Isabel Kraemers "westbourne" Pullover, gestrickt in Rowans "Felted Tweed" Garn.
Stricken

Wieder einmal Tweed in Violett – der „Westbourne“ Pullover

Bevor die Temperaturen weiter steigen und Wollprojekte für die nächsten Monate an Aktualität verlieren, möchte ich ein weiteres Strickprojekt vorstellen. Keine Sorge, meine lieben nähbegeisterten Leserinnen, ich habe auch noch einige Nähprojekte, die der Veröffentlichung harren! Aber die warmen Kleidungsstücke sind im Winter viel angenehmer zu fotografieren…

Isabel Kraemers

Keine neuen Garne und Stoffe in der Karenz!

War auf jeden Fall mein Vorsatz. Zum Einen, da ich im Vorhinein kaum wissen konnte, ob und wann ich wieder zum Nähen und Stricken kommen würde, und zum Anderen hatte ich endlich einen vernünftigen Grund für die Einschränkung. Gesteigerte Ausgaben bei verringertem Einkommen – wie schön, wenn man da aus Vorräten schöpfen kann und so regelmäßig neue schöne Kleidung quasi „kostenlos“ bekommt!

Nun liegen bereits zwei Drittel meiner Karenzzeit (ich weigere mich, es als Karenz“urlaub“ zu bezeichnen! Der härteste Job, den ich je gemacht habe…) hinter mir und der Plan ist… – eigentlich überhaupt nicht aufgegangen, aber ich bin dennoch sehr zufrieden mit mir.

Denn:

  • Ich habe etliche neue Sachen gestrickt und dementsprechend alte Wolle verbraucht. Bis auf zwei Reinfälle, die ich für den Buben in Größe 74 gestrickt habe und die etwa zwei Mal getragen wurden, trage ich die Sachen auch gerne und viel.
  • Ich nähe! Regelmäßig! Fast jeden Abend 20 bis 40 Minuten. Das ist nicht viel für so ein zeitfressendes Hobby, aber es kommt einiges an Zeit zusammen. Im Durchschnitt brauche ich etwa sechs Wochen für ein fertiges Projekt. Ich nehme mir allerdings nichts Komplexes vor und bleibe bei Blusen, Röcken und Kleidern. (Vielleicht nähe ich mir endlich einen Mantel, sobald ich ein Schulkind daheim habe… ) Somit sollten meine Vorräte eigentlich schrumpfen….

Aber – zu großen Teilen ist mein Plan auch nicht aufgegangen.

  • Ich bin so geizig! Das ist ja schon peinlich! Ich kaufe Wolle für einen Pullover für mich (ich bin doch so schlank und klein!) und dann reicht sie höchstens für meinen Sohn (für den ich, wie schon mal erwähnt, nicht stricke, denn zB. Banane lässt sich aus Wolle gar nicht rauswaschen!). Zum Glück sind die meisten Garnqualitäten aus meinen Vorräten noch erhältlich, somit kann ich das Problem umgehen. Den Höhepunkt stellt ein Cardigan dar, den ich in diesem Blog noch vorstellen werde. Für den hatte ich vier Knäuel aus meinem Vorrat zum Start und musste sieben (!) Knäuel nachkaufen… Das heißt, ich kaufe sehr wohl neue Wolle, und wie!
  • Auch wenn ich einen festen Vorsatz gefasst habe, keine Stoffe mehr zu kaufen, auf Reisen und vor Hochzeiten kann ich einfach nicht widerstehen. Beides war im ersten Babyjahr eigentlich auch nicht geplant… Zum Glück kann ich weder auf den Chef meines Mannes noch auf die Freunde meiner Freundinnen einen Einfluss nehmen. Wir wurden als Familie auf eine lange Dienstreise geschickt und zwei Freundinnen verlobten sich. Ist doch schön. Die Bilanz: 6 neue Seidenstoffe. Zumindest nehmen sie wenig Platz ein….

Isabel Kraemers

Nur drei Knäuel nachgekauft

Der „Westbourne“ Pullover von Isabell Kraemer ist natürlich auch so ein Nachkauf-Projekt, trotz der 3/4 Ärmel. Gestartet mit vier Knäuel der Rowan Felted Tweed Wolle und drei Knäuel habe ich nachgekauft.

Das ist ganz offiziell mein erster Pullover, der so lang geworden bin, wie ich es mir wünsche. Sonst hatte ich nie die Ausdauer dazu. Während ich diesen Pullover beendet habe, musste ich viel Willenskraft aufbringen und das Bild in meinem Kopf von einem knie- oder gar wadenlangen Teil immer wieder ausblenden. Geholfen hat mir dabei natürlich, dass ich die extra nachgekaufte Wolle nicht unangetastet lassen wollte. Sieh da – die Länge ist perfekt!

Die Anleitung

Einzelanleitungen sind im Vergleich zu Strick-Zeitschriften, die es mittlerweile wie Sand am Meer gibt, nicht ganz günstig. Zumal ein Pullover-Modell in aller Regel nur einmal gestrickt wird, während Schnittmuster von den meisten Näherinnen (und von mir ganz besonders!) gerne reproduziert werden. Vielleicht ticke ich da als Näherin sowieso anders, aber diese Anleitung ist nicht nur ihr Geld wert, sie hat für mich auch das Zeug für eine Massenproduktion im Rahmen meines Kleiderschranks.

Die Anleitung ist sehr verständlich und einfach zu befolgen, selbst für mich als Gelegenheits-Strickerin. Trotz der kleinen Nadelstärke (3,5) geht es sehr flott voran, insbesondere nach den Armausschnitten, wenn es einfach in Runden glatt rechts weitergeht.

Isabel Kraemers "westbourne" Pullover, gestrickt in Rowans "Felted Tweed" Garn.
Hier sieht man die „falsche“ Seitennaht, sie ist nur dazu da, um den Streifenbeginn zu verstecken, der sonst leicht versetzt wäre. Der Pullover ist in Runden gestrickt.

In der Anleitung werden zwei Varianten des Pullis vorgestellt. Die „Tag“-Version hat dunkle Streifen auf hellem Untergrund und lange Ärmel, die ebenfalls gestreift sind. Die „Nacht“-Version hat helle Streifen auf dunklem Untergrund und einfärbige 3/4 Ärmel. Wie man sieht, habe ich mich ziemlich genau an die Nacht-Version gehalten. Ich habe nur die Ärmel um 3 cm verlängert und zwei Streifen auf linkem Ärmel eingefügt.

Varianten

Der Pullover ist leicht tailliert – auch da habe ich mich exakt an die Anleitung gehalten. Vor allem, da ich ein längeres Modell wollte. Ich kann mir aber auch vorstellen, eine cropped-Version des Pullovers zu machen: Für die kurze Version würde ich eine oder zwei Größen raufgehen und statt den Abnahmen für die Taillierung Zunahme-Runden einfügen.

Für mein nächstes Projekt mit dieser Anleitung plane ich einen langen (länger als dieses Modell, falls die Wolle reicht) weißen Pullover eine Größe größer, also S statt XS. Denn der violette Pullover hat eine beinahe zu gute Passform in Anbetracht des aktuellen Oversize-Trends.

Isabel Kraemers "westbourne" Pullover, gestrickt in Rowans "Felted Tweed" Garn.

Das gesamte Outfit

Mantel: Mango

Pullover: Isabell Kraemer „Westbourne“, die Nachtversion, gestrickt mit Rowans „Felted Tweed“ Garn in Farben Amethyst und Gelb, das wohl vom Markt genommen wurde.

Jeans: Patrizia Pepe

Schuhe: Pier One

Isabel Kraemers "westbourne" Pullover, gestrickt in Rowans "Felted Tweed" Garn. Das Gesamtoutfit

Liebe Grüße und bis zum nächsten Mal mit einem Nähprojekt!

 

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere
Stricken

Eine Babydecke aus Kaschmir

Eineinhalb Jahre war es hier still auf dem Blog. Ich habe weiter genäht und gestrickt, mal mehr, mal weniger, auch neue Sachen getragen (eher weniger) und in erster Linie ein Baby bekommen, das seit ein paar Wochen kein Baby mehr ist. Als ich diesen Beitrag schreibe, geht es mir bereits miserabel, aber ich weiß es noch nicht, dass ich schwanger bin. Hier trage ich bereits mit Stolz meine erste Schwangerschaftshose und fühle mich genau so mies wie ich auf den Fotos aussehe 🙂

Dadurch, dass die Schwangerschaft keine einfache war, habe ich wenigstens keine Babykleidung genäht. Ich habe natürlich ein paar Bücher dazu gekauft, aber unangetastet wieder verkauft. Als ich in den ersten drei Lebensmonaten meines Babys beobachtet habe, wie er aus der Größe 50, Größe 56, Größe 62 anschließend in die Größe 68 wechselt, hatte ich nur eine Frage: Wie??? Wie kommt jemand auf die Idee, Babykleidung selbst zu produzieren?

Nun ist er offiziell ein Kleinkind und wird Größe 86 voraussichtlich ein Jahr lang tragen, und ich bin dennoch weit davon entfernt, meine spärliche Nähzeit für seine Sachen zu verwenden. Erde, Sand, Matsch, Grasflecken, Beeren, Spinat und Tomaten (einmal in frisch, einmal vorverdaut), Spucke, Spucke, Spucke ohne Ende und hin und wieder eine ausgelaufene Windel sind alles Dinge, die im Stundentakt auf seiner Kleidung landen. Es ist ja alles kein Problem, wenn man eine große Waschmaschine hat, aber extra dafür nähen…

Ich bleibe bei meiner Seide und dies bleibt ein Erwachsenenblog.

Eine rosa Babydecke für meinen Sohn

Ein paar Babysachen habe ich in der Schwangerschaft aber doch gestrickt. Das gehört irgendwie zur Vorfreude dazu – außerdem musste ich teilweise ganze Tage auf der Couch verbringen.

Dass mein Baby eine Kaschmirdecke bekommt, wusste ich bereits, bevor es sich auf den Weg gemacht hat. Ich wusste, dass es auf jeden Fall dieses Modell werden würde. Ich wünschte mir ein zartes Rosa für den Fall, dass ich ein Mädchen bekommen würde, und wenn es ein Bub wäre… Dann würde ich mich spontan entscheiden.

Also habe ich viele lange Wochen abgewartet, bevor ich das Wollgeschäft meines Vertrauens wegen der Decke aufgesucht habe. Ich war sehr glücklich – ich hätte das nie zugegeben, bevor ich das Geschlecht offiziell erfahren habe, aber ich wollte schon immer einen Sohn haben. Ich habe mir viel Zeit für die Auswahl des richtigen Farbtons gelassen und mich schließlich für ein zartes Rosa entschieden.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere

Ihm würde es doch egal sein. Hauptsache warm und weich. Buben- und Männersachen hat er später mehr als genug. Und ich bekomme beide Träume erfüllt – ich bekomme einen Sohn und eine rosa Babydecke.

Immer wieder Cardiff Cashmere

Dazu muss ich sagen, das Cardiff Cashmere Small Garn, das man für diese Decke braucht, hat zwei rosa Töne. Das Giulietta geht in Richtung Fuchsia und ist für mich zu intensiv, hätte ich auch für ein Babymädchen nicht genommen. Zen ist hingegen ein perfektes gedämpftes helles Beige-Rosa – ein Volltreffer für meinen Kleiderschrank! Und eine sehr schöne Babyfarbe.

Die Decke wurde natürlich rechtzeitig fertig (zugegeben, kein kleines schnelles Projekt, aber den Witz „Dein zweites Kind wird sich freuen!“ konnte ich irgenwann auch nicht mehr hören) und war täglich bei allen Schläfchen Tag und Nacht in Verwendung, ob im Bett oder im Kinderwagen. Ab seinem zweiten Lebenstag und bis er das Rotieren um die eigene Achse perfektioniert hat.

6 Tage altes Baby unter der selbstgestrickten Babydecke
6 Tage alt. Und das Jäckchen ist auch von mir gestrickt

Die Decke sieht aus wie neu. Als ich eingesehen habe, dass er sie in der Nacht nicht mehr braucht bzw. nicht mehr sachgemäß verwenden kann (es gibt Nächte, da rotiert er gemeinsam mit dem Minutenzeiger unserer großen Uhr im Schlafzimmer und wenn ich die Augen nicht aufmache, kann ich nur raten, ob es sein Kopf, sein Knie oder sein Fuß ist, der sich in meinen Oberschenkel drückt), habe ich sie zum ersten Mal mit einem Kaschmirkamm bearbeitet.

Den großen Kaschmirschal von meinem Mann, den wir vor ein paar Jahren um 79,90 gekauft haben – kein guter Preis für echten Kaschmir! – bearbeite ich damit mindestens drei Mal pro Saison. Nach zwei Mal Tragen sieht er schon wieder aus wie vorher. Und meine Güte! es ist ein Schal! Wie intensiv trägt man einen Schal, es ist doch keine Hose, kein Turnschuh! Einmal einwickeln, einmal auswickeln! Mass Market und edle Stoffe passt einfach nicht zusammen.

Bevor ich die Babydecke hatte, dachte ich, Kaschmir verhält sich nun mal so. Kaschmirwolle ist unglaublich weich und kuschelig und habe eben den Nachteil, dass sie besonders schnell Pillingknötchen bildet.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Nein, es geht auch anders. Ich habe das Gefühl, ich werde noch sehr lange Freude an dieser Decke haben. Und wie ich schon eingangs erwähnt habe, ist der Schal, äh, die Decke ein Volltreffer  für meinen Kleiderschrank.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Und was ist mit den Erinnerungen?

Wurde ich schon gefragt. Ob ich die Decke nicht lieber sicher verstauen möchte, mit all den Kostbarkeiten des Babyalters, das Armband aus dem Krankenhaus, der erste Body in Größe 50 (und er war immer noch zu groß!), die Ultraschallbilder, und die ersten komplett abgetragenen Krabbelschühchen.

Aber ja. Irgendwann. So habe ich doch die Erinnerungen auch bei mir. Ich weiß, wie ich ihn zum ersten Mal damit zugedeckt habe. Und so kommen neue Erinnerungen dazu. Vielleicht trage ich den Schal ja bei seiner ersten Weihnachtsaufführung in der Krippe, wer weiß. Wenn ich ihn zu seinem ersten Skikurs begleite. Oder…

Mal sehen. Jetzt ist es erst mal Zeit für den Frühling.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Das gesamte Outfit

Schal: Babydecke gestrickt nach einer Anleitung vom Wiener Wollcafe Laniato

Mantel: Mango

Hose: Tweedhose, die ich hier schon vorgestellt habe.

Babydecke rosa gearbeitet mit Cashmere Garn von Cardiff Cashmere. Getragen als Schal.

Liebe Grüße und hoffentlich bis bald!

Juli