Ausmessungen Rockbund
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Think outside the box!

Dies ist kein üblicher Blogpost von mir, voll mit schönen Bildern mit kompletten Outfits bei tollem Wetter… Obwohl, ein richtig schönes Bild habe ich für euch 🙂 Aber heben wir uns dieses Schmankerl für später auf…

Ein, zwei Tops aus Jersey, ärmellos

Ursprünglich war es keineswegs als ein Projekt gedacht, das eines Blogbeitrags würdig wäre. Auch wenn es im Moment nicht so aussieht – der nächste Sommer kommt bestimmt und alle meine ärmellosen Tops sind bereits seeehr abgetragen. Zugegeben, in einem kurzen Panikmoment habe ich sogar daran gedacht, welche zu kaufen. Aber dann stellte ich den voraussichtlichen Aufwand gegenüber:

Kaufen:

Suche. Geschäfte vor Ort? Wann? Am Wochenende? Uff…. Zalando? Anprobieren. Ggf Rückversand organisieren, es passt nie alles auf Anhieb. Wenn alles passt: Träger abstecken, kürzen mit der Overlock – sie sind bei mir immer! immer zu lang.

Selbst nähen:

Schnittmuster zeichnen, abpausen, Top ausschneiden, overlocken, dann Hals- und Ärmelausschnitt.  Voraussichtlich 5 Stunden? Höchstens 6, sagte ich mir.  Und wenn alles gut geht, kann ich den Schnitt reproduzieren und das Problem ist für immer Geschichte.

Na bitte, dann los geht’s. Der Ostermontag schien ein perfekter Tag für so ein Zwischendurch-Projekt.

Ich habe schon etliche T-Shirts mit Ärmel genäht, also machte ich es mir noch einfacher und pauste den T-Shirt-Schnitt ab, zeichnete den Arm- und den Halsausschnitt neu ein, schnitt aus und nähte. Der Schnitt ist ja erprobt.

Und dann kam das böse Erwachen.

Gottseidank probierte ich es an, bevor ich mich an die Arbeit mit den Ausschnitten machte! Der Schnitt ist ja erprobt!

Alles passte wunderbar, nur klafften die vorderen Armausschnitte oberhalb der Brust auf, und zwar so richtig. Auf jeder Seite war da bis zu 5 cm Stoff zu viel.

„Vielleicht helfen da Bündchen bei den Armausschnitten“, dachte ich. Vielleicht sind sie dazu da, das Ganze zusammen zu halten, man näht sie schließlich mit Zug an. Na, was glaubt ihr? Der so „versteifte“ Armausschnitt (zum Glück hab ich nur einen gemacht, bevor ich wieder anprobierte) klaffte nun umso besser, hatte er doch Stütze bekommen.

So ratlos war ich noch nie. Ein erprobter Schnitt, nur halt ohne Ärmel! Oder werden eventuell ärmellose Tops ganz anders konstruiert? Mit anderen Formeln, anderer Schablone? Blödsinn, das kann doch auch nicht sein!

Als Nächstes: googlen. „Das Problem der klaffenden Armausschnitte betrifft vor allem große Brüste“… „Hier muss auf jeden Fall eine FBA (full bust adjustment) durchgeführt werden“. Oh Mann, dass ist nicht euer Ernst! Gut, Internet ist auch keine Hilfe…

Mittlerweile hatte sich auch mein Mann dazu geschaltet. Er hat mit dem Nähen nichts am Hut, aber er liebt Rätsel. Und ich hatte genug günstigen Jersey und viel Zeichenpapier..

Zeichnen – zuschneiden – zeichnen – zuschneiden…

  • Top als Ganzes schmäler machen? Vielleicht ist es zu weit?
  • Armausschnitte zu rund? Was ist, wenn sie „gerader“ wären?
  • Vordere Schulter heben! Irgendwer im Internet hat das gemacht!
  • Vielleicht ist die abfallende Schulterlinie das Problem… Vielleicht sollten die Träger gerade sein?
  • So, und das Top noch enger machen! Vielleicht hilft es!

Ja, ich habe insgesamt 4 Tops zusammengetackert und jede einzelne Hypothese ausprobiert. Stunden um Stunden. Alles, was ich für „die“ Lösung hielt, musste nach und nach verworfen werden.

Und irgendwann stand ich nur da und schaute mit sinnentleertem Blick auf das ursprüngliche Top, während mein Liebster daneben stand und eine höchst komplizierte Vermutung entwickelte, nämlich, dass exakt diese Armausschnitt-Krümmung niemals mit genau dieser Schulterlinie korrelieren könne, weil nämlich die beiden Winkel…

Wart, sagte ich und zog mich aus. Nein, nein, nicht wegen Stressabbau, als nächstes stand ich nämlich mit einem Maßband vor ihm 🙂 „Miss meine Oberbrustweite, bitte“, bat ich. „Fest, bitte“. -„68“, sagte er.

Was, du bist unfähig! Du bist auch keine große Hilfe! Das kann nicht sein! Schau, hier im Buch steht, wie du messen sollst! Mach ordentlich!

„68“, sagte er. – „Hm, und wenn du sehr locker misst?“ – „72“, sagte er.

Bäm!

In allen meinen Konstruktionen bis ich bisher von 76 ausgegangen.

Ich wollte eigentlich bereits meine Ruhe und Feierabend haben, aber ich holte noch ein Blatt Zeichenpapier und erstellte einen Grundschnitt zwei Größen kleiner. Schnitt zu und nähte mit der Overlock. Mein Liebster schenkte mir ein Glas Wein ein. Ich probierte. Die Träger passten. Nichts klaffte mehr, die Armausschnitte schmiegten sich an meine Schultern.

Na klar, sagte mein Mann, das erste Shirt war eh viel zu groß. Und zog es an 😀

top-passform-probleme

Und die Moral von der Geschicht?

Ich hätte mir fast einen ganzen Tag sparen können 🙂 Wenn ich mich gleich mit der Ursache und nicht mit Symptomen beschäftigt hätte…

Und ich muss alle meine „erprobten“ Schnittmuster neu erstellen. Ich weiß nicht, wie der Messfehler zustande kam (die verlorenen 2 kg können doch nicht die Ursache für den Unterschied gewesen sein?), aber nun merke ich, dass meine T-Shirts und Blusen viel Mehrweite exakt über der Brust haben. Durch die perfekte Passform der Ärmel, Brusthöhe, Brust- und Taillenweite fällt es nur nicht auf.

Die Frage ist nur, ob ich tatsächlich besser von 68 oder 72 cm ausgehen soll, aber das erfahre ich nur durch Ausprobieren.

Think outside the box, meine Lieben, oder wie sagt man noch bei uns in Österreich – mitdenken ist nicht verboten 🙂

Ich habe bereits eine Hose, Bluse und Weste konstruiert – um schließlich an einem ärmellosen Top aus Jersey zu scheitern. Aufstehen, Krone richten, weitergehen. Das nächste Näh-Wochenende kommt bestimmt.

 

 

Roch aus Seidenchiffon von Valentino
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Mein Frühling in Mint – Seidenchiffon von Valentino

Das Motto des heutigen MeMadeMittwochs ist „Frühlingserwachen“ – wie schön, und genau rechtzeitig, denn der Frühling meint es heuer wirklich gut mit uns! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Anfang April kurze Ärmel getragen hatte…

Außerdem habe ich heute noch eine Premiere – wie kommt es, dass mein Blog „Seide“ im Namen hat und ich noch kein Kleidungsstück aus Seide vorgestellt habe? Hier ist es – mein Rock aus Seidenchiffon von Valentino!

Seidenchiffon Valentino

Frühlingsoutfit in Mint

Rock: Seidenchiffon von Valentino und leichtes Viskosefutter. Kein Schnittmuster, einfach die ganze Stoffbreite eingereiht (2x Hüftbreite hätte es aber auch getan! 🙂 )

Top: Dill Tee von We are Knitters aus peruanischer Baumwolle

Es erforderte viel Mut, den Stoff zu kaufen 🙂 Meine erste Seide, und dann auch noch Designerware! Zum Glück braucht man für so einen Rock nicht viel Stoff; hier sind ca. 85 cm – absolut restlos verarbeitet.

Der Chiffon ist sehr dünn, sehr leicht und absolut durchsichtig – hier war ein Futter ein Muss. Ich habe mich für einen sehr leichten, aber weniger durchsichtigen Viskosestoff im absolut gleichen Farbton entschieden.

Bei zwei so filigranen Stoffen war an die Overlock natürlich nicht zu denken – ich habe die Enden vor dem Zusammennähen verarbeitet. Da die Stoffbahnen schön im Stoffbruch zugeschnitten waren, konnte ich den Stoff direkt unter der Nähmaschine zwei Mal knapp umschlagen und mit viel Zug ohne Stecknadeln versäubern.

Fürs Einreihen habe ich den Oberstoff und das Futter aufeinander gelegt und wie einen Stoff bearbeitet. Zum Schluss kamen der Bund rauf und der Nahtreißverschluss rein. Beim Bund ausmessen hab ich mich heillos verschätzt – da kam einfach alles zusammen: ich war gerade in meiner „molligeren“ Phase, vielleicht auch noch angegessen beim Ausmessen? Dann habe ich aus irgendeinem Grund 1 cm für die „Bequemlichkeit“ zugegeben – das mache ich normalerweise nie! Ich schneide den Bund immer 1:1 zu! Möglich ist auch, dass ich den Reißverschluss zu knappkantig eingesetzt habe…

Als Folge rutscht der Rock als Ganzes runter und der vordere Bund noch zusätzlich ein Stückchen 🙂

Dilltop von We are Knitters

Lessons Learned für einen zarten Seidenchiffon

Für einen wunderschönen Rockfall hätte ich heute noch etwas anders gemacht, und zwar:

Ich hätte einen deutlich festeren Futterstoff genommen, mit viel Eigenstand. Den hätte ich als halben Teller zugeschnitten, damit er schön schwingt, aber in der Taillengegend nicht aufträgt. Dann hätte ich den Chiffon darauf eingereiht. Also, ich glaube, das wäre die perfekte Lösung, und die werde ich auch ausprobieren 🙂 Muss glatt schauen, ob es auch heuer schöne Chiffonstoffe im meinem Lieblingsstoffladen gibt…

Meine Kompromisslösung

Was machen zwei hauchdünne Stoffe, auch wenn man sie zusammennäht? Überraschung – sie hängen wie ein Putzlappen runter! Der Rock hing gar so traurig, dass nicht einmal die schönen Lotusblumen zu erkennen waren! Da aber aufmachen und neu machen so gar nicht mein Ding ist, habe ich kurzerhand ein Crinoline-Band ans Futter genäht:

Crinoline Band

Nun hat zumindest der Saum den richtigen Stand und der ganze Rock schwingt mit:

Schwingender Seidenrock

Das Problem bleibt, dass der Rock als Ganzes einfach zu leicht ist – ich kann ihn leider nicht wirklich zum Tanzen anziehen, und wenn ich ihn im Alltag trage, muss ich immer daran denken, schöne Unterwäsche anzuziehen 😀 Mit einem halben Teller als Unterrock wäre das Outfit wesentlich jugendfreier.

Und das Top?

Hach, auch da hab ich mir so richtig viel Mühe gegeben:

Schöne Knöpfe mit Tieren

Was soll ich sagen, ich liebe Blumen, Vögel, Tiere… und die Farbe Mint!

Ansonsten gibt es über das Top nicht viel zu sagen. We are Knitters ist ein Unternehmen mit absoluten Marketing-Genies im Team, da könnte man richtig neidisch werden. In der Vermarktung stimmt einfach alles – angefangen mit Strategie, Konzept bis hin zur letzten Verpackung der Stricksets.

In meiner Rolle als Endverbraucher kann ich hingegen nicht so viel Begeisterung aufbringen. Die Wolle scheint mir überteuert, die Anleitungen nicht fertig ausgearbeitet (nur eine Einheitsgröße?! wtf) und überdies nicht wirklich anfängerfreundlich. Und Anfänger sind es ja, die von ihnen angesprochen werden – meine erfahreneren Leserinnen werden vermutlich schon anhand der Bilder wissen, wie der Pulli zu stricken ist.

Dill-Tee We are knitters

Wie bin ich Zwergerl mit der Einheitsgröße zurechtgekommen? Als Feststrickerin fiel es mir leicht: meine Maschenprobe war viel zu klein und somit genau richtig für mich. Ehrlich gesagt, finde ich das Top im Original recht lose gestrickt, ich mag es, wenn Gestricktes etwas Stand und Substanz aufweist 🙂

Gesamtes Outfit in Mint

Alles Liebe, und schaut bitte unbedingt am heutigen MeMadeMittwoch vorbei! Ich bin schon sehr gespannt auf alle blumigen, luftigen, romantischen und bunten Frühlingsoutfits!

Kurzer gesteppter Rock mit Städte Aufdruck
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Gesteppter Minirock – geht das heute noch?

Ich war ein Kind der Neunziger. Sobald ich die schreckliche quietschbunte Oversize-Garderobe eines 90er Jahre-Kindes ablegte, mit einer fünfjährigen Verspätung dem Grunge-Stil zu frönen begann, und gleichzeitig dem  sexy „Mehr ist Mehr“-Gebot der Jahrtausendwende verfiel, wurden Mini-Röcke mein bester Freund.

Ach was, sie waren mein Markenzeichen. Indem ich meine Beine zur Schau stellte, war es für mich (= einen unsicheren, schüchternen Teenager mit einem ausgeprägten Geltungsdrang), als demonstriere ich meine Unverwundbarkeit.

Meine ersten (und für über 15 Jahre letzten) Versuche an der Nähmaschine entstanden aus dem Drang, die meisten meiner gekauften Röcke zu kürzen – wie schade, dass ich keinen einzigen mehr aus dieser Zeit besitze!

Ich habe immer noch einige kurze Röcke in meinem Schrank, trage sie aber wesentlich seltener. Wie man aus den wenigen Beiträgen von mir im Blog bereits erkennen kann, ziehe ich in den letzten Jahren eindeutig längere Röcke vor, am besten knielang, gerne noch länger.

Kurzer gesteppter Rock mit Städte Aufdruck
Zu kurz?

 

Und dann nähte ich mir doch einen Minirock

Wie so oft bei uns Näherinnen, war zuerst die Liebe zu einem Stoff da. Der gesteppte Jackenstoff mit Städtemotiven ist doch wirklich etwas Besonderes!

Steppstoff Städtemotiv

Ich habe ihn gekauft… hmmm…- vor zwei Jahren! Damals war natürlich an eine Jacke nicht zu denken. Mein Können erstreckte sich auf gerade mal 2 Rockmodelle. Also würde ich mir einen Rock nähen, einen, der nicht zu lang werden soll, denn der Stoff ist nur wirklich sehr speziell und warm und rascheln tut er auch!

Gesteppter Minirock, Steppstoff

Zwei Jahre später und trotzdem zu voreilig

Ich kann einen geraden Rock konstruieren, ich habe 1,5 Tage Zeit – los geht’s!! Yeah!!

Ich hätte den Stoff noch ein paar Monate liegen lassen sollen, darauf wäre es auch nicht mehr angekommen 🙂

Folgendes hätte ich jetzt anders gemacht:

Rocklänge: bissl mehr darfs schon sein. Ich hätte die Länge im Vorhinein mehrmals korrekt abgemessen und nicht mein Herzblatt pi mal Daumen schätzen lassen.

35 cm sind zu kurz für eine Rock, sogar für so einen Zwergi wie mich!

Oder: warum nicht doch einen langen Rock nähen? Wie wunderbar warm er doch geworden wäre! Gut, es wäre vielleicht nicht das am öftersten getragene Modell in meinem Kleiderschrank, aber er wäre wirklich – anders.

Form: Das ist jetzt ein einfacher gerader Rock. Ich finde nun, richtig kurze Röcke gehören ausgestellt, das gibt eine lässigere Silhouette und zugegebenermaßen ein besseres Tragegefühl.

Taschen: das ist das, was ihm am meisten fehlt! Kurze Röcke brauchen Taschen! Das würde den Rock weg von der bemühten Sexyness hin zur betonten Lässigkeit bewegen. Im Moment mache ich es nur mit Hilfe von flachen Schuhen und einem lockeren, nicht körperbetontem Oberteil.

Kurzer Stepprock mit Stadtmotiven
Werde ich ihn trotzdem tragen? Aber ja 🙂

Technische Details

Womit ich überhaupt nicht gerechnet habe: der Stoff ist wie Leder zu nähen, also ans Auftrennen ist nicht zu denken. Jeder Nadelstich hinterlässt ein winziges Loch, das nicht mehr weggeht. Gut, dass ich den Stoff nicht sofort vernäht habe, als ich ihn gekauft habe, meine Auftrenn-Quote war damals bedeutend höher!

Der Stoff ist ein richtiger Jacken-Steppstoff, also zwei Schichten Stoff durchgesteppt mit Futter-Vlies dazwischen. Eine Overlock zur Nahtverarbeitung ist hier ebenfalls die falsche Lösung. Gut, dass ich in diversen Nähblogs bereits von „Hong Kong Binding Seam Finish“ gelesen habe! Das war nun die perfekte Gelegenheit, dies auszuprobieren.

Hong Kong seam finish

Ich habe alle Nahtzugaben mit einem selbst erstellten Schrägband versäubert. Denselben Futterstoff verwende ich auch für den Innenbund, der aufgrund der Dicke des Stoffes ansonsten viel zu starr geworden wäre.

Gesteppter Minirock mit Städte-Aufdruck

Die weiße Bluse, die ich bei diesem Shooting in einem Geschäftsviertel in Lissabon trage, ist übrigens auch selbst gemacht. Ich habe sie sogar hier bereits erwähnt. Nach dem gleichen Schnittmuster , aber aus einem anderen Stoff ist diese Bluse hier genäht.

Verlinkt bei AfterWorkSewing

Hemdbluse in violett
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Die wirklich erste Hemdbluse

Wie viele Frauen haben tatsächlich eine gut sitzende Hemdbluse im Schrank? Jeder Stil-Ratgeber spricht von perfekt sitzenden Etui-Kleidern, einer Jeans, die wirklich passt… Aber was ist mit Business-Blusen, Blusen mit Kragen, Manschetten und sonstigem „maskulin-seriösen“ Firlefanz?

Ich hatte nie eine.

Die Passform

Wenn wir eine Bluse im Geschäft anprobieren – was muss denn alles sitzen, damit wir sagen können: passt, ist gekauft? Es sind einige Faktoren:

  • Kragenweite, na klar
  • Schulterweite
  • Ärmellänge (überlange Ärmel ruinieren die ganze Silhouette, man glaubt es nicht! Zu kurze Ärmel sehen aber auch nicht besser aus)
  • Ärmelweite
  • Manschettenweite (auch von „schwimmenden“ Handgelenken kann ich ein Lied singen!)
  • Abnäher: Position und natürlich Tiefe. Dh. in meinem Fall ein Problem der Überweite im Brust- und Taillenbereich, sowie Brustabnäher, die 10cm oder mehr unter der Brust enden – auch witzig.
  • Weniger heikel, aber auch lästig, wenn es so gar nicht passt: die Gesamtlänge.

Im Ernst, das kann doch nie funktionieren, oder? Jede Frau ist anders, hat andere Proportionen und Maße…

Auch auf Männer trifft das zu, und hier hat die Industrie vorgesorgt: Es gibt unterschiedliche Passformen für unterschiedliche Figuren und Bedürfnisse, wie slim fit, modern fit, classic fit… Viele Firmen bieten unterschiedliche Ärmellängen für gleiche Modelle an. Ein Hemd in extra-lang oder extra-kurz: alles kein Problem. Nicht zu sprechen von den oft hochwertigeren Stoffen im Vergleich zu Damenabteilungen in gleichen Geschäften!

Hemdbluse in violett

Genug gejammert, zum Glück können wir ja nähen 🙂

Auch lerne ich gerade Schnittkonstruktion, das heißt, es ist auch mein erstes selbst konstruiertes „richtiges“ Oberteil.

Die Ausführung

Schnittmuster: selbst gezeichnet

Stoff: Hemdenstoff aus einem Coupon-Geschäft im schönen Paris

Das Technische: Nicht schwierig, wirklich! Traut euch! Gut, ich habe gut reden, denn ich habe für diese Bluse insgesamt vier Ärmel mit Manschetten genäht: 1 Probestück, 1 Ärmel mit Schlitz vorne statt hinten und 2 richtige :)) Es geht in der Tat immer schneller und sicherer von der Hand.

Ganz besonders glücklich bin ich über die violetten Ton-in Ton Knöpfe. Ist es euch aufgefallen, dass die günstigeren Marken einfach immer schwarze Knöpfe auf alles knallen was etwas dunkler ist als ein Mittelgrau-Ton? Nein, es ist kein cooles Design, es kommt einfach günstiger.

Violette Hemdbluse mit violetten Knöpfen
Was mach ich beim nächsten Mal mit den Abnähern? Tiefer setzen oder einfach besser ausbügeln? Seht ihr, was ich meine?

Das Shooting

Die Bluse hat die Farbe des portugiesischen Weins und hätte zum ersten Mal in Lissabon getragen werden sollen 🙂 Ich hatte sie aber schon vorher an – aufgrund eines wichtigen Meetings im Büro – man sieht, wie nötig ich so eine Bluse hatte! 3 Wochen alt und 3 Mal getragen – das ist mal ein Kleidungsstück, dessen Anschaffung sich lohnt!

Ich wusste nicht, dass das Hotel, das wir ausgesucht hatten, mitten im Banken-,  Finanz- und Versicherungsviertel Lissabons ist. In dieser konservativen Umgebung kommt man sich richtig kess und innovativ in Violett vor!

Lissabon - Bar

Am meisten zu bieten hat natürlich der historische Teil Lissabons.

Hier mit Jeans, Boots und Sonne!
Hier mit Jeans, Boots und Sonne!

Und noch etwas ist mir beim Durchsehen der Fotos aufgefallen: Warum sagt uns Blauäugigen eigentlich niemand, wie gut uns Violett und Lila stehen? Ich brauche definitiv mehr solche Oberteile im Schrank!

Violette Oberteile lassen blaue Augen strahlen

Vintage Kleid
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Vintage Vogue Kleid

Von vielen Nähkolleginnen weiß ich, dass sie den Sprung in die selbstgenähte Retro-Kleidung oft erstmals über die festliche Garderobe wagen. Vor allem die hyper-femininen Linien der 50er Jahre Schnitte sind wie geschaffen für einen glanzvollen Auftritt bei einem besonderen Anlass.

Im Alltag ist es etwas anderes… Wie wirkt ein Vintage-Kleid im Büro der Zehner Jahre? Fühlt es sich anders an, Excel, SAP & Co im Petticoat zu bedienen?

Ich wollte es herausfinden, seit meiner ersten Nähstunde. Nach meinen ersten drei Röcken, die allesamt ohne Abnäher, Futter und sonstigem technischen Firlefanz ausgekommen sind, fühlte ich mich endlich soweit und bestellte das Schnittmuster  Vogue Vintage 1084. Meine damalige Nählehrerin hat nur traurig gelacht… „Alles ist möglich, es wird nur lange dauern“, meinte sie. Ach, was sind schon fünf Monate auf dem Weg zu einem Traum!

Ja, so trage ich das Kleid im Alltag, das ist bei mir gleichbedeutend - im Büro )) Das geniale Jäckchen ist gekauft und braucht schon langsam seinen Ruhestand - nicht, bevor ich es nachgenäht habe!
Ja, so trage ich das Kleid im Alltag, das ist bei mir gleichbedeutend mit – im Büro )) Das geniale Jäckchen ist gekauft und möchte sich eigentlich schon in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden – doch zuerst muss ich es nachnähen! Drunter trage ich einen Petticoat – im Winter wärmt er ganz gut…

Die Ausführung

Davon habe ich zwei Monate nur mit Anpassungen verbracht… Leider, leider sind die Vogue-Schnitte wohl nicht ganz das Richtige für mich. Hätte ich drei Körbchengrößen mehr Oberweite, hätte das Kleid in der kleinsten Größe auf Anhieb perfekt gepasst…

Stoff: In der Beschreibung zum Schnittmuster steht „Taftseide, Dupionseide, leichte Stoffe“… Für mich musste es ein „Alltagsstoff“ sein, ganz klar. (Irgendwann… trage ich auch Seide im Alltag )) Vielleicht keine Taftseide). Also griff ich zum schweren dunkelgrünen Wollstoff vom Abverkaufsstand. Abverkauf, da ich noch so unerfahren und das Kleid ein richtiger Stofffresser war. 2,70 Meter habe ich gekauft und es ist nicht mal ein Fitzelchen übrig geblieben!

Vogue Vintage Kleid

Lessons Learned

Das Technische lasse ich hier mal beiseite 🙂 Seien wir uns ehrlich: das Kleid ist genäht von meiner Nählehrerin, nur eben mit meinen Händen. Ich nähte von Punkt A nach Punkt B, verklebte die Strecke von C nach D mit Vlieseline, trennte die Naht zwischen den Punkten E und F wieder auf… Was schade ist, denn ich werde mich wohl nie trauen, das Kleid noch einmal zu nähen, obwohl es von meinem heutigen Standpunkt aus gar nicht sooo schwierig wäre…

Alles zu seiner Zeit! Eigentlich bin ich jemand, der auf kleine Schritte setzt, einen Fuß nach dem anderen, sei es beim Nähen, Laufen, Tanzen… Hier war mein Wunsch stärker, als die Vernunft.

Dennoch möchte ich den schönen Bildern ein paar Überlegungen hinzufügen. Ich trage das Kleid seit mittlerweile fast zwei Jahren, und das oft und sehr, sehr gern. Zwei Nähte habe ich bereits flicken müssen (das sind natürlich die, die ich beim Nähen 2-3 Mal wieder aufgetrennt hatte!). Es fällt wunderschön, es ist weiblich, es hält warm im Winter, es passt zu mir.

Trotzdem: kommen wir zu den Lessons Learned – was könnte man besser machen?

Nur eine Kleinigkeit: Taillenweite

Die Schnittmuster der 50er zelebrieren die absolute Weiblichkeit. Die Betonung der Taille ist ein Markenzeichen – egal, ob bei eng anliegenden Wiggle-Kleidern oder bei Kleidern mit weit ausladenden schwingenden Röcken.

Das heißt – wenn ein dermaßen dicker und schwerer Stoff zu einem Vintage-Kleid verarbeitet wird, muss die Taille richtig fest sitzen. Der Bauch darf am Abend wieder raus und rein in die Jogging-Hose, versprochen.

Was hier gar nicht geht, sind großzügige Bequemlichkeitszugaben im Taillenbereich. Da der Stoff so dick und fest ist, macht er immer, was er will – in diesem Fall eine neue Taille.

Vintage Kleid von hinten

Und so habe ich statt 60 – 68 cm (je 4 cm könnte man noch auf jeder Seite wegnehmen). Kein Drama, ich weiß… Aber warum wertvolle „Schlankmacher-cm“ verschenken, noch dazu, wenn man, wie ich, nicht einmal 1,60 groß ist?

Die Länge!

Die wahren Vintage-Liebhaber unter euch werden es schon bemerkt haben: die Kleidlänge ist nicht authentisch! Bedeckt gerade mal so die Knie! Ein Kleid, das Diors New Look nachempfunden ist, endet wo? Genau – 30 cm über dem Boden! Egal, wie groß oder klein eine Frau ist.

Ja, pfff, hab ich mir damals gedacht. Ich bin nur 1,59 groß, für mich gilt das nicht. So eine Länge ist unvorteilhaft. Knielang passt immer.

Es passt in der Tat immer, aber es ist nicht in jedem Fall – optimal. Nach zwei Jahren Tragezeit und dieser Fotoserie sehe ich deutlich, dass die authentische Dior-Länge hier mehr für mich getan hätte.

Sehen wir genauer hin – die Taillennaht ist, wie es damals üblich war, um 1,5-2cm gesenkt. Das ist ein weiterer Trick, um die Dame schlanker erscheinen zu lassen. Die modernen Schnittmuster platzieren gerne exakt an der schmalsten Stelle einer Frau eine Raffung oder einfach nur die Rocknaht. Hier darf das Auge hingegen gerne auf der Taille verweilen und sogar ein wenig runter wandern, wo sich bereits eine sanfte weibliche Rundung Richtung Hüfte ankündigt. Erst dann kommen die üppigen Falten, die wohlbemerkt nur seitlich und hinten platziert sind, die vorderen Rockbahnen sind nur leicht ausgestellt. Ein Meisterstück, dieses Schnittmuster!

Vintage Kleid Taille

Sehr raffiniert, diese Taillenlinie – aber was macht sie mit dem Oberkörper? Richtig, sie verlängert ihn. Was passiert dabei mit den Beinen? Sie werden kürzer. Schrecklich, oder? Ein Kleid, das die Beine verkürzt?.. Nicht, wenn man sich an die „Originallänge“ hält!

Die Rocklänge muss deutlich länger als der Oberkörper (genau gesagt, die Länge zwischen Schulter und runtergesetzter Taille) sein. Dann ist alles wieder richtig und an seinem Platz: schlanke Taille, weibliche Hüften, schwingender Rock, schmale Fesseln (sie sind IMMER schmal, wenn man als Vergleichsobjekt den 2 Meter-Rock weiter oben hat!). Die Silhouette stimmt wieder – und sie ist im Zweifelsfall immer wichtiger, als die absolute Körpergröße.

Hmmm, vielleicht sollte ich das Kleid doch noch einmal nähen…

Die Details

Ich liebe diese Brosche, gerade in Verbindung mit dem hohen Halsausschnitt! Gekauft bei Etsy.
Ich liebe diese Brosche, gerade in Verbindung mit dem hohen Halsausschnitt! Gekauft bei Etsy.
Auch ein wenig Vintage: Schuhe von Poetic Licence.
Auch ein wenig Vintage: Schuhe von Poetic Licence.

Und weil mich einige bei meinem ersten Vintage-Outfit gefragt haben, welche Oberbekleidung ich im Winter dazu trage: ich habe derzeit eigentlich nur die tolle – not! schwarze Steppjacke, herrlich leicht und bequem, im tollen Schwarz, das mir so gar nicht steht 🙂

Das Tuch in Mint ist natürlich selbst gestrickt!
Das Tuch in Mint (ja, Mint! Sorry für die Überbelichtung, das Licht war blöd an dem Tag…Oder ich 🙂 ) ist natürlich selbst gestrickt! Dieses Outfit ist natürlich eher für +8° denn für -8° tauglich… Wurde diesen Winter daher noch nicht so oft ausgeführt.

Das ist mein längster Blogpost bisher, somit ist es höchste Zeit, mich zu verabschieden – ich wünsch euch viel Spaß beim Stöbern in den heutigen MeMadeMittwoch Kreationen!

blaues schmales Kleid
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Blattadern in Blau – ein elegantes Jerseykleid

Als ich den Jersey in der „Sale“-Auslage meines Lieblingsstoffgeschäfts gesehen habe, wusste ich: der ist für mich. 4 Euro pro Meter, rauchiges dunkles Blau, und das Blatt. Ein riesiges Blatt, ein Meter hoch und ein Meter breit, durchzogen von Adern. Eines der schönsten Stoffe, die ich je gesehen habe… Das musste ein Kleid werden.

Auch wusste ich – da wird gestückelt, bis nichts mehr übrig bleibt vom Blatt. So schön es auch ist – ich bin leider/gottseidank nicht ein Meter breit, und – wofür war der Stoff mit dem Riesen-Rapport eigentlich gedacht? Ich kann mir keine Vorhänge oder andere Heimtextilien aus Jersey vorstellen…

Also wurde das Blatt zerstört, es musste schließlich ein urbanes Kleid fürs Büro werden; die Adern sollten weiterhin die fragile Ästhetik der Anatomie zur Schau stellen, ohne sich auf die konkrete Natur zu beziehen.

Jersey Kleid

Die Ausführung

Ausgegangen bin ich vom Modell 3B der Burda Easy Herbst/Winter 2015. Da steht was vom figurnahen Schnitt, und Jersey-Kleider sind in meinem Kopf immer eng geschnitten.

Ähm… insgesamt waren es um die 12 cm, die ich rund um die Taille, und sicher so an die 6 cm im Brustbereich, die ich weggenommen habe. Nur die Ärmel samt den Armausschnitten habe ich lassen können, wie sie sind – Burda hat immer schön schmale Ärmel!

Das Blattstiel habe ich exakt in der Körpermitte platziert, die Ärmel habe ich stückeln müssen – natürlich habe ich wie immer zu wenig Stoff gekauft. Exakt ein metergroßes Blatt 🙂

Und so trage ich es momentan im Büro. Zugeknöpft im (Kauf-)Blaser.

Jersey-Kleid mit Blazer
Habe ich erst mal den Blazer an, bin ich plötzlich viel weniger entspannt ))

Ändern oder so lassen?

Alles in einem ist es ein schönes Kleid geworden, wenngleich es mich nicht so glücklich macht, wie ich es gehofft habe. Der Jersey hält warm und fühlt sich angenehm an, wird aber schnell elektrisch und klebt zwischen den Beinen, meh.

Ich habe es schon oft getragen, aber mich darin nie so richtig „wow“ gefühlt. Irgend etwas hat mich immer gestört, das ich nie genauer benennen konnte. Eine Erleuchtung hatte ich, als ich dieses Foto vom „Shooting im schmutzigen Schnee“ gesehen habe:

Jersey-Kleid: Passform
So schrecklich das Foto auch ist – hier kommen die gestückelten Ärmel gut zur Geltung!

Meh. Es ist mir immer noch – zu groß. Schräge Falten in meinem (Hohl-)Kreuz, Falten unter den Armen… Dadurch, dass das Kleid nicht mal am Popsch richtig anliegt, formt das Blattmuster komische Kurven, die der Figur nicht wirklich schmeicheln.

Ich könnte die Rückennaht noch verschmälern. Mehr als 2-3 cm werden aber wohl nicht drin sein, und die Seitennähte könnten sich arg nach hinten verziehen… Soll ich, soll ich nicht? Ich habe so viele schöne neue Stoffe, die auf die Verarbeitung warten, andererseits, um das Kleid, das mir wirklich gut steht, ist es auch irgendwie schade…

Ganz viele richtige „Wow“-Projekte hat wie immer der MeMadeMittwoch zu bieten – viel Spaß beim Stöbern und ich hole mir auch gleich ein paar neue Inspirationen!

Mini-Tellerrock mit Nadelstreifen
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Geschäftstüchtig in Nadelstreifen – kurzer Rock fürs Büro

Maskulin, seriös, gedeckt – die perfekte Wahl fürs Büro?
Der hochwertige Wollstoff mit dezenten Nadelstreifen war ein Gelegenheitskauf beim großen Textil-Müller in Kritzendorf: für 3 Euro/Meter musste ich zuschlagen. Gleichzeitig war es mir bewusst, dass ich noch nicht so weit bin, einen klassischen Nadelstreif-Anzug zu schneidern – und außerdem: wäre das eine gute Idee?

Die große Zeit des soliden Nadelstreifens waren die optimistischen Jahre der Finanzbranche, die letzten Dekaden des vergangenen Jahrhunderts. Die 2000-er Jahre brachten Umbrüche mit sich, die dem Image des klassischen Banker-Anzugs keinen guten Dienst geleistet haben. Das Zeitalter des Business-Suits ist vorbei; für die nächsten Jahrzehnte, angefangen mit den Roaring Twenties 2.1. sage ich gar den Tod der klassischen Krawatte voraus.

Dennoch kein Grund, das schlichte Muster in Vergessenheit geraten zu lassen, dachten sich schon Designer wie Comme des Garçons oder Dries van Noten.

Und ich dachte: ich fand Nadelstreifen eigentlich immer sexy. Und nähte mir einen Rock. Weil ich zu dem Zeitpunkt nicht wirklich etwas anderes nähen konnte

Minirock – die Umsetzung

Obwohl ein Tellerrock mit schmalem Bund nun wirklich kein schwieriges Projekt ist, habe ich zum damaligen Zeitpunkt noch die volle Unterstützung meiner Nählehrerin im Kurs gebraucht. Mit ihrer Hilfe zeichnete ich den Schnitt, schnitt zu und machte die erste Anprobe.

„Sehr schön!“ sagten die Kurskolleginnen. „Hm,“ sagte ich.

Zu Hause kam dann der Reißverschluss samt dem Bund und dem roten Futter rein. Und dann kam die zweite Anprobe.

„Eh okay“, sagte mein Mann. „Was stimmt da nicht?“ fragte ich. Wie kann ein kurzer Rock langweilig sein? Ich wollte doch etwas Besonderes! ein Designerstück! Ich habe keine endlosen Modelbeine, vielleicht steht mir diese Art von Rock einfach nicht?

Zu diesem Zeitpunkt maß der Rock etwa zwei Handbreit über dem Knie. Ein klassischer kurzer weiter Rock. „Da muss was ab“, sagte mein Mann. Okay, aber nur 4 cm! Sonst kann ich mich ja nicht bücken, und überhaupt.img_9627

Zum Schluss wurden es sicher 20 cm bis zur aktuellen Länge. Mit jedem Griff zur Schere hat es mir immer besser gefallen. Und außerdem – warum soll ich mich im Alltag überhaupt bücken?

Mag sein, dass die Saumlinie nach den insgesamt 4(!) Längenanpassungen (wenn ich mich nicht irre, alle ohne Saumabrunder!) nicht mehr ganz perfekt gerade ist. Bei einem Tellerrock sowieso immer problematisch. Who cares!

Damit der Saum so schön steif fällt, wie gestärkt, habe ich innen noch ein rotes Schrägband für den extra Stand angenäht. Auch durch das Futter fällt der Rock noch schöner.

Für den Bund habe ich eine spezielle 2 cm Bundeinlage verwendet – ich habe sogar das zwei Jahre alte Foto vom Zuschnitt gefunden, wieso habe ich es überhaupt gemacht?

2015-11-14-09-04-25

16,25 ist übrigens ein Viertel meines damaligen Taillenumfangs 🙂 Die Viertel müssen natürlich auf dem Bund markiert werden, damit der Bund schön auf den Rock aufgenäht werden kann!

Und fürs Büro?

Die Antwort ist ja! Ich liebe den Rock immer noch und trage ihn sehr häufig im Winter.

Im Sommer lasse ich ihn im Schrank, nicht nur, da der Wollstoff so warm ist, sondern, da eine blickdichte Strumpfhose bei dieser Länge doch ein Muss ist 😉

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Bluse aus einem russischen Wolltuch, hier reingesteckt in eine ebenfalls von mir genähte Hose.
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Bluse à la Russe

Als Vollzeitangestellte mit vielen Hobbies und einer berufsbegleitenden Ausbildung für Modedesign habe ich nicht so viel Zeit zum Nähen, wie ich gerne hätte. Wer könnte das schon von sich behaupten 🙂 Damit ein Projekt bei mir in wenigen Tagen, in einem Atemzug vom Zuschnitt an fertig wird, muss ich dafür brennen, es in den Händen halten wollen – genau so, wie ich es mir ausgemalt habe!

Die Herkunft

Vor mehr als einem Jahr habe ich von meinen Verwandten in Russland zwei wunderschöne traditionelle russische Wolltücher geschenkt bekommen. Sie wurden, so wie alle Tücher dieser Art  in der Schalmanufaktur in der kleinen Stadt Pawlowski Possad (auch Pawlow Posad genannt) hergestellt, die seit 1795 existiert.  Die Farben sind sehr vielfältig, die Tücher bunt, aber nie grell; die Muster entweder Blumen oder Paisley. Manche verwendeten Muster existieren seit dem 19 Jahrhundert.

Die Tücher sind meist aus reiner Wolle (sollen ja warm halten im russischen Winter), oft werden sie mit Fransen aus reinem Seidenzwirn dekoriert. Mein Tuch wurde als aussortierte Meterware direkt ab Werk gekauft und hat somit keine Seidenfransen – ich wusste von vornherein, dass ich daraus etwas nähen möchte.

Die Idee

Es hätte ein Rock werden sollen – sehr naheliegend, sehr einfach.

Das Muster in der vorderen Naht passt! Ich habe auch seeehr sorgfältig geheftet und über gefühlte 40 Stecknadeln genäht.

Ich hatte auch schon das Futter und den Reißverschluss besorgt, aber irgendwie wurde das Projekt immer auf die lange Bank geschoben. Ich „sah“ den Rock nicht vor mir, nicht in meinem Kleiderschrank. Bis ich eines schönes Donnerstags von der Arbeit nach Hause kam und wusste: ich will eine Bluse aus diesem Stoff. Das Folkloremuster und die Farben sind wie gemacht für meinen Typ.

Freitags suchte ich das (schon mehrfach erprobte) Schnittmuster raus und fädelte die Maschine ein, am Samstag machte ich den Zuschnitt und alle Arbeiten mit der Maschine, Sonntag Mittag hatte ich die Bluse fertig. Wenn die Bluse nicht zur Gänze mit französischen Nähten gefertigt worden wäre, wäre sie noch schneller vollendet.

Die Umsetzung

Schnitt: Burda 11/2015, Größe 34 verkleinert auf 97%; in der Taille weitere 1,5cm weggenommen.
Den Schlitz beim Ausschnitt habe ich halbiert und er ist immer noch tief 😉 Die Seitenschlitze habe ich hingegen weniger hoch gemacht.

Statt einem Verschlussknopf beim Kragen: unsichtbare Häckchen für einen cleanen Look.
Ärmel sind um ca. 8cm verlängert.

Die Hose auf den Bildern ist ebenfalls selbst genäht: auch dieses Schnittmuster ist von Burda (2/2016). Größe 34, verkleinert auf 97,7%, ansonsten unverändert. Der Stoff ist ein waschbarer Wollstoff mit einem Elastan-Anteil.

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Die schmale Hose mit dem hohen Bund und die fließende Bluse machen eine weibliche und dynamische Silhouette 🙂

 

In meinem Kleiderschrank

Mit der Bluse habe ich wahrlich einen Star meiner Garderobe geschaffen. Abgesehen davon, dass der Schnitt sitzt, passt und einfach gut aussieht, passt die Bluse zu drei Röcken von mir, einer Hose und natürlich zu Jeans. Außerdem kann ich sie gut unter einem ärmellosen Wollkleid tragen.

Für die kleine Bluse habe ich übrigens nur eines der 1,45×1,45 Tücher gebraucht, das heißt, ich habe noch eines, das genau so aussieht in meiner Stoffkommode. Auch das wird kein Rock – am liebsten würde ich viel dunkelblauen Samt dazu kaufen und ein bodenlanges Kleid schneidern, wer weiß…

Die schmalen Ärmel sind Burda-typisch.
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kariert und bodenlang

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Das karierte Kostüm, also der lange Rock und der passende Pulli waren beides recht frühe Projekte – als ich mich erst mit dem Gedanken anfreunden musste, dass ich jetzt Sachen machen kann, die ich mir ausgemalt habe – einfach so.

Deshalb habe ich für den Rock sage und schreibe 10 Monate gebraucht – nicht, weil es so ein schwieriges Projekt war, sondern weil ich nach dem (übrigens tadellosem!) Einsetzen des Reißverschlusses Bammel bekommen habe: das soll ich anziehen? anziehen und so auf die Straße gehen? Das ist doch viel zu… schön?

Fertiggestellt habe ich ihn schließlich, weil mich der karierte Stoffberg in meiner Handarbeitskiste so genervt hat 🙂

Stoffberg – ja, der Rock ist ein wahrer Stofffresser 🙂 Zum Glück habe ich den Wollstoff bei Müller Textilverkauf erstanden: 4,5 Meter mal 3 Euro pro Meter. 4,5, weil ich mir im ersten Größenwahn eingebildet habe, ich möchte einen vollen Tellerrock, keinen halben Teller. (Da hätten aber die 4,5 nicht gereicht! Außerdem wäre er viel zu schwer geworden). Daher ging sich auch der Pulli aus, wobei ich immer gesagt habe, nie, nie würde ich die beiden Sachen gemeinsam tragen! Viel zu gewagt 😉

Umsetzung

Rock: halber Teller, selbst konstruiert. Bund: 6 cm hoch, mit 3 kleinen Knöpfen.

Top: Modell Burda 2/2016. Anpassungen: verkleinert auf 97%. Außerdem habe ich einen Saumbesatz hinzugefügt, da ich aus irgendeinem unerklärlichen Grund die Saumzugabe beim Zuschnitt einfach weggelassen habe. Nun bin ich aber sehr glücklich damit: der Musterbruch gibt das gewisse Etwas, und ach, der Schlitz hinten!

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Die schmalen Ärmel sind Burda-typisch. Bin jedes Mal erstaunt, wie gut sie ins Armloch passen und über den hervorragenden Sitz.

Auf manchen Fotos wirkt der Pulli zu klein – seine Passform war aber perfekt, bevor ich ihn mal zu heiß gewaschen habe. Also nochmal zum Mitschreiben: Wolle wäscht man bei 30° in der Maschine, niemals bei 40°!

Eine Schwierigkeit beim Rock war das Zusammentreffen der Karos in der Seitennaht – war selbst erstaunt, wie gut mir das gelungen ist, als ich den Rock nach der neunmonatigen Versenkung wieder herausgeholt habe!

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Wiener Börse. Ich fühle mich so… 19. Jahrhundert 🙂

Details

Rock Futter mit Spitzensaum
Rockfutter mit Spitzensaum
Auch der Saumbesatz des Pullis ist passend gefüttert.
Auch der Saumbesatz des Pullis ist passend gefüttert.
Original Yves Saint Laurent Knöpfe am Bund (gekauft in Berlin!)
Original Yves Saint Laurent Knöpfe am Bund (gekauft in Berlin!)

 

Und im Alltag?

Es ist ein Traum. Ich brauche mehr lange Röcke 🙂

Könnt ihr es euch vorstellen, im tiefen Winter immer eine warme kuschelige Decke bei euch zu haben, egal, wo ihr hingeht? So ein Gefühl ist das. Meine Beine sind vor Wind geschützt, und sobald ich mich hinsetze, ist mir warm und wohl.

Wenn ich mir die aktuellen Kollektionen ansehe, bin ich überzeugt, dass die Maxi-Länge, die sich in den vergangenen Jahren zaghaft angekündigt hat, erst im Kommen ist.

Ich bin ja froh, dass die Un-Länge der Nullerjahre – ein, zwei Handbreit über dem Knie nicht mehr als DIE Rocklänge existiert und uns verkauft wird. Bedeckte Knie sind um so viel weiblicher. Ganz kurz ist um so viel dynamischer.

Also auf zu neuen Mini-, Midi- und Maximodellen!

P.S.: Fräulein Rottenmeier

…hat mich eine Nähkollegin auf Facebook genannt. Im positiven Sinn 🙂 Ich liebe den Vergleich!