beim Durchsehen der Fotos aufgefallen: Warum sagt uns Blauäugigen eigentlich niemand, wie gut uns Violett und Lila stehen? Ich brauche definitiv mehr solche Oberteile im Schrank!

Violette Oberteile lassen blaue Augen strahlen

Vintage Kleid
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Vintage Vogue Kleid

Von vielen Nähkolleginnen weiß ich, dass sie den Sprung in die selbstgenähte Retro-Kleidung oft erstmals über die festliche Garderobe wagen. Vor allem die hyper-femininen Linien der 50er Jahre Schnitte sind wie geschaffen für einen glanzvollen Auftritt bei einem besonderen Anlass.

Im Alltag ist es etwas anderes… Wie wirkt ein Vintage-Kleid im Büro der Zehner Jahre? Fühlt es sich anders an, Excel, SAP & Co im Petticoat zu bedienen?

Ich wollte es herausfinden, seit meiner ersten Nähstunde. Nach meinen ersten drei Röcken, die allesamt ohne Abnäher, Futter und sonstigem technischen Firlefanz ausgekommen sind, fühlte ich mich endlich soweit und bestellte das Schnittmuster  Vogue Vintage 1084. Meine damalige Nählehrerin hat nur traurig gelacht… „Alles ist möglich, es wird nur lange dauern“, meinte sie. Ach, was sind schon fünf Monate auf dem Weg zu einem Traum!

Ja, so trage ich das Kleid im Alltag, das ist bei mir gleichbedeutend - im Büro )) Das geniale Jäckchen ist gekauft und braucht schon langsam seinen Ruhestand - nicht, bevor ich es nachgenäht habe!
Ja, so trage ich das Kleid im Alltag, das ist bei mir gleichbedeutend mit – im Büro )) Das geniale Jäckchen ist gekauft und möchte sich eigentlich schon in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden – doch zuerst muss ich es nachnähen! Drunter trage ich einen Petticoat – im Winter wärmt er ganz gut…

Die Ausführung

Davon habe ich zwei Monate nur mit Anpassungen verbracht… Leider, leider sind die Vogue-Schnitte wohl nicht ganz das Richtige für mich. Hätte ich drei Körbchengrößen mehr Oberweite, hätte das Kleid in der kleinsten Größe auf Anhieb perfekt gepasst…

Stoff: In der Beschreibung zum Schnittmuster steht „Taftseide, Dupionseide, leichte Stoffe“… Für mich musste es ein „Alltagsstoff“ sein, ganz klar. (Irgendwann… trage ich auch Seide im Alltag )) Vielleicht keine Taftseide). Also griff ich zum schweren dunkelgrünen Wollstoff vom Abverkaufsstand. Abverkauf, da ich noch so unerfahren und das Kleid ein richtiger Stofffresser war. 2,70 Meter habe ich gekauft und es ist nicht mal ein Fitzelchen übrig geblieben!

Vogue Vintage Kleid

Lessons Learned

Das Technische lasse ich hier mal beiseite 🙂 Seien wir uns ehrlich: das Kleid ist genäht von meiner Nählehrerin, nur eben mit meinen Händen. Ich nähte von Punkt A nach Punkt B, verklebte die Strecke von C nach D mit Vlieseline, trennte die Naht zwischen den Punkten E und F wieder auf… Was schade ist, denn ich werde mich wohl nie trauen, das Kleid noch einmal zu nähen, obwohl es von meinem heutigen Standpunkt aus gar nicht sooo schwierig wäre…

Alles zu seiner Zeit! Eigentlich bin ich jemand, der auf kleine Schritte setzt, einen Fuß nach dem anderen, sei es beim Nähen, Laufen, Tanzen… Hier war mein Wunsch stärker, als die Vernunft.

Dennoch möchte ich den schönen Bildern ein paar Überlegungen hinzufügen. Ich trage das Kleid seit mittlerweile fast zwei Jahren, und das oft und sehr, sehr gern. Zwei Nähte habe ich bereits flicken müssen (das sind natürlich die, die ich beim Nähen 2-3 Mal wieder aufgetrennt hatte!). Es fällt wunderschön, es ist weiblich, es hält warm im Winter, es passt zu mir.

Trotzdem: kommen wir zu den Lessons Learned – was könnte man besser machen?

Nur eine Kleinigkeit: Taillenweite

Die Schnittmuster der 50er zelebrieren die absolute Weiblichkeit. Die Betonung der Taille ist ein Markenzeichen – egal, ob bei eng anliegenden Wiggle-Kleidern oder bei Kleidern mit weit ausladenden schwingenden Röcken.

Das heißt – wenn ein dermaßen dicker und schwerer Stoff zu einem Vintage-Kleid verarbeitet wird, muss die Taille richtig fest sitzen. Der Bauch darf am Abend wieder raus und rein in die Jogging-Hose, versprochen.

Was hier gar nicht geht, sind großzügige Bequemlichkeitszugaben im Taillenbereich. Da der Stoff so dick und fest ist, macht er immer, was er will – in diesem Fall eine neue Taille.

Vintage Kleid von hinten

Und so habe ich statt 60 – 68 cm (je 4 cm könnte man noch auf jeder Seite wegnehmen). Kein Drama, ich weiß… Aber warum wertvolle „Schlankmacher-cm“ verschenken, noch dazu, wenn man, wie ich, nicht einmal 1,60 groß ist?

Die Länge!

Die wahren Vintage-Liebhaber unter euch werden es schon bemerkt haben: die Kleidlänge ist nicht authentisch! Bedeckt gerade mal so die Knie! Ein Kleid, das Diors New Look nachempfunden ist, endet wo? Genau – 30 cm über dem Boden! Egal, wie groß oder klein eine Frau ist.

Ja, pfff, hab ich mir damals gedacht. Ich bin nur 1,59 groß, für mich gilt das nicht. So eine Länge ist unvorteilhaft. Knielang passt immer.

Es passt in der Tat immer, aber es ist nicht in jedem Fall – optimal. Nach zwei Jahren Tragezeit und dieser Fotoserie sehe ich deutlich, dass die authentische Dior-Länge hier mehr für mich getan hätte.

Sehen wir genauer hin – die Taillennaht ist, wie es damals üblich war, um 1,5-2cm gesenkt. Das ist ein weiterer Trick, um die Dame schlanker erscheinen zu lassen. Die modernen Schnittmuster platzieren gerne exakt an der schmalsten Stelle einer Frau eine Raffung oder einfach nur die Rocknaht. Hier darf das Auge hingegen gerne auf der Taille verweilen und sogar ein wenig runter wandern, wo sich bereits eine sanfte weibliche Rundung Richtung Hüfte ankündigt. Erst dann kommen die üppigen Falten, die wohlbemerkt nur seitlich und hinten platziert sind, die vorderen Rockbahnen sind nur leicht ausgestellt. Ein Meisterstück, dieses Schnittmuster!

Vintage Kleid Taille

Sehr raffiniert, diese Taillenlinie – aber was macht sie mit dem Oberkörper? Richtig, sie verlängert ihn. Was passiert dabei mit den Beinen? Sie werden kürzer. Schrecklich, oder? Ein Kleid, das die Beine verkürzt?.. Nicht, wenn man sich an die „Originallänge“ hält!

Die Rocklänge muss deutlich länger als der Oberkörper (genau gesagt, die Länge zwischen Schulter und runtergesetzter Taille) sein. Dann ist alles wieder richtig und an seinem Platz: schlanke Taille, weibliche Hüften, schwingender Rock, schmale Fesseln (sie sind IMMER schmal, wenn man als Vergleichsobjekt den 2 Meter-Rock weiter oben hat!). Die Silhouette stimmt wieder – und sie ist im Zweifelsfall immer wichtiger, als die absolute Körpergröße.

Hmmm, vielleicht sollte ich das Kleid doch noch einmal nähen…

Die Details

Ich liebe diese Brosche, gerade in Verbindung mit dem hohen Halsausschnitt! Gekauft bei Etsy.
Ich liebe diese Brosche, gerade in Verbindung mit dem hohen Halsausschnitt! Gekauft bei Etsy.
Auch ein wenig Vintage: Schuhe von Poetic Licence.
Auch ein wenig Vintage: Schuhe von Poetic Licence.

Und weil mich einige bei meinem ersten Vintage-Outfit gefragt haben, welche Oberbekleidung ich im Winter dazu trage: ich habe derzeit eigentlich nur die tolle – not! schwarze Steppjacke, herrlich leicht und bequem, im tollen Schwarz, das mir so gar nicht steht 🙂

Das Tuch in Mint ist natürlich selbst gestrickt!
Das Tuch in Mint (ja, Mint! Sorry für die Überbelichtung, das Licht war blöd an dem Tag…Oder ich 🙂 ) ist natürlich selbst gestrickt! Dieses Outfit ist natürlich eher für +8° denn für -8° tauglich… Wurde diesen Winter daher noch nicht so oft ausgeführt.

Das ist mein längster Blogpost bisher, somit ist es höchste Zeit, mich zu verabschieden – ich wünsch euch viel Spaß beim Stöbern in den heutigen MeMadeMittwoch Kreationen!

blaues schmales Kleid
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Blattadern in Blau – ein elegantes Jerseykleid

Als ich den Jersey in der „Sale“-Auslage meines Lieblingsstoffgeschäfts gesehen habe, wusste ich: der ist für mich. 4 Euro pro Meter, rauchiges dunkles Blau, und das Blatt. Ein riesiges Blatt, ein Meter hoch und ein Meter breit, durchzogen von Adern. Eines der schönsten Stoffe, die ich je gesehen habe… Das musste ein Kleid werden.

Auch wusste ich – da wird gestückelt, bis nichts mehr übrig bleibt vom Blatt. So schön es auch ist – ich bin leider/gottseidank nicht ein Meter breit, und – wofür war der Stoff mit dem Riesen-Rapport eigentlich gedacht? Ich kann mir keine Vorhänge oder andere Heimtextilien aus Jersey vorstellen…

Also wurde das Blatt zerstört, es musste schließlich ein urbanes Kleid fürs Büro werden; die Adern sollten weiterhin die fragile Ästhetik der Anatomie zur Schau stellen, ohne sich auf die konkrete Natur zu beziehen.

Jersey Kleid

Die Ausführung

Ausgegangen bin ich vom Modell 3B der Burda Easy Herbst/Winter 2015. Da steht was vom figurnahen Schnitt, und Jersey-Kleider sind in meinem Kopf immer eng geschnitten.

Ähm… insgesamt waren es um die 12 cm, die ich rund um die Taille, und sicher so an die 6 cm im Brustbereich, die ich weggenommen habe. Nur die Ärmel samt den Armausschnitten habe ich lassen können, wie sie sind – Burda hat immer schön schmale Ärmel!

Das Blattstiel habe ich exakt in der Körpermitte platziert, die Ärmel habe ich stückeln müssen – natürlich habe ich wie immer zu wenig Stoff gekauft. Exakt ein metergroßes Blatt 🙂

Und so trage ich es momentan im Büro. Zugeknöpft im (Kauf-)Blaser.

Jersey-Kleid mit Blazer
Habe ich erst mal den Blazer an, bin ich plötzlich viel weniger entspannt ))

Ändern oder so lassen?

Alles in einem ist es ein schönes Kleid geworden, wenngleich es mich nicht so glücklich macht, wie ich es gehofft habe. Der Jersey hält warm und fühlt sich angenehm an, wird aber schnell elektrisch und klebt zwischen den Beinen, meh.

Ich habe es schon oft getragen, aber mich darin nie so richtig „wow“ gefühlt. Irgend etwas hat mich immer gestört, das ich nie genauer benennen konnte. Eine Erleuchtung hatte ich, als ich dieses Foto vom „Shooting im schmutzigen Schnee“ gesehen habe:

Jersey-Kleid: Passform
So schrecklich das Foto auch ist – hier kommen die gestückelten Ärmel gut zur Geltung!

Meh. Es ist mir immer noch – zu groß. Schräge Falten in meinem (Hohl-)Kreuz, Falten unter den Armen… Dadurch, dass das Kleid nicht mal am Popsch richtig anliegt, formt das Blattmuster komische Kurven, die der Figur nicht wirklich schmeicheln.

Ich könnte die Rückennaht noch verschmälern. Mehr als 2-3 cm werden aber wohl nicht drin sein, und die Seitennähte könnten sich arg nach hinten verziehen… Soll ich, soll ich nicht? Ich habe so viele schöne neue Stoffe, die auf die Verarbeitung warten, andererseits, um das Kleid, das mir wirklich gut steht, ist es auch irgendwie schade…

Ganz viele richtige „Wow“-Projekte hat wie immer der MeMadeMittwoch zu bieten – viel Spaß beim Stöbern und ich hole mir auch gleich ein paar neue Inspirationen!

Pullover mit Lochmuster aus Ziegenhaar
Stricken

Mohair in Natur

Im herrlichen Geschenkpaket von meinen russischen Verwandten waren neben den Pavlovo Posad Tüchern auch zwei Knäuel des original Orenburger Ziegenhaars. Weniger bekannt als Cashmere- oder Yakwolle, zählt auch diese Wolle zu den dünnsten und hochwertigsten der Welt. Die Tiere werden nur in der kalten Jahreszeit ausgekämmt: die frostigen und trockenen langen Winter der Region lassen bei den Ziegen besonders dichten und warmen Flaum wachsen.

Orenburger Lace Schals

In der Orenburger Region werden seit über 250 Jahren große Lacetücher gestrickt. Für die nötige Formstabilität wird die Ziegenwolle meist mit Seiden- oder Baumwollgarn verzwirnt. Die Tücher werden unvergleichlich warm und werden bei guter Pflege jahrzehntelang getragen.

Als besonderes Qualitätsmerkmal gilt es, wenn man ein solches großes Lace-Tuch durch einen Ehering ziehen kann.

Die beiden Knäuel sahen gar nicht flauschig aus, ich wusste aber, dass der Flaum sich im Zuge des Tragens und nach der ersten Wäsche entfalten würde.

Orenburger Pulli?

Ich bin kein leider kein Accessoires-Mensch, außerdem kamen die Knäuel mitten in meiner Pulli-Phase an. Ich hatte gerade erstmals zwei wunderbar tragbare Pullover fertiggestellt und wollte mehr davon.

Die Knäuel waren aus purem Ziegenhaar und mussten daher am besten zusammen mit einem Seidenfaden verstrickt werden. „Wenn schon, denn schon“, dachte ich und kaufte farblich perfekt passendes italienisches Seidenmohair.

Somit hat der Pulllover folgende Zusammensetzung:

50% Orenburger Ziegenhaar; 35% Mohair; 15% Seide.

Gar nicht so schlecht, oder? Dafür liebe ich das Stricken und das Nähen! Eine kurze Recherche hat ergeben, dass ein Seiden-Mohair Strickpulli am Markt ab 350 Euro am Markt zu haben ist. Meine Kosten: 21 Euro für drei Knäuel Lana Grossa; die russische Ziegenwolle, von der ich übrigens nur einen Knäuel verbraucht habe, war schließlich ein Geschenk.

Mohair-Pulli
Die weiße Bluse darunter ist natürlich auch selbst gemacht, natürlich nach einem Burda-Schnittmuster!

Die Umsetzung

Wie bereits die beiden Erstlingswerke von mir, basiert auch dieses Modell auf einer „Rebecca“-Beschreibung. Rebecca gehört zu meinen Lieblings-Strickzeitschriften: die Modelle sind schlicht und liegen halbwegs im Trend, die Anleitungen in der Regel ausführlich und gut verständlich.

Ich strickte also mit doppeltem Faden und Nadelstärke 4 (meine Lieblingsnadelstärke!). Der Wollverbrauch war erstaunlich gering, und so wiegt der Pullover sagenhafte 123 Gramm! Unglaublich, wie wärmend 100 Gramm Kleidung sein können!

Kratzige Ziege?

Der Pulli hat gekratzt. Und wie! Die ersten paar Mal Tragen dachte ich nur –  ich habe das Ding gestrickt, ich werde es tragen! Ich gewöhne mich schon dran!

Und dann? …habe ich mich dran gewöhnt. Außerdem wird die Wolle immer weicher und weicher. Nach jeder Wäsche, aber auch einfach so vom Tragen. Ich habe gehört, dass das „Einfrieren“ der Ziegenwolle sehr gut tut – also einfach raushängen, wenn es draußen Minusgrade hat – und da ich es regelmäßig mit allen meinen Wollsachen mache, wird es wohl auch eine Rolle gespielt haben. Mittlerweile könnte ich den Pullover auf nackter Haut tragen – werde ich wegen dem Lace-Muster aber vermutlich nicht machen ))

Ziegenhaar und Velourleder-Stiefel... Hach!
Ziegenhaar und Velourleder-Stiefel… Hach!
Es ist faszinierend, wie die ungefärbte Ziegenwolle mit der mitteleuropäischen Winterlandschaft harmoniert... Mein (mittlerweile) ungefärbtes Haar tut es auch, meine ich ))
Es ist faszinierend, wie die ungefärbte Ziegenwolle mit der mitteleuropäischen Winterlandschaft harmoniert… Mein (mittlerweile) ungefärbtes Haar tut es auch, meine ich ))

Ich bin keine große Strickerin, mir fehlt es an der Zeit und auch an Geduld, neue Techniken auszuprobieren, viel neues zu lernen und mehr als 1-2 Modelle im Jahr fertig zu stellen. Es sind Projekte wie dieser, die mich motivieren, die Nadeln nie für länger als einige Wochen aus der Hand zu legen und mir die Gewissheit geben, was lange währt, wird endlich gut.

Mini-Tellerrock mit Nadelstreifen
Nähen

Geschäftstüchtig in Nadelstreifen – kurzer Rock fürs Büro

Maskulin, seriös, gedeckt – die perfekte Wahl fürs Büro?
Der hochwertige Wollstoff mit dezenten Nadelstreifen war ein Gelegenheitskauf beim großen Textil-Müller in Kritzendorf: für 3 Euro/Meter musste ich zuschlagen. Gleichzeitig war es mir bewusst, dass ich noch nicht so weit bin, einen klassischen Nadelstreif-Anzug zu schneidern – und außerdem: wäre das eine gute Idee?

Die große Zeit des soliden Nadelstreifens waren die optimistischen Jahre der Finanzbranche, die letzten Dekaden des vergangenen Jahrhunderts. Die 2000-er Jahre brachten Umbrüche mit sich, die dem Image des klassischen Banker-Anzugs keinen guten Dienst geleistet haben. Das Zeitalter des Business-Suits ist vorbei; für die nächsten Jahrzehnte, angefangen mit den Roaring Twenties 2.1. sage ich gar den Tod der klassischen Krawatte voraus.

Dennoch kein Grund, das schlichte Muster in Vergessenheit geraten zu lassen, dachten sich schon Designer wie Comme des Garçons oder Dries van Noten.

Und ich dachte: ich fand Nadelstreifen eigentlich immer sexy. Und nähte mir einen Rock. Weil ich zu dem Zeitpunkt nicht wirklich etwas anderes nähen konnte

Minirock – die Umsetzung

Obwohl ein Tellerrock mit schmalem Bund nun wirklich kein schwieriges Projekt ist, habe ich zum damaligen Zeitpunkt noch die volle Unterstützung meiner Nählehrerin im Kurs gebraucht. Mit ihrer Hilfe zeichnete ich den Schnitt, schnitt zu und machte die erste Anprobe.

„Sehr schön!“ sagten die Kurskolleginnen. „Hm,“ sagte ich.

Zu Hause kam dann der Reißverschluss samt dem Bund und dem roten Futter rein. Und dann kam die zweite Anprobe.

„Eh okay“, sagte mein Mann. „Was stimmt da nicht?“ fragte ich. Wie kann ein kurzer Rock langweilig sein? Ich wollte doch etwas Besonderes! ein Designerstück! Ich habe keine endlosen Modelbeine, vielleicht steht mir diese Art von Rock einfach nicht?

Zu diesem Zeitpunkt maß der Rock etwa zwei Handbreit über dem Knie. Ein klassischer kurzer weiter Rock. „Da muss was ab“, sagte mein Mann. Okay, aber nur 4 cm! Sonst kann ich mich ja nicht bücken, und überhaupt.img_9627

Zum Schluss wurden es sicher 20 cm bis zur aktuellen Länge. Mit jedem Griff zur Schere hat es mir immer besser gefallen. Und außerdem – warum soll ich mich im Alltag überhaupt bücken?

Mag sein, dass die Saumlinie nach den insgesamt 4(!) Längenanpassungen (wenn ich mich nicht irre, alle ohne Saumabrunder!) nicht mehr ganz perfekt gerade ist. Bei einem Tellerrock sowieso immer problematisch. Who cares!

Damit der Saum so schön steif fällt, wie gestärkt, habe ich innen noch ein rotes Schrägband für den extra Stand angenäht. Auch durch das Futter fällt der Rock noch schöner.

Für den Bund habe ich eine spezielle 2 cm Bundeinlage verwendet – ich habe sogar das zwei Jahre alte Foto vom Zuschnitt gefunden, wieso habe ich es überhaupt gemacht?

2015-11-14-09-04-25

16,25 ist übrigens ein Viertel meines damaligen Taillenumfangs 🙂 Die Viertel müssen natürlich auf dem Bund markiert werden, damit der Bund schön auf den Rock aufgenäht werden kann!

Und fürs Büro?

Die Antwort ist ja! Ich liebe den Rock immer noch und trage ihn sehr häufig im Winter.

Im Sommer lasse ich ihn im Schrank, nicht nur, da der Wollstoff so warm ist, sondern, da eine blickdichte Strumpfhose bei dieser Länge doch ein Muss ist 😉

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