Outfit Shorts und Seidenbluse
Nähen

Doch noch ein Sommerprojekt: Seidenbluse mit Vogelprint

Wie ich schon letztes Mal geschrieben habe, dieser Sommer war alles, aber nicht sehr aktiv. Ich konnte und wollte weder meine Tätigkeiten für den Blog noch das Nähen im gewohnten Tempo weiterführen. Nun, dann ist es einfach so. Noch ein Schritt zum gelebten Minimalismus.

Noch vor zwei, drei Jahren wäre das vermutlich der Punkt gewesen, an dem ich diesen Blog aufgegeben hätte. Mein Leben ist etwas anders, als ich es mir vor Monaten vorgestellt habe. Ein neuer Blogbeitrag jede Woche ist im Moment einfach nicht drin. Auch das Nähen kommt momentan viel zu kurz – obwohl ich hoffe, dass sich zumindest das in den kommenden Wochen und Monaten ändert.

Aber jetzt sage ich – es ist gut, dass es den Blog gibt. Es ist meine eigene kleine Welt und mein virtuelles Zuhause. Und ein Zuhause bleibt ein Zuhause, auch wenn man sich dort nicht besonders oft sehen lässt – das kenne ich noch aus meinen Teenager-Zeiten 🙂 Also bleibt der Blog und damit zumindest monatliche Updates. Zu sagen hätte ich nämlich immer noch viel!

Gefühlsmäßig habe ich im Juli und August gar nicht genäht, aber es ist dann doch diese Seidenbluse entstanden.

Outfit mit Seidenbluse

Das waren die kleinen Schritte. Nicht alles auf einmal machen wollen. Mal fünfzehn Minuten am Stück arbeiten, dann nur fünf.

Goldwert ist dabei ein eigener Arbeitstisch, auf dem ich alles stehen und liegen lassen kann bis zum nächsten Mal. Hätte ich den nicht, würde der schöne Seidenstoff wohl immer unberührt in meiner Stoffkommode liegen.

Outfit Shorts und Seidenbluse

Bluse:

Burda 11/2016, Größe 34, fast unverändert (an der Taille 4 cm weggenommen, was man aber gar nicht merkt).

Stoff: 100% Seide aus Paris (gekauft 2016). Er war nicht günstig, also habe ich die Schnittteile mit ach und krach auf 1,2 Meter verteilen müssen.

Das gesamte Outfit:

Shorts: Dorothy Perkins (hm, ja, gekauft, obwohl ich heuer schon diese schöne kurze Hose genäht habe. Dazu mal bei Gelegenheit mehr). Langes Top für unten drunter: ebenfalls Dorothy Perkins.

Schuhe: Michael Kors 2016

Outfit Seidenbluse und weiße Ballerinas

Bitte macht nicht den gleichen Fehler…

Falls ihr die Bluse nachnähen wollt – im Grunde ist es ein einfaches und dankbares Projekt. Passform-Probleme kann ich mir hier beim besten Willen nicht vorstellen, die Bluse ist weit genug. Der Ausschnitt ist gr0ß, aber sogar bei meiner hoch angesetzten Brust kein Problem und immer noch züchtig genug, schaut her:

silk blouse
Das ist aus einem anderen Shooting, ohne Top drunter und ein wenig kränklich 🙂

Nur macht nicht denselben Fehler wie ich und lasst den Reißverschluss weg!! Für einen Nahtreißverschluss brauche ich immer noch rund 30-45 Minuten: meine kostbare Zeit! Da hätt ich fast ein nächstes Projekt zuschneiden können!

Der Ausschnitt ist wirklich weit genug, und wenn mein Kopf anderthalb Mal so groß wäre 🙂 Außerdem ist der Reißverschluss schwer (nein, natürlich nicht, aber immer noch schwerer als der zarte Seidensatin) und zieht dadurch den vorderen Saum nach hinten.

Outfit mit Shorts und Seidenbluse
Daaaa, die ganz leichte Kurve 🙂

Seidenbluse Vogelprint

Der hintere Ausschnitt würde natürlich weicher fallen und nicht so hart abstehen, wenn der Reißverschluss nicht wäre. Übrigens: wie stellt denn Burda sich das vor, das Originalmodell ist aus einem noch feinerem Stoff gemacht?

Bei meinen nächsten Blusenprojekten werde ich auf jeden Fall immer den Ausschnitt ausmessen und mich dann entscheiden, ob ein Nahtreißverschluss notwendig ist oder nicht. Ein kleiner Schlitz mit Knopf ist im Zweifelsfall auch schnell gemacht und macht den Stoff nicht gleich so steif.

Ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem Projekt, in den Vogelprint bin ich immer noch so verliebt wie vor einem Jahr und die Schulterpassen machen die Bluse ein bisschen anders:

Seidenbluse - Schulterpassen

Das ist übrigens mein drittes Projekt mit einem Vogelprint 🙂 Könnt ihr euch noch an diese ärmellose Bluse und an dieses Eulen-T-Shirt erinnern?

Uuuund: ich habe noch was 😉 Ich bin ein Freak, ich weiß. Mal sehen, ob ich euch das nächste Mal über die Capsule Wardrobe update oder gleich im Anschluss das vierte Vögelchen-Kleidungsstück präsentiere 😉 Habt ihr vielleicht einen Wunsch dazu?

Ganz liebe Grüße

Juli

 

Sommerkleid selber genäht
Nähen

Für die Sommer-Capsule: Mein Kleines Schwarzes ist bunt bedruckt

Beim heutigen MeMadeMittwoch möchte ich ein Kleid vorstellen, das in meiner ersten Capsule Wardrobe die Funktion des Kleinen Schwarzen übernimmt.

Kleid in Petrol, gemustert

Der Stoff

Polyester-Reststück vom Abverkauf-Wühltisch (Habe ich nicht gesagt, ich kaufe nur hochwertige Stoffe? Asche über mein Haupt… Aber es ist auch vor einem Jahr passiert, und ich muss gestehen, auch die Fotos sind somit ein Jahr alt. Das ist also mein erstes Blog-Fotoshooting, sechs Monate bevor ich den Blog „blaue Seide“ eingerichtet habe.)

Warum habe ich denn das Polytierchen gekauft, hatte ich doch schon damals eine aus allen Nähten platzende Truhe mit Stoffen daheim? Es waren natürlich die Reitermotive – hat sonst jemand von euch gleich an Hermès gedacht?

Das Schnittmuster

Wieder mal von Burda, aus einer Sommerausgabe des vergangenen Jahres.

Der Schnitt ist eigentlich für Jersey ausgelegt, aber es gibt ihn erst ab Größe 36 und ich mit meiner kleinen 32/34 dachte, es wird schon auch mit Webstoff gehen. Habe den Schnitt sogar etwas verkleinert, den Halsausschnitt aber vergrößert, damit der Kopf ganz sicher durchpasst. Wäre, glaube ich, gar nicht notwendig gewesen. Es gibt keinen Zip oder anderen Verschluss, ich streife es einfach über.

Die Länge habe ich absichtlich original gelassen; eventuell habe ich das Kleid sogar um einige cm verlängert. Noblesse oblige, mich erinnert der Stoff nun mal an die großen Seidentücher und Strandtunikas von Hermès 🙂

Schlichtes Kleid in Petrol Reitermotive

Das Sommerkleid

Wenn man dreißig Tage lang mit nur einem Kleid auskommen muss/will, ist dieses Modell perfekt, sage ich mal. Es erfüllt alle Kriterien, die dem Kleinen Schwarzen Kleid laut Chanel zugeschrieben werden:

Es steht mir.

Die Legende besagt, dass Chanel mal gesagt habe, ein kleines schwarzes Kleid steht allen Frauen. Gabrielle Coco Chanel war eine ausgezeichnete Geschäftsfrau und außerdem mit einem herrlich kontrastreichen Aussehen gesegnet, mit dunklen Haaren, scharf gezeichneten Augenbrauen und schwarzen Wimpern. Ein schwarzes Kleid steht vielen Frauen, vor allem aber jenen mit mit dunklen Haaren, scharf gezeichneten Augenbrauen und schwarzen Wimpern 🙂

Ich bin ein heller-kühler Sommertyp, mir steht Babyblau, und Eierschalen-weiß, und Mint, und Altrosa und ein bisschen auch Petrol. Trage ich reines pures Schwarz, muss ich vor allem eins: mich schminken. Scharfe Augenbrauen zeichnen, und schwarze Wimpern malen, und wenn ich dazu noch einen Hut aufsetzen dürfte, der meine Haare zum Großteil verdeckt – whoa! Ja, Schwarz steht allen Frauen!

Grund Nummer zwei:

Man kann es auf- oder abstylen. Mit schwindelerregenden High Heels kombinieren, wie beim obigen Shooting (Gottseidank habe ich die Schuhe nicht mehr, sie waren schrecklich) oder mit flachen Ballerinas tragen. Oder geflochtene Römer-Sandalen. Und jedes Mal sehe ich etwas anders aus.

Kleid in Petrol

Und zuletzt:

Es sieht (zumindest in meinen Augen) hochwertiger aus, als es ist.

Die Herstellungskosten betrugen weniger als 10 Euro. Ich finde, es ist die Kombination, die es ausmacht: der Druck; der einfache, aber raffinierte Schnitt (schaut nur, wie die Ärmel fallen, hach!). Es ist kurz, es hat einen breiten Ausschnitt und relativ kurze Ärmel, aber für ein Sommerkleid ist es doch recht – hochgeschlossen. Auch das mag ich sehr.

Sommerkleid selber genäht

Und noch einmal zur Caplsule Wardrobe

Mal sehen, wie das Kleid sich als das Sommerkleid der kommenden 30 (nun nur mehr 27!) Tage macht, wie oft und wie gerne ich es tragen werde. Im Moment habe ich übrigens noch das Gefühl, 20 Kleidungsstücke sind eine richtig große Menge und ich werde sicher nicht „hungern“. Das Kleid habe ich allerdings noch nicht getragen.

Liebe Grüße an alle MMM-Kolleginnen und nun gehe ich in der heutigen Ausgabe stöbern! Was habt ihr Schönes für den Sommer genäht?

 

 

mein kleiderschrank
Nachhaltigkeit

Capsule Wardrobe die Erste – Minimalismus trifft auf Kleiderschrank

Minimalismus ist nun wirklich kein neues Thema in meinem Zuhause. Es ist über zwei Jahre her, dass ich die Hashtags #minimalism und #simplicity zum ersten Mal verwendete – da stellte ich auf Instagram ein Bild von meinem Bad rein – auf dem Badewannenrand nichts als Seifenschale aus Holz und Stück Seife. Und das Beste: das Bad sieht noch immer (fast) so aus.

In den vergangenen Monaten ging ich mehrmals alle Möbel, alle meine Besitztümer durch, mistete immer wieder nach verschiedenen Methoden aus (für die Freaks unter euch: ja, auch nach der KonMari-Methode), trennte mich von Sachen, die mich nicht glücklich machen, legte Shoppingpausen ein, die sogar länger dauerten als beabsichtigt, und und und.

Ich habe das Gefühl, immer noch am Anfang zu sein, aber unsere Wohnung wirkt bereits viel luftiger und geräumiger, meine Träume von eigenem Nähzimmer und Wäschetrockner wurden wahr und wir konnten uns vorerst von unserer Putzhilfe trennen. Weniger Möbel und Gegenstände, mehr technische Unterstützung = halbierte Zeit zum Putzen.

Minimalismus – ja, im Kleiderschrank? Nein!

Kann ich mich also als fortgeschrittene Minimalistin betrachten? Vor einer Königsdisziplin habe ich mich bisher gedrückt, so oft ich auch meinen Kleiderschrank ausgemistet habe: dem Capsule Wardrobe!

Die Idee ist schon ein alter Hut: man wählt sich eine Anzahl Kleidungsstücke für eine Anzahl von Tagen aus und – hält sich daran. Quasi leben aus dem Koffer – aber zu Hause.

Besonders oft gelesen habe ich von „Projekt 333“ – man trägt im Laufe von 3 Monaten nur 33 Kleidungsstücke, und das inklusive Schuhe und Accessoires! Klingt nicht wirklich sexy, oder? Habe ich auch lange genug gedacht. Minimalismus hin oder her: aber ich nähe doch! Ich möchte doch Spaß an meiner selbstgemachten Kleidung haben! Ich habe doch gar nicht so viel, mein Gesamtbestand liegt unter dem deutschen Durchschnitt, glaubt man den Zahlen von Greenpeace… Da muss ich mich nicht auch noch künstlich beschränken…

Und dann machte es klick. Und zwar lustigerweise bei genau diesem Bild auf Pinterest:

capsule wardrobe
Quelle: Pinterest

Es muss das Bild des halbleeren Kleiderschranks gewesen sein, das mich so angetörnt hat 🙂 Auch in de neu geschaffenen „leeren“ Flächen meiner Wohnung verliebe ich mich immer und immer wieder. Luft ist eindeutig das Element meiner letzten Jahre.

Und da wurde es mir im Bruchteil einer Sekunde klar: Ich möchte es mit einer „Kleiderkapsel“ probieren. Auch die Vorteile lagen mir plötzlich auf der Hand – wieso habe ich nicht früher in diese Richtung gedacht?

  • Mit einer funktionierenden und gut durchdachten Kapsel nähe ich nur Sachen, die perfekt zu mir passen und verschwende nicht meine ach so rare Nähzeit, um Kleidungsstücke zu erstellen, die doch eher… Schrankhüter sind (hust-hust, zum Beispiel dieser wunderschöne Minirock).
  • Sobald ich eingesehen habe, wie wenig Kleidung ich eigentlich brauche (und das werde ich doch hoffentlich einsehen?!), werde ich umso mehr Sorgfalt beim Nähen aufwenden und mich immer mehr perfektionieren, anstatt das vierte T-Shirt in Folge rauszuwerfen. Da nähe ich in dieser Zeit doch lieber eine Weste mit echten Paspeltaschen oder einen aufwändig drapierten Rock, den sonst niemand hat.

Ich glaube, da war noch was, aber das fällt mir gerade nicht ein, und ganz ehrlich: diese beiden Vorteile sind es auch schon richtig wert, einfach zu starten.

Am liebsten hätte ich gleich am nächsten Tag angefangen! Ich habe mich entschieden, mal 20 Kleidungsstücke auszuwählen und das 30 Tage lang durchziehen. (Nur 20 Teile! Oh Mann! Ausgenommen in diesen Konzepten ist stets Funktionskleidung: also Kleidung zum Trainieren, zum Schlafen, zum Wandern, zum Schwimmen. Vorerst habe ich auch Schuhe und Taschen ausgenommen, aber davon habe auch nicht soooo viel.)

Allerdings werde ich damit etwas warten, denn die 30 Tage möchte ich natürlich am Stück machen und dazwischen verbringe ich ganze zwei Wochen im Norden. Eine Kapselgarderobe ist natürlich nicht für einen Klimawechsel dazwischen gedacht – deshalb erstellt man sie in der Regel für jede Jahreszeit neu. Ich fahre aber quasi vom Sommer ins Frühjahr zurück 🙂

Mitte Juni komme ich zurück, und dann geht’s los! Meine Auswahl ist getroffen, der Kleiderschrank vorbereitet. Aber seht selbst:

Hosen und Jeans

Jeans und HoseKurze Hose

Ohne Jeans kann ich nicht, sie werde ich mir IMMER, IMMER kaufen. Dafür ist die Hose selbst gemacht und oft getragen, seht mal hier und hier.

Die kurze Jersey-Hose ist eigentlich schrecklich, aber ich liebe sie sehr. Sie ist so herrlich bequem und lässig, ich trage sie sogar im Winter (mit Strumpfhosen). Ein edler selbstgemachter Ersatz muss her!

Drei Röcke

Alle selbstgemacht! Einen davon habe ich noch nicht verbloggt, den Bleistiftrock und den Valentino-Rock habe ich hingegen schon vorgestellt.

Statt dem kleinen Schwarzen: ein kleines buntes Sommerkleid

Darüber möchte ich auf jeden Fall noch schreiben. An welchen Designer erinnert euch das Muster? Natürlich selbst genäht.

Kleid

White Shirt – habe ich!

Meine geliebte weite weiße Bluse – gekauft letztes Jahr und seeehr oft getragen.

Weiße Bluse

Shirts und Tops

Ich mag Vögelchen 🙂 Die Taube in der Mitte sagt übrigens „I will shit on everything you love“ und ist auf der einzigen FairFashion Messe gekauft, die ich je besucht habe. Vielleicht sollte ich öfter auf solche Messen gehen.

Blusen und Tops mit Ärmel

Hm. Ich sehe, da bleibe ich einer Farbfamilie treu. Die ersten beiden sind gekauft.

Tanktop

Heißgeliebt (gekauft)

Tanktop

Pullover, Cardigan, Blazer

Jeweils eins von jeder Sorte, denn wir haben ja Sommer. Der Pulli ist zudem ohne Ärmel, dafür mit Kapuze. Selbst gestrickt. Der Cardigan ist vor Ewigkeiten gekauft. Den Blazer habe ich bereits gebraucht von einer Kollegin bekommen und habe ihn bereits sehr, sehr oft getragen. Er passt eben zu mir.

Und dann – räumte ich den Kleiderschrank neu ein!

Kleiderschrank ganz

Ach, verdammt. Haha 🙂 Er ist ja gar nicht halbleer! Eigentlich sieht DAS wie ein normaler Kleiderschrank aus. Nicht das, was die meisten von uns die meiste Zeit haben.

Ich glaube, ich komme damit 30 Tage gut über die Runden. Updates werden folgen. Ich bin selbst sehr gespannt, wie es mir damit geht, ob ich mich wohlfühle oder das Konzept vorzeitig über Bord werfe…

Ach was, aufgegeben wird nicht! Ich halte euch am Laufenden, meine Lieben 🙂

P.S.: Ich habe nachzählt. Es steht tatsächlich 10:10 – 50% gekaufte Teile, 50% selbstgemacht. Ein guter Schnitt, finde ich. Es zeigt, dass ich viele wirklich „tragbare“ Teile nähe, die ich gerne in eine einschränkende Kapsel aufnehme und die sich gut untereinander kombinieren lassen. Ansonsten: das Verhältnis könnte auch 18:2 sein. Denn  eine Jeans ist das Einzige, was ich nun wirklich immer, IMMER kaufen werde!

 

Lolita Rock Innocent World
Nachhaltigkeit

Follow the white rabbit – auf dem Weg zur Nachhaltigkeit

Der Rock, von dem ich heute berichten werde,  ist nicht natürlich mein allererstes Second Hand Teil. Wer hat als Kind nicht bereits getragene Kleidung bekommen?

An ein Hemdchen aus meinen Kindertagen kann ich mich besonders gut erinnern: aus feinstem Batist, mit kurzen Ärmeln, Kragen mit Steg, „wie bei den Großen“ und – einer verdeckten Knopfleiste! Und das Ende Achtziger in der Sowjetunion,  der Zeit der kratzenden Strumpfhosen, kratzender Unterhemden, kratzender Schuluniform, drückender Schuhe… Weil es nichts anderes gab. Noch nie zuvor und auch jahrelang danach habe ich keine verdeckte Knopfleiste gesehen, das war wie ein Gruß aus einer anderen Welt. Das war es  höchstwahrscheinlich auch – aus dem „Ausland“, dem „Westen“, „von drüben“, und noch zehn andere Synonyme für diese andere Welt; und dieses Hemd war eine Metapher für all das, was es alles in dieser Welt anders war. Dünner Batist in zartrosa, Brusttaschen und Knopfleiste. Ein Kinderhemd von besserer Qualität als jede Erwachsenenkleidung in unserem kleinen Haushalt damals.

Und so hat dieses Hemdchen von damals, das erst im Zuge unseres Umzugs nach Österreich in die nächsten guten Hände kam, eine Gemeinsamkeit mit dem geliebten Alice-Rock, meinem nächsten „ersten“ Second Hand Fundstück zwanzig Jahre später: in „neu“ hätte ich es nie haben können. Hätte ich es mir nicht leisten können? Nein, vielleicht aber doch, je nach dem… Viel eher wäre ich gar nicht damit in Berührung gekommen, diese Welten könnten genau so gut  verschiedene Planeten bevölkern: hochwertige Kinderkleidung aus Europa und ein Kind der sowjetischen Unterschicht, eine Angestellte aus Wien mit einem Faible für H&M, Primark & Co und die japanische Lolita-Marke…

innocent-world-alice-im-wunderland-second-hand
„So she was considering, in her own mind (as well as she could, for the hot day made her feel very sleepy and stupid), whether the pleasure of making a daisy-chain would be worth the trouble of getting up and picking the daisies, when suddenly a White Rabbit with pink eyes ran close by her.“

Ja, damals machte ich mir noch keine Gedanken über nachhaltigen Konsum, Umweltverschmutzung und faire Löhne, ich hatte mehr Billigshirts im Schrank als ich heute insgesamt an Kleidung besitze und die Rana Plaza Fabrik in Bangladesh stand noch acht Stockwerke hoch und unversehrt.

Das kommt alles auf mich zu ein paar kurze Monate später und zwar gleichzeitig: meine Ernährungsumstellung, Bilder von Plastik in Meeren, über 80% aussortierte Kleidung, die nicht mehr passt (wovon ich wiederum 80% sowieso nie oder nur ungern trug), Medien und Blogger schreiben über Rana Plaza, Nähen und Stricken sind meine neuen Leidenschaften, erste Gedanken zum Minimalismus  und, trotz allem: meine Desorientierung.

innocent-world-second-hand-skirt
„…Alice started to her feet, for it flashed across her mind that she had never before seen a rabbit with either a waistcoat-pocket, or a watch to take out of it, and burning with curiosity, she ran across the field after it, and was just in time to see it pop down a large rabbit-hole under the hedge.“

Was mache ich und wofür? Was kann ich alleine schon bewirken? Zieht nicht jeder Flug, den ich antrete, einen dicken Strich durch meine lächerlichen Bemühungen, „doch was für die Umwelt zu tun“? Oder gar jede gekaufte Packung von in Plastik eingewickelten Erdbeeren? Habe ich es nicht auch so schon schwer genug, aufgewachsen mit dem Gegenteil von Überfluss, und nun, bei aller Kaufkraft, von der Bekleidungsindustrie für Erwachsene oft  übersehen? Wo finde ich einen BH in Größe 60C? Und dann noch fair produziert?

Der Rock war zu dem Zeitpunkt schon gekauft, in einem Pariser Second Hand Shop mit Ausrichtung auf Lolita und Underground-Kulturen, einem Shop, den es leider nicht mehr gibt. Ich kaufte ihn trotz meiner Abwehrhaltung gegenüber „getragenen Sachen“ und obwohl er mir zum damaligen Zeitpunkt etwas zu klein war – wegen dem weißen Kaninchen aus „Alice im Wunderland“.

innocent-world-alice-im-wunderland-rock
„In another moment down went Alice after it, never once considering how in the world she was to get out again.“

Das weiße Kaninchen mit Westentasche und Uhr darin führte mich mit kleinen Schritten in eine andere Welt – nach diesem Kauf betrat ich keine einzige Primark-Filiale mehr. Lernte richtig nähen. Kaufte mein erstes „Fairmade“ Kleidungsstück….

Fast vier Jahre sind vergangen – und ich bin erst am Anfang dieses Weges, von dem ich nicht weiß, wohin er mich führen wird. Ja, ich kaufe immer noch Erdbeeren in Plastik. Mein großer Kleiderschrank ist mittlerweile halbleer (halbvoll?) und wird es auch bleiben. In den letzten 30 Monaten erwarb ich nur wenige Kleidungsstücke, einen Teil davon gebraucht.

In Gedanken bereite ich mich auf eine neue kleine Challenge vor – mehr dazu im nächsten Post.

innocent-world-second-hand-rock
„The rabbit-hole went straight on like a tunnel for some way, and then dipped suddenly down, so suddenly that Alice had not a moment to think about stopping herself before she found herself falling down what seemed to be a very deep well.“

Rock: Innocent World (eine japanische Classic Lolita-Marke)

Bluse: gleiches Burda Schnittmuster wie hier (Bluse aus russischem Wolltuch). Genäht aus einem Reststück dünnem Batist (Batist? Ja, so schließt sich der Kreis wieder 🙂 Ich kann das Schnittmuster sehr empfehlen: die Bluse fällt schön, sieht edel aus und ist an einem Tag genäht, selbst mit französischen Nähten, wie hier.

Schuhe: Pas de Rouge

Zitate: Lewis Carroll, „Alice’s Adventures in Wonderland“ (1865)

Hose aus Woll-Seiden Mischung, Tweed
Nähen

Violett, orange und rosa – so trage ich die neue Hose!

Ich gehöre zu den Menschen, bei denen Tasche und Schuhe farblich nie zusammenpassen.

Es gibt ja bekanntlich solche und solche. Laut meinem Gefühl gehöre ich eindeutig zu einer Minderheit – egal, welches Land, welche Generation und welcher Verwandtschafts- und Bekanntengrad  – was hatte ich nicht schon mit Tipps zu kämpfen, wie:

Wundervolle neue Schuhe hast du! Taupe ist jetzt in! Jetzt musst du nur noch die passende Tasche in Taupe finden!

Schau, du hast doch diese tolle blau-weiße Tasche – ich habe heute bei meinem Spaziergang direkt neben dem einen Geschäft gleich bei der U-Bahnstation, du weißt schon, hinter der Straßenbahnlinie, blau-weiße Schuhe entdeckt – du musst gleich morgen hin und sie kaufen!

Deine roten High Heels sind so schön! Ich habe heute den ganzen Vormittag auf Zalando gestöbert und endlich eine perfekte rote Tasche dazu gefunden! Wart, ich schick dir den Link!

Ähm, ja. Danke. Schau ich mir an.

Es gibt nicht nur Farben! Die Kinder lernen im Kindergarten Farben, rot, gelb, und blau, und weiß was ich noch, aber sie lernen auch: matt und glänzend, flauschig und glatt, und dann gibt es noch voluminös und kompakt, schlicht und üppig, und und und… Es ist eine unendliche Spielwiese.

Soviel zu Schuhen und Taschen – und wenn dann noch ein andersfarbiger Gürtel dazu kommt? Empfindliche Gemüter, jetzt bitte wegschauen 😀

Hose aus Woll-Seiden Mischung, Tweed

Das Outfit:

Tweedhose aus einer Woll-Seidenmischung, selbst konstruiert in der Modeakademie.

Hemdbluse: auch selbst konstruiert, und hier vorgestellt.

Gürtel: Hugo Boss und noch zu haben (Zalando)

Schuhe: Pas de Rouge

Tasche: DKNY, meine große Liebe

Die Tweedhose

Es ist meine zweite Hose, die ich genäht habe – und dann gleich auch noch selbst konstruiert!

Es war ein angenehmes und relativ schnelles Projekt. Das Schnittmuster hat auf Anhieb gepasst, was meine Lehrerin im Kurs sehr erstaunt hat – ich habe wohl eine richtige „Hosenfigur“. Dem Grundschnitt habe ich ordentlich Weite dazugegeben, um eine richtige Businesshose zu bekommen – die nächste Hose werde ich aber wieder enger machen. Es ist doch etwas ungewohnt.

Tweedhose Passform von hinten

Die seitlichen Eingriffstaschen waren gar nicht schwer zu nähen – die würde ich am liebsten nun überall einsetzen! Und, oh, jetzt weiß ich, wozu die ganzen Baumwollschnipsel gut sind, die ich immer aufhebe!

Buntes Taschenfutter, Tweedhose

Alles in einem bin ich sehr glücklich und stolz auf mich. Ich habe ein komplettes Outfit fürs Büro genäht – businesslike und maßgeschneidert. Jahrelang habe ich außer Kleidern nur Jeans und Jersey-Tops ins Büro getragen. Kaufhosen und -Röcke alle viel zu groß, und die Passformprobleme mit Blusen habe ich ja auch schon beschrieben.

Nun habe ich aber das Schnittmuster, dass ich unendlich optimieren und reproduzieren darf 🙂 Ein dünner grauer Wollstoff liegt auch schon gewaschen und wartet auf den Zuschnitt. Ich muss mich nur noch entscheiden, ob ich das Taschenfutter diesmal  in mint oder weinrot haben möchte…

Tweedhose Outfit mit Gürtel Hugo Boss

Und wie sieht es mit euch aus? Ich bin gespannt 🙂

Schuhe-Tasche-Gürtel, was soll zusammenpassen? Die Farbe? Die Textur? Der Stil? Oder kann man eh alles tragen, wie einem der Sinn danach steht 😀

Und was habt ihr schon alles an Business Kleidung genäht?

Ich präsentiere das Outfit wieder mal beim MeMadeMittwoch, wo auch die heutige Gastgeberin Dodo ihre Lust auf Farben vorstellt…

 

Vintage Gucci Shawl with ducks
Nachhaltigkeit

Slow Fashion Outfit mit Vintage Tuch von Gucci

Was bedeutet Slow Fashion für euch?

Für mich sind es alle Wege, die dazu führen, den Konsum von Kleidung zu reduzieren und in bewusstere Bahnen zu lenken. Kleidungsstücke besser aussuchen, länger tragen, unterm Strich weniger besitzen…

1.) Kleidung selber herstellen.

Ideen lange ausbrüten, Zeit finden, sie zu verwirklichen. Das Nähen von einer einfachen Hose dauert bei mir schon mal 30 Stunden, wie ich es im letzten Beitrag festgestellt habe. Um einen Pullover zu stricken brauche ich schon mal 5 bis 8 Monate… (Und nein, ich habe nicht die Feinmotorik einer Vierjährigen beim Stricken, wohl aber einen Vollzeitjob andere Hobbys, und und und… 🙂 🙂 )

2.) Kleidung bei namhaften zertifizierten „Öko-Anbietern“ erwerben.

Ich muss zugeben, hier habe ich am wenigsten Erfahrung. Es gibt dazu aber viele gut aufbereitete Blogs mit Tipps und Berichten. Ich habe mich in diese Richtung gar nicht vorgetastet, da eine oberflächliche Recherche ergeben hat, dass die meisten dieser Produzenten Kleidung ab Größe 36 anbieten, ich habe aber im besten Fall eine 32. (Achtung!! Marktnische 🙂 )

3.) Second Hand und Vintage Kleidung

Auch da bin ich erst am Anfang, freue mich aber schon auf mehr. Ich hätte nie gedacht, dass ich gerade in Second Hand Shops Sachen finden kann, die perfekt zu mir und meinem Stil passen! Dass alte Kleidung von einer Aura umgeben ist, die ich sonst nur von meinen selbst gemachten Sachen kenne. Und ganz ehrlich: Dass man  auch jahrzehntealte Kleidung in einem einwandfreiem Zustand  bekommen kann.

 

Slow Fashion Gesamtoutfit

Hier ist mein heutiges Slow Fashion-Outfit:

Lace-Pullover aus russischem Mohair, selbst gestrickt. Auch hier vorgestellt.

Bleistiftrock aus Wollgemisch, selbst konstruiert und genäht.

Tuch mit Entenmotiv: Gucci, vermutlich 70er Jahre. Seiden-Wollgemisch. Vintage/Second Hand Shop in Lissabon.

Leder-Handschuhe: Second Hand Shop 1070 Wien.

Das Tuch ist unglaublich schön. Ich glaube, so einen Treffer landet man einmal im Leben 🙂 Ich muss ja grundsätzlich alles besitzen, das einheimische/europäische Vögel zeigt, ich glaube, das Tuch hat all diese Jahre nur auf mich gewartet…

Gucci Vintage Tuch mit Entenmotiv
Die Tuchkante ist natürlich mit Handstich (unglaublich gleichmäßig!) rolliert.

Meine Vorliebe für elegante Handschuhe hat man ja schon in diesem Beitrag erleben dürfen… 🙂

Slow Fashion Second Hand Gucci Tuch

Die Handschuhe sind aus feinstem Leder und wurden noch nie zuvor getragen… Man merkt es ja sofort, wenn man Lederhandschuhe zum ersten Mal überstreift.

Gucchi Vintage Tuch aus einem Second Hand Shop in Lissabon
Mein erster Rock mit Schlitz

Unsere Kurzreise nach Lissabon war alles andere als eine Shopping-Reise geplant, und ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht, was uns bewogen hat, in das kleine Vintage-Geschäft hinein zuschauen. Es ist wirklich zauberhaft und wunderschön sortiert; die Besitzerin lieb, gesprächig, aber nicht aufdringlich. An dem Tag, als ich beschloss, das Tuch zu kaufen, machte sie extra für mich auf – der Laden hatte zu, da gerade Fotos für den neuen Webshop gemacht wurden. Die ersten Sachen sind schon online!

(Oh je, jetzt teile ich den Link, und irgendjemand kauft sicher sofort das tolle Seidentuch von Salvatore Ferragamo mit den drei Hirschen drauf, dabei hätte ich es so gern, aber ich habe doch schon ein schönes Tuch, und ich kann doch nicht alle Designer-Tücher mit Tiermotiven aufkaufen, oh, ich hoffe, es findet eine gute Besitzerin, aber wenn es ein paar Monate niemand kauft, vielleicht soll ich doch?…)

Vintage-Tuch, Bleistiftrock, Mohair-Pullover

Was haltet ihr von Second Hand Shops? Habt ihr da schon mal richtige Schätze entdeckt?

Wie wichtig ist der Begriff Slow Fashion für euch? Was bedeutet es für euch, setzt ihr es um und wie?

Shirt mit Eule und schmale Hose
Nähen

Warum eine 7/8 Hose eigentlich altmodisch und wunderbar weiblich ist

«Ich lieb‘ auch deiner Füße Paar,
Wenn sie in Gras und Blumen gehn;
In einem Bächlein sommerklar
Will ich sie wieder baden sehn!»

«Auf dem besonnten Kieselgrund
Stehn sie wahrhaftig wie ein Turm,
Obgleich der Knöchel zartes Rund
Bedroht ein kleiner Wellensturm!»

Gottfried Keller, Trauerweide

Also ich liebe, liebe die neue Modeerscheinung, die eigentlich gar nicht mehr so neu ist – verkürzte Hosen in der kalten Jahreshälfte, die knapp über dem Knöchel enden und so das zarteste Körperteil einer Frau entblößen, dem Winterwind zum Trotz.

Das ist so wunderbar altmodisch, so jung der Trend auch sein mag. Zusammen mit den lässigen Oversize-Oberteilen, die wir jetzt in den Zehnerjahren tragen, ergibt es eine Silhouette, die den Fokus von der Taille und Hüfte wegbringt und den Blick auf die schmalen weiblichen Fesseln lenkt.

Kommt uns die Intention nicht irgendwie bekannt vor? Hier zum Beispiel ein Empire-Kleid, Anfang 19. Jahrhundert:

Empire-Silhouette - eine tanzende Frau
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Empire_silhouette

Na gut, vielleicht habe ich zu weit hergeholt. An mir wirkt das Outfit eher androgyn, aber ich mag es 🙂

androgyn - verkürzte Hose und Eulenshirt

Schön weil unpraktisch?

Der Grund, warum ich diese coole Hose auf diese stylische Art und Weise diesen Winter sehr selten getragen habe ist simpel: es war grauslich und kalt. Es hat sich doch nichts verändert in all den Jahrhunderten der Modegeschichte – die Trends werden im vollen Ausmaß vor allem von jenen Bevölkerungsschichten mitgetragen, die keinen normierten langen Arbeitstag haben. Wie könnte man auch im Korsett Gras mähen? In der Rapper-Hose der Neunziger (mit Kreuznaht in der Kniegegend und tiefer) am Bau arbeiten? Mit nackten Knöcheln bei -8 auf die U-Bahn warten, die ab 22:00 nur alle 15 Minuten fährt?

Das T-Shirt mit Eulenaufdruck aus einem Jersey-Rest habe ich selbst konstruiert.
Wer errät als Erster, wo das Foto entstanden ist? :))

Das Outfit wirkt nicht, wenn man obenrum eine winddichte fix zugemachte Parka mit einer Haube und Kapuze obendrauf trägt. Wettertechnisch perfekt ausgerüstet, nur hat man das letzte Paar saubere Socken schon gestern anziehen müssen.

Die verkürzte Hose verlangt nach einem offenen Mantel, handschuhfreien Händen,  einer lässig in den Nacken geschobener Haube. Zumindest irgendwas davon.

Hier habe ich auf jegliche Oberbekleidung verzichtet, immerhin ist es ja schon März, zum Glück. Ich werde das Outfit nun genau so richtig oft tragen, auch wenn die Hose nicht (mehr) richtig sitzt. Dazu gleich mehr.

Verkürzte Hose, Eulenshirt, kurzer Blazer

Schnittmuster

Hose: Burda 2/2016, auch hier gezeigt.

Eulenshirt: Weites Shirt mit angeschnittenen kurzen Ärmeln, selbst konstruiert.

Das Shirt ist genäht aus einem Viskosejersey-Rest, kaum größer als 60 cm. Daher ist auch das Halsbündchen aus einem anderen Jersey zugeschnitten.

Ja, ich weiß. Die Hose passt nicht richtig. Viel Mehrweite vorne. Sie hat mal perfekt gepasst, ich kann es selbst kaum glauben. Hatte keine einzige Falte vorne – bei der ersten Anprobe habe ich fast gejubelt.

Meine Taillen- und Hüftmaße sind leider sehr volatil und reagieren auf jegliche Gewichtszu- und Abnahme. Ich werde einfach wieder mehr essen und mir weniger Sorgen machen und dann passt die Hose schon wieder. Ich würde nämlich nur ungern eine neue nähen – das war das erste Projekt, bei dem ich Stunden getrackt habe und bin auf insgesamt 30 gekommen. Bumm, bin ich langsam!

Hose - Schnitt von Burda, T-Shirt - selbst konstruiert

Dieses Lieblingsoutfit von mir darf am heutigen MeMadeMittwoch teilnehmen – dort zeigt Wiebke ihr Frühlingskleid in Herbstfarben… Und auf die Kreationen von allen anderen freue ich mich auch schon sehr!

 

Handschuhe babyblau, himmelblau
Nähen

Das i-Tüpfelchen: Handschuhe in Babyblau

Und weil es so viel Spaß macht, mache ich heute wieder mal beim Memademittwoch mit, erstmals mit einem richtigen Frühlingsoutfit!

Darf ich vorstellen:

  • Bluse aus Baumwollstretch, nach diesem Schnittmuster von Burda.
  • Bleistiftrock aus stretchigem Wollstoff, selbst konstruiert.
  • Und – und: Handschuhe!! Ich habe selbst Handschuhe genäht!! Schnittmuster: natürlich Burda.

Outfit: babyblue suede gloves, pencil skirt

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich habe mir mein Leben lang ellbogenlange Handschuhe aus babyblauem Veloursleder gewünscht. Aber eines schönen Morgens vor einigen Wochen, als ich beim ersten Kaffee flüchtig die Nachrichten aus aller Welt durchscrollte, wusste ich: DIE brauche ich. Ein Sublimationswunsch, in Anbetracht dessen, was ich mir sonst in Bezug auf Weltgeschehen wünschen würde? Gut möglich.

Also raus aus dem Nachrichtenportal und rein in die Webshops.

Kaufen? Unmöglich!

Ich habe es auch offline versucht. 4 Geschäfte mit erstklassiger Beratung und ebensolchen Preisen. Nach etwa einer Woche wusste ich: selbst wenn es eine Möglichkeit gäbe, diese Handschuhe, genau so, wie ich sie vor meinem inneren Auge sehe, käuflich zu erwerben, würden sie mehr kosten, als jedes Outfit von mir, das sie komplettieren würden.

Und nach noch einer Woche kaufte ich diesen herrlichen 60er Jahre Mantel mit 7/8 Ärmel.

60ies blue coat and babyblue gloves
Retro-Oberbekleidung ohne Handschuhe tragen? Geht gar nicht!

Verkürzte Mantel- und Jackenärmel schreien nach Handschuhen, und Retro-Mäntel sowieso. Ich brauchte also passende Handschuhe – in meiner Welt existierten seit ein paar Tagen nur die. Himmelblaue ellbogenlange Handschuhe aus zartem Velourleder.

Also fasste ich mir ein Herz. Und kaufte 40 cm Veloursleder-Imitat im Wert von einem Cocktail oder zwei Tassen Kaffee beim Bäcker. Damit es nicht so weh tut, wenns doch nicht klappt.

Keine Angst, meistens klappt es doch

Als absolutes Anfänger-Projekt würde ich es nicht bezeichnen. Ich fand es witzig, dass mir ausgerechnet das Vorgänger-Projekt, die Bluse mit Manschetten, guten Dienst für die Handschuhe geleistet hat.

Daumen einsetzen ist nämlich ein ähnlicher Spaß wie Ärmel einsetzen, nur im Puppenformat. Und die Keile zwischen den Fingern sind ähnlich tricky zu nähen wie der Manschettenschlitz. Ich habe im Durchschnitt jede dritte Naht nachgebessert/neu genäht.

Das heißt, ich muss noch etwas üben bevor ich mich an echtes Leder wage, denn dieses kann nicht einfach so aufgetrennt und neu vernäht werden.

Kleiner Tipp für das Nähen von Handschuhen

Ich habe kleine Hände und dementsprechend die kleinste Größe genäht. Besser wäre es, eine halbe Größe raufzugehen, denn: Nahtzugabe 2mm!

Burda, are you kidding? Meine Nähmaschine und ich haben uns Mühe gegeben. Wir waren ehrlich bemüht… und so weiter, wie in einem schlechten Arbeitszeugnis 🙂

Während ich genäht habe, dachte ich aber nur, hoffentlich passen die Finger da rein!  – Nahtzugabe 5 bis 7 mm war das kleinste, was ich zustande gebracht habe. Ja, sie passen. Aber hier ist der Tipp für alle Nachmacher: die größere Größe nehmen und entspannen 🙂

Selbstgenähte Handschuhe

Noch ein paar Details

Der Rock hat einen Schlitz! Unbedingt notwendig, denn er läuft nach unten schmäler zu. Sehr große Schritte kann ich damit dennoch nicht machen, aber wer macht schon große Schritte, während man lange Handschuhe trägt!

Bleistiftrock mit Schlitz und Mantel im 60-er Jahre Stil

Die Bluse: Das ist ein Maiglöckchen-Druck! Meine Vorliebe für Flora und Fauna auf Stoffen blüht und gedeiht (hihi), und dieser Stoff war Liebe auf den ersten Blick! Die Bluse wird in den kommenden Monaten noch oft getragen werden…

Bluse Maiglöckchen himmelblaue Handschuhe

Ich kann das Schnittmuster für die Bluse übrigens uneingeschränkt empfehlen. An einem Tag genäht, ist die Bluse lässig und bequem wie ein T-Shirt, wirkt aber viel „angezogener“. Ich habe diese Bluse bereits zwei Mal genäht, und es folgen eventuell mehr. Den Querbalken am Rücken habe ich aber jedes Mal weggelassen, ein schöner großer Rückenausschnitt ist Blickfang genug, finde ich 🙂

Alles Liebe und viel Spaß beim MeMadeMittwoch am Weltfrauentag!

 

Vintage Kleid
Nähen

Vintage Vogue Kleid

Von vielen Nähkolleginnen weiß ich, dass sie den Sprung in die selbstgenähte Retro-Kleidung oft erstmals über die festliche Garderobe wagen. Vor allem die hyper-femininen Linien der 50er Jahre Schnitte sind wie geschaffen für einen glanzvollen Auftritt bei einem besonderen Anlass.

Im Alltag ist es etwas anderes… Wie wirkt ein Vintage-Kleid im Büro der Zehner Jahre? Fühlt es sich anders an, Excel, SAP & Co im Petticoat zu bedienen?

Ich wollte es herausfinden, seit meiner ersten Nähstunde. Nach meinen ersten drei Röcken, die allesamt ohne Abnäher, Futter und sonstigem technischen Firlefanz ausgekommen sind, fühlte ich mich endlich soweit und bestellte das Schnittmuster  Vogue Vintage 1084. Meine damalige Nählehrerin hat nur traurig gelacht… „Alles ist möglich, es wird nur lange dauern“, meinte sie. Ach, was sind schon fünf Monate auf dem Weg zu einem Traum!

Ja, so trage ich das Kleid im Alltag, das ist bei mir gleichbedeutend - im Büro )) Das geniale Jäckchen ist gekauft und braucht schon langsam seinen Ruhestand - nicht, bevor ich es nachgenäht habe!
Ja, so trage ich das Kleid im Alltag, das ist bei mir gleichbedeutend mit – im Büro )) Das geniale Jäckchen ist gekauft und möchte sich eigentlich schon in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden – doch zuerst muss ich es nachnähen! Drunter trage ich einen Petticoat – im Winter wärmt er ganz gut…

Die Ausführung

Davon habe ich zwei Monate nur mit Anpassungen verbracht… Leider, leider sind die Vogue-Schnitte wohl nicht ganz das Richtige für mich. Hätte ich drei Körbchengrößen mehr Oberweite, hätte das Kleid in der kleinsten Größe auf Anhieb perfekt gepasst…

Stoff: In der Beschreibung zum Schnittmuster steht „Taftseide, Dupionseide, leichte Stoffe“… Für mich musste es ein „Alltagsstoff“ sein, ganz klar. (Irgendwann… trage ich auch Seide im Alltag )) Vielleicht keine Taftseide). Also griff ich zum schweren dunkelgrünen Wollstoff vom Abverkaufsstand. Abverkauf, da ich noch so unerfahren und das Kleid ein richtiger Stofffresser war. 2,70 Meter habe ich gekauft und es ist nicht mal ein Fitzelchen übrig geblieben!

Vogue Vintage Kleid

Lessons Learned

Das Technische lasse ich hier mal beiseite 🙂 Seien wir uns ehrlich: das Kleid ist genäht von meiner Nählehrerin, nur eben mit meinen Händen. Ich nähte von Punkt A nach Punkt B, verklebte die Strecke von C nach D mit Vlieseline, trennte die Naht zwischen den Punkten E und F wieder auf… Was schade ist, denn ich werde mich wohl nie trauen, das Kleid noch einmal zu nähen, obwohl es von meinem heutigen Standpunkt aus gar nicht sooo schwierig wäre…

Alles zu seiner Zeit! Eigentlich bin ich jemand, der auf kleine Schritte setzt, einen Fuß nach dem anderen, sei es beim Nähen, Laufen, Tanzen… Hier war mein Wunsch stärker, als die Vernunft.

Dennoch möchte ich den schönen Bildern ein paar Überlegungen hinzufügen. Ich trage das Kleid seit mittlerweile fast zwei Jahren, und das oft und sehr, sehr gern. Zwei Nähte habe ich bereits flicken müssen (das sind natürlich die, die ich beim Nähen 2-3 Mal wieder aufgetrennt hatte!). Es fällt wunderschön, es ist weiblich, es hält warm im Winter, es passt zu mir.

Trotzdem: kommen wir zu den Lessons Learned – was könnte man besser machen?

Nur eine Kleinigkeit: Taillenweite

Die Schnittmuster der 50er zelebrieren die absolute Weiblichkeit. Die Betonung der Taille ist ein Markenzeichen – egal, ob bei eng anliegenden Wiggle-Kleidern oder bei Kleidern mit weit ausladenden schwingenden Röcken.

Das heißt – wenn ein dermaßen dicker und schwerer Stoff zu einem Vintage-Kleid verarbeitet wird, muss die Taille richtig fest sitzen. Der Bauch darf am Abend wieder raus und rein in die Jogging-Hose, versprochen.

Was hier gar nicht geht, sind großzügige Bequemlichkeitszugaben im Taillenbereich. Da der Stoff so dick und fest ist, macht er immer, was er will – in diesem Fall eine neue Taille.

Vintage Kleid von hinten

Und so habe ich statt 60 – 68 cm (je 4 cm könnte man noch auf jeder Seite wegnehmen). Kein Drama, ich weiß… Aber warum wertvolle „Schlankmacher-cm“ verschenken, noch dazu, wenn man, wie ich, nicht einmal 1,60 groß ist?

Die Länge!

Die wahren Vintage-Liebhaber unter euch werden es schon bemerkt haben: die Kleidlänge ist nicht authentisch! Bedeckt gerade mal so die Knie! Ein Kleid, das Diors New Look nachempfunden ist, endet wo? Genau – 30 cm über dem Boden! Egal, wie groß oder klein eine Frau ist.

Ja, pfff, hab ich mir damals gedacht. Ich bin nur 1,59 groß, für mich gilt das nicht. So eine Länge ist unvorteilhaft. Knielang passt immer.

Es passt in der Tat immer, aber es ist nicht in jedem Fall – optimal. Nach zwei Jahren Tragezeit und dieser Fotoserie sehe ich deutlich, dass die authentische Dior-Länge hier mehr für mich getan hätte.

Sehen wir genauer hin – die Taillennaht ist, wie es damals üblich war, um 1,5-2cm gesenkt. Das ist ein weiterer Trick, um die Dame schlanker erscheinen zu lassen. Die modernen Schnittmuster platzieren gerne exakt an der schmalsten Stelle einer Frau eine Raffung oder einfach nur die Rocknaht. Hier darf das Auge hingegen gerne auf der Taille verweilen und sogar ein wenig runter wandern, wo sich bereits eine sanfte weibliche Rundung Richtung Hüfte ankündigt. Erst dann kommen die üppigen Falten, die wohlbemerkt nur seitlich und hinten platziert sind, die vorderen Rockbahnen sind nur leicht ausgestellt. Ein Meisterstück, dieses Schnittmuster!

Vintage Kleid Taille

Sehr raffiniert, diese Taillenlinie – aber was macht sie mit dem Oberkörper? Richtig, sie verlängert ihn. Was passiert dabei mit den Beinen? Sie werden kürzer. Schrecklich, oder? Ein Kleid, das die Beine verkürzt?.. Nicht, wenn man sich an die „Originallänge“ hält!

Die Rocklänge muss deutlich länger als der Oberkörper (genau gesagt, die Länge zwischen Schulter und runtergesetzter Taille) sein. Dann ist alles wieder richtig und an seinem Platz: schlanke Taille, weibliche Hüften, schwingender Rock, schmale Fesseln (sie sind IMMER schmal, wenn man als Vergleichsobjekt den 2 Meter-Rock weiter oben hat!). Die Silhouette stimmt wieder – und sie ist im Zweifelsfall immer wichtiger, als die absolute Körpergröße.

Hmmm, vielleicht sollte ich das Kleid doch noch einmal nähen…

Die Details

Ich liebe diese Brosche, gerade in Verbindung mit dem hohen Halsausschnitt! Gekauft bei Etsy.
Ich liebe diese Brosche, gerade in Verbindung mit dem hohen Halsausschnitt! Gekauft bei Etsy.
Auch ein wenig Vintage: Schuhe von Poetic Licence.
Auch ein wenig Vintage: Schuhe von Poetic Licence.

Und weil mich einige bei meinem ersten Vintage-Outfit gefragt haben, welche Oberbekleidung ich im Winter dazu trage: ich habe derzeit eigentlich nur die tolle – not! schwarze Steppjacke, herrlich leicht und bequem, im tollen Schwarz, das mir so gar nicht steht 🙂

Das Tuch in Mint ist natürlich selbst gestrickt!
Das Tuch in Mint (ja, Mint! Sorry für die Überbelichtung, das Licht war blöd an dem Tag…Oder ich 🙂 ) ist natürlich selbst gestrickt! Dieses Outfit ist natürlich eher für +8° denn für -8° tauglich… Wurde diesen Winter daher noch nicht so oft ausgeführt.

Das ist mein längster Blogpost bisher, somit ist es höchste Zeit, mich zu verabschieden – ich wünsch euch viel Spaß beim Stöbern in den heutigen MeMadeMittwoch Kreationen!

blaues schmales Kleid
Nähen

Blattadern in Blau – ein elegantes Jerseykleid

Als ich den Jersey in der „Sale“-Auslage meines Lieblingsstoffgeschäfts gesehen habe, wusste ich: der ist für mich. 4 Euro pro Meter, rauchiges dunkles Blau, und das Blatt. Ein riesiges Blatt, ein Meter hoch und ein Meter breit, durchzogen von Adern. Eines der schönsten Stoffe, die ich je gesehen habe… Das musste ein Kleid werden.

Auch wusste ich – da wird gestückelt, bis nichts mehr übrig bleibt vom Blatt. So schön es auch ist – ich bin leider/gottseidank nicht ein Meter breit, und – wofür war der Stoff mit dem Riesen-Rapport eigentlich gedacht? Ich kann mir keine Vorhänge oder andere Heimtextilien aus Jersey vorstellen…

Also wurde das Blatt zerstört, es musste schließlich ein urbanes Kleid fürs Büro werden; die Adern sollten weiterhin die fragile Ästhetik der Anatomie zur Schau stellen, ohne sich auf die konkrete Natur zu beziehen.

Jersey Kleid

Die Ausführung

Ausgegangen bin ich vom Modell 3B der Burda Easy Herbst/Winter 2015. Da steht was vom figurnahen Schnitt, und Jersey-Kleider sind in meinem Kopf immer eng geschnitten.

Ähm… insgesamt waren es um die 12 cm, die ich rund um die Taille, und sicher so an die 6 cm im Brustbereich, die ich weggenommen habe. Nur die Ärmel samt den Armausschnitten habe ich lassen können, wie sie sind – Burda hat immer schön schmale Ärmel!

Das Blattstiel habe ich exakt in der Körpermitte platziert, die Ärmel habe ich stückeln müssen – natürlich habe ich wie immer zu wenig Stoff gekauft. Exakt ein metergroßes Blatt 🙂

Und so trage ich es momentan im Büro. Zugeknöpft im (Kauf-)Blaser.

Jersey-Kleid mit Blazer
Habe ich erst mal den Blazer an, bin ich plötzlich viel weniger entspannt ))

Ändern oder so lassen?

Alles in einem ist es ein schönes Kleid geworden, wenngleich es mich nicht so glücklich macht, wie ich es gehofft habe. Der Jersey hält warm und fühlt sich angenehm an, wird aber schnell elektrisch und klebt zwischen den Beinen, meh.

Ich habe es schon oft getragen, aber mich darin nie so richtig „wow“ gefühlt. Irgend etwas hat mich immer gestört, das ich nie genauer benennen konnte. Eine Erleuchtung hatte ich, als ich dieses Foto vom „Shooting im schmutzigen Schnee“ gesehen habe:

Jersey-Kleid: Passform
So schrecklich das Foto auch ist – hier kommen die gestückelten Ärmel gut zur Geltung!

Meh. Es ist mir immer noch – zu groß. Schräge Falten in meinem (Hohl-)Kreuz, Falten unter den Armen… Dadurch, dass das Kleid nicht mal am Popsch richtig anliegt, formt das Blattmuster komische Kurven, die der Figur nicht wirklich schmeicheln.

Ich könnte die Rückennaht noch verschmälern. Mehr als 2-3 cm werden aber wohl nicht drin sein, und die Seitennähte könnten sich arg nach hinten verziehen… Soll ich, soll ich nicht? Ich habe so viele schöne neue Stoffe, die auf die Verarbeitung warten, andererseits, um das Kleid, das mir wirklich gut steht, ist es auch irgendwie schade…

Ganz viele richtige „Wow“-Projekte hat wie immer der MeMadeMittwoch zu bieten – viel Spaß beim Stöbern und ich hole mir auch gleich ein paar neue Inspirationen!